Ich mag mein Fitness-Studio!


Man hört und liest ja immer wieder, wie unnötig so ein Studio ist. Schließlich lassen sich alle relevanten Muskelgruppen mindestens genauso gut, wenn nicht noch besser, gegen das eigene Körpergewicht trainieren. Das ist sogar viel effektiver, denn schließlich wird hier im Gegensatz zum Training an Maschinen auch ein Haufen Koordination gebraucht und mittrainiert. Außerdem ist es ein bisschen billiger als im Studio.

Das ist alles richtig. An Übungen mangelt es auch nicht. Aus diversen Lauf- und sonstigen Sportzeitschriften könnte ich mir ohne Mühe so viele verschiedene Übungen zusammenstellen, dass es mir bis zum  Ende meiner Tage nicht langweilig wird und für die Enkel auch noch was übrig bleibt.

Was die Mitmenschen und Autoren mit ihren gut gemeinten Ratschlägen aber in der Regel übersehen ist ein kleines entscheidendes Detail: Die Gewichte an den Geräten kann ich verstellen. Das ist mit dem eigenen Körpergewicht nur sehr begrenzt möglich. Mal eben 10 kg rauf oder runter – ist nicht drin. Langfristig ist beim Körpergewicht ja auch eher ein „runter“ anzustreben. Das steht aber ja dann dem Trainingsfortschritt im Weg. (Wer mir jetzt schreibt, dass letzteres Schwachsinn ist, der hat wie so viele den Fehler begangen, alle meine Äußerungen zu ernst zu nehmen.)

Ich habe mal spaßeshalber einen Liegestütz auf der Waage gemacht, um zu sehen, was da so an Gewicht auf die Arme kommt. Es sind etwa 2/3 des Körpergewichts. Das ist eine ordentliche Hausnummer. Wenn die Arme aber im Moment nun mal keine 40-50 kg stemmen können, dann ist da ein Trainingseffekt nur sehr eingeschränkt möglich. Das ständige Mit-dem-Gesicht-auf-den-Boden-Klatschen wirkt zusätzlich noch demotivierend.

Gehe ich ins Studio und setzte mich auf die Bankdrück-Maschine, dann bekomme ich in etwa eine Liegestütz-Bewegung für die Arme und die Brustmuskulatur, kann da aber erst mal klein anfangen und langsam steigern. Ja, natürlich, es ist kein Liegestütz, denn da sind noch viel mehr Muskeln v.a. im Bauch und Rücken beteiligt und das ist alles ganz toll. Aber was nützt es mir, wenn die Kraft fehlt, auch nur einen richtig auszuführen.

Hinzu kommt, dass man bei den Übungen ohne Geräte auch einen Haufen falsch machen kann, wenn man keinen Trainer hat, der einem zur Seite steht und korrigiert. Im besten Fall erreicht man nicht den optimalen Trainingseffekt. Im dümmsten Fall macht man sich was kaputt.

Manche empfinden das Training an den Geräten als stumpfsinnig. Für mich, die den ganzen Tag eigentlich denken muss, oder zumindest sollte, ist gerade das eine tolle Art, das Hirn abzuschalten. Und in den Pausen gibt es ja dann auch noch die anderen Leute, deren Unterhaltungswert man nicht unterschätzen sollte.

Da ist zum Beispiel F. Ein stets gut gelaunter passionierter Ausdauersportler und Pensionär, der immer für ein Schwätzchen oder den ein oder anderen Trainingstip zu haben ist.

Dann gibt es den Ringer, der vermutlich irgendwann mal platzt, weil er es gerne übertreibt. Der Ringer trainiert meist im hochgeschlossenen Trainingsanzug, damit der sich die Sauna sparen kann und gibt sich Saures. Spätestens nach 5 Minuten hat er eine knallrote Birne und hustet in Abständen ein halbes Päckchen Marlboros raus. Manchmal hat er auch einen Kumpel dabei, der so motivierende Äußerungen wie „Hol dir die Kraft, du Sau!“ von sich gibt. Wenn er’s mag…

Außerdem haben wir den Stöhner, der jede seiner Anstrengungen mit einem lauten „hrrrraaaa“ kommentiert. Er trägt gerne ein T-Shirt mit der Aufschrift „I‘ m the machine“. Vielleicht sollte man ihn mal ölen. Ansonsten ist er ein netter Typ.

Besondere Bewunderung habe ich für eine russische Oma, die mit eiserner Konsequenz ihre Trainingsrunde absolviert. Ihr Körper ist nicht athletisch, eher gemütlich. Aber sie kann ganz schön was an Gewichten bewältigen. Hut ab!

Zuletzt wäre da von den üblichen Verdächtigen noch der Asket,  der sich mit einem Hauch des Mysteriösen umgibt. Der Asket spricht nicht, lächelt nicht. Der Asket hüllt seinen ca. 0,5% – Körperfett – Body ausschließlich in Kompressionskleidung. Er verschwindet genau so schnell, wie er auftaucht. Ich habe den leisen Verdacht, dass er sich für ein Rennrad hält, denn er ist mir auch schon beim morgendlichen Lauf begegnet. Dabei läuft er aber nicht auf dem Bürgersteig, sondern ausschließlich auf der (stark befahrenen) Straße. Dass vom Asket kein Erkennungszeichen, geschweige denn ein Gruß zu erwarten ist, versteht sich von selbst. Er läuft in seiner eigenen Welt. Und das recht erfolgreich, wie man an den Ergebnislisten diverser Laufveranstaltungen sehen kann. Oh ja, der Asket hat tatsächlich einen Namen, wie ich von F. erfahren durfte.

