Manchmal muss es Plan B sein – oder: mein erstes Läufchen mit den Hokas


Heute war das Wetter so richtig, ich meine RICHTIG scheußlich! Saukalt (4°C sind saukalt, wenn es vor kurzem noch T-Shirt-Wetter war), nass, windig, kurz: Bäh! Auf dem Programm: 15km. Ich bin ja bekennender Allwetter-Läufer, aber das machte mich nun wirklich gar nicht an. Hinzu kam, dass ich mich nicht so 100% gut fühlte. Beim Spaziergang mit dem Kater fror ich mir den A… ab. Außerdem war das nun wirklich kein Wetter für schöne neue Schuhe. Es wäre sowieso grob unvernünftig gewesen, die schönen neuen Schuhe gleich zu einer langen Strecke anzuziehen. Am Donnerstag hatte ich mir auf dem Laufband zumindest Gewissheit verschafft, dass ich a) drin laufen kann und b) nicht irgendwie seltsam rumeiere. Aber die Hokas sind keine Schuhe fürs Laufband. Ich bin auch nicht fürs Laufband. Der nächste kürzere Lauf wäre erst Dienstag. Viel zu lange Wartezeit, wenn man doch neue Schuhe hat, die raus wollen.

Wenn man jetzt – nur mal angenommen – eventuell den langen Lauf auf den Sonntag Abend verschieben würde, wo es ja laut Wetterbericht viel besser sein soll, dann wäre ja heute vielleicht ein kleines Ründchen mit den Hokas drin und danach ins kuschlige Studio, was für die Rumpfstabilität tun.

Das war die Geburtsstunde von Plan B.

Sieht aus wie Frühling, fühlt sich aber nicht so an.

Sieht aus wie Frühling, fühlt sich aber nicht so an.

Guter Plan, der Plan B. Ich packte mich also in ein langärmliges Funktionsunterhemd, eine Windstopper-Jacke, meine Thermo-Laufhose, die Glücks-Socken vom Schwarzwald-Marathon und natürlich die Hokas. Und es ging los.

Was mir als allererstes auffiel, ist, dass sich der Schuh nicht so fluffig anfühlt, wie man meinen könnte. Ich kann mich noch an meine ersten Asics Gel Nimbus erinnern, die einen hohen Kuschelfaktor hatten. Die Dämpfung ist nicht schwammig, eher straff und federnd. Beim Laufen bemerkte ich auf den ersten Metern auf dem Asphalt ein leichtes „Kleben“, so wie wenn man in verschüttete Limo reingestanden ist. Das gab sich aber nach kürzester Zeit.

Die Schnürsenkel mit ihrem Quick-Lace-System musste ich ein paar mal nachjustieren. Es sind aber auch meine ersten Schuhe damit, insofern fehlt mir noch jegliche Erfahrung.

Die Schuhe sind keine Leichtgewichte, jedoch wiegen sie eigentlich nicht mehr als ein herkömmlicher Dämpfungsschuh. Sie sind bei weitem nicht so schwer, wie ihr Aussehen vermuten lässt.

Aufgrund der hohen Sohle vermutet man zunächst Kippgefahr, vor allem, wenn man wie ich zu der Sorte Leute gehört, die es selbst mit Birkenstocks schaffen, umzuknicken. Ich versuchte, im Stehen auf die Außenkante zu kippen. Es ging nicht. Selbst nicht mit Druck. Nach innen kippen kann man. In die Richtung bin ich allerdings auch noch nie umgeknickt.

Die hohe Sohle fiel mir gar nicht weiter auf. Was mir auffiel war jedoch, dass sich die Laufbewegung irgendwie rollender anfühlte. Und was mir dann auffiel, erstaunte mich gewaltig. Ein Blick auf die Forerunner zeigte mir, dass ich ordentlich schnell unterwegs war (Für meine Verhältnisse) und sich der Puls trotzdem noch im regenerativen Bereich aufhielt.

Ich schob es zunächst auf die Anfangseuphorie und die Tatsache, dass es bergab gegangen war. Aber nach Abschluss der Runde hatte ich eine durchschnittliche Pace, die ca. 30 sec / km schneller war als mein üblicher Durchschnitt auf eben dieser Runde.

Ich werde das mal im Auge behalten, ob das jetzt einfach mal einer dieser Tage war, wo alles etwas anders ist, oder ob tatsächlich die Schuhe was damit zu tun haben könnten.

Ja, dieser Schuh war draußen!

Ja, dieser Schuh war draußen!

Ich lief sie über Stock, Stein und die ein oder andere matschige Stelle. Der Grip war gut, die Stabilität auch. Ich fühlte mich rundrum wohl. Mein Knie war leise.

Ich glaube, ich mag diese Schuhe!

Allerdings war es eine gute Entscheidung, sie nicht gleich für die Langdistanz zu tragen, denn irgendwas ist anders, woran sich meine Muskeln erst noch gewöhnen müssen. Ich fühle mich aufrechter und arbeite stärker mit der Körpermitte. Ich glaube, das ist ganz gut, könnte aber unvorbereitet doch zu Ermüdungserscheinungen führen. Auch im rechten Unterschenkel fühlte sich irgendwas ungewohnt an.

