Das war der Freiburg-Marathon 2014 (der halbe)


FBII1320-20x30

Nachdem ich heute den ganzen Tag wirres Zeug geredet habe, versuche ich mich mal daran, nicht ganz so wirres Zeug zu schreiben. Der „Morgen danach“ stellt schon eine ganz besondere Herausforderung dar, wenn man um 6:30 zur Arbeit fahren muss (70km). Nun ja, aber ich hab’s ja so gewollt. Jammern gilt nicht!

Damit alle ergebnisinteressierten Leser hier gleich bedient sind: Meine Traumzeit von 2:30 habe ich nicht erreicht. Es wurden 2:39:08, aber ich bin sehr zufrieden, weil ich gleichmäßig durchlaufen konnte und so gut wie durchweg mit einem Lächeln. Die Stimmung an der Strecke war toll, und die Zuschauer gingen wirklich mit. Ich bin auch den ein oder anderen Schlenker gelaufen, um ein paar Kinder abzuklatschen, die von den verbissenen Bestzeitenjägern überhaupt nicht wahrgenommen wurden. Aber jetzt der Reihe nach: Am Tag zuvor war ich vermutlich eine echte Prüfung für meine bessere Hälfte, weil ich ständig um die Frage der perfekten Ausrüstung kreiste und so lange nicht ansprechbar war, bis die Tasche fix und fertig gepackt dastand. Außerdem wollte ich natürlich schön früh schlafen, um am nächsten Morgen zu unchristlicher Stunde (6:30) ins Auto zu sitzen.

Der Veranstalter hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass es zu verkehrstechnischen Engpässen kommen könnte, und da Freiburg schon zu normalen Zeiten keine gerade Autofahrer-freundliche Stadt ist, rechnete ich mit dem Schlimmsten. Ich fuhr durch fette aber hübsche Nebelsuppe und kam wunderbar an. Leider folgte ich in meiner Nervosität der Beschilderung für Messe-Zulieferer und kam daher auf der Rückseite der Halle raus. Da dort schon einige Autos parkten, stellte ich meins dazu, in der Annahme, dass alles andere schon voll sei. Ein freundlicher Ordner wies mich darauf hin, dass ich zur Startnummern-Ausgabe einmal um das ganze Gelände herumlaufen müsse. Ächz! Das tat ich dann also, vorbei an einem Paar besoffener Passanten, die morgens um kurz vor 8 auf dem Gehweg die Flaschen schwenkten. Hurra!

Auf der anderen Seite dann: Ein riesiger fast leerer Parkplatz. Ich wollte mich in den Hintern beißen, fand dann auf dem Rückweg von der Startnummern-Ausgabe allerdings eine offene Hintertür, durch die ich mich semi-legal auf den Parkplatz zurückschummeln konnte. Der Ordner war nett, und ließ mich dann mit Sporttasche ebenso semi-legal wieder zurück in die Halle. Danke!

In der Halle war ich dann erst mal etwas orientierungslos trotz Plan auf der Starter-Info. So nach und nach fand ich dann aber alles und kaufte mir auf der Expo erst mal eine weiße Kappe als Sonnenschutz, die mit dem freundlichen Aufdruck „Run Happy“ mein Motto für den Tag sein sollte. Dazu erstand ich einen Trinkgürtel mit größerer Tasche, um mein Blödphone sicher verstauen zu können.

Noch ist hier alles ruhig. Später gab's dann Maultaschen-Schlacht

Noch ist hier alles ruhig. Später gab’s dann Maultaschen-Schlacht

Es lockt das Ziel - nur leider bin ich noch gar nicht gestartet.

Es lockt das Ziel – nur leider bin ich noch gar nicht gestartet.

