Fakirlauf im Stadion


Jetzt muss ich diesen Blog leider mit einer Schimpftirade beginnen. Die zarter besaiteten Leser können ja mal ein bisschen weiter unten weitermachen, denn ich bin WÜTEND! 👿

Als ich heute morgen zu meiner gefürchteten Intervalleinheit (3x2200m) aufbrach, freute ich mich auf Einsamkeit und Ruhe im Stadion. Die Nachbarin sah mir diesmal nur kurz und verständnislos aus dem geschlossenen Fenster hinterher.

Kaum betrat ich das Stadion, sah ich es schon aus der Ferne, und aus der Nähe bestätigte sich dann der erste Eindruck:

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Irgendwelche Voll//&$%&$ (zensiert) haben sich offenbar nachts abgefüllt und dann nichts Besseres zu tun gehabt, als ihre Flaschen auf die Tartanbahn zu werfen, wo sie dann in lustige kleine Scherben zersprungen sind. Die Tartanbahn wäre ja noch das geringste Problem, wenn auch schon ärgerlich, aber immerhin mit einem Besen relativ leicht zu reinigen. Aber viele Scherben sind eben auch ins Innenfeld gesprungen, und da kann man ja schlecht staubsaugen. Abgesehen davon, dass ich meine Barfußrunde nur mit Einschränkungen laufen konnte, weil die Hälfte des Feldes nicht nutzbar war, so ist Fußball ja durchaus ein Sport, bei dem man sich gelegentlich mal auf den Rasen legt. Super Sache, wenn da so ein paar Scherben günstig liegen. Man muss auch noch dazu sagen, dass es überhaupt kein Problem darstellt, im Stadion seinen Müll zu entsorgen. Auf der Tribüne stehen bestimmt 10 Mülleimer, also alle paar Meter einer, und an allen Zugängen ebenso.

Wieso tun diese „§$%&%§$ so was? Können sie ihren Dreck nicht vor der eigenen Haustür machen, oder auf Parkplätzen, wo immerhin eine minimale Chance besteht, dass sie sich gegenseitig überfahren?

Wir haben hier den Luxus, dass das städtische Stadion weitestgehend offen zugänglich ist, und das macht ja auch Sinn, immerhin gehört es ja theoretisch allen Steuerzahlern und damit auch mir (2 Grashalme? oder vielleicht auch 3?). Allerdings hat die Stadtverwaltung auch klar gemacht, dass bei zunehmendem Vandalismus kein Zugang mehr möglich sein wird. Straft das dann diese §&/&%&/% ? Nein, es straft all die Menschen, die ganz harmlos ein bisschen Sport treiben möchten, und auch die Eltern, die mal mit ihrem Nachwuchs ein bisschen kicken möchten, und vielleicht keinen geeigneten Garten ihr eigen nennen. Saufen kann man überall. Da braucht man kein Stadion für.

Aber diese &%$$§“ sind schuld, wenn ich vielleicht in Zukunft meine Intervalle nur noch auf dem Laufband machen kann, weil das Stadion abgesperrt wird. Mir fallen alle möglichen unerfreulichen Dinge ein, die ich mit diesen Typen anstellen möchte. Die Tartanbahn auf Knien mit der Zahnbürste säubern ist noch das harmloseste davon.

An der Tribüne hängen zwar Schilder, die auf eine Videoüberwachung hinweisen, aber ich vermute nicht, dass die wirklich existiert. Sonst müsste man die Kerle ja kriegen.

Zu Hause habe ich gleich zum Telefon gegriffen, und der Stadt Bescheid gegeben. Dabei war ich allerdings nicht frei von Zweifeln. Was, wenn das nun der letzte Tropen war, der das städtische Fass zum Überlaufen bringt? Vielleicht aber auch, ganz vielleicht war der Mensch von der Stadtverwaltung ja auch ganz froh, dass hin und wieder mal Leute zum Training ins Stadion gehen, und so etwas bemerken. Denn der Hausmeister ist wohl in Urlaub.

So. Jetzt hab ich Dampf abgelassen. Die zartbesaiteten Leser können wieder einsteigen.

Wie waren denn nun die Intervalle? Also 2200 m sind echt lang. 5 1/2 Runden. Die ersten 2200m waren nicht lustig. Die zweiten 2200m waren die Hölle und auch etwa 10 sec. langsamere Pace als die ersten. Und die dritten? Die waren echt locker! Und wieder schneller. Es war so, als hätte mein Körper bei der ersten 2200m-Runde gesagt: „Sag mal, spinnst du? Hör sofort auf mit dem Quatsch!“, bei der zweiten dann „Ey, ich mein’s ernst! Was soll das?“ und bei der dritten: „Okay, okay, ich geb auf, du hast gewonnen. Mach halt, wenn du unbedingt meinst…“

Die dritte Tempoeinheit bin ich auch in die andere Richtung gelaufen. Erstaunlich, was das psychologisch ausmachen kann.

Aber Mann, muss ich mich quälen für ein Tempo, dass für andere gerade mal eine lockere Jogging-Runde ist. Aber ich will’s jetzt wissen! Irgendwann muss es ja mal vorwärts gehen, und da wir um die Zeit eigentlich normalerweise beim Karate-Gasshuku wären, tue ich nun genau das, was ich dort sonst auch täte: Trainieren, essen, schlafen. (Gasshuku heißt übersetzt: hartes Training, bedeutet 3 Einheiten am Tag à 60 und 2x90min, 5 Tage lang).

