Cross und quer und drum herum – mein erster Crosslauf


Ich hab’s getan! Obwohl es noch heute Mittag stark danach aussah, dass ich es nicht tun würde. Dass ich es doch tat, verdanke ich nur einer netten unbekannten Dame, die mich nochmals zum Umkehren bewegte, als ich das Stadiongelände entnervt verlassen wollte.

Was war geschehen?

Es ist kurz vor 12 und ich setze mich mit schlechtem Gewissen ins Auto um die 1200m zum Stadion zurückzulegen. Fürs Fahrrad hat es zu viele glatte Stellen und zu Fuß dauert zu lang. Schließlich möchte ich vor dem Start noch Mal heim und was essen.

Ab 12 kann man die Startunterlagen holen, bzw. sich anmelden, so steht es in der Ausschreibung zur 37. Landesoffenen Cross-Lauf-Serie Zollern-Schwarzwald. Man sieht durchaus schon einige crosslaufwillige im Sportgelände herumsocken.

Crosslauf3 Crosslauf2

Die Anmeldung ist in der Halle. Also marschier ich da mal rein. Mmm. Die Tür führt direkt in die Sporthalle, von Anmeldung keine Spur. Ein extrem schlecht gelaunter Herr informiert mich mürrisch darüber, dass die Anmeldung unten sei, und dass da schließlich Pfeile wären. Die Pfeile hab ich schon gesehen, stand nur nix von Anmeldung dabei. Nun ja. Ich folge den Pfeilen zu einer verdächtig aussehenden Kellereingangstür, die sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit auch öffnen lässt. Dahinter stehen noch ein paar Gestalten rum, es gibt ein kleines Sanitätszimmer. Da drin ist es dunkel. Ich stelle mich einfach mal dazu und frage mich immer noch, wo denn jetzt die Startnummernausgabe ist. Besagter Herr taucht wieder auf, schaut mich genervt an, und zeigt mit wütendem Gesicht auf das Schild „Anmeldung“, das am dunklen Zimmer hängt. Mann, was sind wir alle gut gelaunt hier!

Auf Nachfrage erfahre ich von ein paar Mitstreitern, dass die Anmeldung noch nicht so weit sei. Okay…

Ein paar der Helfer fauchen sich genervt an, keiner weiß offenbar, wer wo ist, auf wen man eigentlich wartet, und worum es geht.

Nach etwa 10 min tut sich was. Ich habe mich online angemeldet, also sollte ich nur noch mein Startgeld bezahlen müssen und die Nummer entgegen nehmen. Wenn sie mich denn finden würden… Sie finden mich nicht. Ich soll mich noch gedulden. Daheim wartet das Essen, hier werde ich angepampt, es geht nicht vorwärts, mir reicht’s. Ich frage einen sehr sportlich aussehenden Herrn, ob man hier als langsamer Läufer überhaupt was zu suchen hat. Er hält es offenbar für unter seiner Würde, darauf zu antworten. Wo genau ist hier die sportliche Kameradschaft geblieben?

Ich verlasse die ungastliche Stätte. Sollen sie doch ohne mich laufen. Interessiert ja eh keinen, und in Donaueschingen gibt es einen Karate-Lehrgang, geh ich halt da hin.

Ich bin schon am Ausgang, als mir eine nette Dame entgegen kommt. In meiner Wut informiere ich sie ungefragt darüber, dass das mit der Anmeldung überhaupt nicht funktioniert. Sie lächelt mich freundlich an (der erste Mensch!) und meint, das sei hier normal, ich solle denen noch ’ne Chance geben, und mit ihr mitkommen. Weil sie so nett ist, kehre ich tatsächlich um.

Ich melde mich einfach nach. Kostet zwar 3 € mehr, aber bei dann insgesamt 10 € Startgeld lässt sich das verkraften, und ist mir jetzt auch egal.

Für 10 € ergattere ich also diese wundervolle Startnummer.

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Heim, Mittagessen, und dann – diesmal zu Fuß – zurück, denn um 14:15 soll der Startschuss für die Langstrecke fallen. Ich bin nervös. Mit etwas Tesa und einem Locher habe ich die Startnummer für mein Band passend gemacht. Dann kann’s ja losgehen.

