Running in a Winterwonderland – Silvesterlauf 2014 in Tuttlingen


„Der Silvesterlauf findet auf jeden Fall statt. Wir werden die Wege bestmöglich räumen, können aber nicht für Schneefreiheit garantieren.“ Soweit der Veranstalter auf der Homepage und bei Facebook. So ein bisschen Schnee ist ja auch wirklich kein Grund, einen Lauf ausfallen zu lassen. Spannend würde es allerdings werden, das Auto heil nach Tuttlingen zu bringen. Glücklicherweise war auch das kein Problem, da heute erstmals alle wichtigen Straßen vorbildlich geräumt waren.

Es hat seine Vorteile, wenn man zum zweiten Mal an einem Lauf teilnimmt, weil man schon weiß, was auf einen zukommt, und ich konnte diesmal wesentlich schlauer, d.h. näher, parken als beim letzten Mal.

Bei der Startnummernausgabe ging es zügig und diesmal gab es auch ein paar Goodies für die Voranmelder. Eine Buff-Kopie mit Silvesterlauf-Aufdruck, ein paar Radsport(??? Na ja, sei’s drum…)-Socken, ein Basica-Pröbchen und – sehr praktisch – einen Laufkalender nur für Ba-Wü.

Spannend war natürlich wie immer die Frage: Was anziehen? Ich hatte schon daheim im 5-Minuten-Takt die Wettermeldungen verfolgt, Tendenz: immer wärmer aber unter 0. Ich entschied mich letztlich für ein warmes Kurzarm-Unterhemd von Craft, mein Brooks Utopia Thermal Hoodie, meine Asbach-Uralt Longtight von Brooks ohne Thermo-Schnickschnack und meine Ghost 6 GTX. Natürlich hatte ich auch meine Glückssocken vom Schwarzwald-Marathon an. 🙂 Es sind schon alleine deshalb Glückssocken, weil ich tatsächlich den mit „R“ markierten Socken in der Hand hatte, als ich den Wollsocken von meinem rechten Fuß gezogen hatte. Wenn das kein gutes Omen ist!

Muss ich erwähnen, dass ich zur Sicherheit meinen halben Kleiderschrank dabei hatte? Vermutlich nicht… 🙄

Ich lief mich ein bisschen auf der Strecke zur Aula ein, die unmittelbar am Startbereich liegt, und doch ein ganzes Stück von der Umkleide entfernt, um dann noch möglichst lange im Warmen auszuharren. So konnte ich auch schon die Wegbeschaffenheit antesten. Hier waren keine Leichtgewichte sondern Schuhe mit Grip nötig.

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In Erinnerung an das vorzeitig leergeräumte Kuchenbuffet vom letzten Jahr hatte ich mir diesmal einen Streuselkuchen als Startverpflegung reingezogen. Massives Carbo-Loading eine Stunde vor dem Lauf… das passt. Seit ich die Texte von Frauschmitt lese, träume ich von Streuselkuchen bei einem Lauf. Dieses Mal hat das zum ersten Mal funktioniert. Himmlisch!

(Übrigens: Diesmal gab es ausreichend Kuchen. Das konnte ich aber vorher nicht ahnen.)

Silvesterlauf 2014-9 Silvesterlauf 2014-8Mit nur kurzem Anfrösteln ging es pünktlich um 13:00 auf die 10km Runde. Stilecht wurde der Startschuss mit einer Konfetti-Kanone gegeben.

Silvesterlauf 2014-5Gewohnheitsmäßig stellte ich mich weit hinten an – ein strategischer Fehler, der mich vielleicht eine Minute gekostet hat (vielleicht auch nicht, wer weiß das schon…) – und zockelte mit den anderen Richtung Startlinie. Da ich mich diesmal vorangemeldet hatte, war mein Name gut sichtbar auf der Startnummer. Der unermüdlich gut gelaunte Kommentator (Riesen-Kompliment an dieser Stelle!) nahm das zum Anlass, mich namentlich zu begrüßen und zu prophezeien: „Ja, ganz hinten starten und dann alle überholen!“ Er sollte ein Stück weit Recht haben. Vielleicht sollte ich ihn als mein persönliches Maskottchen engagieren und in Zukunft auf meine Läufe mitnehmen. 🙂 Vor lauter Begeisterung vergaß ich, meine FR 305 zu starten, was mir erst auffiel, als ich meine Pace wissen wollte. Meinen Puls hatte ich am anderen Arm auf dem vívofit. Ja, ich war mit Gadgets behängt wie ein Weihnachtsbaum… :mrgreen:

Tatsächlich lief mir das Feld zu langsam an. Die Wege in Tuttlingen sind schmal. Außerdem lag rechts und links nicht zu knapp Schnee. Überholen war schwierig bis unmöglich. So ging es den ersten Kilometer, bis ich mich ein bisschen frei laufen konnte. Nanu? Das kannte ich ja gar nicht?