Die Umkleide war mit ein paar Bierbänken ausgestattet. Zweckmäßig und stilsicher… oder so. Ein Mann zog sich selbstvergessen in der Damen-Umkleide um, offenbar in keinster Weise von der durchweg weiblichen Belegschaft beeindruckt. Da der Typ aber derart versunken schien, machte ihn auch niemand darauf aufmerksam. Irgendwann marschierte dann noch ein Security-Mensch mittendurch. Das fand ich dann schon weniger toll. Kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung. Latscht rein, schaut sich um, latscht nach einiger Zeit wieder raus. Merkwürdig.

Die nächste große Herausforderung war dann die Kleiderabgabe. Sinnvoll war, dass sie nach Startnummern geordnet in 1000er-Schritten organisiert war. Problematisch war, dass die Reihenfolge nicht unbedingt intuitiv gehandhabt  wurde und dass die entsprechenden Schilder in Brusthöhe angebracht waren, also im allgemeinen Gewühl nur schwer zu sehen. Deshalb irrte ich eine Weile durch die Halle und quetschte mich durch eine Schlange nach der anderen. Als ich dann endlich an „meiner“ Schlange ankam, war nicht ersichtlich, wo diese eigentlich begann. Also stellte ich mich irgendwo hinten seitlich dazu. So was mache ich normalerweise nicht, aber ich wollte einfach diese Tasche nicht mehr durch die Leute schieben um dann wieder in der falschen Schlange zu landen. Ich möchte mich nochmals in aller Form dafür entschuldigen, dass ich dabei vielleicht jemanden verstimmt habe.

Dann ging’s los zum Start. Da latschte man eine Weile.

2014-04-06 11.07.21 2014-04-06 11.07.17

Außerdem musste man noch einen Straßengraben mit Brennesseln durchqueren, um in den Startbereich zu kommen. Das war irgendwie nicht ganz so der Hit. Vermutlich wäre es auch anders gegangen, hätte es rechtzeitig entsprechende Hinweisschilder gegeben. Die gab es leider nicht. Ja nun…

Ich startete im letzten Block, konnte mir also noch in aller Ruhe die anderen Läufer anschauen. Eine Gruppe Jungs in unterschiedlichsten Kostümen war besonders witzig. Es gab einen Cowboy, einen Indianer, einen Polizisten und einen Motorrad-Helden samt Helm. Keine Ahnung, wie der das durchgehalten hat.

Überhaupt war es schon am Start recht warm. Ich hätte auch auf die Armlinge verzichten können. So fädelte ich sie dann an meinen Gürtel. Aufgeräumt.

Bis auf die plärrenden zu lauten Boxen, war die Stimmung am Start gut, und es ging auch ohne großes Gedrängel vonstatten. Meine Forerunner hatte ein Signal (oh Wunder!) Ich hatte einen Puls (beruhigend!) und ich lief eine Weile hinter Chewbacca her. Die Macht war also mit mir. Fühlte sich gut an. Es muss übrigens der echte Chewbacca gewesen sein, denn kein Mensch hätte bei diesen Temperaturen in einem Ganzkörper-Fellkostüm so schnell laufen können.

Überhaupt war es ordentlich warm. Ich bekam schon nach den ersten Metern einen trockenen Mund, obwohl ich gut und reichlich getrunken hatte. In meinem Bauch schwappte es.

Hier kam mir zum ersten Mal bei diesem Lauf mein unfreiwilliges „Alternativ-Training“ während meiner zweiwöchigen Krankheitspause zugute, dass vor allem in der exzessiven Lektüre von Laufbüchern bestand. Einer der Ultraläufer schilderte genau dieses Problem: Du hast zwar ein Durstgefühl, merkst aber gleichzeitig, dass in deinem Magen das Wasser rumschwappt. Dann solltest du nicht noch mehr trinken, weil dein Körper Zeit braucht, das Wasser, das schon da ist, überhaupt aufzunehmen. Stimmte!

Die erste Wasserstation nach 2,5 km ließ ich daher aus, und das Schwappen hörte auf. Die Betreuung an der Strecke war wirklich top. Alle 2,5 km gab es Wasser, alle 5 km dazu noch Iso und Bananen.

