Der Brooks Ghost 7 – erste Eindrücke


Nun konnte ich ihn schon bei zwei unterschiedlichen Läufen testen, den Brooks Ghost 7 aus dem Testpaket, und wie bereits sein von mir höchst selbst käuflich erworbener Vorgänger, der Ghost 5, der im Moment sein Rentnerdasein als Lieblings-Alltagsschuh fristet, hat er mich als Allrounder überzeugt.

Hier kommt er also, mein erster Testbericht! (Trommelwirbel) 

Im direkten Vergleich mit seinem Opa, dem Ghost 5, wirkt der Ghost 7 etwas schlanker, was zugegebenermaßen auch schon am Grad der fortschreitenden Auslatschung des alten Schuhs liegt, aber auch am Fuß bestätigt sich der Eindruck.

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Opa und Enkel (von links nach rechts) ;)

Opa und Enkel (von links nach rechts) 😉

Wie man vor allem am unteren Bild sehen kann, ist die Grundkonstruktion des Schuhs ziemlich gleich geblieben. Jedoch sitzt der Ghost 7 vor allem im Fersenbereich und am Mittelfuß etwas fester, was aber keinesfalls einengend wirkt, sondern für guten Halt sorgt. Dafür haben die Zehen vorne ordentlich Platz. Das weiß man vor allem nach ein paar Kilometern zu schätzen, wenn sich der Fuß etwas ausbreiten möchte. Von der Größe her sollte man – wie allgemein bei Laufschuhen üblich – so 1 bis 1 1/2 Nummern über die Konfektionsgröße gehen. Ich habe in „normalen“ Schuhen 40,5,  der Ghost passt mir in 42 hervorragend.

Die Schnürsenkel sind elastisch, was ebenfalls für einen guten und flexiblen Halt sorgt. Außerdem halten sie gut, und gehen nicht wie die gewellten Schnürsenkel des Pure Cadence 2 andauernd auf – zumindest bei mir.

Das Obermaterial fühlt sich weich und bequem an. Fersen- und Zehenbereich sind verstärkt, drücken aber – zumindest an meinen Füßen – an keiner Stelle. Gerade im Achillessehnen-Bereich ist er kuschelig gepolstert.

Preisfrage: Welcher ist der Neue?

Preisfrage: Welcher ist der Neue?

Die Sohle hat sich in Details verändert. Wie schon beim Ghost 6 ist der Bodenkontakt  anders als beim 5er durchgehend, so dass der Fuß in der Abrollbewegung leicht geführt wird. Das wirkt aber nicht aufdringlich, dadurch dass die Sohle recht flexibel daher kommt. Vor allem im Vorfußbereich ist sie sehr beweglich. Trotz der guten Dämpfung hat man einen ziemlich direkten Kontakt zum Boden und damit ein Gespür für die wechselnden Untergründe.

Bei meinem ersten Testlauf bin ich gemütlich 10 km über wechselnde Untergründe (Asphalt, Schotter, Kopfsteinpflaster, Waldweg) gelaufen, und hatte immer das Gefühl, mit dem Schuh gut beraten zu sein. Der Grip ist ordentlich, wobei ich ihn noch nicht bei Nässe getestet habe, aber das kommt noch. 🙂

Die Dämpfung wirkt zunächst überraschend straff, es ist kein Kuschel- oder Sofa-Schuh, wie manche klassischen Dämpfungsschuhe. Erst nach den ersten Kilometern merkt man, dass da wirklich was dämpft. Dadurch wirkt der Schuh sehr direkt und nicht schwammig. Zu Beginn mag man sogar etwas Dämpfung vermissen.

Ich persönlich bin Mittelfuß-Läufer, habe aber auch ein paar Lauf-ABC-Übungen mit dem Schuh probiert, wo ich betont auf dem Vorfuß gelandet bin, und fand die Dämpfung auch dort überzeugend. Allerdings scheint mir die Sohlenkonstruktion tendenziell eher auf Fersen- oder Mittelfußläufer ausgerichtet zu sein. Dafür spricht auch die Sprengung des Schuhs mit vermutlich 12 mm. Ich konnte hierzu leider keine Angaben finden, und messen kann ich das selbst auch nicht, aber er ist vom Aufbau her ein ganz klassischer neutraler Laufschuh. Auch sein Gewicht von etwas unter 300 g (Quelle: Brooks) entspricht dem eines üblichen Dämpfungsschuhs. Durch seine federnde Dämpfung wirkt er aber nicht wie ein Schwergewicht, sondern lässt sich ziemlich leicht laufen. Für lange gemütliche Läufe ist er definitiv eine sehr gute Wahl, zumal er seine Stärken erst ab einer gewissen Strecke voll ausspielt.

