Ein nicht ganz langer Longrun


Blick durch die Bäume

Samstag Nachmittag machte ich mich auf zu dem, was ein Longrun werden sollte, also ein Longrun, der meinen momentanen Möglichkeiten angemessen sein sollte. Ja, ich habe aus dem 18km-Debakel vor einem halben Jahr gelernt, das mir wochenlange Probleme mit dem IT-Band eingebracht hat. Bin ich nicht schlau?

Ich plante die Strecke also vorausschauend so, dass sie wahlweise 11, 12 oder 14 km hätte lang sein können.

Das Wetter war traumhaft, allerdings war ich schon relativ spät dran, so dass es vermutlich gegen Ende dämmrig und kühl sein würde. Ein kuscheliges Fleece mit optionaler Jacke, Mütze und Handschuhen im Rucksack schien mir die richtige Wahl.

So lange es noch hell war, sog ich jedoch die Herbstfarben in mich ein.

Herbstfarben

Es tat gut, draußen zu sein, und sich wieder ziemlich normal zu fühlen. Mein Puls blieb in einem vernünftigen Bereich, und ich trottete zufrieden meines Weges, Agatha Christie’s „And then there were none“ im Ohr. (Deutscher Titel: 10 kleine Negerlein – ich glaube mittlerweile gibt es einen neuen Titel, weil dieser nicht so politisch korrekt ist.) Ein wunderbares Locked-Room-Mystery. 10 Leute sind auf einer Insel und nach und nach nullt es sie aus – das ist die sehr kurze Kurzzussammenfassung. Ich liebe es. Ich kenne das Buch zwar schon, aber es ist trotzdem immer wieder spannend. Überhaupt finde ich Agatha Christie ganz großartig. Aber ich schweife ab.

Die Luft war lustig, denn stellenweise biss sie kalt durch die Ärmel, um mir an anderen Stellen, wo den Tag über wohl länger die Sonne hingekommen war, einen warmen Hauch ins Gesicht zu blasen. Es wurde absolut nicht langweilig.

Ich wurde sogar schon wieder abenteuerlustig, und bog endlich mal in den mit „Große Tanne“ beschrifteten Trail ein. Da soll laut Karte irgendwo eine 100 jährige Tanne rumstehen. Gefunden habe ich sie nicht. Ich hoffe, es war nicht der verbliebene Wurzelstumpf, der irgendwann am Weg auftauchte. Allerdings vermute ich, dass man ihr dann zumindest eine Gedenktafel gegönnt hätte.

Dafür fand ich den Trail recht bald blockiert.

Sturmopfer

Dieser Geselle hat wohl den Sturm vor ein paar Wochen eher schlecht verkraftet. Er hat also nicht nur unser Gewächshaus getötet, sondern auch noch ein paar Bäume erlegt. Das hier war mit Sicherheit nicht die 100 jährige Tanne. Es sei denn, sie hat sich vor ihrem Ableben als Laubbaum verkleidet.

Ganz kampflos ließ mich der Baum nicht passieren, aber ich fand eine zum Drübersteigen geeignete Stelle. Aaaah! Ein Trail. Mit Laub! Wie wunderbar! Und entgegen meiner sonstigen Erfahrungen führte er tatsächlich wieder auf den bekannten Hauptweg, so dass ich nicht wieder unabsichtlich einen sehr langen Longrun hingelegt habe.

Es rollte wirklich gut. Dennoch beschloss ich, bei den 11 km zu bleiben, da sich ein paar Körperteile so anfühlten, als müssten sie mal wieder geölt werden. Und ich will mir ja nicht gleich ein Autsch einfangen, wenn ich schon gerade mal wieder laufen kann.

Meine Jacke und die Handschuhe benötigte ich dann für die letzten 2 km wirklich. Es wurde richtig schlagartig ordentlich frostig. So 2-4°C sind bei uns gerade die typische Morgen- und Abendtemperatur. Trotzdem haben wir immer noch Himbeeren. Mjam!

Heute war ich im Studio. Ein bisschen Powerplate und Milon. So langsam kehrt wieder Normalität ein. Und sofort fühle ich mich rundrum besser.

Ich habe jetzt beschlossen, bis zum Nikolaus-Lauf keinen Trainingsplan zu benutzen, sondern mir selbst was zu basteln. Vor allem Hügeltraining will ich einbauen, da die Strecke um Tübingen wohl recht profiliert ist. Das sieht Vicsystem nie vor. Außerdem ist mein Abo gerade abgelaufen, und wenn ich mir jetzt einen Monat spare, hab ich im nächsten Jahr länger davon. (Oh meine Güte, ich fürchte, Schwaben färbt ab…)

Ich peile weiterhin einen 7er Schnitt an. Aber wenn’s nix wird, dann ist das halt so. Ich mach mich da jetzt nicht verrückt.

 

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12 Kommentare zu “Ein nicht ganz langer Longrun

  1. Laufen nach einem eigenen Plan: das finde ich gut! Ich komm wieder und werde lesen, wie es Dir dabei ergeht. Denn ich habe Dich soeben in meine Blogroll eingetragen. Also bis bald, und viel Spaß beim nächsten Lauf!

  2. Tja, es wird kalt, wir müssen uns langsam daran gewöhnen, ich möchte mich jetzt nicht wiederholen, freue dich, dass du überhaupt laufen kannst, laufe einfach drauf los – und alles andere ergibt sich automatisch, denn Laufen lernt man durchs Laufen !! 😉

  3. Das liest sich doch alles vernünftig und durchdacht. Und es spielt ja auch absolut keine Rolle wie weit du läufst – hauptsache du bewegst dich und genießt genau das!

  4. Ui Trail mit Laub und Bäumeklettern. Mein Herz schlägt gleich freudig! Schön, dass du wieder einsteigen kannst! (Und ich bin mir noch nicht so sicher, ob ich nicht doch auf der Couch für immer versumpfen könnte.)

  5. Danke für das herzliche Willkommen. Ich bin vor ein paar Tagen über Blumenmond bei dir gelandet und habe mich festgelesen. Mit gefällt deine Art zu schreiben sehr, und außerdem freue ich mich, dass ich nicht die einzige langsame Läuferin in Deutschland „mit Schilddrüse“ bzw. „mit ohne Schilddrüse“ bin.

    • Dann mal willkommen im Club! Bei Blumenmond lese ich auch immer mit. Toller Blog! Vielen Dank für die Blumen, und imme dran denken: Wir sind immer noch schneller als der biertrinkende Sportschaugucker. 🙂

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