Ein geklautes Läufchen


Ich kam heute Mittag nach Hause, öffnete die Tür, und da standen sie im Windfang und strahlten mich an. Mindestens so wie die Katzen, die auf ihr Mittagessen warteten.

„Wir wollen raus!“ sagten sie. „Nimm uns mit zum Schluchseelauf! Nimm uns! Nimm uns!“

Ich antwortete ihnen: „Das würde ich gerne, aber das wäre doch keine gute Idee mit bisher so wenig gelaufenen Schuhen gleich in einen längeren Wettkampf zu starten.“

Du liebe Zeit! Hier stehe ich und rede mit meinen Schuhen…Mental war es aber schon passiert.

Nach dem Mittagessen und dem obligatorischen Katzen-Spaziergang rückte ich zunächst mal dem Garten zu Leibe. Es regnete gerade mal nicht, war aber so bedeckt, dass ich den Boden im Gewächshaus beharken konnte, ohne zu verglühen. Nach ein oder zwei glücklichen Stündchen war ich trotz allem ziemlich verschwitzt. Runter mit dem nassen Zeug und duschen… da standen sie wieder. Erwartungsvoll. Mein Trainingsplan sagt, dass ich morgen nur 1-2 km gemütlich laufen soll. Mein Trainingsplan sagt, dass ich heute nicht laufen soll.… Ach, was soll’s! Was kann ich denn dafür, wenn das Wetter gerade so gut ist, im Wald ein wunderbar federnder Trail ruft und meine neuen Hokas brüllen.

Zack, rein in die Laufklamotten und raus aus der Tür!

„Wir lieben dich!“ rufen die Schuhe.

„Ich liebe euch auch!“ rufe ich – aber nur mental – zurück. Ich glaube, die Nachbarn könnten das ansonsten falsch auffassen.

Oh, ja, das rollt! Hügel runter, Hügel rauf… noch ein Hügel und:

2014-05-09 19.05.24

Man muss in der Mitte etwas genauer hinschauen, aber dann sieht man ihn, den Regenbogen ohne Regen. Ich werte das als Zeichen, dass ich für diesen Lauf den Segen von oben habe.

Auf dem Wald-Trail kann ich dann mal sehen, wieviel Trail in den Stinson Trail steckt. Ich bin phänomenal trittsicher und watze begeistert über Wurzeln und rauf und runter. Als ich schließlich an einer steilen Abwärtspassage stehe, die ich bisher nur gehend zurückgelegt habe, aus Angst, mich irgendwann selbst zu überholen und in Ganzkörper-Bodenkontakt zu kommen, lasse ich’s drauf ankommen. Das macht Spaß! Es lässt sich bergab rollen, ohne zuviel Energie fürs Bremsen aufbringen zu müssen, aber in keinem Moment ist die Kontrolle gefährdet. Tschuuuummmm!

Mit einem irren Grinsen sause ich auf der anderen Seite wieder nach oben, höre kurz auf die Stimme der Vernunft und meiner Pulsuhr, und zockele gemütlich nach Hause.

FAzit: Manchmal muss man sich einen Lauf klauen und auf seine Schuhe hören.

 

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10 Kommentare zu “Ein geklautes Läufchen

  1. Ja, du hast vollkommen Recht
    unsere Schuhe haben es sich verdient
    auch meine schreien oft vom Regal aus nach mir
    aber sie bekommen das
    was sie möchten
    denn ich möchte immer
    darum sind wir ein tolles Team !

    Viel Freude am Schluchsee !

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