Der erste Laufwettkampf – wie schafft man die Auszeichung „DNF“?


Böse Zungen behaupten, DNF hinter dem Namen stünde für „did not finish“. Also dafür, dass man ein Rennen vor der Ziellinie beendet hat durch z.B die Unfähigkeit, das Ziel zu finden, die Tatsache, dass man hinter der Absperrung jemanden trifft, den man jahrelang nicht gesehen hat und sich bis nach dem Zielschluss festquatscht, einen plötzlichen Anflug von Individualismus (Wieso soll ich dahin laufen, wo alle hinlaufen?) oder vieles mehr.

Man munkelt auch, dass manche Läufer das Ziel nicht erreichen, weil sie sich verletzen, umkippen, oder – bewahre – auf die Stimme der Vernunft hören, die ihnen sagt, dass es vielleicht keine so gute Idee war, einen Marathon bei 30°C im Schatten zu laufen, nachdem man die Nacht durchgemacht hat und an den Verpflegungsstellen nur Bier zu finden war. (Dass der delirierende und dehydrierte Läufer die Eckkneipe mit einem Verpflegungsstand verwechseln konnte, zeigt nur, dass es wirklich höchste Zeit war, das Rennen abzubrechen.)

Alles Quatsch! DNF steht für DER/DIE NEUE FLASH, in Anspielung auf den Superhelden Flash, der ja vor allem wegen seiner überirdischen Schnelligkeit bekannt ist.

 

Steht ein DNF hinter dem Namen eines Läufers, so ist damit also gemeint, dass der oder diejenige Läuferin einfach nicht von den Messinstrumenten erfasst werden konnte. Da Superhelden nunmal ihre Identität geheim halten, hat sich jemand die Legende von „Did not finish“ ausgedacht. Perfekte Tarnung eben!

Wie erreicht man nun also die höchste aller Auszeichnungen schon beim ersten Mal mit Sicherheit?

Hier ein paar Tips, die mit 99% Wahrscheinlichkeit hinhauen werden:

1. Die Wahl des ersten Wettkampfs

Du kannst 30 Minuten mehr oder weniger am Stück laufen? Großartig! Das qualifiziert dich automatisch für deinen ersten Laufwettkampf. „Wohlmeinende“ Menschen deiner Umgebung werden nun sagen, dass du dich vielleicht an einem Benefizlauf ohne Zeitmessung, oder aber maximal an 5 km heranwagen solltest. Diese Menschen haben nicht dein Wohlergehen im Sinne! Diese Menschen fürchten die Konkurrenz!

Achte bei der Wahl deines ersten Wettkampfs vor allem auf 3 Schlagwörter: Ultra, Trail und Alpin.

Warum?

Nun, Ultra ist generell besser, das weiß man ja nun schon aus der Spülmittel-Werbung. Alles, wo Ultra draufsteht, ist gut.

Trailrunning ist im Trend, und du willst ja wohl nicht als Trendverweigerer dastehen, oder? Außerdem ist Trailrunning nachweislich besser für die Gelenke als Straßenlauf und abgesehen davon gibt es so viel cooles Equipment dafür, dass man gar nicht weiß, wo anfangen.

Alpin ist klar: Höhe macht schnell. Das sieht man an den Kenianern und auch an den Profi-Sportlern, die immer wieder Höhentrainingscamps absolvieren. Damit es wirklich was bringt, solltest du schon so auf 2000 m Höhe kommen. Je höher desto besser.

2. Die Ausrüstung

Auf keinen Fall solltest du die Ausrüstung für deinen ersten Wettkampf im örtlichen Sporthandel oder Internet bestellen. Geh dahin, wo die Experten sind! Und wo findest du die? Ganz klar: Auf der Expo, die bei deinem Wettkampf im Startbereich aufgebaut ist. Hier hast du nicht nur alle coolen Firmen parat, sondern auch welche, von denen du vorher in deinem ganzen Leben noch nie gehört hast. Außerdem bist du von jeder Menge Gleichgesinnten umgeben, denen du Löcher in den Bauch fragen kannst. Und jeder Hersteller von Sportlernahrung wird sich freuen, dir die ein oder andere Gratisprobe zu überlassen, so dass du für deinen Wettkampf nichts mehr zu kaufen brauchst.

Was brauchst du nun also?

Zunächst ganz wichtig: Ein paar Trailschuhe (oder auch nicht…)

Hast du „Born to Run“ gelesen? Na klar hast du! Dann weißt du auch, dass die wirklich coolen und schnellen Jungs sich Sandalen aus alten Autoreifen basteln. Nun hat dich aber der Typ mit dem SUV vorhin so seltsam angesehen, als du mit deinem Schweizer Messer in der Nähe seines Fahrzeugs rumgestanden bist…  Schade, die Reifen waren klasse, aber nun, man kann beim ersten Wettkampf nicht alles haben.

Also ein Paar Schuhe. Ganz wichtig: Geh nach der Optik. Schließlich willst du bei deinem ersten Wettkampf gut aussehen! Wenn nun mehrere Paare zur Auswahl stehen sollten, entscheide dich für die geringste Dämpfung. Leicht ist gut! Machen die Profis auch so. Außerdem weißt du, dass der Schuh die natürliche Bewegung des Fußes nicht behindern sollte. Hör nicht auf den Typ, der dir mit besorgtem Blick lieber Schuhe mit etwas mehr Schutz und Dämpfung empfiehlt. Was meinst du, wie der schaut, wenn du mit 100g weniger an jedem Fuß an ihm vorbeizischst!

Damit deine Schuhe auch maximal gut aussehen, kaufst du dir auch ein Paar neue Socken. Nimm sie eine Nummer zu groß. Sie könnten ja noch einlaufen.

