Warum man auch im Winter draußen trainieren sollte – ein Anti-Laufband-Post


„Drinnen fit fürs Frühjahr werden“ titelte die Februar Ausgabe der Runner’s World 2015. Dazu lieferte sie einen umfassenden Testbericht diverser Laufbänder und eine Doppelseite zum Thema „Wie es auf dem Laufband nicht langweilig wird“.

So sehr ich die Runner’s World schätze… Laufbandtraining finde ich weiterhin super ätzend.

Bevor jetzt gleich alle Laufbandfreunde kollektiv über mich herfallen und mich mit ihren schweißgetränkten Handtüchern verprügeln: Natürlich gibt es auch einige Gründe, die für den Einsatz eines Laufbandes – vor allem im Winter – sprechen.

1. Sicherheit

Wer im Winter nur nach Feierabend trainieren kann, läuft in der Regel im Dunkeln. Das kann vor allem dann ein Problem werden, wenn man a) in einer etwas heißen Gegend wohnt, b) als Frau alleine läuft, c) die Straßenverhältnisse problematisch sind. Hier ist das Laufband sicher eine gute Idee.

2. Stabile Temperatur

Es ist natürlich verlockend, einfach das ganze Jahr mit Shorts und T-Shirt unterwegs sein zu können, anstatt vor jedem Lauf einen ausgeklügelten Plan machen zu müssen, welche Klamotten denn nun gerade eventuell passen könnten, um dann festzustellen, dass man entweder zu warm oder zu kalt angezogen ist. Auch für Asthmatiker kann bei Kälte das Laufband unter Umständen die bessere Wahl sein

3. Bequemlichkeit

Gekühlte Getränke und die Dusche immer in greifbarer Nähe. Ein Traum!

4.  Vor Ort sein

Es gibt bestimmte Umstände, unter denen es sehr günstig sein kann, ein Laufband zuhause stehen zu haben. Zum Beispiel, wenn man kleine Kinder hat, die man nicht unbeaufsichtigt daheim lassen kann, oder aus anderen Gründen greifbar bleiben muss. Da ist das Training auf dem Laufband sicher die bessere Alternative, als das Training komplett zu streichen.

5. Gleichmäßiges Tempo

Gerade im Winter ist das mit den Tempoeinheiten so eine Sache. Ein Tempolauf bei Schnee- und Eisglätte ist unter Umständen keine ganz so gute Idee. Auch Minustemperaturen sind eventuell abträglich, weil die Atemwege durch die verstärkte Atmung bei höherer Belastung mit der kalten Luft nicht so gut fertig werden können. Auch berichten einige, dass ihre Muskulatur bei Kälte nicht so arbeitswillig ist, wie sonst. Viele streichen Tempoeinheiten im Winter komplett, und beschränken sich ganz auf die Grundlagenausdauer. Aber hin und wieder will man es vielleicht doch wissen. Oder – wie in meinem Fall – dem Trainingsplan ist die Jahreszeit vollkommen schnurz. Daher hat es mich – und ich gestehe es freimütig – diesen Winter schon 2 (!) Mal aufs Laufband verschlagen.

So. Habt ihr die Handtücher wieder eingepackt? Und gewaschen? Gut! Denn jetzt geht’s in die freie Natur. Und die bietet uns so viel mehr als das Laufband.

1. Licht und Luft

„Laufen Sie der Erkältung davon!“ So oder so ähnlich prangt es von den Titelseiten der Herbst-/Winterausgaben fast aller Lauf- aber auch sonstiger Fitness- und Gesundheitszeitschriften. Super! Das Ausdauersport gut für das Immunsystem ist, ist ja mittlerweile allgemein bekannt. Über Intensität und Dauer streitet man sich noch in der Fachliteratur, aber im Grundsatz ist man sich einig. Nicht zuletzt liegt das daran, dass wir unter dem Einfluss der UV-Strahlung Vitamin D produzieren, von dem wir im Winter eigentlich immer zu wenig haben. Je mehr wir im Winter draußen sind, desto mehr von dem guten Stoff können wir ins Frühjahr rüber retten.