Gut, halten wir also fest: Für lange gemütlich Runden die richtige Wahl. Aber ist er auch schnell?

Dafür gingen wir ein paar Tage später auf die Tartan-Bahn, wie es sich ja für Tempo-Training gehört.

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Ready, set, GO!

Vorweg: Der Schuh ist kein reinrassiger Tempo- oder Wettkampfschuh, aber das möchte er – denke ich zumindest – auch gar nicht sein. Die richtig schnellen Jungs und Mädels, die noch um die letzten Zehntelsekunden kämpfen, werden vermutlich nicht gerade diesen Schuh wählen. Dafür ist er dann doch zu schwer.

Das heißt aber nicht, dass es keinen Spaß macht, in dem Schuh auch mal schnell zu laufen.

Durch die eher etwas straffe Dämpfung und den guten Grip kann man sich sehr gut abdrücken, und hat auch nicht das Gefühl, bei jedem Schritt im Schuh zu „versinken“ und einen Teil der Energie dafür zu verbrauchen. Es läuft sich sehr federnd. Man kann also schon mal richtig Gas geben. (Wenn man das dann kann… 🙄 …ich persönlich bin ja nicht so wirklich schnell)

Der Schuh ist ein Allrounder, seine Stärke sehe ich aber eher in den langsamen langen, und den mittelschnellen Läufen.

Wem würde ich diesen Schuh empfehlen?

  • Gelegenheits-Läufern und Laufanfängern, denn er bietet genug Komfort und Schutz für auch eher noch untrainierte Füße, und ist auch noch in einem Preissegment zu Hause, das für diese Zielgruppe ok ist.
  • Kilometer-Fressern 😉
  • Allen Läufern, die keine Lust auf Natural-Running oder 0 mm Sprengung haben, und einen soliden klassischen neutralen Dämpfungsschuh suchen.
  • Läufern, die gerne auf wechselnden Untergründen unterwegs sind, wobei es schon eher ein Straßen- als ein Trailschuh ist.
  • Für „gemütliche“ Wettkämpfer auf jeden Fall bis zur HM-Distanz (ich bin noch keinen Marathon gelaufen, und kann daher nicht beurteilen, inwieweit er hier geeignet ist, aber gefühlsmäßig denke ich, dass schon.)

Wer wird mit diesem Schuh eher unglücklich?

  • richtig ambitionierte Läufer im Wettkampf oder Tempotraining (damit meine ich so die Leistungskategorie Marathon unter 3 Stunden)
  • Läufer die einen Kuschel-Schuh bevorzugen
  • Puristische Anhänger des Natural Running (Ich mag und brauche die Abwechslung)
  • …?
  • Ja, gut, und natürlich all diejenigen, die mit der Passform nicht klar kommen, aber das versteht sich ja von selbst.

Ich freue mich auf jeden Fall, in dem Ghost 7 einen sehr alltagstauglichen Trainingspartner gefunden zu haben, der mich sicherlich gut durch das kommende Jahr begleiten wird. Wie gesagt, den Test bei Nässe liefere ich noch nach. 🙂

Wer noch mehr technische Details und die Herstellerangaben möchte, kann diese natürlich hier finden.

Ich danke Brooks ganz herzlich dafür, dass sie mir den Schuh zur Verfügung gestellt haben!

Update vom 8.11.2014:

Jetzt hat der Schuh schon gut 100 km „gedient“, und zeigt keinerlei sichtbare Verschleißerscheinungen. Die Qualität stimmt also. Bei Nässe macht er sich gar nicht schlecht. Klar, nur in der GTX-Variante ist er wasserdicht, dafür natürlich auch ein bisschen störrischer und weniger atmungsaktiv, aber der Grip funktioniert auch beim Nicht-GTX-Modell auf nassem Asphalt gut. Selbst auf nassem Laub rutscht er nicht weg. Wobei ich auf letzterem in keinem Schuh Sprints empfehlen würde. Alle Eindrücke haben sich soweit bestätigt. Ein treuer Lauf-Alltags-Begleiter.

