Mein unerwartetstes Weihnachtsgeschenk: ein vívofit von Garmin


Wer meinen Blog regelmäßig liest, oder mich kennt, weiß, dass ich technischem Spielzeug nur schwer bis gar nicht widerstehen kann. Technisches Spielzeug macht mich zwar nicht schneller, aber definitiv glücklich. Daher bin ich auch schon eine Weile um die verschiedenen Activity-Tracker rumgeschlichen, konnte mich aber nicht so recht entscheiden.

FitBit fand ich ganz sympathisch, weil auch als Nicht-Armband erhältlich, allerdings ist so ein Clip, den man in der Hosentasche mit sich rumträgt, geradezu prädestiniert dazu, in der Waschmaschine oder anderswo zu landen, wo er nicht hingehört. Polar Loop hörte sich nicht schlecht an, und war auch preislich ganz attraktiv, aber ich neige zu Markentreue, und da ich mit meiner FR 305 immer noch glücklich bin, kam natürlich auch Garmin in die engere Wahl.

Man kann ja ach so viel Zeit damit verbringen, im Netz Tests und Vergleichsberichte zu lesen (hab ich gemacht), ohne danach einen Schritt weiter zu sein. Daher beschloss ich, einfach mal auf Twitter in die Runde zu werfen, welchen Tracker ich mir denn nun zulegen sollte, sollte mir das Christkind ein bisschen Geld überlassen. Garmin oder Polar?

Eigentlich erwartete ich nun, dass sich meine Twitter-GenossInnen die Köpfe einschlagen würden, welches Produkt das bessere sei. Womit ich NICHT rechnete war folgendes: Tweet GarminIch war echt erst mal total geplättet und konnte es kaum glauben. Da mache ich immer erfolglos bei den Runners‘ World Gewinnpielen mit oder bei Achim Achilles, und dann so was… 😀

Ich glaube, daher schulde ich Garmin auch einen kleinen Testbericht. Und hier kommt er:

Das Kerlchen kam wirklich kurze Zeit später an, und lächelte schick aus seiner Verpackung. Zum Öffnen der Verpackung benötigt man zwar ein abgeschlossenes Ingenieursstudium, aber es lohnt sich. 🙂VívofitIn der Verpackung befindet sich noch ein zweites, kleineres Armband, sowie ein USB-ANT-Stick zur Verbindung mit dem Computer. Der ist allerdings so wirklich richtig klein, und man sollte ihn an einem sicheren Ort aufbewahren oder dauerhaft in einem USB-Port eingesteckt lassen, sonst isser weg.

Die Einrichtung ging mit Garmin Connect, das ich auch schon zur Auswertung meiner Forerunner 305 nutze, vollkommen problemlos sowohl am iMac (mit ANT-Stick), als auch am iPad (über Bluetooth). Was allerdings aus nicht hinreichend geklärten Gründen zumindest bei mir nicht klappt, ist die Verständigung mit dem iPhone. Ich bekomme immer wieder die Meldung „Gerät kann nicht gefunden werden“, oder – wenn es doch einmal gefunden wird – „Gerät kann nicht gekoppelt werden“. In den Rezensionen über die App häufen sich ähnliche Berichte. Für mich ist es zu verschmerzen, weil es an zwei Geräten funktioniert, seltsam ist es doch. Vielleicht wird das mit einem Update in Zukunft behoben.

Oh, ich fange mit Nörgeln an… höchste Zeit, in den Lob-Modus zu schalten, denn da gibt es einiges zu sagen. 🙂

Anders als andere Activity-Tracker hat das/die/der vívofit keinen Akku, sondern eine Knopfzelle, die etwa 1 Jahr halten soll. Nächstes Jahr hören wir uns also wieder. Ich bin zwar eigentlich ein Akku-Fan, aber bei einem Gerät, dass man ja eigentlich rund um die Uhr tragen soll, ist es natürlich schon lästig, wenn man es alle Nase lang aufladen muss. Die Batterien kann man mit einem kleinen Schraubenzieher übrigens selbst wechseln. Wechseln kann man auch die Armbänder, die in allen Farben des Regenbogens und – wie bereits erwähnt – zwei verschiedenen Größen erhältlich sind. Wenn man also ein paar Euronen auf den Tisch legt, kann man das vívofit immer passend zur Kleidung stylen. Mir persönlich gefällt das Anthrazit-Grau ganz gut, und es passt auch zu allem.

