Laufend gärtnern – was Laufen und Gartenarbeit gemeinsam haben


Es ist Frühling, und plötzlich sieht man bunt gekleidete rennende, wahlweise auch wobbelnde oder schlurfende Gestalten, scharenweise die Straßen und Feldwege bevölkern.  Nahezu zeitgleich ertönt in der Nachbarschaft das lang vermisste Motorengeräusch der Heckenscheren, Freischneider und – bei den ganz Harten – Rasenmäher. Du siehst plötzlich wieder mehr von deinem Nachbarn, als du jemals wolltest, weil er, kaum klettern die Temperaturen etwas über 0, seinen biergestählten Körper im Schießer Feinripp beim Schwingen der Astschere präsentiert.

Es muss eine geheimnisvolle Verbindung zwischen beiden Phänomenen geben, und die möchte ich heute etwas näher beleuchten.

„Ja, klar!“ wird mancher jetzt sagen, „es ist halt wärmer und länger hell, da geht man lieber vor die Tür, also hör auf zu labern.“

Ich denke aber, dass die Verbindung zwischen Gärtnern und Laufen – zumindest für mich – etwas tiefer geht. Ich würde sogar sagen, dass Laufen und Gartenarbeit sich perfekt ergänzen.

Das habe ich jetzt gerade auch wieder beim Aufbau dieses unsäglichen Gewächshauses gemerkt. Wäre ich nicht so unglaublich entspannt durch das Laufen, hätte das furchtbar schief gehen können, aber das ist eine andere Geschichte. Wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu:

Gemeinsamkeiten zwischen Laufen und Gartenarbeit gibt es viele:

Zunächst mal nimmt man in beiden Fällen den Wechsel der Jahreszeiten viel intensiver wahr, als es andere Menschen tun. Ein Lauf durch den verschneiten Wald mit Knirschfaktor unter den Schuhen kann genau so toll sein wie der erste Lauf in Kurztight im Frühjahr. Der Extremtest des Camelbacks macht nur im wirklich heißen Sommer Sinn, und das raschelnde Laub unter den Füßen im Herbst hat auch was. Bei jedem Lauf bemerke ich Übergänge von einer Jahreszeit in die andere, sehe ich das erste Grün, genau so wie die ersten bunten Blätter, fühle den ersten Frost und die ersten Sonnenstrahlen.

Obwohl ich das ganze Jahr hindurch laufe, habe ich im Winter gartenfrei. Das ist auch ganz gut so, denn mit dem wenigen Tageslicht könnte ich beides ja gar nicht schaffen. Aber sobald – wie in diesem gigantischen Frühjahr – die ersten Schneeglöckchen und Alpenveilchen ihre Köpfe rausstrecken, werde ich ganz kribblig. Ok, das auf den Fotos sind keine Schneeglöckchen oder Alpenveilchen, die sind jetzt schon fast wieder um, aber Narzissen und Primeln sind doch auch ganz hübsch, oder?

Es blüht auch im Verborgenen…

Es blüht auch im Verborgenen…

Diese kleinen blauen Blümchen liebe ich besonders.

Diese kleinen blauen Blümchen liebe ich besonders.

Sowohl fürs Laufen als auch fürs Gärtnern muss man gerne draußen sein und gelegentlich auch mal dem Wetter trotzen können.

Das Fitness-Studio hilft mir für die Lauf-Form, lässt mich aber auch 60l-Säcke Erde bewältigen und Beete umgraben. Wer schon mal ein Beet umgehackt hat, oder einen Komposthaufen umgestochen, bzw. auf dem Beet ausgebracht hat, weiß, dass das ein Ganzkörper-Workout ist. Erst kürzlich habe ich mich im Studio gewundert, dass meine Muskeln so fertig sind, bis mir einfiel, dass ich am Tag zuvor ca. 15m2 Beet umgehackt hatte.

