Gelangweilte Engel oder: Tempolauf mit Wetter


Heute ist so einer dieser Tage, an denen das Wetter wirklich total verrückt spielt. Natürlich war heute Tempodauerlauf angesagt, und ich glaube, dass zwei gelangweilte Engel auf ihrer Wolke saßen und sich ungefähr folgendes abspielte:

Engel 1: Mir ist öde. Komm, lass uns dieses Wesen hier ärgern, das gerade noch so schön schläft.

Engel 2: Ja, sie hat sich heute vorgenommen, tendeziell früh aufzustehen und den Tempolauf hinter sich zu bringen. Ich glaube, ich drehe mal das Wasser auf, so dass sie hört, dass es schüttet…

Engel 1: Super Idee!

Ich erwache zu Dauerregengeräusch. Da gibt es doch nicht Schöneres, als sich die Decke nochmal über den Kopf zu ziehen. Eine halbe Stunde später bin ich trotzdem wild entschlossen.  Temperaturcheck: 10°. Geplantes Outfit: Longtight, leichtes Unterhemd, Softshell-Jacke, Basecap. Ich krame die Sachen zusammen. Aber jetzt erst mal Frühstück!

Engel 1: Mist! Sie hat eine echt gute Ausrüstung für dieses Wetter und entgegen aller Wahrscheinlichkeit die Sachen auch noch aus den verschiedenen Kisten mit frischer Wäsche gefunden…  Mmmm…

Engel 2: Planänderung! Volle Sonne, sofort!

Ich beende mein Frühstück und stelle zu meiner Verblüffung fest, dass der Himmel strahlend blau ist. Lediglich der Wind ist heftig. Also krame ich statt der ursprünglich geplanten Klamotten eine Kurztight raus, ein leichtes Longsleeve und eine Windstopper-Weste.

Engel 1: Ha! Sie hat’s geschluckt! Kater-Ablenkungsmanöver starten!

Tomo umschnurrt und umgarnt mich, will gekuschelt werden, will spielen, lässt mich nicht zur Tür raus. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es ratsam ist, zuerst ein paar Besorgungen in der Stadt zu machen, und danach zu laufen. Denn hier haben manche Geschäfte Mittwoch nachmittags noch geschlosssen. Also ziehe ich einen Trainingsanzug über.

Engel 2: Vorsicht! Sie will das Fahrrad nehmen! Schnell! Dreh das Wasser auf.

Genervt setze ich mich ins Auto, gebe irgendwann den fruchtlosen Versuch auf, auf der Hauptstraße links abbiegen zu wollen, fahre mit der Kirche ums Dorf, komme schließlich wieder heim. Es schüttet.

Engel 1: Ja!!! Es klappt! Sie zieht sich wieder um. Jetzt hat sie eine Softshell-Jacke an, trotzdem noch die Kurztight und sieht aus wie ein Schiedsrichter! Hihi!

Engel2: Oh, mach, dass das Handy leer ist! Bitte!

Engel 1: Da brauch ich nichts machen, das blöde Ding nudelt sich von selber leer!

Das Blödphone, gestern abend noch frisch aufgeladen, ist aus. Hrrrrrrrrrghhhhhhh! Also noch mindestens eine Viertelstunde warten, damit die Minimalfunktionen funktionieren.

Engel 2: Wunderbar! Wiegen wir sie in Sicherheit.

Der Blick aus dem Fenster zeigt: Keine Veränderung. Regen, Wind. Also die GTX-Schuhe an, Blödphone geschnappt und endlich raus hier!

Engel 1: Jetzt dreh ich mal langsam den Hahn wieder ab… Warten wir noch ein bisschen, bis sie so weit weg ist von daheim, dass sie nicht mehr umkehren mag. So nach 2 1/2 km zeigen wir ihr dann das:

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Ich freue mich über den schönen Anblick, während ich systematisch gegrillt werde. Leider bin ich schon zu sehr warmgelaufen, als dass ich jetzt die Jacke noch gefahrlos aufmachen oder ausziehen könnte.

Engel 2: He, he, die ist aber noch ziemlich gut drauf! Geht ganz schön ab! Mach mal Wind an!

Engel 1: Gegenwind?

Engel 2: Was denn sonst! Und mach es die Sorte Wind, die immer von vorne kommt, egal in welche Richtung sie gerade läuft.

Engel 1: Ah, du meinst DEN Wind, der ihr auch immer beim Grillen den Rauch ins Gesicht bläst, egal auf welcher Seite sie steht?

Engel 2: Genau den! Aber mach ihn stark!

Zunächst freue ich mich über die Abkühlung durch den Wind. Dann jedoch muss ich meine Kappe festhalten. Außerdem geht es bergauf.

Engel 1: Mmm, Respekt! Sie zieht’s durch. Oh, Mist, ich hab gepennt! Jetzt hat sie ein paar Meter Rückenwind! Schnell abstellen!

Etwa 10 Minuten später…

Engel 1: Ha! Sie kommt zurück! Wind volle Kraft voraus!

Es ist nicht so einfach, im vollen Gegenwind einen Schlussspurt hinzulegen. Auch wenn man durch einen fantastischen Himmel abgelenkt wird.

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Engel 2: Ok, sie ist in der Auslaufphase. Wollen wir sie nass machen?

Engel 1: Mmm, och, nö, wir hatten unseren Spaß. Schalten wir das Wetter mal auf Autopilot und lassen sie für heute in Ruhe. Sonst gibt’s noch Ärger mit dem Chef…

 

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7 Kommentare zu “Gelangweilte Engel oder: Tempolauf mit Wetter

  1. LACH – den Wind-der-immer-von-vorne-kommt kenne ich auch allzugut. Aber ist es nicht ein klasse Gefühl, wenn man trotz allem seine Runde gelaufen ist…?
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Hihi… die habens aber wirklich gut mit Dir gemeint. Ich meine, so ein Läuferinnenkleiderschrank, der muss ja mal von links nach rechts gedreht werden. Schön geschrieben.

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