Vom Tragekomfort her passt es mir hervorragend. Es hat keine Schnalle, sondern wird mit Noppen eingeklickt, was das Anlegen erleichtert. Allerdings kann das sich schon mal lösen, wenn man irgendwie blöd dran hängen bleibt. Deshalb liefert Garmin auf Wunsch und kostenlos den vívokeeper nach, was schlicht und ergreifend ein Gummiring ist, der genau das verhindern soll.

Nun gut, und was hat man jetzt davon?

In ihrer Grundfunktion sind alle Activity Tracker in erster Linie eines: Schrittzähler. Weshalb ich überhaupt so ein Teil wollte, war bei mir die Frage, was ich im Job so alles zusammenlaufe, denn ich habe keine typische sitzende Tätigkeit, wenn ich auch einen beträchtlichen Teil meiner Zeit am Schreibtisch verbringe. Außerdem wollte ich wissen, wie aktiv ich tatsächlich so bin, denn nach wie vor ist mein Gewicht für mich ein Thema, auch wenn ich schon gute Erfolge mit Ernährungstagebuch erzielt habe.

Hier hilft das vívofit doppelt, denn es zeigt nicht nur die Schritte, sondern auch den Kalorienverbrauch einschließlich des Schlafs an, so dass ich weiß, an welchen Tagen ich mal ein bisschen mehr futtern darf. In der Theorie kann ich auch mein Garmin- und mein myfitnesspal-Konto miteinander verknüpfen, so dass alle zusätzlich verdienten Kalorien direkt angezeigt werden. In der Theorie, denn in der Praxis funktioniert das irgendwie noch nicht so ganz. Die Synchronisation erfolgt nur sporadisch, nur für einen halben Tag, oder auch gar nicht. Ob das Problem nun bei Garmin oder bei myfitnesspal liegt, vermag ich nicht zu sagen. Auch hier hoffe ich noch auf ein Update.

Wenn man zu lange rumhockt (laut Beschreibung ab 1 Stunde), bekommt das Display einen roten Balken. Andere Activity-Tracker vibrieren oder piepsen. Das würde mich wahnsinnig machen. Der rote Balken ist ok.

Allerdings liegt es nun mal in der Natur eines Schrittzählers, dass für ihn nur eines zählt, nämlich Schritte. So ist es ihm z.B. vollkommen gleichgültig, wenn ich gerade 15 Minuten Schnee geschippt habe. Das Display sagt: „Du bist faul!“ Auch kurze Unterbrechungen vom Sitzen zählen nicht. Um den roten Balken wegzukriegen, muss man mindestens 100-200m am Stück gehen. Besonders diskriminiert fühle ich mich hier bei jeder Art von Hausarbeit. Sobald man etwas mit sich rumträgt, und die Arme dadurch beim Gehen fixiert, werden die Schritte nicht mehr registriert. Lauf also drei Mal mit Kisten voll Wäsche in den Keller und zurück, bring den Müll raus, leer das Katzenklo, schleppe kiloweise Brennholz ins Haus… das Display sagt: „Los, beweg dich!“ Beim Einkaufen kann man soviel rumlaufen, wie man will, so lange die Hand am Wagen ist, gilt man als inaktiv.

Das Gleiche gilt natürlich fürs Radfahren. Schmerzlich, aber nicht zu ändern.

Andererseits kann man das dem Gerät nicht wirklich zum Vorwurf machen, denn es wird nunmal am Handgelenk getragen, und kann nur rhythmische Armbewegungen registrieren, wie sie eben z.B. beim Gehen oder Laufen auftreten. Für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt hier, dass auch andere rhythmische Armbewegungen (Zähneputzen, Haare bürsten, Katze streicheln, dirigieren, Klavier spielen…) als Schritte gezählt werden. Manche regen sich darüber furchtbar auf. Ich denke, das gleicht einfach die Schritte aus, die es bei anderen Tätigkeiten nicht gezählt hat. Außerdem kann ich das Band beim Klavier Spielen oder Dirigieren einfach ausziehen, wenn ich mir nicht die Statistik verfälschen will.

