Wann man einen Goretex-Laufschuh braucht


Das hier ist eigentlich kein Frühjahrs-Thema. Aber da dem Wetter das Frühjahr gerade so was von egal ist, dachte ich, es passt vielleicht doch. Denn meine Goretex-Schuhe, die eigentlich schon im Keller übersommern sollten, sind noch schwer im Einsatz.

Viele Hersteller haben mittlerweile Goretex-Schuhe im Programm, und ich habe immer ein Paar solcher „Dreckwetter-Schuhe“, wie ich sie nenne, im Regal stehen.

Wann ist denn die Anschaffung eines Goretex-Laufschuhs sinnvoll?

„Gar nicht!“ werden jetzt einige hartgesottene Läufer sofort antworten. Und – ganz ehrlich – so ganz unrecht haben sie nicht. Man kann auch ohne. Bisweilen ist es aber doch ganz nett, welche zu haben, vorausgesetzt ein paar Bedingungen treffen zu.

(Mir ist bewusst, dass es sich bei GoreTex um einen Markennamen handelt und dass es auch andere Membranen gibt, aber ich benutze hier den Markennamen, weil jeder weiß, was damit gemeint ist.)

1. Es ist nass.

Das Obermaterial der meisten Laufschuhe ist mittlerweile so was von atmungsaktiv, das es eigentlich schon gar nicht mehr da ist. Wer es schon mal erlebt hat, einen dickeren Wassertropfen zielgenau von oben auf den Fuß zu bekommen, der kennt das Gefühl, als würde es direkt auf den Knochen durchtropfen.

In so einem Fall kann ein Goretex-Laufschuh schon rein psychologisch ganz nett sein. Ohne Rücksicht auf größere und kleinere Pfützen pflügt man entspannt auf der gewohnten Laufstrecke lang – und die Füße bleiben trocken. Allerdings nur, wenn auch Bedingung 2 erfüllt ist.

2. Es ist kalt.

Damit ein Goretex-Schuh Spaß macht, sollten die Temperaturen schon im einstelligen Bereich und darunter liegen. Sonst wird es da drin nämlich viel zu warm. Abgesehen davon, dass zu warme Füße echt unangenehm sein können, werden sie jetzt doch nass. Allerdings von der anderen Seite. „Aber Goretex ist doch atmungsaktiv!“ werden manche einwenden. Klar. Es ist auf jeden Fall deutlich atmungsaktiver als der handelsübliche Gummistiefel, aber grenzenlos atmungsaktiv dann auch wieder nicht.

Wer zu kalten Füßen tendiert, möchte vielleicht sogar selbst bei Trockenheit im Herbst und Winter einen Goretex-Schuh wählen, da er einfach deutlich wärmer hält als der normale Laufschuh.

Kalt und nass ist also das perfekte Wetter für Goretex-Schuhe.

Damit wäre geklärt, wann die Kerlchen echt hilfreich sind. Sie haben aber auch ein paar Nachteile, die es zu bedenken gilt.

Zum einen sind sie durch die Membran schwerer und auch etwas unflexibler als ihre Nicht-Goretex-Genossen.

Damit sind sie für Bestzeiten nur bedingt geeignet. Außerdem empfiehlt es sich, auch wenn man die Normal-Variante desselben Schuhmodells schon kennt, den Goretex-Bruder nochmals separat zu probieren. Denn gerade das veränderte Obermaterial kann dafür sorgen, dass der Schuh plötzlich drückt und eventuell eine halbe Nummer größer gekauft werden sollte, oder dass er vielleicht gar nicht passt.

Ich hatte damit mal den ersten und einzigen Fall, wo ich ein Paar Laufschuhe zurückgeben musste. Ich hatte den Nike Pegasus im Laufsportgeschäft probiert, kam damit gut klar, entschied mich aber letztendlich doch für ein anderes Modell. Als es den Pegasus als Goretex-Modell zu einem sehr attraktiven Preis gab, schlug ich unbesehen zu. Schließlich war ich ja schon mal damit probegelaufen. Denkste. Es lief unrund, ich bekam Knieschmerzen. RP nahm die Schuhe zum Glück anstandslos zurück.

Der nächste Faktor, den es zu bedenken gilt ist, dass wo Wasser schwer reinkommt, Wasser auch nur schwer wieder rauskommt.

Bei Regen und normalen Pfützen sollte eigentlich nichts reinschwappen. Tritt man jedoch in ein Bachbett oder eine richtig tiefe Pfütze, wie es abseits der befestigten Wege schon mal vorkommen kann, dann flutet es den Schuh von oben. Beim gewöhnlichen Laufschuh werden jetzt die Socken nass, aber das Wasser tritt schnell wieder aus. Nicht so beim Goretex-Schuh. Da bleibt es drin und gluckert fröhlich im Takt der Laufschritte. Nicht jeder mag das Gefühl, wenn die Zehen ständig umspült werden.

Das ist auch der Grund, weshalb viele Trailrunner dankend auf Goretex verzichten, und lieber eine kurze Dusche in Kauf nehmen.

A propos Trailrunning. Hier hält sich zum Teil ein hartnäckiges Missverständnis: Nicht jeder Goretex-Schuh ist automatisch ein Trailschuh oder umgekehrt.

Viele Hersteller haben – wie schon erwähnt – beliebte Modelle sowohl als Goretex- als auch als gewöhnliche Variante im Angebot. Aktuell laufe ich z.B. den Ghost 6 GTX von Brooks.