Neben diesen ständigen Gästen gibt es auch noch diverse Damen unbestimmten Alters und unterschiedlichster Ambitionen. Während sich manche von ihnen in 2-stündigen Racing-Kursen oder bei der Zumba-Party richtig verausgaben, hört man von anderen eigentlich immer nur denselben Satz: „Ich glaube, heute gehe ich mal ausnahmsweise nur in die Sauna…“ Oh, es mag ja sein, dass sie genau an den Tagen, wo ich nicht da bin, wie die Irren trainieren. Die Figur spricht allerdings eher nicht dafür.

Richtig süß finde ich auch ein Paar, dass sich offenbar nach Feierabend direkt ins Studio begibt. Dort wird dann erst einmal gemütlich zusammen ein mitgebrachtes Vesper verzehrt, bevor man sich dann auf das Ergometer schwingt.

Und dann wäre da natürlich noch das Team. Lauter nette Leute, die meistens für einen blöden Spruch zu haben sind, oder auch mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.

Das alles sehe ich nicht, wenn ich im heimischen Wohnzimmer mit dem Gesicht auf die Trainingsmatte klatsche.

Einen weiteren wesentlichen Faktor darf man nicht außer Acht lassen: Doppelte Motivation.

1. Ich zahle einen nicht zu verachtenden Beitrag. Und damit der sich lohnt, sollte ich mindestens zwei Mal in der Woche meinen Hintern ins Studio bewegen.

2. Anhand der Geräte kann ich meine Trainingsfortschritte direkt sehen. Beim Milon-Zirkel sogar ganz detailliert und mit Computerauszug, was für einen Daten-Freak wie mich natürlich das Paradies ist.

Kurz möchte ich euch noch meine Lieblings-Geräte vorstellen. Da ist zunächst die Power-Plate, auf der man – ja, das ist jetzt inkonsequent, ich geb’s ja zu – vor allem Übungen mit dem eigenen Körpergewicht macht, während man sich auf einer vibrierenden Platte befindet. Die Power-Plate ersetzt das Aufwärmen und kann auch nach dem Training zum Dehnen und Massieren eingesetzt werden. Wadenmassage auf der Power-Plate ist schöööööön!

Der Milon-Zirkel verspricht: „Fit in 17min, super-fit in 34min.“ Der Milon-Zirkel ist eine gute Sache, wenn man nicht allzu viel Zeit hat, und schnell mal richtig ins Schwitzen kommen möchte. Anders als bei den traditionellen Geräten werden hier die Einstellungen (Sitzhöhe, Gewicht, etc.) elektronisch vorgenommen und auf einer Chipkarte gespeichert, die zudem auch die Trainingsdaten erfasst. Das spart schon mal einen Haufen Zeit. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um ein Zirkel-Training, bei dem es insgesamt 6 Kraft-, und 2 Cardio-Geräte (Crosstrainer und Ergometer) gibt. Im Gegensatz zu den üblichen Geräten bleibt das Trainingsgewicht nicht gleich, sondern erhöht sich beim Zurückbewegen. Dadurch wird das Training intensiver. Trainiert wird um eine hübsche Blubber-Säule. Während sie blubbert (1min) wird trainiert. Hört sie auf zu blubbern, ist Gerätewechsel (30sec). Nur beim Cardio bleibt man 4 min. an einem Gerät.

Die größten Muskelgruppen (Quadrizeps, Brust, Arme, oberer Rücken, unterer Rücken, Bauch, Beinbeuger) werden angesprochen und man fühlt sich danach recht gut verausgabt, denn das Gewicht sollte so eingestellt sein, dass man auch nicht länger als 1min durchhält.

Das ist natürlich alles recht starr und unflexibel, lässt aber nicht viel Zeit zum Nachdenken, ob man denn jetzt Lust auf ein bestimmtes Gerät hat und verhindert Ich-drück-mich-Pausen. Dadurch wird das Training recht effektiv und schweißtreibend.

In der Regel gehe ich danach trotzdem noch an die traditionellen Geräte, um da noch die Muskeln mitzunehmen, die beim Milon außen vor bleiben.

Ich denke, dass meine läuferische Leistung von diesem Krafttraining profitiert. Deutlich merke ich die Verbesserung beim Karate-Training, wo ich jetzt Muskeln anspannen kann, von denen ich vorher nicht mal wusste, dass ich sie habe. Und hier kriege ich dann auch die Koordination, die ich auf den böööösen Maschinen so sträflich vernachlässige.

Ich mag mein Studio. Und nach so einem Training noch bei einem leckeren Eiweißshake an der Theke abzuhängen und ein bisschen mit den Trainern oder anderen Gästen zu quatschen, ist eine schöne Sache.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Ich mag mein Fitness-Studio!

  1. Pingback: Laufen, Krafttraining und Abnehmen mit / trotz Hashimoto – ein Update | laufkater

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s