Sehr positiv finde ich, dass sich das vívofit mit allen Garmin-Brustgurten koppeln lässt, selbst mit meinem aus dem frühen Pleistozän stammenden Brustgurt von der 305. So kann man es durchaus auch als Laufuhr-Ersatz nutzen, wenn einem die Pace egal ist. Denn die Distanz wird über die Schrittlänge überraschend genau ermittelt, und war fast identisch mit der GPS-vermessenen Strecke. Die Schrittlänge wird hier über die im Profil angegebene Körpergröße ermittelt. Selbst kalibrieren kann man sie nicht. Das finde ich persönlich nicht so wirklich schlimm.

Neben Schrittzahl, zurückgelegter Distanz, Kalorienverbrauch und Herzfrequenz zeigt das Kerlchen natürlich auch Uhrzeit und Datum. Auf eine extra Uhr kann man daher verzichten. Allerdings sollte man hier beachten, dass das Display keine Beleuchtung hat, so dass es etwas schwierig wird, im Dunkeln auf die Uhr zu sehen. Das spart dafür aber ordentlich Batterie.

Für jeden Tag legt einem die Software ein Ziel fest, wie viele Schritte erreicht werden sollten. Dabei wird das Ziel angepasst, d.h. wenn man sein Ziel locker erreicht, wird das Ziel für den Folgetag erhöht, schafft man es nicht, wird es heruntergeschraubt. Erreicht man das Ziel, gibt es eine hübsche kleine virtuelle Medaille, ebenso für andere „Meilensteine“ wie z.B. die ersten 50 000 Schritte oder ähnliches. Das ist eine nette kleine Nebenspielerei, die uns Geeks erfreut und zusätzlich motiviert. Ein Countdown auf dem Display zeigt, wie viele Schritte noch zum Ziel fehlen.

Legt man sich schlafen, kann man das vívofit auf „sleep“ schalten. Schließlich wollen wir ja nicht rote Balken sammeln. 😉

Während des Schlafs werden Bewegungen aufgezeichnet, die man am nächsten Morgen in einer Grafik anschauen kann. Für mich liegt der Erkenntnisgewinn hier eher in der Schlafdauer. Ich weiß nicht, was man ansonsten daraus heraus lesen können soll. Viele Rezensenten motzen, die Schlafanalyse sei nicht detailliert genug. Aber wozu auch? Soll ich am nächsten Morgen sagen „Oh, meine App sagt, ich habe nicht optimal geschlafen, jetzt muss ich mich krank melden?“ Ich will mich ja schließlich nicht noch mit der Qualität meines Schlafs stressen lassen.

Fazit:

Ich trage das vívofit jetzt seit etwas über einer Woche, und ich muss sagen, es motiviert mich. Ohne wäre ich heute sicherlich nicht noch mal für einen kurzen Spaziergang rausgegangen. Und der Ehrgeiz, diesen roten Balken wegzukriegen, hat mich auch im Haus schon zum ein oder anderen Extraweg verleitet.

Ich finde es auch interessant, dass ich als jemand, der ja durchaus sportlich aktiv ist, an trainingsfreien Tagen Mühe habe, auf eine Schrittzahl zu kommen, die als gesundheitlich optimal gilt. (So zwischen 7000 und 10000 Schritte sollten es wohl sein)

Es zeigt mir, wenn ich zu lange am Stück rumsitze und liefert mir interessante Daten. Dabei finde ich schön, dass ich die wichtigsten Informationen direkt auf dem Display ablesen kann, und es nicht jedesmal mit dem Computer oder Tablet oder Smartphone synchronisieren muss, wie es bei anderen Trackern der Fall ist.

Ich kann mir auch vorstellen, dass es bisher eher inaktive Menschen durchaus zu mehr Bewegung im Alltag ermutigen kann. Ein Spaziergang hat ja nicht so was Abschreckendes wie eine Laufrunde oder Krafttraining im Studio.

Die Schrittzahl wird sehr genau erfasst, bei anderen Aktivitäten gibt es natürlich Schwächen. Aber DEN ultimativen Tracker kann es auch noch gar nicht geben. Als Zukunftsvision könnte ich mir ein lernfähiges Gerät vorstellen, dem man bestimmte Bewegungen beibringen kann, die dann auch entsprechend gezählt oder ignoriert werden. Aber so lange es das noch nicht gibt, verlassen wir uns doch einfach auf die beste Technik, die wir derzeit haben: Unser Körpergefühl. 🙂

Nochmal ganz ganz herzlichen Dank an Garmin! Ihr seid die Coolsten!

