Liebe auf den ersten Schlick – der Brooks PureGrit 3


Nachdem ich mich ja dieses Jahr erstmals auf einen Crosslauf gewagt habe, brauchte ich natürlich einen dazu passenden Schuh. Straßenlaufschuhe neigen ja bei widrigen Bedingungen gerne zum Rutschen, oder aber zur Bildung von Stollen unter der Sohle. Beides wäre bei einem Crosslauf nun eher suboptimal.

Da ich meinen Brooks PureCadence sehr liebe, war natürlich der PureGrit in der engeren Wahl. Einige Testberichte später und auf Empfehlung von Saffti sollte er mit mir ins Rennen gehen.

Diesmal habe ich ein Vorher-Foto gemacht.

PureGrit sauberMan sieht hier gut die sechseckigen Noppen, die über die ganze Sohle verteilt sind. Rot leuchtet eine extra Schutz-Sohle (Ballistic Rock Shield) dazwischen, die das Eindringen spitzer Steine oder ähnlicher Hässlichkeiten verhindern soll. Vorne gibt es noch einen extra Zehenschutz. Das hat natürlich gewichtsmäßig im Vergleich zu den anderen Schuhen der Pure Collection seinen Preis. Mit 281g (Quelle: trailblog.de)  ist er kein Leichtgewicht-Renner, aber am Fuß fühlt er sich dennoch äußerst leicht an.

Überhaupt, am Fuß… aaaaah… (wohliges Seufzen!)

Genau wie es beim PureCadence ist: Reinschlüpfen, wohlfühlen. Da drückt nix, da scheuert nix, der Fuß fühlt sich gut umschlossen, aber nicht eingeengt an.

Ein elastisches Band über dem Spann sorgt dafür, dass der Schuh auch ohne Schnürung bereits ganz gut hält. Die Schnürung ist leicht assymetrisch, die Schnürsenkel gewellt.

Die Sohle fühlt sich sehr flexibel an und vermittelt trotz Ballistic Rock Shield einen guten Kontakt zum Boden.

Etwas Dämpfung hat der Schuh, lässt sich also ähnlich wie der PureCadence auch für Leute laufen, die keine reinen Natural-Runner sind. Etwas Eingewöhnungszeit vorausgesetzt, denn die Sprengung beträgt nur 4mm (Quelle: soq.de).

Dann mal los!

Für den ersten Testlauf suche ich mir (unfreiwillig) einen Morgen mit mächtig Glatteis heraus. An den Stellen, wo noch etwas Split im Eis steckt, geht es eigentlich, da wo es sich um eine reine Eisfläche handelt, kapituliert der Schuh. Und ich auch…

Bis zu meiner Waldstrecke muss ich ein Stück über Asphalt laufen, was sich durchaus ganz gut anfühlt. Als ich jedoch den Waldweg betrete, merke ich: hier fühlt sich der Pure Grit richtig wohl und entwickelt durch den guten Grip auch mächtig Schub.

Für den zweiten Testlauf, der für mich ein Hügeltraining beinhalten sollte, gibt es Schnee. Sonst laufe ich im Schnee mit dem Ghost GTX zwecks warmer trockener Füße, aber ich will mich schließlich vor dem Crosslauf an den Schuh gewöhnen.

Im Schnee kann man auch ganz gut sehen – und spüren – wie sich die Sohle in den Boden mampft.

PureGrit Abdruck PureGrit Schnee PureGrit TestlaufEs läuft sich sehr angenehm im Schnee mit gutem Grip. Das wird einer meiner Lieblings-Winterlaufschuhe. Die fehlende Gore-Tex-Membran bemerke ich gar nicht, da das Mesh vom Obermaterial etwas dichter gewebt ist als von so manchem Straßenschuh, wo man das Gefühl hat, dass jeder Tropfen direkt auf den Knochen durchschlägt. Wenn man also nicht zu lange im Schnee stehen bleibt, oder voll in eine Pfütze tritt, bleiben die Füße ganz gut trocken.

Stollen bilden sich hier auch keine. Die haben bei der Sohle auch keine Chance.

Es folgt der Härtetest am Hügel. Hier zeigt sich, dass der Schuh auch dafür eine gute Figur macht, vorausgesetzt es kommen nicht zwei Faktoren zusammen: Starker Anstieg und Matsch. Da rutscht es dann doch ein bisschen. Allerdings weiß ich nicht, was hier noch halten sollte, außer Spikes natürlich. Nasse Baumwurzel unter Schnee kommt auch nicht ganz so gut. Bei der zweiten oder dritten Wiederholung hab ich jedoch den Dreh raus und rutsche kaum noch. Die flexible Sohle erlaubt auch einen guten Abdruck vom Vorfuß.