Was die Wegbeschaffenheit angeht, hatten sich die Veranstalter wirklich Mühe gegeben. Nirgends war es glatt, allerdings lag doch recht viel Schneematsch, und auf einer Brücke war eine dicke Schicht angesulzten Schnees, die doch ordentlich bremste. Ich war froh, die letzten Tage bei genau diesen Bedingungen gelaufen zu sein, und auch froh, dass ich mich gegen die leichten Kinvaras und für die Ghost GTX mit ordentlich Grip entschieden hatte.

Die Zuschauer waren nicht gerade zahlreich, aber dafür voll dabei. Ein Typ mit einer kleinen Brülltüte spielte ständig Fangesänge ab, und auch die Guggemusik war ein echter Stimmungsmacher. Ein großes Kompliment auch an die zahlreichen Streckenposten, viele von der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule, die bei doch nicht gerade gemütlichen Verhältnissen ausharrten.

Die Strecke ist mit nur 25 HM eher flach. Die Anstiege sind eigentlich meist Brücken, die man über- oder unterqueren muss. Das Hügeltraining, das ich zur Vorbereitung für den Nikolauslauf absolviert hatte, sorgte dafür, dass ich bei jeder Steigung angriff. Yeah! Danach musste ich allerdings aufpassen, dass mein Puls wieder in den rot-grünen Bereich kam. Ich überholte immer noch… Langsam war ich verwirrt. Die Manöver kosteten allerdings Kraft, und mittlerweile kenne ich die Pulsbereiche, ab denen es keinen Spaß mehr macht. Da wollte ich noch nicht hin.

Die erste Runde beendete ich zeitgleich mit dem späteren Sieger, Jens Ziganke, der die Strecke in sensationellen 0:33:26,8 schaffte. Der Zweitplazierte war übrigens nur eine Zehntelsekunde langsamer. Wahnsinn.

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit konnte ich es diesmal nicht lassen, auf der Strecke zu fotografieren. Es war einfach zu schön.

Silvesterlauf 2014-4 Silvesterlauf 2014-3Auf den letzten 1 1/2 km saugte ich mich an eine Dame in Pink heran, die eine vollkommen unfunktionelle aber sehr hübsche Strickmütze trug. Sie machte immer wieder Gehpausen, so dass ich schließlich auf gleiche Höhe kam. Ich wurde ein paar ermunternde Worte los, die wohl magisch waren, denn sie hängte mich glatt ab. Allerdings nicht für lange, dann wurde wieder gegangen. Meine Jagdinstinkte erwachten. Irgendwann futterte ich sie weg. Letzter Kilometer. Weiter vorne: wieder pink! Die wollte ich mir noch holen. Allerdings gab sie nicht kampflos auf, sondern zog an, als wir auf gleicher Höhe waren. Na dann eben nicht. Allerdings konnte sie das Tempo nicht halten. Kurz vor dem Ziel hätte uns ein schnarchender Streckenposten noch fast falsch geschickt, merkte es aber noch, so dass vielleicht ein oder zwei Zehntel draufgingen. Egal. Das Ziel zog, da ging noch was. Pink Lady ließ ich hinter mir. Da ging wohl nichts mehr. Mann, es fühlt sich gut an, am Schluss noch Reserven zu haben!

Schlussendlich beendete ich den Lauf in 1:06:10, was zwar keine persönliche Bestzeit ist (in Bodman war ich schneller), aber ein persönlicher Streckenrekord, mit dem ich sehr zufrieden bin. Ich habe weder gezielt auf einen 10er trainiert, was nach dem Nikolauslauf auch gar nicht wirklich möglich war, noch mich übermäßig gequält. Ich hatte Spaß und am Schluss noch Kraft. Was will man mehr?

Bei diesem Lauf werden übrigens auch die Leistungen langsamer LäuferInnen gewürdigt und die mit über 1:10 ins Ziel Einlaufenden vom Kommentator mit dem gleichen Enthusiasmus wie die Sieger begrüßt. Ein dickes Danke!

