Regeneration kann ich nicht


Es ist ja allgemein bekannt, dass der tapernde Läufer an sich nur schwer bis gar nicht zu ertragen ist. Er will trainieren und darf es nicht. Ein unhaltbarer Zustand, der sich in verschiedensten Stressreaktionen sich selbst und seinem leidgeprüften Umfeld gegenüber äußert.

Mit dem Tapering hab ich persönlich kein Problem. Im Gegenteil, ich finde es entspannend, nach Wochen der intensiven Vorbereitung etwas zurückzuschrauben und sich auf den anstehenden Wettkampf zu freuen. Was mir Schwierigkeiten bereitet ist die Regeneration nach dem Wettkampf.Eine Faustregel – an die sich mein Trainingsplan auch hält – besagt ja, dass man so viele Tage zur Regeneration einplanen sollte, wie die Hälfte der Wettkampfkilometer. Halbmarathon bedeutet somit: 10-11 Tage Regeneration.

Mein Körper scheint aber mittlerweile einfach gewohnt zu sein, in der Woche im Schnitt 40km zu laufen. So eine kleine Taperingpause dazwischen findet er noch ganz nett. Aber dass er nach dem Wettkampf – wenn die akuten Nachwirkungen abgeklungen sind – nicht wieder darf, das findet er blöd.

Erschwerend kam diesmal noch hinzu, dass es eine eher passive Regeneration wurde, weil das Wetter einfach zu bäh zum Spazierengehen oder Radfahren war. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich bei jedem Wetter laufen kann, aber fürs Radfahren fehlt mir einfach a) die entsprechende Ausrüstung und b) die Lust wenn’s nass, kalt und und windig ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Spazierengehen.

Der 1. April

Der 1. April verhält sich standesgemäß.

Am Montag unmittelbar nach dem Freiburg-Marathon war ich ganz froh, frei zu haben, denn es tat echt alles weh. So reine Asphalt-Strecken bin ich einfach nicht gewohnt. Dementsprechend meuterte ziemlich viel rum.

Obwohl ich ja nur den halben gelaufen bin, fühlte ich mich wie in diesem Video:

Das war am Dienstag aber zum Glück – auch dank Blackroll – schon wieder wesentlich besser. Dafür fingen die anderen Probleme erst an…

Problem Nr. 1: Zuviel freie Zeit.

Man könnte natürlich in dieser Zeit was Sinnvolles tun. Z.B. endlich mal aufräumen, eine neue Sprache lernen, ein gutes Buch lesen… nee… besser man verzockt die freie Zeit sitzend vorm Computer. Das Problem wurde dadurch noch verschärft, dass ich auch arbeitsmäßig frei habe, d.h. sowieso weniger rumrenne als sonst.

Konsequenz: Ein seltsames „Ping“ im Kreuz, und erhebliche Schmerzen im Gluteus Maximus, die die ganze Woche über schlimmer werden sollten. Zu Deutsch: Mir tat der Hintern weh. Aber so was von!

Problem Nr. 2: Ungewohnte Stellen tun plötzlich weh.

Neben dem „Ping“ im Kreuz und dem Gluteus mag auch mein Knie keine Regeneration, und die Hüften, und die Waden, und….  Es scheint irgendwie so, als würde dem Körper nun alles einfallen, was irgendwie vom Laufen schmerzen könnte, und er lässt es schmerzen, wenn man NICHT läuft.

Problem Nr. 3: Eine seltsame Rastlosigkeit

Immer wieder der Blick auf den Trainingsplan: Wann darf ich wieder? Wie viel? Wie lang? Wie schnell? Und es ist gar nicht so einfach, sich da plötzlich runterzubremsen. Auch kann man den halben Tag darüber sinnieren, was man denn für 2,5 ganze Kilometer nur anziehen soll. Und welche Schuhe?

Und immer noch dieses Wetter…

Dieser Bach ist neu entstanden - irgendwo muss das ganze Wasser ja hin.

Dieser Bach ist neu entstanden – irgendwo muss das ganze Wasser ja hin.

