Strongman light oder: ich hätte es besser wissen müssen


Mein Longrun heute war „nur“ 19 km lang. „Kein Problem!“ sagt sich da die leicht übermütige Läuferin, die gerade noch völlig geflasht ist, weil sie von Brooks einen Startplatz zum Strongman-Run bekommen hat. 😀 Dazu später in einem gesonderten Beitrag mehr.

Welche Strecke soll es denn sein? Gpsies geöffnet und eine 19km Strecke gefunden, die am Baby-Neckar entlangführt. So vage erinnert sie sich: Da war was mit dieser Strecke… aber was genau, das hat sie verdrängt. Von der Garmin hat sie sie auch gelöscht. Na gut, hin und wieder muss man ja Platz schaffen. So ein leises Alarmglöckchen klingelt… und wird geflissentlich überhört.

Höheprofil 19km Lauf

Spätestens der Blick auf das Höhenprofil hätte ihr zu denken geben sollen. Man beachte KM 12-13. Aber das tut er nicht, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt ist, den genauen Streckenverlauf zu studieren. 500m an der Straße sind blöd, aber machbar. Sie erinnert sich, dass sie sich im Sommer da schon mal leicht verlaufen hat. (siehe: Ein unfreiwilliger Ultra-Trail-Halbmarathon ) Sie hätte auch einfach noch Mal in ihrem eigenen Blog nachlesen können. Aber nein…

Auch der nicht ganz unbedeutende Muskelkater vom Karate-Training des Vortags wird verdrängt. Eine zukünftige Strongman-Teilnehmerin sollte sich das Rummemmen gleich sparen.

Ok, verlaufen habe ich mich dieses Mal nicht, weil ich zur Sicherheit die Gpsies-App auf dem iPhone mitlaufen lies, die mir mehr Informationen über die Strecke geben konnte, als meine 305. Das war schon mal eine sehr gute Idee (die einzige), auf die ich mehrfach zurückgreifen musste.

Das Wetter war…nun…von der Kategorie „Ofen an und Sofa“. Es schneeregnete oder regnete oder schneite bei matschigen 0-1 Grad. Ofen und Sofa mussten leider noch warten, schließlich will ich ja trainieren.

Zunächst war ich ja auch noch wild entschlossen, trotz Mistwetter (ja, Christian, ich weiß, Mistwetter ist relativ 🙂  ) die Schönheit der Natur zu sehen. Und die Tropfen glitzerten auch wirklich sehr hübsch an den Zweigen. (Man muss das Bild allerdings anklicken, sonst sieht man sie nicht.)

GlitzertropfenEs ging auch ansonsten noch recht optimistisch los. Das Tempo war für mich relativ flott, der Puls jedoch schön niedrig. Juhu! Ich fühlte mich in Form, der Muskelkater fiel nicht weiter ins Gewicht – noch nicht.

Die Schuhwahl war wegen des Matschwetters auf den Ghost GTX gefallen. Außerdem ging es auf Asphalt los. Schien logisch. Vergessen hatte ich, dass der größte Teil der Strecke allerdings auf Trails verläuft. Steilen, verschneiten, teils vereisten, teils vermatschten Trails, die für einen Straßenschuh in dem Fall nicht so ganz der passende Untergrund waren. Das Einsinken in den Schnee kostete schon Kraft, das Rumrutschen gleich noch einmal soviel. So musste ich schon zu Beginn recht viel gehen. Zum ersten Mal war ich froh, wieder auf asphaltierte Passagen zu kommen.

Steilwand NeckarAn der Felswand krachte es. Keine Ahnung, ob da Wasser oder Eis irgendwas gesprengt hat. Außerorts begegnete mir übrigens kein Mensch. Wieso denn nur?

Der Weg führte jetzt am Neckar lang. Ist er nicht süß hier?

Baby-Neckar WinterDas Trügerische an der Strecke, wenn man sie auf der Karte sieht, ist, dass der Weg die ganze Zeit am Neckar lang führt. Die Gegend heißt Neckartäle. Ein naiver Mensch (ich) könnte doch jetzt darauf kommen, dass man parallel zum Fluss lang läuft (das stimmt), und dass die Strecke daher auch so gut wie flach ist. (das stimmt nicht). Denn – und das ist aus der Karte nicht ersichtlich – man läuft die meiste Zeit am Hang des Tals. Mal ein bisschen rauf, mal ein bisschen runter. Wer sich das Höhenprofil nochmals anschauen möchte: Lediglich bei KM 12 ist der Neckar mal zum Greifen nah. Landschaftlich ist dieser Weg sehr schön. Momentan fehlt nur etwas Farbe.

