Sonnen- und Schattenseiten – Laufforen


Grundsätzlich sind Foren, in denen man sich über gemeinsame Interessen austauschen kann, eine großartige Sache. Foren haben mir schon in vielen Lebenssituationen echt weitergeholfen. Durch die quasi-Anonymität, kann man dort auch Dinge ansprechen, über die man sonst vielleicht nicht so gerne redet.

Man kann auf einen unglaublichen Erfahrungsschatz zugreifen. Man lernt interessante Leute kennen, die man vielleicht auch später mal im richtigen Leben trifft. Manche Leute, die ich aus Foren, Blogs und Podcasts kenne (oder zu kennen glaube), scheinen mir so nah zu sein, als würden wir uns tatsächlich seit Jahren kennen. Und doch kennen wir voneinander nur den Teil, den wir jeweils online verkörpern und preisgeben.Gerade als Single-Läuferin, die ich nunmal bin, (also beim Laufen, sonst bin ich vergeben 😉 ) finde ich es schön, dass ich einen großen virtuellen Bekanntenkreis habe, der sich für meine Erlebnisse interessiert, und der mir auch mit Rat und Tat zu Seite steht. Naja, eher mit Rat, denn getroffen habe ich noch nie jemanden von ihnen. Obwohl unsere Bekanntschaft sich auf das Internet beschränkt, sind mit der virtuellen Realtität echte Emotionen verknüpft. Ich freue mich, wenn ich sehe, dass sich xyz von meinem Lieblings-Laufforum meinsportplatz.de eingeloggt hat. Das ist fast wie ein echtes Wiedersehen.

Ich fühle mich einsam, wenn ich keine Kommentare bekomme, ich freue mich, wenn ich sie bekomme. Ein kleiner Teil von mir „lebt“ im Netz, denn auch wenn ich gerade nicht online bin, sind meine Inhalte da, bekomme ich likes, gelegentlich Kommentare oder persönliche Nachrichten. Ich bekomme direkte Motivation von anderen Läufern, leide mit ihnen mit, wenn sie ein Ziel nicht erreicht haben oder verletzt sind, freue mich mit ihnen über ihre großen und kleinen Triumphe. Nicht zuletzt darum blogge ich ja auch.

Leider ist auf meinsportplatz nicht mehr so viel los, wie es zu wünschen wäre. Als die Seite startete, wartete sie vor allem mit einem einzigartigen Feature auf: Man konnte seine Laufstrecken online vermessen. Das war, bevor die GPS-Uhren und Smartphone-Apps so verbreitet waren. Mittlerweile ist das natürlich gar nicht mehr einzigartig, und ich nutze diese Funktion auch überhaupt nicht mehr. Aber ich habe dort meine ersten Blogs geschrieben, und schreibe dort auch immer noch, und ein paar von den Jungs und Mädels sind mir wirklich ans Herz gewachsen.

Leider wird die Seite mittlerweile immer mal wieder von irgendwelchen merkwürdigen Stromanbietern, Internet-Anbietern und Sportwetten-Heinis vermüllt. Das nervt gewaltig, und ich merke, das mir das irgendwie zusetzt. Das ist so, wie wenn jemand ständig Müll in unseren Vorgarten werfen würde.

Dabei ist das alles nicht real. Es sind nur Buchstaben auf dem Bildschirm. Trotzdem nervt es mich.

Und es nervt mich auch, dass sich in so vielen Foren selbstgerechte Besserwisser rumtreiben, die einen Beitrag überhaupt nicht genau lesen, um dann gleich ihre Meinung herauszublasen. So geschehen kürzlich in einem Forum, das ich nicht nennen möchte, um nicht die vielen netten Leute dort zu diskreditieren.

Ich postete eine Frage sowohl dort als auch auf meinsportplatz, in der Hoffnung, so mehr Antworten zu bekommen. Die Resultate will ich hier mal kurz vorführen.