Ähnliches kann ich vom Crosslauf berichten, wo die Bodenbeschaffenheit ganz ähnlich war. Sehr steiler Anstieg mit Matsch kann bisweilen rutschen. Bergab jedoch ist der Schuh ein echter Champion. Ich bin kein einziges Mal gerutscht oder war auch nur den Hauch von unsicher, obwohl es die Hügel teilweise echt in sich hatten. Vermutlich ist es hier besser, weil man den ganzen Fuß und damit auch die ganze Sohle aufsetzt, anstatt wie am Anstieg nur auf dem Vorfuß zu laufen. Auch die Stabilität zur Seite ist sehr gut, wenn man auf einer schrägen Ebene läuft.

Mein Fazit: Wer den PureCadence mag, wird auch mit dem PureGrit glücklich. Ein hervorragender Schuh für den Winter mit Schnee und Eis. Da er keine Gore-Tex-Membran hat, dürfte er auch bei wärmeren Temperaturen die Füße nicht zum Schmelzen bringen.

Er funktioniert auch auf kurzen Strecken Asphalt, richtig glücklich ist er aber auf natürlichem Untergrund wie Wald und Wiese. Für Crossläufe ist er gut geeignet, es sei denn, man ist Profi und läuft sowieso mit Spikes, dann kann man sich das auch schenken. 🙂

Einen felsigen Untergrund konnte ich mangels Felsen nicht testen.

Ach ja: Hier ist das „Nachher“-Foto:

PureGrit1P.S. Obwohl ich Messenger of Runhappy bin, habe ich diesen Schuh regulär und ohne jeden Rabatt im Laden gekauft. Also könnt Ihr Euch drauf verlassen, dass dieser Test absolut unabhängig verlaufen ist.

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14 Kommentare zu “Liebe auf den ersten Schlick – der Brooks PureGrit 3

  1. Das Nachher Foto sieht ja richtig sauber aus! Und wie schon gesagt: ich mag diesen Schuh. Allerdings habe ich etwas Angst, das Brooks auch diese Serie verunstaltet. (Bei zwei meiner Lieblingsschuhe wurden letztes Jahr der Vorfussraum erweitert und eine dicke Megazunge eingeführt = rutschende Und zu warme Füsse mit Blasen auf den Zehen am Zungensaum.) Möge uns dieses Juwel erhalten bleiben…

  2. Du hast genau auch meine Kritikpunkte am Schuh festgehalten – Matsch an der Steigung und der Schuh kapituliert. Klar, Brooks zielt damit auch eher an die Traileinsteiger oder an die Leute, die eher mäßige Trails laufen. Das es anders gehen kann, zeigt aber z.B. Salomon. Mit dem Sense Mantra (auch kein richtig krasser Trailschuh) habe ich dort Grip wo der Pure Grit versagt.

    Dennoch finde ich den Schuh toll, vor allem weil er jetzt im Winter guten Grip auf der Straße bietet. Ich bin auch schon 30km zu 70% auf Asphalt gelaufen – das macht nicht jeder Trailschuh mit. Nach gut 150km sind nur minimale Abnutzungsspuren sichtbar.

    Dir weiterhin viel Spaß mit dem Schuh … das Nachher Bild zeigt ja die „richtige“ Farbe die der Schuh haben muss 🙂

    • Als Trailschuh-Neuling habe ich da natürlich keine Vergleichsmöglichkeiten. Da sich das Rutschen in Grenzen hält, finde ich es auch nicht so tragisch, könnte mir aber vorstellen, dass es bei einem Trail-Berglauf schon etwas lästig sein könnte.
      Ansonsten bin ich mit dem Schuh echt glücklich. 🙂 Durch den Schnee ist er im Moment recht sauber. 😉

  3. Interessant – bisher gabs bei mir noch keine Notwendigkeit zu einem richtig CrossSchuh aber ich kann mir schon vorstellen, dass das bei Gelände richtig gut tut. Und es scheint mir, als seiest du verliebt. 🙂

    Übrigens, Glückwunsch noch zum Lauf… die größte Challenge war wohl das Anmelden. 🙂

    • Das mit dem Anmelden kannst Du laut sagen… Danke! 🙂 Ja, die Schuhe fühlen sich einfach gut an. Meine Füße sind verliebt. ❤ Ohne das konkrete Ziel "Crosslauf" hätte ich sie aber vermutlich auch nicht gekauft. Jetzt jedoch… muss man sie auch ausführen. 😉

  4. Schön, dass sich die Investition für Dich gelohnt hat, der Schuh hat ja ein inzwischen typisches Profil, damit wirst Du die meisten Situationen sicher meistern.

    Salut

  5. Schaut gut auch, der Schuh. Ich laufe fast immer auf Asphalt. Da brauch ich keinen Crossschuh, aber die Brooks Pure-Serie würde mich schon mal interessieren…

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  7. Pingback: Strongman Run und ähnliche Hindernisläufe – Tipps für Ersttäter | laufkater

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