Ein unfreiwilliger Ultra-Trail-Halbmarathon (Ugly destinations 2)


Ja, es ist mal wieder passiert. Ich habe mir eine neue Laufstrecke rausgesucht, sie auf meine Forerunner gepackt und mich mal wieder gründlich in a) der Wegbeschaffenheit, b) dem Höhenprofil, und c) der Streckenführung getäuscht, aber was wäre das Leben ohne Überraschungen?

Zunächst mal startete ich Richtung Bahnhof mit dem Ziel, ein Stück den Neckar entlang zu laufen (flach!) um dann nach einem kurzen miesen Steilstück wieder über sanfte Hügel und eher abwärts nach Hause zu gelangen. Es hätten 19 km werden sollen…  man beachte den Konjunktiv.

Zunächst mal stieß ich nach etwa 2 km eher zufällig auf die erste „Ugly destination“ (mal sehen, ob jemand dieses Foto toppen kann…)

Immerhin hat jemand an den Sichtschutz gedacht…

Immerhin hat jemand an den Sichtschutz gedacht…

Im Industriegebiet dann war die Auswahl an Ugly destinations so groß, dass ich mich auf das Bild mit dem nostalgischsten Wert beschränkt habe.

Das gibt es heute nicht mehr… Nun rottet das gute Stück auf dem Gelände einer Container-Firma

Das gibt es heute nicht mehr… Nun rottet das gute Stück auf dem Gelände einer Container-Firma

So weit war die Strecke noch bekannt. Erst nach dem Bahnhof, bereits mit 6 km in den Beinen, ging es ins Neuland. Und gleich wieder eine Straße… och nööööö! Gpsies hat einen früher nicht über Straßen geleitet, wenn man das Fußweg-Symbol aktiviert hat. Ich muss mir das noch mal genauer ansehen. Zum Glück hatte ich das neongrüne Lauftreff-Shirt an, so dass ich gut sichtbar war, und die Straße hatte auch einen recht breiten Grünstreifen an der Seite, aber das ist doch eher unentspannt.

Und irgendwo hier muss dann zum ersten Mal was schiefgegangen sein, denn ich scheine eine unscheinbare Abzweigung verpasst zu haben. Da ich ja auf der Karte meiner Garmin sah, dass die Richtung noch irgendwie stimmte, und ich parallel zu meiner geplanten Route unterwegs war, störte mich das zunächst nicht sonderlich. Bei dem Netz an Wanderwegen findet sich sicher irgendwann ein Abzweig, der wieder auf den gewünschten Weg führt. So weit die Theorie. Ich fand eine vielversprechende Abzweigung, die mich auch in eine schöne Gegend führen sollte.

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Unglücklicherweise erwies sich dieser nette Weg als Sackgasse, die an einem geschlossenen Gatter vor einem Bauernhof endete. Also zurück. Ein Wegweiser, der meinen Zielort anzeigte, wies auf einen schmalen Pfad, der bergauf führte. He, Moment mal, war nicht der Plan, im Tal zu bleiben? Mangels Alternativen trottete ich also den Weg hinauf, der sich bald als Neckartal-Hang-Wanderweg herausstellte. Vorbildlich beschildert, allerdings, der Name „Hang“ lässt es vermuten, nicht so ganz flach, also eigentlich so gar nicht flach. Dafür richtig schön trailig.

Durch diese hohle Gasse muss sie laufen…

Durch diese hohle Gasse muss sie laufen…

An und für sich finde ich das ja toll. Es ist ein großartiger Weg, aber er lutscht Kraft ohne Ende. Ich war gerade mal 10 km unterwegs, und schon ziemlich platt. Zieltempo halten? Vergiss es! Dafür war der Weg auch teilweise viel zu anspruchsvoll. Nun gut, ich hatte kein Problem damit, mich vom Zieltempo zu verabschieden, und statt dessen die Landschaft zu genießen, wären nur meine Beine etwas wacher gewesen. Der Weg erforderte volle Konzentration, und ich verpasste eine Schlüsselstelle in meinem Hörbuch, so dass die ganze Story irgendwie keinen Sinn mehr machte. Na ja, macht nix, höre ich’s beim nächsten Lauf einfach nochmal.

Mit meiner GPS-Karte hatte das nun alles nichts mehr zu tun, und ich lief einfach stur nach Wanderzeichen. Und da hatte ich ihn endlich wieder, den Neckar!

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Kurz darauf dann auch meinen Weg, der mich mitten durch ein Volksfest führte.

An einer Stelle gab es dann tatsächlich eine öffentliche Trinkwasser-Stelle, die ich, vor lauter Freude, zu fotografieren vergaß. Immerhin nahm ich ein paar Schlucke und kühlte meine Arme ab. Es war mal wieder schwül-heiß. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt noch denken können, hätte ich meine Trinkblase aufgefüllt. Konnte ich aber nicht… Es hat zum Glück gereicht, aber gegen Ende hatte ich das Gefühl, sparen zu müssen.

