Schweinehund und Flow im Dunkeln


Ja, die Arbeit hat mich wieder… weniger Zeit zum Bloggen und weniger Zeit zum Laufen – wobei mein Schweinehund gerade letzteres irgendwie perverserweise als gar nicht so schlimm empfindet. Ein anderer Teil von mir jedoch schon.

Zu der reduzierten freien Zeit kommt noch das andere Problem hinzu: Die Tage werden kürzer. Immer öfter werde ich gezwungen sein, meine Runden im Dunkeln durch die Stadt zu drehen, und obwohl sich das deprimierend anhört, hatte ich gerade hier gestern ein wunderbares Flow-Erleben.

Der Reihe nach. Wenn ich arbeite, bin ich chronisch müde. Allein die Vorstellung körperlicher Anstrengung ist gräßlich. Zu allem muss ich mich treten. Studio? Krafttraining? Bäääääääh! Aber ich weiß, dass ich mich danach besser fühle, also schlepp ich mich mit halb geschlossenen Augen hin, und wenn ich Glück habe, geht es dann nach einiger Zeit ganz gut. In letzter Zeit war das eher nicht so. Ächz! Anstrengend! Ächz!

Und nach meinem schönen – wenn auch nassen – Lauferlebnis in Bodman hatte ich am Mittwoch so gar keine Lust auf Tempo-Lauf. Es ging zwar eigentlich ganz gut, aber irgendwie… Ächz! Anstrengend! Ächz! Mein Schweinehund bell-grunzte bei jedem Schritt laut auf, und sah irgendwie so gar keinen Sinn in meinem Tun. Dabei lief es gut. Ich lief im Tempo, das Wetter war angenehm, ich hatte nur irgendwo unterwegs den Spaß vergessen. Vielleicht lag der auch noch daheim im Bett.

Am nächsten Tag dann eine kleine Verbesserung: Ich durfte ganz tempo-los und regenerativ durch den morgendlichen Regen zockeln. Oh ja, das war besser. Ich konnte sogar ein Bild machen, das den Wechsel der Jahreszeiten eindrücklich dokumentiert. Links Sommer, rechts Herbst.

Sommer und Herbst

Der Spaß lag immer noch größtenteils im Bett rum, aber es war wenigstens nicht anstrengend.

Am Wochenende konnte ich meinen Longrun dann nicht zum geplanten Zeitpunkt ausführen, weil es am Samstag endlich mal trocken genug sein sollte zum Rasenmähen und anderen gärtnerischen Aktivitäten, und am Sonntag verhinderte ein blöder Stau den Start am späteren Nachmittag.

Also nix mit Landschaft, Wald und so, sondern nur eine kurze Runde über die Höhe, und dann kreuz und quer durch die Stadt.

Oben angekommen (bergauf, ächz, anstrengend!) hellte sich meine Stimmung dann etwas auf, als ich mit einer schönen Abendstimmung belohnt wurde.

Abendstimmung2

Es wurde zwar dunkel, in mir wurde es aber irgendwie heller. Bergab! Schön! Läuft! So langsam fand ich ein angenehmes Tempo, das sich sogar nach laufen anfühlte, ohne meinen Puls übermäßig nach oben zu treiben. Und das, obwohl es nicht mehr bergab ging. Sollte ich doch gut trainiert sein? Ich begann meine Stadt-Tour nach dem Schachbrett-Prinzip: Geradeaus, rechts abbiegen, links abbiegen, nochmals abbiegen, auf der alten Straße weiter, wieder eine Querstraße mitnehmen…  Ihr versteht das Prinzip? Irgendwie muss man ja geplante 18 km zusammenkriegen. Es war so ziemlich die blödeste und ödeste Art zu laufen, aber mir ging’s irgendwie immer besser. Straßenbeleuchtung ist hier ein Fremdwort, genau so wie Räumdienst, und hin und wieder trat ich etwas unsanft in ein Schlagloch, aber es rollte. In den Wohngebieten ist um die Zeit (es war irgendwo zwischen 20 und 21 Uhr) aber schon so was von Sendepause. Ich verunsicherte einige mülltonnenrausschiebende Menschen. Ein Wesen sprang sogar erschrocken zur Seite, obwohl der Gehweg breit genug war. Jahaaaa! Zittert, ihr Sterblichen! Hier kommt euer laufender Albtraum!