Wir wissen auch, dass die verbrauchte Heizungsluft geschlossener Räume für die Schleimhäute nicht so der Hit ist, und ihre Abwehr herabsetzt, so dass sich die bösen Bazillos leichter einnisten können. Auch wenn die kalte Luft draußen ebenfalls nicht ganz so ideal ist, ist sie doch ziemlich bazillen- und virenfrei. Außerdem werden die Schleimhäute besser durchblutet und somit leichter mit Dreck fertig. Wenn es sehr kalt ist – hier ist das Empfinden individuell verschieden – kann man sich ein Buff über Mund und Nase ziehen, und so die Atemluft etwas vorwärmen.

Außerdem ist so eine Ladung Sauerstoff dem Hirn sehr zuträglich.

2. Ein Erlebnis für alle Sinne

Die Natur ändert sich ständig. Gerade im Winter ist auch das Licht immer irgendwie anders. Mal gibt es wundervolle Schnee-Impressionen, mal den Nebel-Lauf mit Frost in den Augenbrauen. Man begegnet interessanten Tieren, die sich nun eher hervortrauen, weil weniger Leute unterwegs sind.

Mal kämpft man mit dem Schneesturm, mal läuft man durch Regen, mal kann man das Gesicht in die Sonne halten, und auch ohne ständig greifbare Kamera nimmt man einen Haufen Bilder mit nach Hause.

Also wenn ich die Wahl habe zwischen Display/Wand/Fernseher anstarren und dem hier…

Abend mit Schnee1 Abend mit Schnee2 Abend mit Schnee3

… dann ziehe ich mich lieber eine halbe Stunde lang an.

Auch wenn man in der Stadt wohnt und vielleicht nicht unbedingt so viel freie Natur in der Nähe greifbar hat, findet man mit etwas Kreativität viele schöne und interessante Ecken, denen der Winter sein ganz eigenes Gesicht verleiht.

Und die Dusche nach so einem Lauf ist unvergleichlich.

3. Zusätzlicher Trainingsnutzen

Ich würde mal behaupten, es gibt kaum ein besseres Training für die Propriozeptoren, als ein Lauf auf unebenem Untergrund. Für alle, die mit diesem schönen langen Wort nichts anfangen können: Es handelt sich um Sinnesorgane in Muskeln, Sehnen, und Gelenken, die Rückmeldung darüber geben, ob und wie stark ein Muskel gedehnt ist, ein Gelenk gebeugt, etc. Dank dieser praktischen Helferlein sind wir z.B. in Lage, mit geschlossenen Augen zu stehen ohne umzufallen, oder uns bei einem Stolperer abzufangen, bevor das Hirn noch überhaupt geschnallt hat, was los ist. Laufen wir immer auf dem gleichen Untergrund, wie das z.B. beim Laufband der Fall ist, aber auch bei reinen Asphalt-Läufen, geben wir diesem System kaum Input. Und wie überall: Was nicht gebraucht wird, schlafft ab.

Funktionieren unsere Propriozeptoren gut, sind wir trittsicher und weniger verletzungsanfällig. Ein Lauf auf Eis und Schnee fordert unser System permanent, da es sich bei jedem Schritt auf einen neuen Untergrund einstellen muss, bzw. blitzschnell reagieren, wenn ein Fuß doch mal tiefer einsinkt als vermutet, oder man unverhofft wegrutscht.

Diese permanente Alarmbereitschaft sorgt auch dafür, dass die gesamte Körpermitte viel stärker arbeitet, um alles beieinander zu halten. Rumpfstabi quasi gratis. Ich hatte nach einem solchen Lauf, wo es wirklich grenzwertig glatt war, hinterher Bauchmuskelkater.