Ach ja, das mit dem kuschligen Studio war dann nicht so ganz der Fall. Wir waren zwar dort, aber es war auch drinnen nicht wirklich warm. Offenbar war die Heizung heruntergefahren worden, weil sie in den letzten Tagen auch nicht viel zu tun gehabt hatte. Also war Bewegung angesagt. Na gut…

Falls Interesse besteht, kann ich gerne mal was zu meinem dortigen Trainingsprogramm schreiben. Aber nicht heute. Jetzt mag ich schlafen. Und vom Laufen träumen.

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17 Kommentare zu “Manchmal muss es Plan B sein – oder: mein erstes Läufchen mit den Hokas

  1. Oh Hoka-Premiere, da freut sich der Fan in mir aber. Ich unterschreibe alles, was Du da bemerkt hast außer das Tempo. Der Nimbus hat bei mir vor vielen Jahren in den Laufanfängen zu argen Fußproblemen geführt, was letztendlich in einer OP mündete (was aber jetzt nicht ursächlich am Asics lag). Auf jeden Fall weiß ich den Unterschied zwischen solchen extrem gedämpften Schuhen und dem Hoka. Beim Hoka sackt der Vorfuß nicht ein – generell sackt der Fuß nicht so ein, wie man es vermuten kann. Und das trotz guter Dämpfung.

    Das Kleben hab ich auch;-)) stellt aber kein weiteres Problem dar und der Dealer erklärte mir damals, dass ich durch die andere Abrollbewegung erstmal im Oberschenkel Muskelkater haben werde, man muß wohl auch den Fuß etwas mehr anheben, was bei meiner Schlufferei nicht schadet.

    Viel Freude also noch mit meinen Lieblingsschuhen. :-))

  2. Danke für den Testbericht. Das liest sich interessant, evtl. könnte das auch ein Schuh für mich sein. Momentan ist der Nimbus mein innigster Freund.
    Liebe Grüße!
    Elke

    • Ja, den Nimbus hab ich auch geliebt. Irgendwie bin ich nur so langsam von Asics weggedriftet, nicht wegen Unzufriedenheit, sondern dem Drang folgend, was Neues auszuprobieren.
      Gib den Hokas mal ’ne Chance. Hast Du’s weit bis Bochum? Aber Rolli schickt sie ja auch per Post.

      Viele Grüße, Christiane

      • Bochum ist eine Autostunde weg. Aber evtl. komme ich beruflich mal wieder da vorbei (dann muss ich auch wieder die supergute Currywurst essen….)
        LG
        Elke

  3. Interessante erste Eindrücke von den Hokas, ich hätte sie auch als schaukelig und kippelig eingeschätzt.

    Wenn man mit denen wirklich schneller läuft, muß ich die unbedingt haben 😉

    Liebe Grüße
    Volker

    • Ich werd’s im Auge behalten mit dem Tempo und dann ehrlich berichten. Ich krieg schließlich kein Bestechungsgeld von denen. 😉
      Viele Grüße und viel Erfolg bei Deinem Nordsee-Projekt. Ist leider ein bisschen weit weg für mich…

  4. Wenn Plan A nicht greift hat das Alphabet noch 25 weitere Buchstaben oder wie ich meine neuen Schuhe unbedingt ausführen musste 🙂
    Ich kann auch nicht anders wenn neue Schuhe daheim auf mich warten. Dann wird gelaufen und probiert und alles andere ist egal.

  5. Interessant, das viele gut oder sehr gut mit diesen Schuhen klarkommen
    für mich ist das nichts
    schon nach dem ersten Anprobieren kam ich mir vor wie auf dem Schaukelpferd und habe sie sofort wieder ausgezogen und zurückgeschickt, sie sind mir zu riesig, mir fehlt der Kontakt zur Erde, es ergeht mir darauf wie auf einem Tragflügelboot.

    Aber – wie gesagt – viele finden Gefallen daran, auch bei meinem 12-Stunden-Lauf sah ich einige Läufer damit.

    Viel Freude damit ! 😎

    • Ich glaube, man liebt, oder man hasst sie. 🙂 Ich mag die leichten Modelle ja auch gern, aber für mich macht’s die Mischung. Weil ich mal 2 Jahre lang fast nur MBTs getragen hab, ist mir das Schaukelpferd-Feeling nicht so fremd und unangenehm. Seit Jahrzehnten laufende Ultrafüße sind da vermutlich kritischer. 😉

  6. meine hokaBondi (für alles, nicht nur straße, seit ende märz) mag ich auch seeeeeehr, sie kommen meinem operierten mittelfuß gut (sogar momentan ohne einlagen im test, auch der andere fuß jammert nicht) und sie sind innen viel tiefer als es von außen aussieht
    schnell bin ich leider damit noch nicht geworden aber völlig problemlos am traben außer daß ich desöfteren fast gestolpert wäre, das muß man halt wohl ein bischen abstellen, das ultraSchluffen 😉

  7. Pingback: SUV für die Füße – der Hoka Challenger ATR2 | laufkater

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