(Und jetzt marschier ich noch ein bisschen auf der Stelle, mir fehlen noch 2000 Schritte. 😛  )

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14 Kommentare zu “Mein unerwartetstes Weihnachtsgeschenk: ein vívofit von Garmin

  1. Danke, für den Bericht. Sehr interessant! Obwohl ich dazu tendiere, mir einfach einen normalen Schrittzähler zu kaufen und fertig. Mich würde es auch mal interessieren, wieviel Schritte ich am Tag so schaffe.
    Ich überlege noch…

  2. Das ist ja mal cool von Garmin. Dakne für den Bericht. Wenn, würde ich auch etwas holen, was ich mit den bestehenden Dingen (Garmin/runtastic) kombinieren kann. Bisher hat es mich noch nicht eingeholt aber wer weiß.

  3. Grauenhafte Vorstellung, von so einem Ding gegängelt zu werden – nein, für mich ist das nichts. Aber ich bin auch kein Gadget-Fan. 😉

    • Wenn’s doof ist, kann man es ja jederzeit ausziehen. Aber ja, Gadget-Fan sollte man schon sein. Ich liiiiiiiiebe elektronische Dinge. Hab dafür weder Handtaschen noch Schmuck. 😉 Irgendeinen Knall muss man ja haben. 😀

  4. Vorbildlich! – Und zwar Dein Bericht, Deine Aktivität via Twitter und die Reaktion von Garmin. Ich wünsche mir, dass auch jemand von Polar hier mitliest und sich für diese Firma eine Scheibe abschneidet… 😉

    • Dankeschön! Ja, etwas mehr Reaktionen von Polar wären durchaus wünschenswert. Grundsätzlich finde ich die Firma nämlich nicht schlecht, und hatte durchaus auch ein Auge auf die V800 geworfen. Aber für mich geht nun mal nix ohne Routennavigation, und dass es die immer noch nicht gibt, ist etwas…peinlich.

  5. So ein Geschenk hätte ich gerne genommen. Ich liebe Gadgets. Wegen der fehlenden Schritte: was passiert denn, wenn man sich das Dings nicht ans Handgelenk, sondern ans Fußgelenk schnallt? Dann zählt es nicht mehr beim Klavierspielen, aber dann, wenn man die Beine bewegt. Oder ist das Band dafür zu kurz?
    Ich nutze zurzeit mein Handy als Schrittzähler und finde das ganz spannend. 10000 Schritte schaffe ich auch nur, wenn ich laufen gehe oder wirklich bewusste einen Spaziergang einbaue. Mein normaler Alltag reicht da nicht. Obwohl ich keinen reinen Schreibtischjob habe.

    • Ich hab’s gerade probiert…meine Fußgelenke sind zu dick, oder das Band ist zu kurz, wie man’s nimmt. 🙂
      Aber zum Klavierspielen kann ich’s ja ausziehen. Hoffe, die Salbe ist angekommen?
      Dir einen guten Rutsch!

      • Die Salbe ist heute angekommen. Habe sie gerade ausprobiert. Riecht wirklich nach nichts und verteilt sich etwas zäh. Hoffe sie hält, was sie verspricht, der erste Eindruck ist jedenfals positiv. Danke nochmal 🙂

  6. Ich liebe Technik im Alltag, aber so ein Ding wäre nichts für mich. Dennoch ist es ein feiner Zug von Garmin gewesen, Dir einen zu überlassen, ungewohnt und überraschend 😎
    Lass Dich nicht so sehr von dem Gadget gängeln :mrgreen:

    Salut
    Christian

    • Keine Angst, ich lass mich nicht gängeln. Das ist gerade eine nette Beschäftigung und hat den Reiz des Neuen. Ich werde aber sicher nicht vor Verzweiflung aus dem Fenster springen, wenn ich mein Schritteziel nicht erreiche. :mrgreen:
      à plus!

  7. Pingback: Laufen, Krafttraining und Abnehmen mit / trotz Hashimoto – ein Update | laufkater

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