Hasen und Igel beim Gruppen-Dschungel-Lauf


15 km sollten es laut Plan heute werden. Naja, laut Plan eigentlich gestern, aber da mich mein IT-Band rechts immer noch plagte, und außerdem diverse Dinge zu tun waren und ich endlich mal wieder ins Fitness-Studio wollte, verlegte ich den Lauf auf Sonntag. Sonntags ist außerdem Lauftreff, und ich beschloss, mal wieder ein bisschen an meinen sozialen Kompetenzen zu arbeiten.

Ich bin eigentlich kein Herden-Läufer, so gar nicht. Aber manchmal finde ich es schade, wenn ich zu einem Lauf fahre, und dort kein einziges Gesicht ist, mit dem man sich unterhalten könnte. Und wenn es schon einen Lauftreff mit einem sehr netten und  kompetenten Leiter hier direkt vor der Haustür gibt, dann wäre ich ja irgendwie blöd, da nicht wenigstens hin und wieder mal vorbei zu schauen.Nun hält sich der Lauftreff natürlich nicht an meinen Trainingsplan – warum sollte er auch. Eigentlich ist mir die Gruppe auch zu schnell unterwegs, aber heute waren die ganz schnellen in Stuttgart beim Colour-Run – ein Event, das ich als Kontaktlinsen-Träger großflächig meide. Alle, die harte Kontaktlinsen tragen, werden es verstehen, warum. Ein Staubkorn drunter kann höllisch sein, und wenn man die ganze Zeit mit gefärbtem Mehl beworfen wird, ist das so gut wie sicher, dass genau das passiert, und das ganze Event dann eher unspaßig wird. Abgesehen davon, mag ich’s eher ruhig.

So auch hier:

2014-07-27 10.45.28

Ich lief eine Runde von etwa 5 km zunächst alleine, natürlich durch mein Lieblings-Waldstück und betont langsam. Dann würde es mit der Lauftreff-Gruppe so etwa 7-8 km gehen, und die restlichen km würde ich mir irgendwie zusammenbasteln.

Ich schaffte eine Punktlandung zum Treffpunkt um 11, war aber schon gekocht. Denn es war unglaublich schwül. Zwar bedeckt, die Luft eher kühl, kein Regen, aber eine gefühlte Luftfeuchtigkeit von 100% mit hohem Klebfaktor. Wir kamen uns vor wie im Dschungel.

Es ging dann auch gleich pünktlich los mit der Truppe. Kein langes Rumstehen, sehr sympathisch. Heute liefen die „Hasen“, das sind die fortgeschrittenenen Läufer, und die „Igel“, die erst seit 3 Monaten trainieren, gemeinsam. Daher sollte der Lauf auch eher ruhiger werden, mit Gehpausen alle 10 min. Man beachte den Konjunktiv. Gut, die Gehpausen gab es schon, aber dazwischen wurde im doch recht profilierten Gelände, zum Teil ordentlich Gas gegeben. Vor allem an den Steigungen winkte mir mein Puls kurz zu, und verabschiedete sich dann in die oberen Stockwerke. Dazu die Schwüle, das war schon heftig.

Statt der für die „Igel“ geplanten 40 min, wurde dann auch eine ganze Stunde daraus mit insgesamt 3 Gehpausen. (Merkt jemand den Rechenfehler…?)

Die Stimmung war erstaunlich gut, trotz Tropenklima, und die „Igel“ hielten gnadenlos durch. Das hätte ich nach nur 3 Monaten sicher nicht geschafft. Ich verneige mich immer noch vor dieser Leistung.

Nach einer Stunde und insgesamt etwa 7 km kamen wir wieder am Ausgangspunkt an, wo sich dann doch ein Großteil der Gruppe sichtlich geplättet in ihre jeweiligen Autos verabschiedete.

Mittlerweile war ich absolut und total durchnässt, ohne einen einzigen Regentropfen abbekommen zu haben.

Als dann der Lauftreff-Leiter vorschlug, wer Lust hätte, könne noch eine kleine Tempo-Runde um den See drehen, musste ich natürlich mit. Damit waren dann 14 km voll. Ich beschloss, dass das genug war.

Ich war stolz auf mich, dass ich das so durchhalten konnte. Den ersten Lauf mit der Gruppe, irgendwann im Winter, hatte ich den Tränen nahe abbrechen müssen. Jetzt wusste ich, was mich erwartet, und konnte mitgehen. Außerdem gab es einige nette und interessante Gespräche auf der Strecke, und ich hatte tatsächlich so was wie Spaß. 🙂

Dennoch bin ich immer noch zwiespältig, was Gruppen-Läufe angeht: Ich denke, es motiviert ungemein, und ich hätte sicherlich nicht freiwillig an so einem Tag noch eine kleine Tempo-Einheit angehängt, und ich merkte, dass es körperlich geht. Das fand ich gut. Andererseits finde ich, dass die Gefahr für den Einzelnen, sich zu übernehmen doch nicht zu unterschätzen ist. Gerade wenn ein paar schnellere Läufer vorneweg ziehen, lässt sich so eine Gruppe kaum noch einbremsen, und die wenigsten sind dann in der Lage, die vorne halt einfach rennen zu lassen. Sondern man möchte mithalten und geht dann eventuell mehr ans Limit, als einem guttut.