An einer Stelle musste sich aber selbst der laufende Albtraum einem kleinen Hündchen geschlagen geben, das wild entschlossen war, seine Querstraße zu verteidigen. Auch wenn es nur eine halbe Portion von Hund war – ich beschloss, es nicht auf eine Konfrontation anzulegen. Mach ich halt einen Umweg. Bringt ein paar 100 m mehr.

So ganz 18 km wurden es dann doch nicht. Nach knapp 15 km beendete ich das Spiel, weil es einfach zu spät wurde, und ich unmittelbar nach einen Lauf nur schwer einschlafen kann.

Aber ich bedauerte es, denn der Spaß hatte mich mittlerweile an einer Ecke abgepasst und lief wieder mit. Und gemeinsam liefen wir glücklich zu Hause ein und unter die wohlverdiente Dusche.

Ich nehme an, 3 km zu wenig werden mich im Großen und Ganzen nicht davon abhalten, in zwei Wochen einen HM zu finishen. Und hey! Ich freue mich auf Mittwoch! Da darf ich Intervalle laufen!

Manchmal denke ich, ich bin seltsam…

 

 

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14 Kommentare zu “Schweinehund und Flow im Dunkeln

  1. Da hört man lange nichts und dann gleich so ein langer Bericht.

    Letztendlich macht man ja nur die Sachen die einem entweder echt Spass machen (z.B. Laufen) oder die Routine sind (Zähneputzen, dehnen und Stabi würde ich auch gerne in die Kategorie katapultieren.) Extrinsische Motivation a la ist gut für mich, jedoch hält bei mir nie lange vor. (Siehe meine vielen Versuche Fitnessstudio :(). Ich hoffe doch, dass Laufen für dich auch zur ersten Kategorie gehört.
    Noch blöder kann man übrigens km voll machen durch sich wiederholende Runden zu laufen – solltest du nochmal in die Verlegenheit kommen 😉

    • Das mit den Runden hab ich auch schon gemacht. Richtig, ist noch blöder. 🙂
      Laufen gehört eigentlich wirklich zur ersten Kategorie. Um so seltsamer fand ich das Motivationstief.

  2. Du bist nicht seltsam, Du bist eine Läuferin. 🙂 Wer weiß, wo einen manchmal die kleinen Enodorphine her bekommen. Im Moment versuch die die Dunkelläufe noch zu vermeiden und lauf stattdessen nach der Arbeit, was ich ja weniger gern mache. Aber irgendwie ist es dann auch ok – es hat wieder einen anderen Reiz.

    • Bei mir ist nach der Arbeit dunkel…. 😦 Und im Winter vor der Arbeit auch… seufz. Aber ich hatte das schon öfter, dass gerade diese komischen Läufe irgendwie cool waren. Nicht seltsam… na gut. Danke! 🙂

  3. Tja, was soll man da sagen, diese Phasen gibt es, keine Lust, der Spaß fehlt und irgendwie versucht man sich vor dem Laufen zu drücken. Manchmal ist es gut einfach mal nix zu machen und manchmal sollte man sich zwingen, so wie Du, denn plötzlich ist er wieder da, der Spass am Laufen. Also nicht unterkriegen lassen 😉

    Salut
    Christian

  4. Seltsam bist du überhaupt nicht, nicht aus meiner Sicht, denn alle diesen Phasen hat wohl jeder von uns – ich hatte sie auch früher einmal, mittlerweile ist für mich jeder Lauf ein Genuss, ich kann kaum erwarten, bis ich hinaus darf………

    In den Zeiten, in denen ich auch abends nach der Arbeit laufen musste, hatte ich eine tolle Hilfe, einen super Mitläufer, dem es abends genauso erging wie mir, wir konnten uns beide schlecht aufraffen, in die Dunkelheit und Kälte zu ziehen, aber wir waren verabredet, und jeder wusste von dem anderen, dass er wartet, spätestens nach 5 Kiometern waren wir uns einig, dass Laufen auch in der Dunkelheit, im Regen, bei Wind und Wetter Freude bringen kann.

    Vielleicht findet sich für dich auch ein Mitläufer, wenn nicht, nimm mich virtuell mit, ich bin dabei, ich greife dir unter die Arme…… 😉

    ABER es kommen auch wieder andere Zeiten, wenn du mal lange genug am Ball bist – versprochen !

    Nasse Grüße
    ich geh‘ dann mal laufen…………. 😉

  5. Kein Räumdienst??? Hat es bei Dir schon geschneit??? 😯

    „Hier kommt Euer laufender Albtraum“ Hehe, das gefällt mir. Wenn das kein Stoff für ein Thriller ist … :mrgreen:

    Liebe Grüße
    Volker

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