Les Rêveries du coureur solitaire – läuft!


Ab und an mal die Bildung raushängen lassen, muss auch sein. Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass besagtes Werk, dem ich mal eben dreist den Titel geklaut habe (Rousseau: Les Rêveries du promeneur solitaire) ziemlich meinem Gedächtnis entschwunden ist, obwohl es Prüfungsstoff in grauer Vorzeit war.

Aber schon der gute alte Jean-Jacques wusste bereits im 18. Jh., noch bevor sich irgendjemand Gedanken über exzessives Joggen machen konnte, und lange vor der Erfindung des Nordic-Walking-Stocks, dass einem beim Laufen durch die Natur eben philosophisch wird. Leider ist auch mein geklauter Titel nicht wirklich originell, weil ihn bereits Dean Karnazes in seinem Buch „Ultramarathon-Man – Confessions of an All-Night-Runner“ anglifiziert und verwurschtet hat. Och Menno!

Karnazes Buch ist übrigens durchaus lesenswert, wenn auch natürlich typisch dem amerikanischen „From Zero to Hero“ Gedanken verpflichtet, aber das ist ok. Ich hab es während einer krankheitsbedingten Arbeits- und Laufpause in einem Zug weggelesen.

„Jaha, jetzt schwafelt sie hier rum“ werden manche denken, aber ich darf das, ist mein Blog! Hihi… 😀

Aber nun gut: Reden wir über seriöse Dinge, zum Beispiel übers Laufen. Zur Abwechslung mal. 😉

Meine Trainingswoche steht im Zeichen des Freiburg-Marathons in zwei Wochen und des Strongman-Runs im Mai. Auf beide freue ich mich wie Bolle und hoffe nur, dass mir die Gesundheit bei all den röchelnden Mitmenschen um mich herum erhalten bleibt.

Montags mache ich derzeit einen außerplanmäßigen kürzeren Lauf, in den ich vor allem Kraft- und sonstige Dinge einstreue. Letzten Montag wäre das fast schiefgegangen, weil ich Treppensprünge an einem Gartenmäuerchen gemacht habe, dabei kurz gepennt, den Fuß falsch aufgesetzt, was mit einem hässlichen „Kracks“ aus dem Sprunggelenk belohnt wurde. Zum Glück war ich schon gut warm, und es ist nichts weiter passiert. Ein paar Tage war es leicht geschwollen, aber zum Glück vollkommen schmerzfrei und uneingeschränkt belastbar. Jetzt ist es wieder völlig ok. Puh! *Schweiß von der Stirn wisch*

Mittwoch stand dann ein Tempolauf an, den ich erstaunlich gut bewältigen konnte. Offenbar haben die für mich doch recht vielen Wettkämpfe der letzten Monate (Nikolauslauf, Silvesterlauf und Crosslauf) da einen Schub gebracht. AC/DC sorgte für die angemessene Restbeschleunigung. Yeah! Hinzu kam noch, dass das der erste Tag war, an dem man so was wie Frühling erahnen konnte. Zur Feier des Tages wurden meine Beine in eine neue 3/4 Tight von RP gehüllt und durften zumindest teilweise die Sonne sehen. Frühling

Dafür war es am darauffolgenden Morgen so eisig, dass ich mir sogar das Buff über den Mund ziehen musste. Die Morgenstimmung bei meinem regenerativen Lauf war aber großartig.

Morgenstimmung

Samstag ging es dann bei etwas unbeständigerer Witterung zum Longrun los, wobei sich auch hier der Winter noch nicht spurlos verabschiedet hatte. Streckenweise war es sogar ordentlich glatt. Glücklicherweise jedoch nur für kurze Abschnitte.

WinterresteSo wirklich was fürs Foto hergeben tat die Landschaft auf der Strecke dann nicht mehr. Die Natur ist gerade in einem Zwischenstadium, wo das Gras noch mehr braun-grau als grün ist, die Bäume noch kahl und der Boden matschig. Aber – hey – Hauptsache draußen! Die fleißigen Waldarbeiter beim Filettieren von Stämmen wollte ich dann auch nicht knipsen.

Immerhin kam mir noch ein pilziges Fotomodell vor die Linse:

BaumpilzIch finde Pilze ja extrem coole Gesellen, außerdem noch extrem lecker, kenne mich leider aber absolut nicht damit aus. Von dem Burschen hier hätte man problemlos Pilzragout für 6 Personen machen können. Allerdings bezweifle ich, dass er essbar ist. Abgesehen davon sieht er ja auch viel zu gut aus, da wo er ist. Wäre eine Schande, ihn wegzunehmen.