Natürlich muss man seinen Laufstil entsprechend anpassen, aber das geschieht eigentlich ganz von allein. Ferse weit vor dem Körper aufsetzen? Nee, ist nicht. Es sei denn, man möchte beim nächsten Fallrückzieher im Sommer besonders spektakulär aussehen und Rücken und Hinterkopf schon mal abhärten. Wenn der Fuß eher flach ziemlich direkt unter dem Schwerpunkt aufsetzt, ist die Gefahr, unkontrolliert durch die Gegend zu sausen eher gering. Und haben wir nicht alle gelesen, dass das sowieso besser ist? Eben! 😀

Leider entfällt auch der schwungvolle Abdruck mit anschließend eindrucksvoll angeferstem Unterschenkel. Spagat kommt im Schnee auch nicht ganz so gut, und da gibt es bessere Trainingsmethoden.

Die Schritte werden also kürzer und kleiner und damit – o Graus! 😯 – das Tempo langsamer. Dies allerdings wird durch die zusätzliche Anstrengung kompensiert. Wer schon mal auf ungeräumten Wegen im Schnee unterwegs war und einen Blick auf den Pulsmesser geworfen hat, kann das bestätigen. Denn abgesehen vom kräftezehrenden Einsinken ist man auch gezwungen, die Füße deutlich mehr zu heben. Kommt man nun allerdings auf eine geräumte Strecke, wird man feststellen, dass dieser aktivere Laufstil eine Weile vorhält. Mmm, aktiver Kniehub… da war doch was…

Die erhöhte Anstrengung führt auch dazu, dass man vielleicht die ein oder andere Einheit abkürzen muss. Zeit gespart. (Wobei ich mir nicht sicher bin, inwieweit das ein Vorteil ist.)

4. Kreativität

Ok, das gewohnte Intervall- und Tempotraining funktioniert jetzt gerade vielleicht nicht so ganz, aber fordernde Einheiten lassen sich durchaus absolvieren. Ständig wechselnde Untergrund- und Wetterlagen zwingen uns hier zu Kreativität, was aber vielleicht auch nicht das Schlechteste ist, wenn man mal neue Trainingsreize setzen möchte.

Hier ein paar Anregungen (alle selbst erprobt und für gut befunden):

  • Hügelläufe (können durch die Wahl eines matschigen Untergrundes oder Tiefschnees im Schwierigkeitsgrad beliebig gesteigert werden)
  • Laufen auf ungeräumten Wegen – lässt jede Pulsuhr überhitzen
  • Querfeldein laufen. Wiesen haben in der Regel kein Glatteis und im Winter wird auch der Bauer nicht sauer. Wichtig ist nur hier, die Gegend zu kennen, denn ein zugewehter Straßengraben kann das Training abrupt beenden, wenn man zielgenau reintritt.
  • Fahrtspiel – das Tempo bestimmt der Untergrund

5. Endlich ein Grund, hemmungslos Klamotten und Schuhe zu kaufen

„Winter“ ist ein dehnbarer Begriff. Von zweistelligen Temperaturen im Plus- und Minusbereich, von Matsch, Schnee, Eis und trockenen Wegen, Regen, Schnee, Wind und Sonne ist alles vertreten. Mit den entsprechenen Klamotten und Schuhen ist das jedoch kein Problem. Man kann sich für wirklich jede Eventualität ausrüsten – wenn das Budget das zulässt – oder man improvisiert ein wenig. Ein bisschen was einkaufen muss man aber sicher. Und man hat endlich einen handfesten Grund dafür. Hurra! „Schatz, ich BRAUCHE dieses (hier Teil nach Wahl einfügen) WIRKLICH, damit ich im Frühjahr neben dir gut aussehe!“ 😀

Und wen jetzt dieser Punkt auch nicht überzeugt hat, dem kann ich nicht mehr helfen. 😉

Und ihr so?