Diesmal gab es im Ziel warmen Tee – ein übles süßes Gebräu, was ich ansonsten nie freiwillig trinken würde, hier war es himmlisch. Um nicht auszukühlen trat ich sofort den Weg zur Umkleide an.

Silvesterlauf 2014-2 Silvesterlauf 2014-1Hier ärgerte ich mich leider zum ersten Mal, weil es die anderen Damen schafften, mein Handtuch vier Mal (!) auf den nassen Boden zu werfen, so dass ich mich nur noch mit dem verbliebenen trockenen Ende abtrocknen konnte. Grmpf! Notiz an mich selbst: Immer zwei Handtücher einpacken!

Ich verfolgte noch die Siegerehrung, wo Teilnehmer bis zur AK M85 (!) geehrt wurden. Respekt! Leider war ich Letzte in meiner AK. In den jüngeren AK waren allerdings ein paar deutlich langsamere Läuferinnen dabei. Wieso ist die W35 bloß so gut drauf? Was soll’s.

Bei trockener Strecke und mit leichteren Schuhen wären vielleicht 1 oder 2 Minuten schneller drin gewesen, aber wer kann das schon sagen. Wie Eddy sagte: Es ist nicht die Zeit, die zählt, es ist deine Leidenschaft.

Und in diesem Sinne wünsche ich jetzt allen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Danke an die Organisatoren für einen tollen Lauf! Nächstes Jahr gerne wieder!

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12 Kommentare zu “Running in a Winterwonderland – Silvesterlauf 2014 in Tuttlingen

  1. Danke für den „leidenschaftlichen“ Bericht, spontan einen 10er hingezaubert, das ist doch etwas, auf das Du stolz sein kannst. Einen gewissen Wettkampfgeist scheinst Du ja zu haben und der Ehrgeiz war ja vorhanden die anderen in den Boden zu stampfen, deshalb ist die Platzierung doch unerheblich.

    Ich wünsche Dir und Deinen Liebsten ein gutes neues Jahr und viele gesunde und spannende Kilometer

    Salut
    Christian

    • Vielen Dank!
      Vor einiger Zeit hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal so einfach einen 10er aus dem Hut ziehe. Da bin ich schon stolz drauf. 🙂 Ja, ein Ehrgeizling war ich schon immer, aber bei Läufen hab ich so was von keine Chance, vorne mitzumischen, dass mich das in gewisser Weise entspannt. Verdreht, oder?
      Dir und Deiner Familie auch ein wunderschönes neues Jahr!
      À plus!

  2. ich bin stolz auf eine so fitte Dirigentin. Machen Sie weiter so! Die Berichte sind immer gut zu lesen.

    Ein gutes, gesundes, verletzungsfreies 2015

    Roland Maier

  3. Frohes neues Jahr erstmal!
    Das war ja ein perfekter Jahresabschlusslauf! Ein tolles Gefühle, wenn am Ende noch etwas geht. Herzlichen Glückwunsch.
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Dir auch ein frohes neues Jahr! Danke!
      Ich war wirklich auch sehr glücklich mit diesem Jahresabschluss und hoffe natürlich, mich noch weiter zu steigern. Aber alles schön langsam. 🙂

    • Genau, oder um es mit anderen Worten zu sagen: Sch… Konjunktiv. Ich freu mich in jedem Fall und steige morgen garantiert wieder in die Laufschuhe. Heute war ein ausgedehnter Spaziergang bei traumhafter Sonne und Schnee angesagt. 😎

  4. Da springt einem aber viel Freude entgegen. Sehr fein!

    Das „Problem“ an der AK 35 ist, dass in dem Alter viele mit der Lauferei beginnen und die Konkurrenz einfach größer ist – glaub ich zumindest.

    Wünsche Dir für 2015 noch viele tolle Läufe, dass Du Deine eigenen Bestzeiten pulverisierst – oder auch nicht. Je nachdem, wonach Dir ist.

    Gruß
    Anja

    • Danke! Ja, ich hatte echt Spaß und hab jede Minute genossen. Noch etwas mehr als ein Jahr, dann kann ich in der W40 (raaaaaaaa!) angreifen… 😈 … Nee, Bestzeiten sind wirklich nicht so wichtig. Für mich war viel wichtiger, dass es mir die ganze Zeit über gut ging und noch Reserven da waren. Ich hoffe für Dich auch auf ein tolles 2015! Geh gleich mal Deinen Blog besuchen. 🙂

  5. Pingback: Les Rêveries du coureur solitaire – läuft! | laufkater

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