Bei dieser 18 km – Strecke komme ich übrigens durch 3 Landkreise (TUT, VS und RW). Na, wer kann das toppen?

KreisgrenzeAls Beweis habe ich diesen wundervollen Pfosten fotografiert. Endlich mal. Der liegt nämlich an einem Abschnitt, wo ich eigentlich nur ungern stehen bleibe. Es geht etwas zäh leicht und stetig bergauf, und wenn man einmal anhält, dann verlässt einen eventuell die Moral. Diesmal jedoch hatte ich zum einen uneingeschränkte Twix-Power und zum anderen noch Luft.

TomTom hat mir vorhin auch noch mit einer kleinen Fanfare „Hervorragende Erholung“ bescheinigt. Ich bin für meine Verhältnisse echt in Top-Form. Jetzt nur nicht krank werden! Aaaah! Die Angst davor ist echt lästig, zumal meine bessere Hälfte jetzt etwas angekratzt ist.

Also bin ich heute Abend noch auf eine kleine Runde geflüchtet, die durch das immer weniger werdende Licht relativ interessant wurde, vor allem bei den drei Hügelsprints im Wald, die ich eingebaut habe. Hätte ich doch die Stirnlampe mitnehmen sollen. Nun ja, so blieb mir nur Füße heben und achtsam laufen. Vielleicht auch mal nicht schlecht.

Und von was träumt nun so ein einsamer Läufer? (irgendwie muss ich ja jetzt auf den Titel zurückkommen, wäre sonst schlechter Stil) Während der ganzen Stunden so allein da draußen sollte man doch einiges zusammengedacht kriegen.

Häufig ist da im Hirn erstaunliche Leere. Da muss ich an den großartigen Text von Heidi Schmitt zum „Gedankenmonitor“ denken. Unbedingt lesen! Statt tiefgreifender philosophischer Erkenntnisse à la Rousseau findet sich im Oberstübchen häufig eher wenig Bemerkenswertes. Aber gerade das ist ja das Phantastische, wenn man ansonsten ständig mit dem Kopf arbeiten muss. Und hin und wieder formen sich Ideen zu einem Blogpost. Oder auch nicht. Kann man nicht erzwingen.

Oft macht es mir auch Spaß, einfach nur die Bewegung zu spüren.

Läuft!

Advertisements

14 Kommentare zu “Les Rêveries du coureur solitaire – läuft!

  1. Oh man, so viel Bildung beim exzessiven joggen. Da versteh ich ja nur spanisch und das obwohl es französisch ist 😉
    Und nicht nur beim laufen… aber gerade da, da schalte ich auch regelmässig in den Hirn-Stanby 🙂

    • Da sieht man mal, was exzessives Joggen so alles bewirkt… höchst gefährlich! 😀
      Hirn-Standby ist wichtig. Sonst dreht man irgendwann durch. Am komplettesten ist der Standby am Ende eines Wettkampfs. (Hä? Wo? Öööööh…)

  2. Läuft! Das ist doch super und das les ich gerne. Nur nicht von der Angst einholen lassen. Bis zur nächsten Landesgrenze von mir aus ist es zu weit – ich kann nur in einer lufen, wenn ich laufen kann. 🙂

    • Du läufst hoffentlich auch bald wieder. 🙂 Von LEV nach GL müsste aber doch machbar sein, oder? Gut, kommt drauf an, auf welcher Seite du bist…
      Ich versuche, die Angst so gut es geht zu verdrängen, was nicht so einfach ist, wenn man ein röchelndes Wesen im selben Haus hat…

  3. Hm, Dein Beitrag hört sich aber sehr zufrieden an, mach nur weiter so, dann sind Deine Vorhaben ein Klacks 😉
    Nichts denken, wenn es einen läuft…die mentale Dusche, wie ich es immer nenne, das ist der Grund, warum ich laufe, alles andere ist ein Nebeneffekt 😀

    Salut und träum weiter

    Christian

  4. Kurz zusammen gefasst: Es läuft! 🙂

    3 Landkreise habe ich auch schon gepackt. Aber nicht regelmäßig. Wobei ich auf meinem Weg zur Arbeit nur n paar Meter weiter laufen müsste um den Dritten zu erreichen 😉

    • Na, wenn das keine Motivation ist! 😀
      Zur Arbeit laufen würde ich auch gerne mal, aber 70km… VOR der Arbeit… hmmmm… Da trainier ich mal noch ein Weilchen.

  5. Auch wenn es eigentlich nix zur Sache tut, finde ich die Farbe deiner Unterbeine beneidenswert – bei mir wird derzeit noch quarkige Bleiche zur Schau gestellt 😉

    Aber woscht. Die nächste Läuferbräune kommt bestimmt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s