Dann…gings bergauf. Zunächst durch den Ort (langweilig!) noch nicht ganz so steil, dann in den Wald. Ich wusste noch, dass ich die Abzweigung auf den Trail nicht verpassen durfte, weil der wirklich sehr gut getarnt ist. Trail oder nicht Trail – musste ich mich des Öfteren fragen, weil unter der Schneedecke nicht ganz klar war, ob es da nun einen Weg gibt, oder nicht. Ich fand ihn. Und ich fand auch wieder den Grund weshalb ich diesen Streckenverlauf dringend überarbeiten sollte: Am steilsten Stück wachsen im Sommer fröhlich Brennesseln und Brombeerranken. Die sind im Winter auch da. Nur unterm Schneematsch. Wer schon mal von einer Brombeerranke angefallen wurde, die sich unter Schnee tarnt, weiß, dass das ein doofes Gefühl ist.

Meine Beine hatten keine Lust mehr und die Moral war auch am Boden. Ich hatte mein halbes Twix zu früh gegessen und war unglaublich scharf auf Zucker. Gab nur keinen. Als ich endlich oben war, kam ich auf so was wie einen regulären Waldweg. Allerdings hatte ich hier mit tiefen Traktorspuren zu kämpfen, die den sulzigen Schnee auch noch uneben machten. Hurra! So wirklich flach und erholsam wurde es aber auch nicht.

Ich versuchte mir immer wieder zu sagen, dass das ein großartiges Training für den Strongman sei, aber so wirklich überzeugen konnte ich mich nicht mehr. So langsam wurde es auch merklich dunkler und es ging – wieder über Trails. Und zwar eine Passage, an die ich mich dann auch erinnern konnte, wo der Boden richtig tief und unwegsam ist. Schlechtere Sicht, Schnee drüber, eh schon müde… miiiiiep!

An einer späteren Bergab-Passage konnte ich nur noch die Beine beeinander halten und rutschen. Großartiges Strongman-Training.

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich am Wanderparkplatz rauskam, der für mich den Beginn der Zivilisation markierte, war ich kurz versucht, meine bessere Hälfte anzurufen, entschied mich aber dagegen. Die 2,5 km nach Hause wollte ich schon auch noch irgendwie schaffen.

Ich erreiche das Haus mit Müh und Not, und meine Beine waren tot.

Ich hoffe, das spätere Bearbeiten mit der Blackroll war eine Investition in die morgige Zukunft. Jetzt geh ich mal schlafen, und träume vielleicht von Frühling, federnden Waldtrails und ganz viel Farbe. 🙂

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25 Kommentare zu “Strongman light oder: ich hätte es besser wissen müssen

  1. Gut durchgekämpft – liest sich wirklich sehr mühevoll. Aber rückwärts betrachtet, wird der Stolz bleiben und dich wahrscheinlich nicht vor einer ähnlichen Dummheit irgendwann schützen. 😉 Du hast es überlebt und damit gilt es als Training. 🙂

  2. Haha, das mit dem Aus Erfahrung lernen, üben wir lieber nochmal, aber schön, dass Du es durchgezogen hast und das auch noch bei dem „Mistwetter“ 😀
    Hoffentlich sind die Beine schon wieder regeneriert, so dass das Training für den Strongman-Run weiter gehen kann 😉

    Salut

    • Irgendwie bin ich etwas lernresistent, was das angeht. 🙂
      Meine Beine sind immer noch ziemlich platt. Deshalb heute mal Sportpause. Schließlich will ich mir nicht irgend einen Überlastungsmist zuziehen.
      Morgen gibt’s dann wieder Liegestütze & Co.
      À plus!

  3. Den Strongman wirst du machen – Wow ! Da hast du dir ja etwas vorgenommen, nie und nimmer würde ich dort starten, aber es gibt ja genügend Menschen, die Freude daran finden, bin sehr gespannt !