Jetzt konnte ich tatsächlich mal eine Weile im flachen Gelände laufen, aber ich war ja schon von den ganzen Wegen vorher etwas ausgelutscht. Ich futterte einen Protein-Riegel, was die Moral etwas hob, und sockte Richtung Ort. Jetzt ging’s wieder bergauf…

Eigentlich muss man nur oben aus dem Ort raus und in den Wald. Man hätte auch den Weg nehmen können, den man sonst immer läuft. Aber das wäre ja langweilig. Deshalb sucht man auf Gpsies den anderen Weg… das war blöd. Denn erst mal irrte ich gefühlte 10 Mal um eine kleine Kapelle, weil ich den blöden Weg nicht fand. Nach ein paar Mal hin- und zurück entdeckte ich wiederum einen sehr versteckten Trail. Auf der Karte machte das Ganze einen kleinen Knick nach links, um dann wieder auf einen schönen großen Weg zu münden. Sah aus wie etwa 30 Meter. Auf der Karte konnte man nicht sehen, dass diese 30 Meter auch etwa 30 Höhenmeter mit sich brachten. Es ging streckenweise gefühlt senkrecht nach oben. Zudem war es stellenweise rutschig, und gegen Ende verschwand der Trail zwischen Brennesseln und Brombeeren. Wie schön, dass ich eine kurze Tight anhatte… Nach dieser Prüfung dann, fand ich mich endlich auf dem Weg wieder, den ich so lange gesucht hatte.

Oh, flacher Streckenabschnitt, sei gepriesen!

Hier war tatsächlich noch so was wie Laufen möglich. Bei jedem Anstieg musste ich jetzt aber gehen, Batterie leer.

Mittlerweile hatte ich durch die ganzen Irrwege etwa 2 km mehr als ursprünglich geplant erlaufen. Nachdem die geplanten 19 voll waren, drückte ich voller Dankbarkeit die Lap-Taste, und wechselte in den Geh-Modus. Denn es ging a) bergauf, und b) war ich platt wie eine Flunder.

Das Schlimmste jedoch waren so die letzten 500m bis zum Haus. Da hatte ich plötzlich das Gefühl, dass gar nichts mehr geht. Zufall, dass da gerade die HM-Distanz voll war? Ich widerstand der Versuchung, mich auf eine Mauer zu setzen, und meine bessere Hälfte anzurufen, und zu bitten, mir das Haus entgegen zu bringen.

Alles in allem eine wunderschöne Strecke, aber ich glaube, meinen nächsten Longrun mache ich als Runden auf einer bekannten, flachen Strecke. Sicherer. 😉

 

 

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14 Kommentare zu “Ein unfreiwilliger Ultra-Trail-Halbmarathon (Ugly destinations 2)

  1. Liebe Christiane,

    Gratulation zum Durchbeissen, es ist nicht immer leicht, aber Du darfst stolz sein. Deine Expeditionen bergen ja immens viele Überraschungen, aber dass Du dann auch noch ein Hörbuch genießen willst, ist vielleicht wirklich etwas zu viel 😉 V.a. bei so einer Landschaft – damit meine ich nicht die ugly places zu Beginn – und so wunderbaren Trails. Ich finde es wirklich klasse, dass Du Dir auf der Karte einen Weg suchst und auf gehts, das muss ich unbedingt auch mal wieder machen 🙂

    Regenerier mal schön

    Salut
    Christian

    • Laufen und Gegend erkunden gehört für mich untrennbar zusammen. Ich liebe es. Gestern war es allerdings dann doch etwas hart. Irgendwann habe ich beim Hörbuch nicht mehr zugehört… Aber ich hab keine Kopfhörer, die die Umgebung ausblenden. Die Natur kommt also zu ihrem Recht. Jipp, ich regeneriere so vor mich hin. Muss jetzt Gemüse aus dem Garten holen. Futter!!! 😀

  2. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt 😉 Tapfer geschlagen, liebe Christiane.

    So hundertprozentig warm werde ich mit GPSies und der Streckeführung auch noch nicht. Gut, wenn es noch Schilder gibt.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Bisweilen ist das mit den Strecken wirklich seltsam, Ich glaube, ich lege beim nächsten Mal eine Wanderkarte neben den Bildschirm.
      Danke für das Kompliment. 🙂

  3. So klein kann der Neckar also auch sein 🙂
    Einfach mal frei Schnauze zu laufen und dann glücklich, weil richtig, daheim anzukommen hat schon was. Toll gemacht!

  4. Tja, wer das Abenteuer liebt
    läuft auf unbekannten Pfaden
    und muss auch damit rechnen
    dass er unerwartet früh platt ist
    aber alles gut gegangen
    was der Mensch braucht
    holt er sich
    darum das nächst Mal wieder auf bekannten Pfaden
    gell ? 😉

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