Arktisexpedition oder Longrun? Eine Fotoreportage


Gefühlt alle zwei Meter bin ich heute stehen geblieben. Handy raus, Foto machen, Handy rein… Oh mein Gott, ist das ein schönes Bild! Handy raus…

Deshalb gibt es heute einen Haufen Fotos. Sie haben eins gemeinsam: Schnee.

Etwa 17 km sollten es heute werden. Gut für eine Runde auf vertrautem Terrain – ein großer Vorteil, wie sich später noch herausstellen sollte.An die Füße wählte ich die PureGrit 3. Denen würde der Schnee gefallen. Obenrum mein Kuschel-Hoodie, drunter Merino-Shirt, drüber Windstopper-Weste. Mütze, Ein Buff um den Hals, ein Buff über die Ohren. Es war … eher kalt. Vermutlich so um die -5 zu Beginn, später sicher kälter, dazu der Wind, der noch vom Sturm des gestrigen Tages übrig geblieben war. Aber: (Trommelwirbel) Sonne! Tatsächliche, echte, richtige Sonne! Einen solchen Tag hatten wir zuletzt am 1. Januar.

Dann also nix wie raus!Arktisexpedition1Mittlerweile ist ein Teil der Feldwege sogar geräumt, so dass ich eine wunderbare Laufstrecke vorfand. Dazu der blaue Himmel, die Weite… hach!

Auf dem Feld entdeckte ich die Spuren eines Hasen. Hasenspuren finde ich immer total süß.

Arktisexpedition2Oben auf meinem Intervall-Hügel, den ich diesmal aber nur einmal hinauflaufen wollte, bot sich mir dann der Blick aufs Schnee-Meer. Der Sturm hatte die Oberfäche völlig neu designt.

Arktisexpedition3 Arktisexpedition4Es lief sich immer noch gut. Leider sollte ich auch heute wieder erleben, dass „Weg“ und „weg“ wohl nicht umsonst so ähnlich sind. Ein Weg war total weg. Daher gab es einen kleinen Um-Weg, was nicht weiter tragisch war. Hier war ich das erste mal froh, eine sehr bekannte Ecke gewählt zu haben. So war ich in der Lage, flexibel zu disponieren. 🙂

Auf der Ebene pfiff es jedoch ordentlich, und ich zog die Kapuze meines Hoodie auch noch über die Mütze. Ist der Kopf warm, fühlt sich der Rest auch gleich besser.

Ich sah jetzt zwar aus wie ein Polarforscher, aber das juckte mich nicht sonderlich.Arktisexpedition5

Vielleicht war das der Grund, weshalb mich die wenigen Menschen, auf die ich traf – ausnahmslos Hundehalter – so merkwürdig ansahen. Vielleicht hielten sie mich aber auch einfach nur für komplett wahnsinnig. An dieser Stelle muss ich mal an die hiesigen Hunde und ihre Halter ein großes Lob aussprechen. Ich liebe Hunde, vielleicht strahle ich dann auch irgendwie was aus, was sie freundlich sein lässt. Fest steht: Ich habe NOCH NIE eine blöde Situation mit Hund oder Herrchen/Frauchen erlebt. Jeder nimmt seinen Hund an die Leine, und die, die nicht an der Leine sind, sind ausnahmlos freundlich und gut erzogen. Ich freue mich über jeden Hund, den ich sehe. ❤

Es mag auch sein, dass sie komisch geschaut haben, weil ich einfach wild entschlossen in den tiefen Schnee abgebogen bin, wissend, dass sich darunter ein Weg verbarg. Wer weiß das schon. Aber wer braucht schon Wege, wenn es so eine Landschaft gibt?

Arktisexpedition6 Arktisexpedition7Ich kam in den Nachbarort und damit ein Stück auf Asphalt. Es ist total komisch, aber der Asphalt fühlt sich nach einem Schneelauf anstrengender an als der Schnee. Dabei ist der Schnee, vor allem der tiefe, ja aufgrund seiner 3D-Beschaffenheit doch die wesentlich größere Herausforderung an die Muskeln. Bei jedem Schritt weiß ich nicht ob ich einsinke, auf der Oberfläche bleibe, nach schräg rechts oder schräg links rutsche oder ob noch irgendwas anderes passiert. Asphalt ist doch easy. Offenbar nicht.

