Inspiration Alter?


Szene 1:

3 reifere Damen – geschätzt zwischen 70 und 80 unterhalten sich lamentierend in der Nähe meiner Arbeitsstätte.

Eine: „Ja, weisch, der Doktor (sie spricht es „Drdokter“ – so wie es nur ältere schwäbische Hausfrauen können) hat mir gesagt, i MUSS so 30 Minuten am Tag spazieren gehen.“ Ihr Tonfall und ihre Mine würden eher zu der Aussage passen: „Er hat mir gesagt, dass ich nur noch 5 Tage zu leben habe.“

Die beiden anderen quasi im Chor, kopfschüttelnd und angemessen betreten dreinschauend: „Ah… schlimm!“

Und ich frage mich… Ich frage mich, ob es ihr lieber gewesen wäre, „Drdokter“ hätte ihr ein paar hübsche bunte Pillen und ewige Schonung auf dem Sofa verordnet, oder ob ihr das Spazierengehen tatsächlich Schmerzen bereitet. Aber dann hätte „Drdokter“ vielleicht nicht unbedingt dazu geraten. Ich beschleunige meine Schritte. Will die Mittagspause schließlich für einen flotten Spaziergang nutzen, wenn ein Lauf mangels Duschgelegenheit schon nicht drin ist.

Schnitt – Szene 2.

Es ist Mittwoch, der 18. März, fast Frühlingsanfang, und das Wetter lässt erstmals kurze Klamotten zu. Wir befinden uns im Stadion, wo ich meine 500m-Intervalle absolviere. Nach kurzer Zeit stellt sich Gesellschaft ein. Erst kann ich es nicht genau erkennen, da ich mich auf der gegenüberliegenden Bahnseite befinde. Aber die federnd laufende Gestalt kommt schnell näher. Dann erkenne ich ihn. Es ist „Lauf-Opa“. Ich habe keine Ahnung, wie er heißt, aber ich habe ihn schon öfter auch bei Wettkämpfen in der Region gesehen. Ich nenne ihn Lauf-Opa. Er muss auch schon jenseits der 70 sein, aber sein Schritt  und sein Körper wirken jugendlich. Lächelnd, freundlich grüßend und mit nach oben gerecktem Daumen überrundet er mich insgesamt viermal, bis er sich ebenso lächelnd wieder verabschiedet.

Und ich frage mich… Ich frage mich, ob ich in seinem Alter wohl auch mal lächelnd an viel jüngeren Läufern vorbeiziehen kann. Ob ich es schaffe, mir diese Freude zu bewahren und mit ebensolcher Gesundheit gesegnet sein werde.

Und ich frage mich auch, was Lauf-Opa von den oben genannten Jammergestalten unterscheidet. Haben sie sich bewusst für ihren jeweiligen Weg entschieden? Oder war das irgendwie vom Schicksal bestimmt? Hatten die Damen vielleicht überhaupt nie eine Chance? Oder haben sie einfach beschlossen, ihren Ruhestand fernsehend und Kuchen futternd auf dem Sofa zu verbringen?

Das hier ist nicht „mein“ Lauf-Opa, sondern Fauja Singh, der mit 96 immer noch läuft und läuft und läuft. Ein Klick aufs Bild führt zum Original-Artikel.

99-jähriger Lauf-Opa stiehlt allen Stars die Show

Schnitt – Szene 3:

Ich laufe eine meiner Hausstrecken, und begegne zwei Damen aus der Nachbarschaft, die ihre Hunde spazieren führen. Wir begegnen uns öfter, und ich bleibe kurz stehen, um die Hündin Sina zu beschmusen. Ihr Kumpel, Filou, ist weniger an Streicheleinheiten als an Action interessiert.

Filous Frauchen: „Also für mich wär das ja nix mit dem Laufen.“

Ich: „Naja, jeder, wie er mag. Sie gehen ja immerhin jeden Tag mit dem Hund raus.“

Filous Frauchen: „Aber ich hab einen Zwillingsbruder, der macht Triathlon. Das hat er aber auch erst im Alter angefangen… so mit 35.“

Und ich frage mich…

Ich frage mich so langsam, was „Alter“ überhaupt bedeutet. Immerhin werde ich nächstes Jahr – wenn nichts dazwischen kommt – 40. Humpf. Andererseits bin ich jetzt wesentlich fitter als mit 20. Insofern: Was sagt das Alter im Pass überhaupt aus? Ich glaube, man muss einfach immer weitermachen mit dem, was man gerne tut. Und sich nicht drum scheren, wenn andere meinen, dass man das „in deinem Alter“ doch nicht mehr tut. Und auf keinen Fall darf man darauf hören, wenn einem jemand sagt: „Wart’s nur ab, mit x (hier eine beliebige Zahl einsetzen) fangen die Probleme erst an.“

Nee…

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31 Kommentare zu “Inspiration Alter?