Bei Km 10 fing ich an, die ersten Läufer „einzusammeln“. Für jemanden, der eher hinten mitläuft, ein gutes Gefühl. Was mich allerdings faszinierte, und wofür ich nach wie vor keine schlüssige Erklärung habe, waren einige Läufer, die eigentlich gar nicht schneller sein konnten, und es dennoch waren. Da waren übergewichtige kleine Herren und auch Damen, die mit einem Laufstil, bei dem jeder Orthopäde vermutlich schon lächelnd sein Bankkonto betrachtet hätte, einfach so in der Ferne verschwanden. Da waren natürlich auch andere, die bereits bei Km 3 sich mehr mit ihren Schultern als mit ihren Beinen vorwärtsrollten, und eine junge Dame, die es irgendwie schaffte, ständig nach innen zu knicken und trotzdem auf dem Vorfuß zu laufen. An denen schob ich mich langsam vorbei. Dennoch: Sie alle kämpfen, und das finde ich großartig! Denn auch wenn es vielleicht nach außen merkwürdig aussieht, steckt hinter jedem eine Geschichte. Und jeder hat Respekt verdient.

Km 11 lief ich für spasslaeufer, einen online-Freund aus dem meinsportplatz-Forum. Im Gegenzug lief er für mich Km 17 in Bonn. Er hat sich zielsicher den schönsten Streckenabschnitt rausgesucht, denn da ging es durchs Grüne und an der Dreisam lang. Ich war zu sehr mit laufen beschäftigt für Fotos. Außerdem war ich fasziniert von dem sprechenden Hinterteil vor mir. Das Hinterteil eines Herrn mittleren Alters gab mir alle paar Minuten die zurückgelegte Strecke und das Tempo durch. Das fand ich freundlich, aber nicht wirklich nötig, hatte ich doch meine treue Garmin. (Zur Erklärung: fraglicher Herr hatte sein Smartphone mit Runtastic in der Gesäßtasche untergebracht.) Was mich etwas nachdenklich stimmte, war jedoch, dass das Hinterteil seinem Besitzer fröhlich verkündete, er sei mit einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 178 unterwegs.

Ich bin Hochpulser. Meine anaerobe Schwelle liegt bei ca. 174. Ich bin aber auch noch ein paar Jährchen jünger als der Herr mit dem sprechenden Hintern. 178 wäre bei mir schon ziemlich roter Bereich. Ich möchte nicht wissen, was das bei besagtem Herrn wäre. Ich kann nur hoffen, dass der Läufer gesund im Ziel angekommen ist und dass Runtastic vielleicht auch Opfer von konkurrierenden Pulsgurt-Sendern wurde.

Die Freiburger Anwohner machten aus dem Marathon ein Volksfest. Viele feuerten nach Leibeskräften an. Andere richteten sich auf Bierbänken vor ihren Häusern ein und aßen genüsslich zu Mittag, nebst kühlem Bierchen, was ich irgendwie nicht ganz so nett fand. Die Bands waren klasse.

Bei Km 16 bekam ich aus heiterem Himmel Magenschmerzen. Zunächst fühlte ich leichte Panik, dann kam mir zum zweiten Mal mein 14-tägiger Lektüre-Ultra zugute. Dort hatte ich nämlich gelesen, dass Ultraläufer quasi ständig kleine Mengen an Nahrung zuführen, um den Magen beschäftigt zu halten, und somit Übelkeit und Krämpfen vorbeugen. Daraufhin warf ich eine andere Regel, nämlich dass man im Wettkampf nichts essen soll, was man nicht im Training schon probiert hat, über Bord und futterte ein Stückchen Banane an der nächsten Station. Kurze Zeit später waren die Schmerzen weg.