Hach ja… aber jetzt hab ich’s ja fast geschafft. Am Samstag hab ich im Studio recht ausführlich Krafttraining gemacht, und mir heute 3 Hügelsprints gegönnt, wobei der ganze Rest nur ganz brav langsam und regenerativ gelaufen wurde. Insgesamt blieb es auch unter 5km. :mrgreen:

Morgen gibt es wieder Krafttraining, und am Mittwoch darf ich schon wieder ganze 10 km laufen. Das Wetter soll auch schön werden. Ich freu mich drauf!

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27 Kommentare zu “Regeneration kann ich nicht

  1. Man kann sich ja auch beim Laufen regnerieren 🙂 Dann hat man meiner Meinung nach auch nach dem Wettkampf noch den Effekt der Verbesserung mitgenommen. Nach einer harten Belastung plötzlich abrupt zu pausieren oder alles längere Zeit runterzuschrauben..damit habe ich persönlich nicht so gute Erfahrungen gemacht. Nach meinem letzten HM bin ich direkt am nächsten Tag lockere 5km mit leichtem Anstieg gelaufen und das hat sich wider Erwarten richtig gut angefühlt. Ich denke einfach nach Gefühl weitermachen. Im Training läuft man ja auch öfter Distanzen am Anschlag oder welche die dem Wettkampf gleichkommen, dass kann der Körper ab 😛

    • Nee, abrupt pausiert habe ich auch nicht. Am nächsten Tag hatten meine Beine wirklich keine Lust auf laufen, das war ok, aber der Trainingsplan sieht so fürchterlich kurze Distanzen vor in der Regenerationszeit. Ich hab es für mich schon ein bisschen erweitert. 😉

  2. Ich halt es wie Markus, bzw. hielt es in der Vergangenheit wie Markus, locker und entspannt mit halber Kraft laufen, das ist die beste Regeneration 🙂
    Ich bin froh, dass ich sowas nicht mehr brauche, einfach laufen ohne auf solche Dinge achten zu müssen hat auch was 😉

    Salut

    • Stimmt, das hat auch was.
      Im Moment brauch ich’s aber noch und will es wissen. Es kommen sicher auch andere Zeiten. Mit halber Kraft laufen fällt mir nach einen WK irgendwie schwer, keine Ahnung warum, irgendwie hat sich das Tempo „eingebrannt“.

  3. Ich kenne diese Faustregel auch – und finde die doof. Ein, zwei Tage Pause sind in Ordnung. Und manchmal sowieso der körperlichen Verfassung geschuldet. Aber dann möchte und könnte man durchaus wieder lostraben. So ein ganz kleines Bisschen!!! Aber wenn es doch der Plan nicht hergibt – nein, dann darfst Du nimmer nicht!
    Das Video – lustig. Welcher Läufer hat nicht schon ähnliches erlebt. Herrlich!
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Eigentlich besagt die Regel ja nur, dass man in der Zeit keine intensiven Belastungen draufpacken soll. Wahrscheinlich ist so ein online-Trainingsplan da übervorsichtig, damit niemand mit dem Anwalt kommt. Aber weil ich auch ein bisschen auf mich aufpassen muss, hab ich gedacht, ich halt mich dran.

  4. Man muss unterscheiden zwischen Pause und Regeneration – Letztere kann auch laufend erfolgen. Was jeweils richtig ist, ist sehr individuell und hängt unter anderem vom Trainingszustand und der Erfahrung ab. Für den einen können nach einem voll gelaufenen HM ein paar Tage totaler Laufpause sinnvoll sein. Der andere profitiert davon, am nächsten oder übernächsten Tag eine lockere Runde zu laufen.