  1. Ein nicht ganz einfaches Thema. Ich denke ich werde mich weiter bewegen (Laufen oder anders) wie es mir die Gesundheit ermöglicht.
    Ich freue mich, wenn ich mit 80 noch durch die Gegend laufen kann. ABER das ist nicht selbstverständlich. Es gibt durchaus gesundheitliche Probleme, die einen erwischen können mit denen das nicht mehr möglich ist. Und während Laufen einen gesunder erhält, ist es ja doch nicht so, dass man als Läufer nicht krank werden kann. (Manche scheinen das zu denken…)
    Da ich jetzt schon an niemand vorbeiziehe, wird das mit 80 sicher auch nicht so sein. Da würde ich mir ein wenig mehr Puffer wünschen, so dass ich wenn ich alt bin auch noch vor Zielschluß bei Läufen ankommen kann. Wird wohl nicht so sein, ist halt so.

    Lieben Gruß!

    • Ach, das mit dem Zielschluss würde ich mal optimistisch sehen. 🙂
      Klar, niemand ist vor Unfall oder Krankheit geschützt, aber man kann schon seinen Teil dazu beitragen, dass die Wahrscheinlichkeit gering bleibt. Und die feste Absicht, auch mit 80 noch aktiv zu sein, ist sicher nicht das Schlechteste.
      Grüße über den großen Teich!

  2. Dazu nur eines:

    Im nächsten Monat begehe ich mein 36. Laufjubiläum
    bin nicht mehr die Jüngste
    wie man sich denken kann
    aber immer noch viel jünger als viele Altersgenossinnen
    körperlich fit
    gut drauf
    geistig fit
    so hoffe ich
    und wenn ich es schaffe
    laufe ich auch noch mit 100
    muss nicht Marathon sein
    aber zumindest einmal um den Blog
    YES !

    Das zum Thema ALTER
    aus meiner Sicht !
    Darauf laufen wir einen ! 😎

  3. Mensch, Mensch – das Alter ist Thema in der Bloggerwelt in diesen Tagen. Ich kann nur sagen, dass ich nicht weiß was das „Alter“ ist. Manchmal fühle ich (mich) wie 20 – manchmal anders, weil halt doch 24 Jahre mehr Lebenserfahrung da sind.
    Auf jeden Fall möchte ich so lange bewegt sein, wie es mir möglich ist.
    Zur Zeit komme ich mir körperlich eher vor wie 60 oder so. Aber auch das ändert sich sicher wieder!
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Was das Alter ist, weiß ich auch nicht so genau. Jedenfalls nicht 35. 😀
      War mir gar nicht so bewusst, dass das gerade ein Thema ist. Mich hat der Lauf-Opa drauf gebracht.
      Vielleicht fühlst Du Dich morgen schon eher wie 59. 😉 Ich hoffe es.

  4. Liebe Christiane,

    mein Alter ist mir ziemlich egal, auch wenn schon bald die 5 vorne steht fühle ich mich wesentlich jünger und fitter, also ähnlich wie Du….
    Szene 1 kenn ich, meist bin ich der böse, also „DrDoktorr“, der nicht irgendwelche Medikamente verschreibt, sondern empfiehlt etwas mehr Bewegung in den Alltag einzubauen…nene, das geht gar nicht und dafür zahlen wir Krankenversicherungsbeiträge?