Ok, Funktionsklamotten hast du sicher schon. Hör nicht auf die Typen, die dir extra UV-Schutz-Shirts verkaufen wollen. Vitamin D ist wichtig. Und auch an den Klamotten für wechselnde Wetterbedingungen kannst du getrost vorbei gehen. Alles Geldmacherei. Wenn du läufst, ist dir eh warm. Als Mann kannst du sogar überlegen, ob du dein Shirt gleich ausziehst. Es gibt schließlich einen Grund dafür, dass die fitten Typen auf den Zeitschriften und Büchern meist mit freiem Oberkörper unterwegs sind. Geringerer Luftwiderstand! Und wieder Gewicht gespart. Und sollte es doch mal ein Schneefeld oder eine drastische Wetterveränderung geben, denke daran, wie unglaublich du auf den Fotos aussehen wirst, wenn du deinen Bald-fast-ein-Sixpack-Body vor einem Schneesturm präsentieren kannst.

Damit du jetzt aber auch richtig aussiehst wie ein Trailrunner, muss natürlich ein Trailrucksack her. Kaufe ihn optisch passend zu den Schuhen. Füll dann in die Trinkblase all die Pülverchen ein, die du vorhin als Gratisprobe bekommen hast. Das Zeug soll schnell machen. Mixe es mit RedBull statt mit Wasser. Kleine Dosen Koffein erhöhen nachweislich die Ausdauerleistungsfähigkeit. Du willst einen Ultra laufen. Also brauchst du große Dosen. Logisch, oder? Die restlichen Taschen füllst du mit den Gratis-Gels, Tuben und Bonbons. Je mehr desto besser.

Stöcke sind optional. Da du damit aber wunderbar unliebsame Konkurrenz ausschalten kannst, und dein Rucksack sowieso eine Stockhalterung hat, nimm sie ruhig mit.

Manche deiner Mitläufer haben eine Stirnlampe auf dem Kopf. Ja, gut, der Lauf kann in die Nacht gehen, aber sieht das nicht blöd aus? Die Taschenlampen-App von deinem Smartphone hat noch immer gereicht um das Schloss von der Haustüre zu finden. Passt.

3. Die Vorbereitung

Schau dir alles an Trainingsplänen an, was du so finden kannst, und dann nimm den Mittelwert. Trailrunner sind entspannte Leute. Nimm das alles nicht so ernst. Am besten trainierst du nur auf dem Laufband im Studio oder heimischen Keller. Umso großartiger und neuer wird die Erfahrung deines ersten Wettkampfs sein.

Die Vorbereitungszeit ist individuell sehr verschieden. Bei deiner Lauferfahrung  – immerhin läufst du schon einmal pro Woche 30 Minuten – sollten so 3-4 Wochen ausreichen. 4 x 30 min. macht 120 min. In dieser Zeit laufen viele Läufer einen Halbmarathon. Das ist schon fast ein Ultra. Und außerdem willst du ja nicht schon alle Kraft im Training aufbrauchen, oder?

Am Abend vor dem großen Rennen futterst du dich am besten einmal quer durchs Buffet. Schließlich brauchst du Kraft für den folgenden Tag. Probier besonders viele Dinge aus, die du sonst eher nicht isst, anderenfalls ist ja der Sinn des Auswärts-Essens total verfehlt. Verfahre gleichermaßen mit dem Frühstück vor dem Lauf.

Hol die Startunterlagen erst kurz vor dem Start ab. Schließlich möchtest du deine Nummer ja nicht schon vorher verknicken. Auf den Fotos soll sie ja gut leserlich sein.

Die Startnummer befestigst du – als Dame – am Shirt, als Bald-fast-ein-Sixpack-Body-Mann nimmst du sie zwischen die Zähne. Nasenatmung ist sowieso besser für dich.

Dann stellst du dich ganz vorne ins Startfeld. Da gibt’s die besten Fotos.

In diesem Sinne: Viel Erfolg!

 

(Und wer das jetzt ernst nimmt, dem kann ich auch nicht helfen… :D)

 

 

 

 

 

 

 

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8 Kommentare zu “Der erste Laufwettkampf – wie schafft man die Auszeichung „DNF“?

  1. Jetzt habe ich mir aber echt beim Lesen immer mehr Sorgen um Dich gemacht….
    Uff, sie hat doch nicht…?!
    Klasse geschrieben!
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Liebe Kranke,

    es ist wie im richtigen Leben
    zugegeben
    ein wenig überzogen
    aber nett überzogen
    dennoch durchaus real
    mit höchster Wahrscheinlichkeit
    sind schon sehr viele an ihrer Selbstüberschätzung zugrunde gegangen
    was sagt uns das ?
    ÜBUNG MACHT DEN MEISTER
    auch im Laufen
    ich weiß
    wovon ich spreche

    was Krank sein für Vorteile haben kann ! 😉

  3. öh … was genau hab ich jetzt hier nicht verstanden?
    genau so macht man’s doch, oder?
    nur — daß Du uns das verrätst ohne dafür geld als personalTrainer zu nehmen, DAS wundert mich jetzt ein bischen.
    da muß ich jetzt mal drüber nachdenken. hab ja zeit. bin zwar nicht krank aber trainieren muß ich nicht, training … wird meistens völlig überbewertet. einfach nach fettem frühstück losrasen aus der ersten reihe … unbezahlbar 😉

    • Genau, du hast’s kapiert! Na ja, wie bei jedem guten Deal ist die Erstberatung erstmal kostenlos, und wenn der Kunde dann geködert ist, wird die fette Kohle abgezogen… 😀

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