 

Forum screenshot 1

Es kamen dann ein paar durchaus sinnvolle Antworten, nämlich, dass es sich vermutlich um Erschöpfung handelt, und einige berichteten, ähnliches erlebt zu haben. Und dann ging’s los:

 

Forum screenshot 2

Es hat niemanden interessiert a) wie schnell bzw. langsam ich unterwegs war, b) dass es nur 1 Gel war, und c) dass es wirklich ordentlich warm war. Natürlich habe ich nicht literweise Wasser in mich reingeleert, sondern die üblichen halben Becher voll, und das war wirklich nötig.

Der letzte Post war dann die Krönung:

Forum screenshot 3

Jo, klar kann ich bei meinem Tempo in kurzer Hose und Singlet laufen, auch bei 4 Grad. Super Idee!

Nicht genug angestrengt… vielen Dank auch!

Härter laufen finde ich auch großartig, denn ich war genau in dem Bereich – wollte aber niemand wissen.

Ich denke, wer den HM in 1:30 laufen kann, kann getrost auf Essen und evtl. auch auf Getränke – je nach Wetterlage – verzichten. Wer aber wie ich über 2 1/2 Stunden unterwegs ist, wäre dann ziemlich blöd. Auch der Notarzt, der beim Rennen anwesend war, und einige Läufer versorgen musste, meinte, dass es in einigen Fällen daran lag, dass Wasserstationen ausgelassen wurden.

Egal. Was ich hier eigentlich sagen will, ist, dass es mich nervt, dass Leute über andere urteilen, und dann ihr Halbwissen in die Welt posaunen. Diesmal habe ich es geschafft, mich zurück zu halten, und einfach nicht mehr zu antworten. Allerdings habe ich mich dabei ertappt, wie ich andauernd über gepfefferte Antworten nachgedacht habe. Es nagt in meinem Kopf, und es ist doch nur virtuell. Mehr als über diese Typen ärgere ich mich dann zuletzt über mich selbst.

Es fällt mir allerdings gerade in Sport- bzw. Laufforen zunehmend auf, dass irgendein harmloser Mensch eine völlig harmlose Frage stellt, dass  der Austausch zunächst auch völlig sachlich beginnt, und dann so nach ca. 5 Posts irgendwer auftaucht, der sich über irgendein Detail fürchterlich aufregt, und dann seine Meinung als die einzig wahre zu verkaufen sucht. Warum? Warum können wir die anderen nicht einfach so sein lassen, wie sie sind? Wenn ich zu einem Thema nichts weiß, dann bin ich ruhig. Wenn ich eine abweichende Meinung habe, tue ich sie vorsichtig kund. Grundsätzlich schreibe ich nichts, was ich einer Person nicht auch ins Gesicht sagen würde. Aber manchen Leuten scheint es zu gefallen, in Foren über andere rüberzubügeln, als wären sie nichts wert.

Versteht mich nicht falsch. Grundsätzlich ist gegen kritische Kommentare ja nichts zu sagen, und gerade das bereichert ja auch. Es ist diese unreflektierte Selbstgerechtigkeit, die mir aufstößt.

Loslassen, das Netz als das sehen, was es ist, ein virtueller Raum, in dem man, wie im echten Leben auch, gelegentlich auf unangenehme Zeitgenossen stößt. Fällt schwer. Warum nur?

Manchmal ist es blöd, dass man beim Laufen so viel nachdenken kann… 😉

So, und jetzt los! Zerfleischt mich mit kritischen Kommentaren! 😀

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12 Kommentare zu “Sonnen- und Schattenseiten – Laufforen

  1. Nein, ich werde dich nicht mit kritischen Kommentaren zerfleischen, nur das erzählen, was ich in dieser Hinsicht erfahren “ durfte „. Schon lange habe ich mich von Foren getrennt, nicht zuletzt aus den von dir genannten Gründen. Viele wissen alles besser, sind die geborenen Läufer und haben gleichzeitig 0 Ahnung.