    Salut
    Christian

  5. Liebe Christiane,

    wieder ein Altersthema. Das kursiert ja gerade in der Bloglandschaft. 🙂 Ich hatte mit meinen Eltern gerade das Thema. Die leiden sehr stark darunter, dass ihnen links und rechts die Freunde wegsterben oder sehr krank werden. Meine Eltern sind aufgrund von viel Bewegung und einigermaßen gesundem Lebensstil (nie geraucht, selten Alkohol) und viel Bewegung einfach fitter als die anderen. Im Alter erst zahlt man die Rechnung und dabei werden die Weichen mindestens mal in unserem Alter gestellt. Wenn Du Dich im Leben nie bewegt hast, dann wird die Aussage vom Arzt wirklich eine schreckliche sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass für mich Bewegung jemals eine Strafe sein kann. Wenn – wie gerade – die Bewegung nicht so stark ausfällt, dann muss ich mir immer wieder andere Möglichkeiten suchen. Ich glaub… uns braucht der Arzt im Alter so etwas nicht zu sagen.
    In dem Sinne…
    Schönen Montag
    Anja

    • Das kann ich mir vorstellen, dass das für Deine Eltern hart ist. Trotzdem ist es schön, dass sie noch so fit sind. Vor ein paar Jahren hätten bei mir die Weichen auch anders gestellt werden können. Weiß man nie…
      Dass „Alter“ gerade ein virulentes Blogger-Thema ist, war mir echt nicht bewusst, aber vielleicht hat es mich unbewusst beeinflusst. Wer weiß das schon. Ich drück Dir die Daumen, dass das bald wieder wird bei Dir! Vermisse Deine Laufberichte!

  6. Alter ist relativ, das sagt auch die Forschung. Und die sagt auch, dass man so jung ist, wie man sich fühlt. In diesem Sinne schere ich mich nicht um das, was ich tun sollte, sondern tue das, was mir gefällt. Dazu gehört Laufen – und das möglichst lange.

    Ob ich aber noch laufen will, wenn ich kaum noch kann? Die Bilder der letzten Läufe von Singh, auf denen er sich mehr von anderen gestützt als selbstständig über die Strecke bewegte, fand ich nicht besonders modellhaft. Zu meinem Verständnis von Alter(n) gehört auch loslassen zu können, wenn es an der Zeit ist …

    Viele Grüße,
    Anne

    • Ja, da hast Du Recht. Man muss wissen, wann man aufhören muss. Ich beobachte nur immer wieder Leute, die sagen: „In meinem Alter muss ich das nicht mehr.“ und dann einfach aufhören, obwohl sie noch könnten. Man muss ja nicht unbedingt noch Marathon laufen. Aber ein zügiger Spaziergang oder eine kleine Radtour sind ja auch schon was.
      Und Hauptsache, es macht Spaß! 🙂

  7. Warum muß ich bei Deinen eingangs erwähnten Damen an das Lied von Udo Jürgens „Aber bitte mit Sahne“ denken? 😀

    Auch ich bin heute wesentlich fitter als mit 20. Auf der anderen Seite war ich auch nahe dran wie die alten Damen zu werden. Manchmal liegen der sportliche und der nichtsportliche Wege dicht beieinander, da muß man schon aufpassen, den richtigen Abzweig nicht zu verpassen.

    Uns ist es gelungen, mögen wir diesen Weg noch lange gehen bzw. laufen können! 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

    • Ja, vor ein paar Jahren wäre es bei mir vielleicht auch der andere Weg gewesen. Das Umfeld spielt da sicher auch eine große Rolle. Und wenn ich nicht in eine sehr aktive Familie „eingeheiratet“ hätte, wer weiß…
      Also: Run on – aber bitte mit Sahne! 😀

  8. Tja, wie fit fühlt man sich im Alter? Das hängt wohl, wie so oft, von mehreren Faktoren ab: Gene, Umwelt/Erziehung und eigene Einstellung. Ich hatte das Glück, in eine Familie voller sportlich denkender Menschen hineingeboren worden zu sein. Da läuft, schwimmt oder springt zwar keiner Rekorde (die Gene dürften also eher durchschnittlich sein), aber Bewegung gehörte in meiner Familie einfach immer dazu. Wenn meine Mutter mit fast 75 immer noch regelmäßig zur Damengymnastik geht, dann schaff‘ ich das bisschen Laufen doch auch noch ein paar Jahre…

    • Das Umfeld ist sicher sehr wichtig. Meine Familie verfügt über ein ausgeprägtes Bewegungs-Muffel-Gen, aber man kann es überwinden. Meine Mutter tut das mit Vernunft und Disziplin, hat aber keinen Spaß dran. Ich hingegen… 😀 😀 😀
      Grüß Deine Mutter von mir. Sie ist cool! 😎

  9. hehe es hadert wohl jeder mal mit seinem Alter, aber so lange wir noch laufen gehen können oder eben andere Sachen machen um fit zu bleiben ist doch alles gut.
    Mich hat neulich meine Spanischlehrerin gefragt ob ich noch zur Schule gehe…das ist mit 27 und fertigem Hochschulabschluss auch nicht grade erquickend!

