Vicsystem versus myasics


Vor einigen Jahren habe ich schon mal mit Vicsystem trainiert. Mir gefiel die Abwechslung im Trainingsplan und das adaptive System, das sich der Leistungsfähigkeit anpasst – zumindest in der Theorie denn damals tat es das nicht so ganz… Der Grund war folgender: Das vorgegebene Trainingstempo entsprach der Leistung, die auf einer absolut flachen Strecke bei idealen Wetterverhältnissen gerade so erbracht werden konnte. Da aber nicht jeder eine flache Strecke vor der Haustür hat – zumindest ich nicht – musste ich immer langsamere Ergebnisse eintragen. Ergebnis: Der Plan fuhr das Tempo und die Prognose nach unten… Eine Mail an den Admin behob das Problem zumindest zeitweise, aber irgendwie blieb das Ganze etwas frustrierend.

Dann kamen ein paar gesundheitliche und wortwörtliche Baustellen dazwischen, die das Laufen zeitweise ziemlich einschränkten, so dass ich meine Mitgliedschaft erstmal nicht weiter verlängern wollte.

Sommer 2013 waren dann erstmal alle Baustellen zumindest vorläufig abgeschlossen, so dass ich das Projekt Schwarzwald-Marathon (Halbmarathon) endlich in Angriff nehmen konnte.

Auf irgendwelchen Pfaden kam ich zu myasics.com und legte mir dort ein Profil und einen Trainingsplan zu.

Man gibt einen Wettkampftermin und die gewünschte Distanz an und ein paar Infos zur momentanen Leistungsfähigkeit, z.B. in Form von Wettkampfergebnissen und kann im Prinzip sofort loslegen. Dann kann man noch wählen, ob man 3 oder 4 mal pro Woche trainieren möchte und eher moderat oder voll zur Sache gehen möchte. Je nachdem sind dann bei der prognostizierten Zielzeit ein paar Minuten oder Sekunden mehr drin.

Wenn man möchte, kann man sich auch gleich die passende App aufs Smartphone laden, die sowohl die Trainingsvorgaben anzeigt als auch gleich die Aufzeichnung erledigt – hab ich nicht gemacht, mein Samsung SII ist mir zu unzuverlässig. Da lieber die gute alte Garmin. Die App ist aber kostenlos und hat ziemlich gute Bewertungen bekommen.

myasics bietet ein vollwertiges Trainingstagebuch samt Schuhkilometer-Erfassung, Wetter und persönlicher Befindlichkeit. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit wird man auch nicht mit Werbung  vollgemüllt und bekommt gute Tips und fundierte Trainingspläne.

Funktioniert es? Ja. Ich denke, wenn der Halbmarathon auf einer weniger profilierten Strecke gewesen wäre und ich an dem Tag in besserer Verfassung, wäre die prognostizierte Zielzeit recht gut hingekommen. Ja, ich weiß, das ist ein Haufen Konjunktiv. Trotzdem hat mich das Ergebnis überzeugt.

Nicht zu vergessen: Das Ganze kostet keinen Cent.

Warum jetzt doch die Rückkehr zu Vicsystem?

Vicsystem hat sich ziemlich weiterentwickelt. Man kann jetzt Höhenmeter angeben, die auf die Strecke sozusagen angerechnet werden. Eine Strecke mit vielen Höhenmetern aufwärts gilt als länger als eine flache Strecke, eine Strecke, die nur bergab führt und dadurch ein deutlich höheres Tempo ermöglicht, wenn es nicht vorher die Kniescheiben sprengt, gilt als kürzer. Das macht die Sache deutlich fairer.

Man kann nicht ganz so viele Details zum Training angeben wie bei myasics, aber die Schuhe werden jetzt endlich auch erfasst.

Hinzu kommt, dass Vicsystem in der Planung deutlich flexibler daher kommt. Im Prinzip kann man so oft trainieren, wie man möchte. Natürlich gibt es Warnhinweise, die ein Übertraining verhindern sollen, aber letztendlich hat man wesentlich mehr Freiheit. Es gibt auch jeden Tag die Möglichkeit entweder zusätzliche oder alternative Trainingseinheiten (Crosstraining) zu erfassen.

Vicsystem fordert an manchen Tagen auch Kraft- und Koordinationstraining sowie Laufschule und Steigerungsläufe. Die vorgegeschlagenen Übungen sind alte Klassiker und nicht sonderlich innovativ, aber auch hier hat man ja durchaus die Freiheit, das selbst anders zu gestalten. Die Aufwärmübungen finde ich persönlich fragwürdig, da sie für mich eigentlich nur im bereits aufgewärmten Zustand durchführbar sind. Insgesamt alles etwas Oldscool, aber ok.

Ein entscheidender Mehrwert gegenüber myasics ist die Möglichkeit, mehrere Wettkämpfe zu planen. Wenn man z.B. langfristig einen Halbmarathon plant und auf dem Weg dahin ein paar 5er oder 10er mitnehmen möchte, so ist das bei Vicsystem kein Problem. Das Training wird dann auch dementsprechend aufgebaut. Lediglich auf einer Hierarchie besteht das Programm: Man kann nur einen Hauptwettkampf eingeben, der Rest zählt dann als Vorbereitungswettkampf. Das ist aber mehr eine Sache des Details.

Bei myasics geht das leider nicht. Man kann nur einen Wettkampf angeben und Schluss. Der ganze Trainingsplan (meistens 3 Monate) richtet sich dann auf diesen einen Wettkampf hin aus. Dementsprechend „einseitig“ kommt dann auch der Trainingsplan daher. Bei den Langdistanzen (ab Halbmarathon) ist kein spezielles Tempotraining in Form von Intervallen oder Fahrtspiel vorgesehen. Das macht für mich persönlich das Training etwas öde. Dafür sind dann aber vor allem gegen Schluss die Longruns schon annähernd im Wettkampftempo vorgesehen. Ächz!

Wenn man nun aber z.B. auf einen 5er hin trainiert, fallen die Longruns weitgehend weg und das Training bringt nichts – zumindest nicht viel – für das Fernziel Halbmarathon.

Mein Fazit:

myasics ist eine tolle, fundierte und kostenlose online-Trainingsplanung, die meiner Meinung nach für Einsteiger hervorragend geeignet ist, oder auch für diejenigen, die gerne immer ähnliche Distanzen laufen.

Die Tempotrainingsgestaltung, v.a. in den Longruns birgt tendenziell Gefahr zur Überforderung.

Vicsystem hat sich im Vergleich zur Vorgängerversion stark verbessert und ist wesentlich flexibler und abwechslungsreicher in der Trainingsgestaltung. Es ist nicht ganz billig, aber aufs Jahr hin gesehen durchaus zu verschmerzen. Dafür stimmt auch der Support per mail.

Vicsystem ist wesentlich vorsichtiger in seinen Vorgaben als myasics, daher kann man sich bisweilen auch etwas unterfordert fühlen. Sollte das der Fall sein: neuen Testlauf machen und los!

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