Und immerhin, wenn der Kopf nachher so aussieht:

Dann hat sich das Training gelohnt. Und wer jetzt nicht weiß, was das für ein Bild ist, der ist mit Sicherheit jünger als ich 😉

Für alle, die sich jetzt vielleicht um meine (mentale) Gesundheit sorgen: Herzlichen Dank! Ich kann euch beruhigen. Morgen ist Pausentag. 🙂

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15 Kommentare zu “Fakirlauf im Stadion

  1. Zu den Chaoten muss ich nichts mehr sagen
    denn deren “ Werke “ kann ich hier täglich “ begutachten “
    sonst könnte ich nur noch wie ein Stier durch die Gegend rennen, der ein rotes Tuch vor sich sieht !
    Punkt !

    Was deine Bemühungen, schneller zu werden angeht, so wünsche ich dir viel Glück und Durchhaltevermögen, obgleich ich von dieser Art der Selbstquälerei nicht ganz überzeugt bin, zumindest für Otto-Normal-Verbraucher, die wir nun einmal sind und bleiben

    Aber jeder ist seines Tempo’s Schmied
    alte polnische Weisheit
    und viel Glück weiterhin
    was schwebt dir denn so vor
    als Zieltempo ?

    • Also ich wäre schon extrem glücklich, wenn ich einen HM im 7er Schnitt laufen könnte, und einen 6 er Schnitt auf 10 km. Die Intervalle heute waren ein 6er Schnitt… Es gibt viel zu tun, und ich will’s jetzt wissen, ob ich mit Training noch was erreichen kann. Dafür quäl ich mich dann auch mal ein bisschen.
      Ich denke, bevor ich nicht wenigstens einen 7 er Schnitt halbwegs gut durchhalte, brauche ich an eine Marathonvorbereitung gar nicht zu denken.

  2. Das Bild in echt habe ich nicht mehr erleben dürfen, doch verschließe ich mich nicht älteren Dingen 😉
    Die Sauerrei im Stadion ist echt sehr doof! Vor allem wenn es unbeteiligte trifft! Womöglich zumindest! Aber auch bei uns wird eben gefeiert wo kein Menshc nachts ist. Stadien, Spielplätze und Supermarktparkplätze. Klar, dass die irgendwo hin wollen wo sie alleine sind und auch etwas lauter sein können. Soviel älter bin ich auch nicht und verstehe das ganz gut. Aber dann bitte auch wieder aufräumen. Dann stört sich ja keiner daran!

    • Genau! Wenn alles ordentlich hinterlassen wird, dann können die so viel feiern, wie sie wollen. Aber zu erwarten, dass andere den Dreck wegräumen, bzw. in Kauf zu nehmen, dass sich jemand verletzt, das finde ich asozial. 👿

  3. Ich kann deinen Ärger gut verstehen, zumal es ja ziemlich toll ist, dass du (noch) ein Stadion hast.
    Ich laufe die Intervalle immer auf meinen normalen Strecken, und wenn es nicht gerade schwüler Sommer ist, mag ich sie sehr gerne genau wegen dem Testbild. (Ich denke dann nichts mehr, besser als jeder nutzlose Versuch im Sitzen irgendwie zu meditieren.)
    Schlussendlich zu den paces – das sind auch ungefähr meine Ziele zur Zeit. Ist halt einfach so, dass nicht jede(R) locker 6er pace läuft. Na und? (Obwohl der 7er Schnitt im HM klappt schon ganz gut, aber der 6er Schnitt im 10er mag nicht. Was das betrifft, sind die längeren Abstände doch leichter für mich.)

    • He! Sehr cool! Dann können wir uns gegenseitig unterstützen! Bisweilen mache ich Intervalle dank GPS auch auf der normalen Strecke, aber so gleichmäßig und störungsfrei geht es nur im Stadion.

      • Ich schreibe dir gerne ab und an ein paar aufmunternde Worte. Selbst fang ich mit Intervallen erst wieder an, wenn die Hitzeperiode vorbei ist, das wird irgendwann im Oktober passieren. Das schöne ist, dass wenn ich mich bis dahin durchs GA quäle, ich mich am ersten kühlen Tag immer fühle als hätte ich über Nacht trainiert. Gibt sicher 30-60 sec/km einfach so geschenkt :).

  4. Ja, so etwas ist ärgerlich zu betrachten. Kann Dich gut verstehen.

    Ich möchte mal meinen Respekt für Deine Mühen belohnen, was das Tempo angeht. Ich kann mir vorstellen, dass es frustrierend ist, wenn das, was für andere selbstverständlich ist, einem selbst nicht so läuft fällt. Hoffe, dass Du für Dich Dein Tempo findest und Dein Training nicht frustriert sondern was bringt.

  5. Tja, so sind die Menschen, gehört etwas nicht einem selbst, wird nicht viel Rücksicht genommen, im Gegenteil, dann kann man sich auch mal total gehen lass 😦 Mir persönlich nicht unbekannt, allerdings total unverständlich…
    Was das Tempotraining angeht sehe ich es ähnlich wie Margitta, wenn die Schinderei für eine schnellere Pace keinen Sinn macht (damit wirst Du bei keinem Wettkampf Erster werden) und v.a. keinen Spass macht, würde ich mich gar nicht darauf einlassen :mrgreen: Just my 2 Cents.

    Viel Spass beim quälen 😉

    Salut
    Christian

  6. Ich beschränke mich jetzt mal in der Kommentierung – um nicht auch wütend zu werden – auf einen Punkt: Ohhhh, ein Testbild, wie cool ist das denn. Wann hat man das das letzte Mal gesehen 😀

    Liebe Grüße
    Volker

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