In der Umkleide treffe ich auf Karo. Wir haben uns vorher noch nie gesehen, aber sie ist nett und mir auf Anhieb sympathisch. Der zweite nette Mensch an dem Tag. Geht doch! Sie berichtet, sie sei jetzt die ganze Serie mitgelaufen. Von der Optik her schätze ich sie jetzt auch nicht als ganz rasend schnelle Läuferin ein. Ich bin beruhigt. Offenbar gibt es hier doch noch ein paar Mitstreiter, die die Erfahrung und den Spaß mitnehmen wollen.

Im Startbereich treffe ich auch Fritz aus dem Fitness-Studio, der total begeistert ist, mich zu sehen, und das tut wahnsinnig gut. Die Stimmung hebt sich merklich. Er selbst kann leider nicht mitlaufen, da ihn das letzte halbe Jahr eine Verletzung lahm gelegt hat. Da wäre so ein Crosslauf nicht gleich der richtige Wiedereinstieg.

Ich fröstle mich ein bisschen ein, und folge den anderen in den Startbereich. Lauter nervöse Rennpferde um mich rum. Au weia!

Als der Startschuss fällt, zischen die LäuferInnen um mich herum los, als ginge es um ihr Leben. Grundgütiger! Vor lauter Panik renne ich hinterher. Meine FR305 informiert mich über einen 4:30er-Schnitt. Das ist nicht gut!

Ich steige innerlich in die Eisen. Glücklicherweise kann ich mich an Karos Rücken heften, die die Sache ruhig angehen lässt. Die erste Runde folge ich ihr wie ein Schatten. Es geht in Schlaufen, Kurven und Kreisen über jede Grünfläche, die sich im Stadiongelände finden lässt. Dabei geht es auch ganz schön bergauf und bergab. Die An- und Abstiege sind zwar kurz aber steil. Die PureGrit halten, was sie versprechen. Bergab rutsche ich gar nicht, bergauf nur dort, wo der Boden schon durch die vorherigen Sohlen derart püriert ist, dass alles ohne Spikes verloren ist. Eine besonders hübsch matschige Passage findet sich an einem Stück, wo man zwischen dem Zaun des Fußballfeldes und einer Hecke durchlaufen muss, und daher sowieso nicht viel Platz ist. Ansonsten ist es eine Mischung aus Schnee, Gras und hin und wieder etwas Matsch. 5 Runden sind zu absolvieren, um auf etwa 8 km zu kommen.

Nach der ersten Runde haben sich Puls und Tempo normalisiert. Gut tut die Anfeuerung im Start-Ziel-Bereich durch die dort positionierten Rundenzähler und gefühlt 5 Zuschauer. Einige LäuferInnen haben ihre Trainer dabei, die ihnen vom Streckenrand her Anweisungen zubrüllen. „Kopf hoch!“ „Schön locker bleiben!“ „Schau nach vorne!“ „Bleib gerade!“

Ich merke, dass sich mein Puls sogar unter die 170 bewegt, was für mich heißt: Da geht ein bisschen mehr. Vorsichtig arbeite ich mich an meiner Mitstreiterin vorbei. Hin und wieder – na gut, eigentlich dauernd – werde ich von den schnelleren Läufern überholt. Da fliegt der Matsch, da pfeift die Lunge. Ein Läufer hupt mit seinem Atem regelrecht. Ich weiß nicht, ob er damit sein Überholmanöver signalisiert, oder ob er immer so atmet. Es ist anstrengend, aber irgendwie auch lustig, und die Bergabpassagen brauchen sogar ein bisschen Mut, wenn man sie runter rennt. Mit dem richtigen Timing lassen sich auf der anschließenden Geraden sogar etwas Kräfte sparen. Hin und wieder schummle ich ein bisschen, wenn die Wiese direkt neben einer asphaltierten Stelle vorbeiläuft. Das machen aber alle mit Ausnahme der Spike-Träger.

Die Runden ziehen sich ganz schön. Jeder Durchgang durch den Start-Ziel-Bereich sorgt wieder für neuen Schub. Die Helferinnen dort sind großartig. Und Fritz ist auch da und feuert mich begeistert an.

Als ich auf die letzte Runde gehe, macht sich innerlich Erleichterung breit. Ich werde das Ding jetzt nach Hause bringen, und noch nicht mal als Letzte. Dabei hatte ich doch fest damit gerechnet.

Vor lauter Begeisterung bleibe ich kurz vor dem Ziel stehen. Man muss allerdings sagen, dass ein mit Erde auf matschigem Boden markiertes Ziel nicht so wirklich markant aussieht. „Weiterlaufen!“ ruft jemand, und ich laufe noch die letzten 3 Meter, wobei die 5 Sekunden Zeitverlust nicht so wirklich ins Gewicht fallen dürften.