    Gerade nach Wettkämpfen würde ich daher überhaupt nichts auf feste Trainingspläne geben, sondern komplett auf den Körper hören: Wenn er laufen will, lauf – wenn er „Pause“ sagt, ruh dich aus. Am Tag nach dem HM wird er ja nicht gerade „Ich will Intervalle im 5 km-Tempo!“ schreien! 😆

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Also bei mir hängt das Tempo dann irgendwie noch drin. Seltsam, das…
      Ansonsten hast Du Recht, der Körper weiß meistens, was gut ist. Diesmal hab ich mich aber wesentlich zerschlagener gefühlt als nach dem Nikolauslauf. Vermutlich wegen der Asphaltstrecke. Da war etwas länger Pause vermutlich nicht das Schlechteste.

  5. Ich bin jetzt (Haha!) mal ganz kindisch: ICH KENN‘ DAS, ICH KENN‘ DAS!
    Nein, du schreibst mir ganz aus der Seele was die letzten Wochen betrifft. Volles Rohr Training und dem Körper geht’s gut. Wettkampf vorbei, ruhigere Wochen (bäh) und plötzlich zwickt, zwackt und plingt es überall :/

    Hoffentlich geht es dir bald besser.

    Liebe Grüße,
    Markus

    • Jaaa! Alles wieder gut! 🙂 Knie hat sich heute kurz gemeldet, aber als ich vom Asphalt runter und auf den Grünstreifen daneben ausgewichen bin, war alles schön.

  6. Wenn dir ein paar Tage nach dem Wettkampf nach Laufen ist, dann lauf einfach. Regeneration heißt einfach: nur nicht zu viel und nur nicht zu schnell trainieren. Ganz lockere Zehner helfen eher bei der Regeneration. Ich pausiere in der Regel nur einmal im Jahr ganz für ein, zwei Wochen – irgendwann im Oktober, November nach dem letzten Volkslauf des Jahres,

    • Da hast Du recht. Allerdings hilft mir der Plan schon, nicht gleich zu viel zu machen. Ich tendiere sonst so im Überschwang dazu, gleich wieder Vollgas zu geben, und das tut mir auch nicht gut.
      Eine bewusste Laufpause hab ich noch nie eingelegt. Meistens waren sie durch Krankheit erzwungen. Aber wenn das für dich passt, ist das sicher eine gute Sache. So eine Art Urlaub. 🙂

    • Hihi, habe gerade deinen entsprechenden Beitrag gelesen. 🙂 Entzug, genau. Und wie Du selbst sagst: Ein bisschen Jogging muss erlaubt sein.
      Das Video hab ich bei frauschmitt entdeckt. Vor allem der Typ, der auf sein Motorrad krabbelt, ist episch. 😀

  7. An „Wer rastet, der rostet“ ist wohl echt was dran…man kann sogar mental rosten 😉
    Aber bald hast du’s ja überstanden, das Rasten…und das Rosten auch, ganz sicher 😉

  8. Hi, bin gerade auf deinen Blog gestoßen… während ich mich auch in der Nachmarathon-Regenerations-Phase befinde.
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich will schon wieder laufen, nur bis heute wäre es echt nicht gegangen. Der Lauf war Samstag … morgen werde ich dann mal ganz langsam und vorsichtig durch die Gegend hoppeln. Mal schauen, ob alle Körperteile das mitmachen.
    Ich hab ja heute schon das Gefühl, ewig nix gemacht zu haben, obwohl’s nur 3 Tage waren.
    Leider bin ich hier unter der Woche, was andere Sportarten angeht, etwas eingeschränkt, kein Fahrrad, kein Fitnesscenter… und Spazieren… ich komme mir da allein manchmal so verzweifelt vor. Fehlt nur noch, dass mir die Leute Brotkrumen hinwerfen, wenn ich allein am Bach Spazieren gehe ;).

    Na dann noch erfolgreiche Regeneration…

    • Willkommen auf meinem Blog. Laufspatz. Auch nicht schlecht.… 🙂
      Bei mir ist die Phase jetzt zum Glück rum, naja eigentlich regeneriere ich gerade vom sonntäglichen Longrun. Der hat auch ganz schön reingehauen.
      Dann hoffe ich mal, dass bei Dir nix abfällt, und dass es wieder wird mit dem durch die Gegend hoppeln. 🙂

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