    • Upps… Ja, das Problem kenn ich auch. „Und, was studierst Du?“ öööööh… 
      Ne, hadern tue ich nicht. Ich bin froh, dass ich es so weit geschafft habe. 🙂

  10. mein Lieblingsspruch in dem Zusammenhang ist „man ist so alt wie man sich ANfühlt“
    ich bin im Moment zwar auch nicht so fit wie ich gerne wäre, alles möglich zwickt mal hier mal da, ich hab die 5 ja schon ne Weile vorne und gefühlt grad halt auch ne 6 aber hoffe das bessert sich auch mal wieder, immerhin gibt es nix richtig böses was mich objektiv von der bewegung abhielte, nur die Ergebnisse sind momentan nciht so daß ich überall die zielzeiten voll ausnutzen wollen würde 😦
    Meine Ma ist 78 und (zu recht) stolz auf lobende Worte bei jedem Checkup weil sie 2 mal die Woche im Studio trainiert!

    • Noch so ’ne coole Ma! 🙂 Daumen hoch!
      Ja klar kneift es ab und zu, aber wenn man grundsätzlich Spaß an der Bewegung hat, hält einen das ja nicht weiter davon ab. Es sei denn, es ist was Ernstes.
      Aber so schicksalsergeben alles aufs Alter zu schieben, wie manche es tun, muss echt nicht sein.

  11. „Man ist so alt, wie man sich fühlt“, ist für mich nach wie vor kein leerer Spruch, sondern wirklich eine Einstellung. Wenn ich mich fit halte – und kindisch bleibe 😉 – dann hat das Alter in meinem Ausweis genau gar nichts zu tun. Natürlich gibt es mit laufendem Alter Einschränkungen, der Körper baut etwas ab – aber nicht so viel wie bei jemandem, der Zeit seines Lebens etwa nie etwas gemach hat.
    In meinem Bekanntenkreis gibt es Fünfzig-, Sechtzigjährige die laufen und tiptop in Form sind – und auf der anderen Seite deutlich Jüngere, die halt nicht auf sich achten.
    Vielleicht kann/mag ich das noch nicht richtig bewerten, aber Sport und Bewegung sind sicher eine gute Anlage fürs Leben 🙂

    Da habe ich mich in was reingeschrieben 😀

    Liebe Grüße,
    Markus

    • Kindisch bleiben. Ganz wichtig! 😀
      Steh ich auch voll dazu!
      Und das mit der Anlage fürs Leben klingt doch ganz gut. Auf jeden Fall droht hier kein Finanzcrash, und den Bonus streichen wir selbst ein. 😀

  12. Meine absolute Lieblingsstory dazu ist die (in Ermangelung eines besseren Wortes) alte Dame, die seit Anbeginn des österreichischen Frauenlaufs dort gewalkt ist und letztes Jahr ihr Debut als Läuferin hatte. Mit 80!!!! Die vier Rufzeichen sollen versinnbildlichen, wie toll und einzigartig und vorbildlich ich das finde.
    Man ist nie zu alt, etwas für seinen Körper zu machen. Man muss es nur selber wollen. Da bringen die besten Wortes eines Arztes nix. Und auch nicht der Frau, Freundin, Mutter, …

    Liebe Grüße,
    Ente

  13. Ich glaube, so einen „Lauf-Opa“ hat irgendwie jeder Läufer in der Waldnachbarschaft – „meiner“ zieht ganz oft fröhlich „Guten Mooorgen“-plärrend an mir vorbei, wenn ich mich die örtlichen Hügel hochquäle 😉

    Das mit der 40 habe ich vor ein paar Tagen hinter mich gebracht, alles halb so wild – ich glaube, Alter ist bloss Kopfsache. Ich kenne 20jährige, die sind schon steinalt und träge…und 60jährige, die es echt noch rocken 😉
    „Wenn deine Träume größer sind als deine Erinnerungen, dann bist du jung.“
    So.
    Weißte Bescheid 😉

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