    Stattdessen pflege und hege ich meinen Blog seit nunmehr fast sieben Jahren, finde viele Gleichgesinnte im Netz, den einen bin ich zugetan, wie im richtigen Leben, den anderen nicht, auch wie im richtigen Leben. Dort, wo ich ich mich zu Hause und verstanden und wohl fühle, da bleibe ich – das beruht meist auf Gegenseitigkeit. Man trifft sich im Netz, tauscht sich aus, nimmt Anteil, tröstet, hat nicht nur Spaß am Laufen, sondern auch bei der fast täglichen Kommunikation miteinander.

    Man lernt sich übers Bloggen kennen – ist überhaupt nicht überrascht, wenn dieser Mensch dir dann irgendwann real begegnet, weil du ihn schon kennst, und das Bild, das ich mir von ihm gemacht habe, bestätigt sich.

    Auch wir haben uns auf diesem Weg kennengelernt, wie sonst wären wir uns je – wenn auch nur virtuell – begegnet ??

    In diesem Sinne
    gehen wir es an ! 😎

  2. Nix Zerfleischen. Ich kenne das nur zu gut – mittlerweile nehm ichs nicht mehr so wichtig. Hat aber gebraucht. Es gibt zu viele Leute im Netz, die die Anonymität nutzen und Schwachsinn schreiben. Das Gute ist.. ich habe mit den Jahren viele, viele aus den Foren live getroffen und das ist auch gut so. Ich möchte die digitale Welt nicht missen.

  3. Was Du in Foren festgestellt hast, habe ich auch schon oft beobachtet. Die ersten Antworten sind noch beim Thema, und dann schweift der erste ab, der nächste usw. Deshalb finde ich Foren auch nicht so spannend. Wenn ich mal in welche reinschaue, höre ich dann auch meist mit lesen auf, es nervt einfach. Und mit vermeintlichen Ratschlägen muss man vorsichtig sein. Es muss nicht alles schlecht sein, kann aber. Daher gilt immer, den eigenen Kopf zu gebrauchen.
    Ansonsten finde ich aber auch, dass das Netz eine prima Möglichkeit ist, sich mit anderen auszutauschen, daher habe ich mich auch letztes Jahr zu einem Blog entschieden. Darüber habe ich schon einige sehr hilfreiche Tipps bekommen und virtuell nette Menschen kennengelernt.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Ich glaube mittlerweile auch, dass man mit Blogs eher seriös gemeinte Kommentare bekommt, schließlich ist es hier ja auch nicht mit dem Lesen von 1-2 Zeilen Forumseintrag getan, sondern braucht etwas mehr Mühe und Einfühlungsvermögen. Trotzdem sind die Foren gelegentlich natürlich sehr hilfreich. Man müsste einen „Deppenfilter“ einbauen.
      Wie dem auch sei: Schön, dich kennenzulernen. 🙂
      Viele Grüße, Christiane

  4. Hast du eigentlich auf die ursprüngliche Frage inzwischen eine sinnvolle Antwort bekommen? Ich habe das nämlich auch, aber nicht immer, sondern nur, wenn ich irgendwie am Limnit laufe (zu weit oder zu schnell).
    LG Dani

  5. Habe auf Anhieb dein Forum wieder erkannt. Diese absurden Kommentare kenne ich zu genüge. Dieser @ bones ist ein ehemaliger Forumsmitarbeiter auch bekannt als @rono.
    In diesem Forum werden systematisch Neuuser gemobbt und zum Vergnügen einer Handvoll User vorgeführt.

    LG

    • Nun ja, mittlerweile schaue ich da so gut wie gar nicht mehr rein. Ich habe mal einen Facebook-Post gesehen, der das Foren-Phänomen ganz gut zusammenfasst:

      „Bei wie viel Grad Temperatur soll ich einen Marmorkuchen backen?“
      – „30 Minuten sollten reichen.“
      – „Wieso Marmorkuchen? Streuselkuchen schmeckt viel besser!“
      – „Ist Dir überhaupt klar, wie viele Tiere für Deinen Marmorkuchen qualvoll sterben mussten???“

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