Zu viel? (Ugly destinations 3)


Ich habe beim Auslaufen nach meinem Tempo-Lauf einer Dame grüßend zugenickt. Erst danach habe ich festgestellt, dass es sich um eine Gartenskulptur handelte. Ist das ein Zeichen? Hab ich’s übertrieben?

Irgendwie war heute der Wurm drin.

War es das Wetter? Der Kreislauf? Doch zu viel Training? Alles zusammen?

Eigentlich war heute das, was man unter einem ganz schönen Sommertag versteht. Aber nicht zu heiß. So 20 oder 21°C vermutlich. Auf dem Plan: 3 km langsam einlaufen, dann 6 km mit 6:12 min/km. Klingt für mich anspruchsvoll aber durchaus machbar.

Ich also zur Haustür raus. Beine gefühlt 5 Tonnen schwer. Jedes. Es.… ist.… unglaublich.… anstrengend! Mir läuft der Schweiß runter, dabei bin ich total luftig angezogen, und ich hab ja eigentlich noch gar nicht angefangen zu trainieren. Außerdem tut die rechte Seite weh. Immer noch IT-Band? Ich hab keine Ahnung.

Jeder Schritt ein Kraftakt. Oh weia. Ich überlege schon umzukehren, aber möchte zumindest mal abwarten, wie die Tempophase so funktioniert. Manchmal ist schnell laufen ja leichter als langsam.

Zunächst aber muss ich stehen bleiben, weil irgendwo was im Bauch kneift. Bääääh! Eine Bank bietet eine Stretch-Möglichkeit und schafft Abhilfe. Noch 100m weiter trotten, dann gibt Garmin das Signal zum Start. Die ersten beiden Kilometer laufen erstaunlich gut. Ich fange an, vorsichtig optimistisch zu werden. Da schleicht sich Seitenstechen ein. Häßliches Seitenstechen. Durchbeißen? Dazu fehlt mir leider die Moral. Also muss ich nach 3 km eine kurze Pause einlegen und erneut stretchen. Diesmal an einem Hochsitz. Gut, dass da so viel Zeug in der Landschaft rumsteht.

Ich laufe wieder an. Seitenstechen ist weg. Einen weiteren Kilometer kann ich fressen, dann fängt es an, sehr ungemütlich zu werden. Mein Puls hängt mittlerweile konstant bei 182 rum. Noch ein Pfosten, noch eine Bank… bis zum Trafokasten schaff ich‘ noch… na gut, bis zu dem Vorfahrtschild da vorne.… vielleicht noch bis zur Haltestell…nein! Etwa 800m vor Schluss geht leider nix mehr. Selbst gehen geht nicht mehr wirklich. Ich stakse durch die Gegend wie ein Droide aus StarWars.

Mein Puls kommt erst nach 400m staksen wieder in den ganz grünen Bereich… in etwa der Punkt, an dem ich die Statue freundlich grüße.

Zur Feier lichte ich noch eine meiner liebsten Ugly Destinations ab. Passt zu meiner Gemütsverfassung. Man muss dazu sagen, dass es im Vergleich zu dem Haus, das da früher stand, allerdings bereits eine Verbesserung ist.

Die Natur schlägt zurück

Die Natur schlägt zurück

Der Weg nach Hause zieht sich. Ein paar vorsichtige Trab-Versuche werden sofort wieder beendet. Akku leer. Außerdem ist mir etwas übel. Alles Wohngebiet. Die Anwohner werden sich bedanken, wenn ich ihnen in den Vorgarten… aber so weit kommt es zum Glück nicht.

Sind zwei Tempoeinheiten in der Woche vielleicht einfach zu viel für mich? Ist das normal, dass man die Vorgaben des Plans manchmal nicht einhalten kann? Muss es so heftig sein, damit irgendwas in Richtung Fortschritt passiert? Das sind die Fragen, die ich mir gerade so stelle.

Und wie viel passiert davon im Kopf? Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich an einem gelben Pfosten, den ich mir als Minimalziel vorgenommen hatte, plötzlich das Gefühl hatte, als würde alle Kraft aus den Beinen schwinden. Als ich mir dann aber innerlich einen Tritt gegeben habe, ging es plötzlich wieder und reichte noch für einen weiteren Kilometer.