Teilweise war es seltsamerweise wirklich möglich, auf der verharschten Oberfläche zu laufen, vorausgesetzt, ich setzte meine Füße ganz flach auf. Ich fühlte mich ein bisschen wie Legolas. 😀

Kurz nach dem Ort war es Zeit für die 3. Schicht. Meine dünne ultraleichte Asics-Jacke, die im Rucksack mitgekommen war. Die Sonne stand jetzt sehr tief, wärmte nicht mehr und war im Begriff, Feierabend zu machen. Die Jacke ist super, nur der Reißverschluss ist… wie soll ich sagen… Mist. Es war eine fürchterliche Fummelei, bis ich das Ding zu hatte, aber es lohnte sich. Schade, dass den Schneepflug offenbar kurz nach Ortsausgang die Lust verlassen hatte, und er eine ca. 1m hohe Schneemauer mitten auf meinem Weg liegen lies. Grmbl… Kletterausrüstung hatte ich jetzt keine, aber irgendwie ging auch das. 😉

Ab in den Wald.

Arktisexpedition8 Arktisexpedition10 Arktisexpedition9Tiefschnee-Downhill war eine neue Erfahrung. Kontrolle ist da nicht mehr wirklich drin. Nach dem Motto „Wer bremst, verliert“, ließ ich es bergab laufen, immer darauf bedacht, einen Fuß schon wieder in der Luft zu haben, während der andere noch aufsetzte, um eventuell reagieren zu können. In Kombination mit teil-vereisten Traktorspuren war das durchaus nicht so ganz ohne, trotzdem irgendwie lustig. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit schaffte ich sogar die Kurve und kam völlig heil unten an.

Hier jedoch wurde es dann richtig hart. Es gab keine Alternative zu dem nicht vorhandenen Waldweg bei den Bibern vorbei. Das hieß, 1km durch etwa 30-40cm weichen Schnee. Laufen ging hier nicht mehr. Ich lief in einem 11er-Schnitt mit Puls im Renn-Bereich. Also doch besser gehen. Als Moral-Booster hatte ich zum Glück ein (steinhart gefrorenes) Twix dabei. Ein kurzes heftiges Duell zwischen Twix und Zahn ging zum Glück zugunsten des Zahns aus. Die Energie hatte ich jetzt wirklich nötig. Der Trinkschlauch war schon wieder zugefroren. Ich hab ja noch einen mit Neopren-Hülle, aber den hat ein Katz angenagt. Ja, ich könnte die Hülle auf den anderen Schlauch tun, aber das wäre zu einfach…

Gegen Ende dieser Tortur wartete jedoch eine traumhafte Abendstimmung auf mich.

Arktisexpedition11 Arktisexpedition13 Arktisexpedition12Das war’s dann irgendwie doch wert. Erleichtert bog ich auf einen gespurten Weg ab, um nach ein paar Metern wieder vor Tiefschnee zu stehen. Da gab es aber zum Glück nochmals die Möglichkeit zu einem Plan B. Für noch eine Runde Tiefschnee fehlte mir dann doch die Moral (und ein zweites Twix).

Dafür kam ich am Thron des Schneekönigs vorbei.

Arktisexpedition14Es ging jetzt weitestgehend bergab, Wege waren vorhanden. Viel Saft hatte ich nicht mehr, brauchte ich zum Glück jetzt aber auch nicht mehr haben. Nur noch 4 km bis nach Hause. War auch gut so. Die Kälte fraß sich nun doch mehr und mehr auch durch die Thermo-Laufhose und die Finger wurden auch nicht mehr wirklich warm.

Ein letztes Foto am Teich musste dann aber doch noch sein.

Arktisexpedition15Jetzt bin ich platt. Habe ein heißes Bad genommen, eine Ovomaltine eingeatmet und meine Kohlehydrat-Speicher mit böööösem Zucker in Form von Eszet-Schnitten und Zuckerrüben-Sirup gefüllt. Gleich gibt’s noch ein bisschen Blackroll, und dann fühle ich mich durch diesen Lauf hinreichend für den Laufband-Mittwoch entschädigt.