Manchmal muss ein Schuh da durch - leidgeprüfter Brooks Ghost GTX

Manchmal muss ein Schuh da durch – leidgeprüfter Brooks Ghost GTX

Begünstigt irgendwie Stollenbildung - vielleicht durch die Kerbe in der Mitte?

Wie man hier sehen kann, ist das keine Trailsohle.

Hier gilt es abzuwägen, wo man den Schuh hauptsächlich laufen möchte. Für weitgehend geräumte Waldwege oder Straßen empfiehlt sich natürlich ein Straßen-Laufschuh.

Möchte man aber etwas mehr ins Gelände…

Der GTX-Schuh in seinem natürlichen Lebensraum

Der GTX-Schuh in seinem natürlichen Lebensraum

… kann das mit Straßen-Sohlen schon etwas schwieriger werden.

Gerade im Matsch oder Nassschnee wird es dann gerne rutschig. Wer genügend Geld übrig hat und Platz im Schuhregal, sollte daher vielleicht noch in einen Trail-Goretex-Schuh investieren. Ich habe diesen Winter zugunsten von mehr Grip bisweilen auf trockene Füße verzichtet. Aber ich bekomme auch nicht so leicht Blasen, und wenn die Füße mal warm gelaufen sind, steckt man die ein oder andere Dusche auch weg.

Fest steht jedoch: Mit Goretex-Schuhen ist nasses Wetter keine Ausrede mehr.

Wie haltet ihr’s?

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16 Kommentare zu “Wann man einen Goretex-Laufschuh braucht

  1. Da ich hier bei mir nicht so viel Trails hab 😉 und es doch deutlich seltener regnet als man allgemein meint, hat es mich noch nie nach einem Goretex-Schuh gelüstet. Mein aktueller Hoka hat sogar so ein dünnes Netz oben, dass man fröhlich meine Füße mit Socken sehen kann. Den lass ich dann aber bei Regen stehen und nehm einen anderen mit etwas besserem Grip.

    • Hui… SO dünn sogar. Das mit dem seltenen Regen kann ich gerade nicht so unterschreiben. Es sei denn, ich habe mir neue Regenwetter-Sachen gekauft. Dann regnet es nie. 😀

  2. Liebe Christiane,

    Goretex ja, aber bitte nicht an den Füßen 🙂 Sind mir zu schwer und leider taugt der beste Goretex Schuh nicht, da bislang keiner absolut wasserdicht ist, mir ist ein Schuh lieber, der wenn er nass geworden ist, schnell wieder trocknet. Wenn dann noch Wrightsocks oder Socken von Sealskinz getragen werden, sind die Füße schnell wieder trocken. Muss aber jeder für sich entscheiden bzw. probieren.

    Salut

    • Mm, meine GoreTex-Schlappen sind bisher alle wasserdicht. Allerdings bin ich auch bisher nicht länger in einer Pfütze stehen geblieben. Die Sealskinz-Socken würden mich auch mal interessieren. Schwitzt man da nicht drin?

  3. Also ich hab Goretex Brooks GTS7 und ich liebe diese Schuhe.
    Ich vertrage zum Beispiel nasse, kalte Füsse beim Laufen gar nicht und werde sofort krank. Meine Goretex sind absolut dicht und super bequem.
    Ob sie jetzt so viel schwerer sind als meine anderen ….Glaube ich nicht. Außerdem bin ich ja keine Leistungssportlerin.

    Von mir also Daumen rauf für Goretex

  4. Ich habe ein paar Laufschuhe von Asics mit Membran, und die nutze ich im Herbst und Winter auch, wenn es sehr nass ist. Auf Trails bin ich zwar nicht unterwegs, aber ich mag einfach keine nasse, kalte Füße! Und so kann mir keine Pfütze etwas anhaben. ☺

    • Ja, das Gefühl, entspannt durch die Pfützen zu pflügen hat schon was. 🙂 Wobei es im Sommer auch Spaß macht, das mit normalen Laufschuhen zu tun. 😀

  5. Da Bedingung 2 für mich so gut wie nie zutrifft, brauche ich keinen GoreTex Schuh. Mir machen nasse Füsse auch nicht so viel aus beim Laufen, solange das Wasser nach tiefen Pfützen gut wieder aus dem Schuh herausläuft!

  6. Ich habe mir diesen ‚Winter‘ auch einen Satz GTX-Reifen gegönnt und ich muss sagen, eine halbe Nummer größer und die Füße blieben trocken. Da ich Straßen- und Feldwegläufer bin, sind die Teile perfekt um nicht ständig bei Kälte und Schnee/ Regen auch noch Bögen um jede Pfütze machen zu müssen… Ich kaufe die Schuhe gerne und ich bin auch Wettkämpfe damit gelaufen und war sehr zufrieden… Aber ich bin ja auch kein Bestzeitenjäger, sondern ein Selbstbestätiger…

    • Ich finde auch, sie haben echt ihren Nutzen. Den Silvesterlauf bin ich auch mit „Winterreifen“ gelaufen. Da wäre bei dem Schneematsch wohl auch mit leichteren Schuhen keine wesentlich schnellere Zeit drin gewesen. Und was die Bestzeiten angeht, sehe ich das wie du. 🙂

  7. Hmm…also eigentlich finde ich, die einzig richtige Antwort im Bereich „Laufzubehör und -bekleidung“ auf die Frage „Warum braucht man das?“ ist doch „Weil es DA ist!“ 😉

  8. Pingback: Runhappy-Klamotten für den Herbst (teilweise sponsored) | laufkater

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