 

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17 Kommentare zu “Der Brooks Ghost 7 – erste Eindrücke

  1. Ich bin raus, denn ich habe Bock auf „natural running“, barfuß, 0 mm Sprengung und den ganzen modernen Mist 😀

    Ähm, nach der Sohle Deines Alten, setzt Du für eine Mittelfuß-Läuferin Deinen Fuß aber sehr weit vorn auf oder ist das perspektivisch verzerrt? 😉

    Viel Spass mit dem Neuen

    Salut
    Christian

    • Ich fürchte fast, die Abnutzung vorn ist vom Autofahren. 🙄 zumindest ist sie erst so stark, seit der Schuh in Rente ist.
      Dachte mir schon, dass Du eher nicht zur Zielgruppe dieses Schuhs gehörst. 😉
      Für mich hab ich im Moment festgestellt, dass ich leichte und flache Schuhe gern für kürzere und schnellere Läufe nehme, während ich bei den gemütlicheren doch noch mehr Dämpfung brauche. Irgendwie hab ich da zu wenig Spannung, um meine körpereigene Stoßdämpfung voll zu nutzen. Aber die 5 Fingers probier ich auch irgendwann mal. Versprochen. 🙂

    • Ich konnte ja schlecht reinschreiben „kein Schuh für Christian und Margitta“ oder doch? 😛 Ne, war klar, dass das nicht dein Ding ist. Wie gesagt, bei mir bringt’s die Abwechslung wirklich.
      Ich bin leider noch nicht für das Nichts an den Füßen bereit, zumindest nicht bei lang und langsam.

  2. Eventuell aber ein Schuh für Caro. Ich bin nicht raus. Beim Crossfit habe ich schon Barfußfeeling genug. Fürs Laufen muss mehr Dämpfung her, vor allen Dingen bis meine Körperspannung mein ISG da hält, wo es sein soll.
    Danke für den Bericht!

  3. Ich bin wahrscheinlich auch raus. Nicht weil ich Natural Runner oder so etwas wäre, sondern weil ich immer Leichtgewichtsschuhe kaufe und außerdem habe ich aktuell zwei Brooks Modelle in Gebrauch, Brooks Burn 3 (den 2er fand ich Klasse) und einen der heißt Pure Flow. Beide nicht so besonders, ich kann mit laufen auch lange Strecken aber vor allem mit Soucony komme ich wesentlich besser zurecht. Deiner Beschreibung nach reiht er sich bei den anderen Brooks ein.

    • Ja, wer den Ghost vorher schon mochte, wird dieses Modell auch mögen. Ich denke, wer vorher schon nicht so damit klar kam, darf sich auch von der aktuellen Auflage keine riesigen Veränderungen erwarten. Aber gerade darum ist es ja so schön, dass es für jeden Geschmack mindestens einen Hersteller gibt. 🙂
      Saucony mag ich auch sehr. Ich hab da so etwa halbe-halbe (Brooks und Saucony) im Schuhregal.
      Willkommen auf meinem Blog, übrigens. 😉

  4. Pingback: TomTom Multi-Sport Cardio mit GPS – erste Eindrücke aus der Sicht des Läufers | laufkater

  5. Samstag war Laufschuhkauf angesagt und Du ahnst nicht, welche es tatsächlich geworden sind. Die Brooks Ghost 7. Ich habe das erst an der Kasse realisiert (Moment mal, da war doch dieser Testbericht…)

  6. Pingback: Böse Verwechslung | Caro wird fit!

  7. Hallo Laufkater 🙂

    Passt Dir beim Ghost die gleiche Größe wie bei den Brooks Pure Modellen?

    Viele Grüße aus dem Harz

    • Hallo und willkommen auf meinem Blog! 🙂
      Ja, ich habe überall die gleiche Größe. Die Pure Modelle sitzen vielleicht einen Hauch schmaler, aber von der Länge her passt es.
      Viele Grüße aus dem Süden! (leider nicht sonnig…)

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