Ich sehe zu, dass ich und mein warmer Ziel-Tee in die Umkleide kommen, denn mit so ca. -1°C ist es nicht sooo kuschlig draußen. Dabei fällt mein Blick auf die nun aushängenden Starterlisten. Dort stehe ich, allerdings mit einer anderen Nummer. Meine vorsichtig-verwirrte Nachfrage bei der Wettkampfleitung führt dazu, dass sich die beiden Gestalten, die dort an zwei Laptops sitzen, gegenseitig anschreien. Ich ziehe mich behutsam zurück. Ist ja letztlich auch Wurscht.

In der Halle genehmige ich mir einen leicht verlebt aussehenden aber sehr lecker schmeckenden Bananenkuchen und warte auf die Siegerehrung. Das zieht sich allerdings. Ich nütze die Zeit, um mit Karo und ihrem Begleiter Dirk ein bisschen zu fachsimpeln. Die beiden wollen auch in Freiburg starten. Cool! Ich hoffe, man sieht sich dort wieder!

Crosslauf1

Dann gibt es doch noch eine Überraschung: Ich werde Erste in meiner AK. Dass ich die einzige Starterin in meiner AK war, lasse ich jetzt einfach mal unerwähnt. Liest sich besser.  🙂

Weil das so toll ist, bekomme ich die Urkunde gleich zwei Mal. War wohl doch doppelt angemeldet… Oh, well…

Diese Urkunde werde ich in Ehren halten, denn so was werde ich wohl so schnell nicht mehr sehen. 🙂

Da es eine Crosslauf-Serie ist, sollte jetzt eigentlich auch noch die Siegerehrung der Serien-Sieger erfolgen. Aber das zieht sich… Schließlich möchte ich nicht mehr warten. Es ist kalt in der Halle, und die Helfer bauen auch schon fröhlich alles ab, was nicht mehr gebraucht wird. Ich verabschiede mich von Karo und Dirk, und freue mich tierisch über meine Urkunde. Auch wenn es keine großartige Leistung mit 53:20 über die Strecke ist, war ich immer noch schneller als alle die, die daheim geblieben sind, und insofern habe ich den AK-Sieg ja dann doch irgendwie verdient.

Vielleicht mache ich nächstes Jahr die Serie mit… Mal sehen. 🙂

Mein Dank geht an Fritz, Karo und Dirk und an die nette unbekannte Dame, die mich davon abgehalten hat, alles hinzuschmeißen.

Mein Dank geht auch an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Ich finde es fantastisch, dass Ihr Euren Samstag für uns Läufer opfert. Ich möchte Euch nur bitten, Euren Frust über organisatorische Probleme nicht gleich ungefiltert an den Teilnehmern auszulassen. Die haben Euch nichts getan, und können nichts dafür. Wenn ich das nächste Mal teilnehme, dann weiß ich, wo die Anmeldung ist, dann stelle ich keine blöden Fragen, und lasse Euch ganz bestimmt in Ruhe. Versprochen.


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26 Kommentare zu “Cross und quer und drum herum – mein erster Crosslauf

  1. Herzlichen Glückwunsch!
    Schöner Beitrag, wobei man mich wahrscheinlich nach dem tollen Empfang nicht mehr zur Umkehr hätte bewegen können!
    Aber bei Dir hat es sich ja gelohnt!
    Klasse Leistung.

  2. Alle Ängste umsonst ! Du hast es geschafft – nur das zählt ! Noch besser,wenn man sich platziert, auch wenn nur einer der Altersklasse vertreten ist, wenn die anderen nicht kommen……. !

    Manchmal klappt es mit der Organisation nicht wunschgemäß, aber da muss man als Teilnehmer tolerant sein, ich habe oft genug als Helferin zur Seite gestanden und weiß, wie das ist, wenn dann noch nervige Läufer dazukommen, platz halt mal die Bombe !

    Was wären solche Läufer ohne Helfer und Organisatoren, viele Läufe gibt es nicht mehr mangels solcher, darum ……. !

    • Ich sag ja: Dank an alle Helfer! Nur war ich wirklich nicht nervig, sondern hatte nur eine ganz harmlose Frage. Und ich bin wirklich tolerant. Ich wäre noch toleranter, wenn ich – wie z.B. in Donaueschingen – wüsste, dass das erst der zweite oder dritte Lauf seiner Art ist. Aber das ist Nr. 37. Da sollte man doch meinen…
      Trotzdem, ich bin ja umgekehrt und wurde dafür ja auch noch belohnt. Hab mich auch bei jedem NETTEN Helfer bedankt. Wirklich.