Angeblich soll das Wetter jetzt mal dauerhaft schöner werden. Das hätte was.

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20 Kommentare zu “Arktisexpedition oder Longrun? Eine Fotoreportage

  1. Geräumte Feldwege, wo gibts denn sowas.

    Wenn es bei uns mal schneit, sind wir froh, wenn die Hauptstraßen frei sind …

    Liebe Grüße
    Volker

    • Es haben sich hier allen Ernstes Leute beim Rathaus beschwert, dass die Wanderwege nicht frei sind… Die Feldwege, die geräumt sind, sind vor allem Zufahrten zu Aussiedlerhöfen. Wahrscheinlich deshalb. 🙂

  2. Ein schönes kleines Laufabenteur! Also da wäre ich auch dauernd stehengeblieben. Sieht wirklich schön aus – gerade in der Abendstimmung!
    Zugefrorenen Wasserschlauch hatte ich noch nie, stelle ich mir aber blöd vor. Wie hast du den denn wieder aufgetaut?

    • Wenn ich das Mundstück eine Weile im Mund hatte, kam ein bisschen was durch. Gut ist anders, aber zur Not ging’s. Die Stimmung war echt ein Traum. Ich hätte wirklich noch viel mehr Fotos machen können.

  3. Ein Traum, ein Traum – danke, dass Du uns mit diesen wundervollen Fotos versorgst. Solche Schneesituationen kenne ich hier ja gar nicht (mehr) und es ist toll anzuschauen und liest sich auch so, als ob es Spaß macht. Dann noch in eine solche Abendstimmung zu laufen – das entschädigt für Vieles. Herrlich.

    • Gern geschehen! 🙂 Hier ist das mit dem Schnee (noch) normal. Ja, es macht echt Spaß, nur so langsam würde ich mir ein bisschen Wärme wünschen, so immer Mittwochs, damit ich nicht aufs Band muss. Danach kann’s dann wieder schneien. 😀

  4. Danke, liebe Christiane, für die vielen wunderschönen bildlichen Eindrücke von Deiner „Expedition“. Übrigens finde ich, es ist egal, wie man mit den Klamotten aussieht bei solchen Bedingungen, Hauptsache funktionell und warm genug 😉

    Salut
    Christian

  5. Whow, richtiger Winter! Ein toller Lauf war das! Auch wenn man hinterher kaputt ist, ist man stolz wie Bolle und ziemlich glücklich – oder? 😉

  6. Tolle Fotos, toller Lauf!
    Mit Hunden hab ich auch so gut wie nie Probleme, einzig mal vor Jahren ein frei laufender an einem Aussiedlerhof der meinte seitlich an mir hochspringen und dann weiter neben/hinter mir herlaufen zu müssen, den hab ich gegen alle Empfehlungen (zur Deeskalation … nicht ansprechen, nicht angucken, …) volle Lotte angebrüllt nach dem nächsten Abzweig „HAU ab, ABMARSCH nach Hause“ mit klarem Fingerzeig rückwärts, da war er so verblüfft (oder einfach nur zu faul?) daß er umdrehte.
    Den Göga hat mal ein an einer LochImZaunEcke beim Vorbeilaufen am MüllContainerFirmaparkplatz rausgekommener Wachhund „gestellt“ und leicht in die Brust gekniffen. Er hat danach von zu Hause dort angerufen um denen zu sagen sie sollten das wieder dicht machen und die sind ihm auch noch frech durch die Leitung gekommen statt froh zu sein daß er sie nicht angezeigt hat, Leute gibt’s!
    Hach ja — Eszet — die gab’s früher mit Orangengeschmackt, DIE hab ich GELIEBT.

    • Mm, ja, die mit Orange waren nicht schlecht. 🙂 Und die „Milch und Honig“ auch. Im Moment bin ich mehr auf „Zartbitter“.
      Resoluter Umgang mit Hunden schadet sicher nicht. An einem Aussiedlerhof in der Nähe kenne ich Ähnliches. Das mit dem Wachhund ist natürlich nicht witzig. Gut, dass nicht mehr passiert ist.
      Danke für das Foto-Kompliment. Freut mich!

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