Ich bin eigentlich kein Gruppen-Typ, und schaue durchaus nach mir, und kann dann auch eher sagen: „Dann renn halt, wenn’s dir Spaß macht! Ich mach mein Tempo.“ Damit habe ich bei Wettkämpfen überhaupt kein Problem. Aber eine schlechte Figur in einer Gruppe von Leuten, die ich regelmäßig – wenn auch in größeren Abständen – sehe, möchte ich ja auch nicht machen… Da steht dann der Ehrgeiz im Weg. Diese Balance zu finden setze ich mir als Lernaufgabe. Jetzt wird aber erst mal wieder ein bisschen alleine gelaufen. 😉

Advertisements

10 Kommentare zu “Hasen und Igel beim Gruppen-Dschungel-Lauf

  1. Zu meiner Schande muss ich wohl zugeben, dass ich noch nie in einer Gruppe gelaufen bin. Klar, mal mit jemanden, aber immer nur begrenzt, aber nie so richtig als Gruppe. Aber auch ich stelle mir das interessant und abwechslungsreich vor. Zumindest von Zeit zu Zeit mal.

    Zu dem Rechenfehler: Je nachdem wie lange die Gehpausen waren ist es durchausmöglich auch in einer Stunde nur drei Stück davon einzulegen 😉

    • Ja, die Ansage war ursprünglich: Alle 10 min 1 min Gehpause. Ich kann Dir versichern, die Gehpausen wurden nicht über Gebühr verlängert. 😀
      Von Zeit zu Zeit können so Gruppenläufe wirklich schön sein, aber es ist sicher keine Schande, das noch nie getan zu haben. 😉

  2. Ich kenne die Situation sehr gut aus vielen Läufen in Trainingslagern als Langstreckenläufer. Dort geht es ähnlich zu, obwohl es in der Regel 4 oder 5 Leistungsgruppen gibt. Gefürchtet sind dort die sogenannten „Racheläufe“ derjenigen, die bei der Tempoeinheit am Vortag nicht so gut abgeschnitten haben und dann beim Dauerlauf gnadenlos draufdrücken. Dann braucht es schon viel Selbstbewusstsein, sich mit Rücksicht auf die eigenen Ziele auszuklinken. So einmal zwischendurch kann es aber ganz nett sein, man setzt dann Reize, die man alleine nie gesetzt hätte… 😉

    • Das mit den Reizen sehe ich auch so. Das ist auch sicher gut, solange das nur gelegentlich mal stattfindet, und man sich nicht permanent übernimmt. Ansonsten: Wie DocRunner schreibt: Typen, die sich auf Kosten der Gruppe profilieren müssen, können einem das Leben echt schwer machen. Die gibt es aber wohl in (fast) jeder Gruppe.

  3. Es hängt grundsätzlich von der Gruppe ab, ein profilgeiler Schneller, kann das ganze Gefüge kaputt machen, habe ich oft genug im Lauftreff erlebt 😉
    Deshalb bevorzuge ich die Einsamkeit oder mit lieben Freunden, die auf ähnlichem Niveau sich bewegen, der Lauftreff ist für mich zeitlich sowieso zu starr, bzw. wer hat denn abends um 19.00 Uhr schon Feierabend 😉

    Salut
    Christian

    • Da geht es mir ganz ähnlich wie Dir, nur an lieben Freuden, die auch laufen, mangelt es leider.
      Die profilgeilen Schnellen waren ja gestern alle in Stuttgart gut versorgt. 😉

  4. Gruppenläufe finde ich gut für Anfänger
    wenn sie einen kompetenten Trainer in ihrer Nähe wissen
    und Gleichgesinnte
    da verliert man nicht so schnell die Lust am Laufen
    so waren auch meine Anfänge

    Als ich dann auf eigenen Beinen stand
    verzichtete ich auf Gruppen
    laufe lieber alleine
    oder ab und an mit Menschen
    deren Laufverhalten ich gut kenne
    und die mir auch sonst liegen

    aber am liebsten laufe ich alleine mit der Natur und mir 😎

    • Ich bin von Anfang an alleine gelaufen, und habe die Gruppe meist als Stress erlebt. Schon das gemeinsame Warmlaufen im Karate-Training stresst mich. Aber so ein bisschen Sozialkontakte sind ja schon auch mal ganz schön, zumal ich da als einzelgängerisches Alphatierchen noch wirklich Lernstoff finde. 🙂
      Aber alleine mit der Natur ist doch meist am schönsten.

  5. Darum scheue ich auch die Gruppe, der Tempozwang ist mir einfach zu groß. Da bleibt bei mir dann schnell der Spaß auf der Strecke.

    Das ist allerdings auch ein kleines Stück ein Dilemma, weil ich schon auch ab und zu in Gesellschaft laufen würde. Aber dann lieber mit ein oder zwei Personen, wo man sich tempomäßig gut aufeinander einstellen kann. Leider habe ich das noch nicht gefunden.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Da geht’s mir ziemlich genau wie Dir. Deshalb kann ich mich nur von Zeit zu Zeit darauf einlassen, wenn ich sicher bin, dass mein Trainingsstand so ist, dass ich dem Tempozwang standhalten kann. Und wenn ich merke, dass der Spaß auf der Strecke bleibt, hab ich auch kein Problem damit, auszusteigen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s