  3. Daumen hoch und herzlichen Glückwunsch! Das hast Du prima hinbekommen! Ich weiß nicht, ob mich jemand noch zum Laufen hätte bewegen können – bei der unfreundlichkeit. Gut, dass du gestartet bist! Erster in der AK wird man nicht alle Tage. 😉
    Mal schauen, ob du in der nächsten Saison die Serie läufst…

    • Danke sehr! Ich hab’s mir auch schwer überlegt, aber dann dachte ich auch, es wäre ja echt schade um Training und neue Schuhe, wenn ich das jetzt hinschmeiße. Und das Ergebnis gab mir ja Recht (hihi) 🙂
      Ja, mal sehen, wie’s terminlich so hinhaut mit der Serie.

  4. Pingback: Liebe auf den ersten Schlick – der Brooks PureGrit 3 | laufkater

  5. Liebe Christiane,

    mit Verlaub, unfreundliche und gefrustete Helfer…das geht gar nicht, da hätte ich das eine oder andere Wort an die Herrschaften persönlich gerichtet 🙂

    Gratuliere zum Sieg in der AK, das bleibt für immer 😉

    Salut
    Christian

    • Danke! Die Urkunde bekommt einen Ehrenplatz. 🙂 Ja, das mit den persönlichen Worten ist so ne Sache. Wenn man mir unfreundlich kommt, neige ich leider dazu, dann ebenfalls sehr unfreundlich zu werden. Dem enziehe ich mich dann lieber durch räumliche Distanz.

  6. Das klingt ja als hättest du das Crosslaufen entdeckt :). Herzlichen Glückwunsch zum AK Sieg! Und so langsam finde ich die Zeit auf profilierten matschigem Gelände gar nicht. (Ich hätte dich in deiner AK sicher nicht geschlagen ;))

    • Danke für die Blumen!
      Sorry, dass ich deinen Kommentar erst jetzt beantworte. Hab ein bisschen den Überblick verloren.
      Wir könnten ja mal virtuell zusammen laufen, und dann sehen… aber Zeiten sind eigentlich eh nebensächlich. Das mit dem virtuell zusammen laufen wäre aber trotzdem cool. 🙂

      • Also vergleichen lässt sich so ein Lauf ja sowieso nicht, da unsere Boden-, Hügel- und Wettergegebenheiten doch sehr unterschiedlich sind. Aber ansonsten können wir das ja gerne mal in Angriff nehmen und etwas verabreden…

  7. Tolle Leistung! Ich bin schon ein paar Mal beim Schloss-Cross in Laupheim gelaufen und war jedes Mal platt. 🙂
    Und dort läuft man überwiegend auf Schotter.

    Viele Grüße

    Andy

    • Danke!
      Kräftemäßig ging das schon mehr an die Substanz. Aber war auch echt mal was Anderes. Ich glaube, „Cross“ definiert jeder Veranstalter für sich. Schotter kann fies sein.

  8. Haha, da haben sich die typisch norddeutschen Knorrköppe mal in den Süden verirrt. Solche Herrschaften erlebe ich hier hin und wieder auch – aber auch Läufer, die sich selbst und den Kleinkleckersdorfer Waldlauf viel zu wichtig nehmen. Die schaukeln sich an schlechten Tagen mit ihrer miesen Laune bestimmt gegenseitig hoch. Aber schön, dass du trotzdem geblieben bist.

    • Danke. Es fiel schwer, hat sich aber gelohnt. Ich hab hier in der Region noch bei keinem Lauf so seltsame Gestalten gesehen. Ist wohl ein eigenes Völkchen. 🙂

  9. Ein schöner Bericht!

    Manche Veranstaltungen (und Veranstalter) sind einfach „a bissi komisch“, aber das, was Du da beschreibst, ist schon extrem. Sicherlich, Crosslauf im Winter war schon immer etwas anders. Da gehen bekanntlich nur die ganz Harten hin 😉

    Trotzdem: Unfreundliche Helfer – das geht gar nicht 😉

    Viele Grüße
    Lars

    • Danke! 🙂
      Wahrscheinlich waren die Helfer nur ein Test, um zu sehen, wie entschlossen die Teilnehmer sind. :mrgreen:
      Waren schon zum Teil extrem seltsame Gestalten dabei, aber nun… jeder wie er mag.

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