    Im Oktober dann den Schwarzwald-Marathon, den bin ich auch mal gelaufen, genügend Vorbereitung bis dorthin, da war dieser Lauf genau das Richtige ! YES – packen wir es an !

    Viel Glück für alle deine geplanten Unternehmungen !

    • Seit es den Strongman gibt, juckt es mich irgendwie. Dann war ich zu viel krank, zu unfit, zu… Aber jetzt: Startplatz und Übernachtung geschenkt, also wenn das kein Zeichen ist!. 😎
      Auf Bräunlingen freue ich mich schon!
      Vielen Dank für Deine guten Wünsche!

  4. Auch wenn du während des Laufs nur begrenzt Spass hattest: Aus der Sicht eines „Flachlandläufers“ (und dann noch überwiegend Stadtgebiet) sind solche Läufe einfach nur beneidenswert.
    Hut ab. Gut durchgehalten. Viel Spass beim Strongman!

  5. Sag mal die Steigung zwischen Km 12 und 13 ist nicht zufällig ein Klettersteig ? 🙂 Das sieht ja mal richtig krass aus! Ich denke diese abenteuerlichen Einheiten bringen Dir eine solide Grundlage!
    Viele Grüße von einem, der heute schon marathonmäßige 4:35h unterwegs war 🙂

    • Nee, kein Klettersteig nur ein richtig richtig steiles Stück Trail, wo so ein Seil als Unterstützung irgendwie ganz nett wäre. 🙂
      Deinen Laufumfang kann ich natürlich nicht toppen, aber an der Grundlage wird weiter gearbeitet!

  6. Also irgendwie habe ich den Eindruck, dass deine Einheiten öfter mal in Abenteuer ausarten. Gib zu – es macht dir eigentlich Spass, um dich so zu fordern ;). Klasse, dass du das durchgezogen hast.
    Als warmes Flachlandbewohnering bin ich auch ein bisschen neidisch…
    Uaah – Strongman. Das würde ich mir ja nicht zutrauen. Viel Spass!

    • Naja, auf bekannten Wegen laufen kann ja jeder… insofern… doch, macht schon Spaß. 🙂 Nur in dem Fall kam ein bisschen viel zusammen. Erschöpfung vom Vortag + ungünstige Bodenverhältnisse. Das kann dann schon mal demoralisieren.
      Meine bessere Hälfte traut mir den Strongman zu. 😀 Dann sollte ich das wohl auch. 😉 Wird allerdings vermutlich kein Spaziergang.

  7. Die Strecke scheint wirklich wundervoll zu sein. Schön anspruchsvoll und abwechslungsreich 🙂
    Nur am Wetter solltest du wirklich noch ein wenig arbeiten 😉

  8. Aber: Du hast es geschafft! Deine Odyssee kommt mir bekannt vor, aber dafür wiegt danach doch das Gefühl der Zufriedenheit; schwere Beine hin oder her 😉 Nichtsdestotrotz gibt es schönere Untergründe, als Traktorspuren oder Brombeerranken :/

    Dieses Gpsies … Kann man sich da Laufstrecken mit GPS-Daten runterladen? Bin mal zufällig drüber gestolpert, sollte ich mir wohl genauer ansehen. Kannst du das empfehlen?

    Liebe Grüße,
    Markus

    • Stimmt, die Zufriedenheit bleibt. Vielleicht sollte ich speziell diese Strecke als Strongman-Trainingsstrecke ausersehen… 😉
      Bei Gpsies kannst Du Dir eine Strecke zusammenklicken, speichern, und dann in vielen Formaten exportieren. Ich lad sie mir immer auf die Garmin FR305.
      Man muss sich ein bisschen reinfinden, aber dann ist es echt super.
      Grüße nach Österreich! 🙂

  9. Cool, wie Du das Training gemeistert hast. Die Sehnsucht nach Zucker in gewissen Momenten kenne ich nur zu gut. 🙂
    …Und: Hat die Blackroll ihre Schuldigkeit getan? Mir hilft sie immer super.

    • Danke für das Kompliment und willkommen auf meinem Blog!
      Doch, die Blackroll hilft eigentlich immer. Zumindest fühlt es sich während der „Behandlung“ auch schon besser an – auch wenn’s wehtut. 🙂

  10. Pingback: Ein hübscher trailiger Trainings-Halbmarathon | laufkater

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