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24 Kommentare zu “Warum man auch im Winter draußen trainieren sollte – ein Anti-Laufband-Post

  1. Seitdem ich nicht mehr Mitglied im Fitnessstudio bin, habe ich keinen Zugang mehr zu einem Laufband.

    Ich hatte es aber auch nur wenige Male bei Glatteis benutzt. Ansonsten geht nichts über das Laufen im Freien und in der Natur.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Ich hab damals unter anderem wegen dem Laufband mich für die Mitgliedschaft entschieden. Jetzt freue ich mich über die schönen anderen Dinge, die ich im Studio machen kann, und bemitleide die Laufband-Hamster. 😀

  2. Ich mag Laufband gar nicht. Ist sooooooooo langweilig. Schon nach ca. 2 Minuten nicht auszuhalten. Tempo trainiere ich da auch nicht gerne. Was wenn man nicht mehr kann und das Laufband weiterdüst?
    Ich benutze es aber ab und an: auf Reisen bei Hotels an der Autobahn ohne Auslauf und zur Vorbereitung auf hügelige Läufe, denn Steigungen gibt es hier ja nicht. (Zur Alternative renne ich das Parkhaus hoch und runter, auch nicht schön so landschaftlich.)

    • Bei der Leistungsdiagnostik wollten sie mir eine Sturzsicherung umschnallen. Ich hab gelacht und abgelehnt – und dann die ganze Zeit darüber nachgedacht, was ist, wenn ich falle. Dann läuft’s sich nicht mehr ganz so entspannt. 🙄
      Mm, Parkhaus… naja, kreativ ist das schon. 🙂

  3. Laufband kommt für mich nicht in Frage. Laufen gehört für mich in die Natur – nothing else.. gleiches gilt für das Radfahren… ich muss raus dafür.

    Du hast das sehr ausführlich beschrieben für mich gilt aber einfach: „Ich hab keine Lust aufs Laufband.“ 🙂

  4. In meiner ersten Laufsaison habe ich mir auch überlegt, was ich im Winter machen soll: Fitnessstudio und Laufband oder draußen in der Kälte (verrück!)

    Aber siehe da: Ich habe es nie bereut, bin deswegen nur krank geworden und habe mich nie verletzt. Ja, einmal hat’s mich aufs Eis gelegt, aber gut ist. Die Luft ist frisch, manchmal scheint die Sonne sogar, der Schnee knirscht unter den Schuhen … Es ist einfach herrlich. Nie, nie nie nie möchte ich im Winter auf das Laufband umsteigen müssen. Dafür gefällt es mir draußen einfach zu gut 🙂

    Liebe Grüße,
    Markus

  5. Auf jeden Fall im Winter draußen – Laufband mag ich gar nicht. Habe ich mal beim Physio ausprobiert – schrecklich.
    Ich kann alle Punkte dafür unterschreiben – ok, der Zusatznutzen beim Training fällt hier mangels Schnee meistens aus. Aber sonst ist laufen an der frischen Luft einfach schöööön – gleich geht es los zum Sonntagslauf!

  6. Laufband? Was ist denn das? Nicht draussen zu sein beim Laufen ist wie Essen ohne was auf dem Teller zu haben, absolut unvorstellbar :mrgreen:

    Im Ernst, ausser in der Reha ist ein Laufband nur für eine Zeitdauer von 15 Minuten zu ertragen…für mich definitiv nichts.

    Salut

  7. Laufen bei Schnee- und Eisregen oder Temperaturen unter -10° ist ziemlich mies. Aber egal wie schlimm es draußen ist: Laufband ist schlimmer!

    Das einzige, wofür das Laufband halbwegs brauchbar ist: 2 Stunden stumpf auf der gleichen Stelle gerade aus laufen ohne wirkliche Ablenkung. Ein bisschen Psychen- (oder Psycho-? ;-)) Training für einen Marathon.

  8. War seit Jahren nicht mehr auf einem Laufband und bin auch in den strengen Wintern durchgelaufen. Zum Laufen gehören für mich einfach die Jahreszeiten, Nässe, Kälte und Wind – das härtet auf Dauer ab und wirft einen einfach nicht um, wenn es ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt mal stürmt oder hagelt. Außerdem: Es ist wirklich total laaaaaangweilig auf dem Band.

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