Ein Garten ab einer gewissen Größe ist ein vollwertiges Fitness-Programm. Ich spreche nicht von einem handtuchgroßen Vorgärtchen mit zwei Rosenbüschen und 3 mit der Nagelschere bearbeiteten Grashalmen, sondern von einem GARTEN. Nichts gegen die Vorgärtchen, da steckt häufig ein Haufen Liebe und viel Arbeit drin, manchmal mehr als in unserem riesigen Garten.

Und in vieler Hinsicht ergänzen sich der Garten und das Laufen perfekt:

Beim Laufen kann ich meinen vom vielen Bücken verbogenen Rücken wieder strecken, die Knie, die vom Rumrutschen im Beet etwas platt gedrückt sind, wieder durchbluten, und ich kann in die anderen Gärten schauen, was da schon so wächst und vielleicht ein paar Ideen klauen.

Auch ernährungstechnisch profitiert der laufende Gärtner. Gemüse ist schließlich wichtig. Wer schon mal Gemüse aus dem eigenen Garten gegessen hat, weiß, dass Supermarkt-Gemüse danach nur noch schmeckt wie schnittfestes Wasser. Ganz abgesehen davon weiß ich bei meinem Gemüse, womit ich gedüngt, und ob und womit ich gespritzt habe.

Während ich als Läufer ja eher leise unterwegs bin, kann ich beim Gärtnern mal so richtig herrlich Krach machen. Es geht nichts über das VRRRRRRRRUMMMM eines 4-Takt-Rasenmähers oder einer Motorsense. Wer schon mal eine Weile mit der Motorsense geschafft hat, weiß, dass auch hier die viel besungene „core-strength“ eine zentrale Rolle spielt. (Kleine Anmerkung am Rande: Die 4 Takter sind zwar schwer, aber mit Tragegurt wesentlich leichter zu handhaben, als diese Elektro-Teile, auf deren Werbung man grundsätzlich eine glückliche Frau mittleren Alters sieht – vermutlich ist sie nach ca. 10 Minuten nicht mehr ganz so glücklich wegen abfallender Arme)

Laufen und Gärtnern funktioniert nur, wenn man regelmäßig dran bleibt. Sonst hat man bald keine Freude mehr – weder am einen, noch am andern. Während der Garten im Unkraut versinkt, tut das der Körper in den Fettzellen. (Ok, das war jetzt etwas drastisch, aber egal.)

Und man bekommt den Kopf frei. Beim Laufen sowieso, aber auch Unkraut rupfen oder Beet umgraben, Rasenmähen oder Efeu schneiden kann unglaublich meditativ sein. Man muss nichts denken, und hinterher sieht man mit eigenen Augen, was man geschafft hat. Das tut so gut, gerade wenn man zum Geldverdienen einer Arbeit nachgeht, bei der man leider keine so deutlichen Fortschritte sieht.

Auch Regentage bekommen plötzlich ihren ganz eigenen Wert. Schließlich muss man da nicht gießen und der Garten blüht hinterher gleich doppelt so schön. Auch so ein Lauf im Regen – richtige Kleidung vorausgesetzt – kann enorm viel Spaß machen.

Und: Am Ende eines Garten-Tages oder eines Laufs ist und bleibt die heiße Dusche immer noch das Schönste!

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2 Kommentare zu “Laufend gärtnern – was Laufen und Gartenarbeit gemeinsam haben

  1. Schön beschrieben. Ich gärtnere mangels Grünfläche zwar nicht, kann es mir aber lebhaft vorstellen. Den Wechsel der Jahreszeiten nicht nur anhand der Helligkeit beim Weg zur Arbeit zu erahnen, ist etwas sehr schönes.

    Viel Spaß beim Gärtnern, ich pflege derweil meine Bäumchen mit der Nagelschere auf dem Balkon. .-)

    • Eigentlich dachte ich bei Deinem Blognamen, dass Du einen großen liebevoll gepflegten Garten hast. 🙂 Aber die Bäumchen auf dem Balkon freuen sich sicher über die exklusive Zuwendung.
      Es gibt ja auch immer mehr Gemüse und Obst, das sich in Kübeln auf dem Balkon ziehen lässt. Da kann man sich auch ausleben.

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