Hätte ich die letzten 800m vielleicht doch noch geschafft? Klar, wenn ein Monster hinter mir her gewesen wäre vermutlich schon. Der Körper hält ja immer eine gewisse Reserve für wirklich existenziell bedrohliche Situationen zurück. Aber hätte es einen Unterschied gemacht?

Und dann eben die Grundsatzfrage: War heute einfach ein blöder Tag, oder ist es zu viel?

Sollte ich mir doch ein „persönlicheres“ Training als vicsystem suchen? So was wie jkrunning zum Beispiel? Oder einfach nur die Intensität etwas runterfahren? Oder doch einfach durchbeißen? Irgendwo habe ich gelesen, dass man Trainingsresultate erst nach 6 Wochen wirklich sieht. Die sind ja nun noch nicht rum… Nun ja.

Was meint Ihr?

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9 Kommentare zu “Zu viel? (Ugly destinations 3)

  1. Einmal ist keinmal. Sollte sich das Gefühl wiederholen, runterschrauben. Aber nach einem miesen Tag kann man bestimmt noch nix sagen. Wir sind ja keine Roboter und es sind ja so viele Faktoren, die Einfluss nehmen.

    Letztendlich muss ich sagen, muss es Spass machen – wenn es das bei 2-3 Läufen nicht tut, würd ich anpassen.

  2. Wahrscheinlich war dein Körper einfach gestern von vorne herein nicht in der Lage überhaupt zu trainieren und eine Pause wäre besser gewesen. Ich habe so Phase auch öfters wo der Körper gehörig streikt und schon ab den ersten Schritt nichts geht – das spüre ich dann extrem deutlich!
    Gestern war es auch bei mir so. Habe das auch das Wetter geschoben. Plötzlich wieder 25°C nachdem es wochenlang keine 20°C hatte konnte nicht gut gehen. Und ich hatte eine für mich gräßliche Pace….

    • Ja, bei uns war es im Vergleich zu den letzten Tagen auch richtig „heiß“. Beruhigend, dass es nicht nur mir so geht. Mir fällt es noch schwer, zu unterscheiden, ob wirklich eine Pause nötig ist, oder nur der Schweinehund ganz laut winselt. 🙂

  3. Puls 182 !
    So einen hohen Puls hatte ich noch nie
    vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten ❓
    und Pausen wirken oft Wunder
    wir haben eben manchmal unsere Tage
    aber wenn du zu viel von deinem Körper abverlangst
    wie es den Anschein doch hat
    dann meldet er sich
    ich kann ihn gut verstehen ! 😉

    • Laut Sportmediziner bin ich Hochpulser, insofern ist das nicht so dramatisch, aber doch deutlich im anaeroben Bereich. Ich denke, morgen fahre ich mal ein bisschen Fahrrad statt laufen. Vielleicht gefällt ihm das. 😉

  4. Man weiss es natürlich nie woran es denn genau liegt. Aber in deinem vorigen Blogpost schreibst du von Form deines Lebens. Nach allgemeinen Übertraining hört sich das nicht an. Allerdings schreibst du auch von ziemlich viel Intervallen (und Badezimmer kacheln!). Einen Tag später dann Tempolauf. Ich finde zwischen schweren Einheiten (Intervall, Tempo, Lauf) sollte man doch einen Tag ruhig (Pause, normaler DL) machen. Sieht Vicsystem das nicht so? Und sonst schlechte Tage gibt’s, gute Tage gibt’s…ist halt so.

    • Zwischen den Intervallen und dem Tempolauf war ein Pausentag, das war vielleicht in meinem Post nicht so ganz klar. Ich glaub auch nicht, dass es in dem Sinne Übertraining ist, aber vielleicht bin ich für die Belastung doch nicht geschaffen… Mal sehen, noch gebe ich nicht auf!

  5. Da bin ich dann doch erleichtert, dass du dir ein wenig Pause gönnst ;). Und nö – aufgeben würde ich auch nichts so einfach, so lange sich keine Verletzung ankündigt!

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