Allerdings fühlten sich die Kilometer so langsam immer länger an. Und ich fing an, leicht zu frösteln, obwohl mir eigentlich warm war. Ich muss mal rauskriegen, was das ist, denn daran erinnere ich mich auch noch von meinem ersten HM. Damals schob ich es allerdings auf die heftigen Schmerzen, unter denen ich aus anderen Gründen litt. Diesmal ging’s mir aber eigentlich großartig. Irgendein System hat da wohl keine Lust mehr.

Ein kleiner Stinkefinger der Strecke war dann der Lauf über die Brücke auf die Stühlinger Kirche zu. Eigentlich ein wunderbarer Anblick, nach 20 km aber plötzlich dem Aufstieg auf den Mount-Everest vergleichbar. Als Ausgleich durfte ich dann aber bergab ins Ziel rollen. Das fand ich wiederum nett.

Ich bekam eine Medaille (andere wohl später nicht mehr, wenn man Facebook glauben kann?) und dann ging’s in die Zielverpflegung. Trotz Trinken an jeder Station hatte ich höllischen Durst. Es gab Wasser, Apfelschorle und Bier, sowie Hefezopf und Joghurt. Das war echt ok für eine erste Sofortmaßnahme.

Die Duschen waren abenteuerlich in einem Zelt untergebracht. Das Wasser war auch nicht wirklich warm, aber es ist schon erstaunlich, wie wenig solche kleinen Dinge nach einem Lauf ins Gewicht fallen. Der Massage-Service war echt klasse und die kleine Wartezeit war zu verkraften.

Anschließend gab es Maultaschen. Die Schlange war zwar riesig, bewegte sich aber recht schnell. Nebenher lief die Siegerehrung für die Schülerstaffeln, aber ich musste mich auf für mich wichtigere Dinge (Nahrung!) konzentrieren.

Ach ja, die Staffeln. Ich will mich nicht wirklich beschweren, schließlich laufe ich in Tuttlingen auch in einer Staffel mit, aber es ist schon irgendwie nervig, wenn ständig Leute von hinten angeschossen kommen. Allerdings wurde ich nie gerempelt oder bedrängt, und nach einer Weile hatte ich mich dran gewöhnt. Ich habe mich nur gefragt, ob es nicht besser wäre, die Staffeln früher als später starten zu lassen, wo die „Kurzstreckler“ zwangsläufig von hinten durchs Feld geschossen kommen. Aber ich denke, dass der Organisator schon seine Gründe dafür hat.

Von den Halbmarathon-Meisterschaften bekam man als langsamer Läufer nicht wirklich was mit. Trotzdem natürlich ein gutes Gefühl, einen Teil der Strecke mit der Elite geteilt zu haben.

Die Strecke in Freiburg ist relativ flach, allerdings hält sie ein paar langezogene Anstiege und einen Teil Kopfsteinpflaster bereit. Rekordzeiten-verdächtig ist sie wohl eher nicht, aber wer einen Lauf in einer schönen Stadt mit guter Stimmung sucht, kann hier nichts falsch machen.

Schön war’s Freiburg! Bis nächstes Jahr!

 

Advertisements

6 Kommentare zu “Das war der Freiburg-Marathon 2014 (der halbe)

  1. Glückwunsch zum Finish, Zeiten sind Schall und Rauch – Hauptsache Spaß und das scheinst Du gehabt zu haben. Was einem alles bei so einem Lauf durch den Kopf geht, nicht wahr?

  2. Super! Herzlichen Glückwunsch zum gefinishten Halbmarathon in Freiburg! Ein Kollege von mir hat Euch übrigens in einer Band an der Strecke unterstützt 🙂

    • Die Bands waren super! Schade, dass man so schnell vorbei war. Als ich in den Zielkanal einbog, spielte eine: „Schieb den Wal zurück ins Meer“ von den Hosen. Keine Ahnung, wie das jetzt gemeint war… 😀

  3. Pingback: Ein Jahr Laufkater – Rückblick, Ausblick und Dank! | laufkater

  4. Pingback: Stürmische Zeiten – der 12. Freiburg Marathon 2015 | laufkater

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s