Der Longrun – unendliche Weiten…


wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer des Laufschiffs… äääh… Upps, falscher Film. Wobei so ein heroischer Soundtrack jetzt ganz gut käme. Geht leider nur mit der Premium-Version. Nun ja.

Die Regeneration nach dem Freiburg-Marathon ist jetzt rum und ich konnte in für mich völlig unbekanntes Terrain vorstoßen. 26km. So weit bin ich noch nie gelaufen. Ja, ich weiß, die alten Marathonis und Ultra-Hasen lächeln jetzt milde, aber – auch die haben mal klein angefangen. Alles eine Frage der Perspektive.Der Start zu dieser Laufpremiere gestaltete sich leider etwas holprig. In einem Anfall von Vorausplanung hatte ich mir bereits am Donnerstag eine Strecke auf gpsies zusammengeklickt. Ich sollte das mit dem Vorausplanen lassen. Immer, wenn ich etwas vor der Zeit fertigstelle, geht irgendwas gründlich und radikal schief. Auf den letzten Drücker? Läuft bestens.

Wie gesagt. Strecke war fertig, was am Samstag Nachmittag, wo der Lauf ursprünglich geplant war noch blieb, war die Übertragung auf meine FR 305. Das klappt normalerweise problemlos. Manchmal braucht es vielleicht zwei Anläufe, aber dann passt das. Nicht so dieses Mal.

Woran es letztendlich liegt, kann ich nicht sagen, ob am Browser-Update, am Garmin-Communicator oder an den Mondphasen. Tatsache: Es geht nicht mehr. Also probierte ich rum, verbrachte ca. 1 Stunde mit Downloads, Neustarts, Fehlversuchen… bis mir dann klar war, dass ich bei 3 1/2 Stunden geplanter Laufzeit sehr spät nach Hause kommen würde.

Meine letzte Amtshandlung war dann, mir die Strecke auf Garmin Connect erneut zusammenzuklicken und sie von dort zu übertragen. Das funktionierte dann problemlos. Trotzdem verschob ich den Lauf auf Sonntag. Wahrscheinlich war es ein Zeichen. Für was auch immer.

Da es am Sonntag aber noch zu einer Geburtstagsfeier gehen sollte, startete ich für meine Verhältnisse ungewohnt früh, nämlich schon um 7:30. Hat auch was, wird aber wohl nicht zur Gewohnheit werden.

Ein bisschen nervös war ich ja schon, aber ich wusste, bis zur HM-Distanz pack ich das auf jeden Fall, und danach wird zur Not halt gegangen. Ein Twix und ein PowerBar-Riegel gaben mir Zuversicht, und so schlappte ich los.

Eigentlich wollte ich bis zum Neckar-Ursprung laufen, aber da wäre ich mit 26 km nicht hingekommen, schließlich wollte ich ja auch wieder heim kommen. Aber hier ist er ja auch noch ganz putzig.

kleiner Neckar

Fitness-RouteDass die Fitness-Route nur für Radfahrer ist, ignorierte ich einfach. Ich lief ja eh in der falschen Richtung. 😀

Außerdem verließ ich sie recht schnell wieder, um auf eine ungewöhnliche Art der Streckenbefestigung zu stoßen. Was zum Hugo ist das denn? Eine Walker-Falle?

WalkerfalleEs lief sich auch nicht so sonderlich angenehm auf den Dingern.

RammelswiesenSchafweide mit fast kein Weg war da schon besser.

Wenig später stieß ich auf die zweite Walker-Abschreckungsmaßnahme:

FurtFür eine Brücke hatten die Lochsteine dann wohl nicht mehr ganz gereicht. War aber lustig.

Dann musste ich mich leider von Freund Neckar verabschieden und in den Wald abzweigen. War ich bis hierher weitgehend in der Ebene oder bergab gelaufen, so ging es jetzt bergauf.

Hab ich schon erwähnt, dass ich Wald mag?

Waldstimmung Waldstimmung2Im Wald war bergauf und wellig auch ganz ok. Dann ging es allerdings in eine Ortschaft, und irgendwie ist innerorts bergauf viel anstrengender als im Wald. Hat das mal jemand untersucht?

Wasserturm

Was erschwerend hinzukam, war die Tatsache, dass es von diesem Wasserturm (Wasserturm = höchster Punkt = öfz!) nur ca. 2 km bis nach Hause sind. Ich war aber erst bei km 16. Wenn man da nach einem langen Anstieg schon leicht angeplättet ist, kann das schon mal ein kurzes mentales Tief geben. Wenn man dann noch beflügelt von der Aussicht auf eine leicht abfallende hübsche Strecke noch ca. 300 m in die falsche Richtung läuft, weil man den Abzweig verpasst, ist das doppelt blöd.

Schließlich war ich aber wieder auf dem Kurs, wenn auch leider auf einer Straße. Eine von der wenig befahrenen Sorte. Ab hier ging mir nun der Saft fürs Fotos machen aus. Überhaupt wurde es langsam etwas anstrengend. Obwohl ich bewusst langsam losgelaufen war und mein Tempo nicht erhöht hatte, hängte sich der Puls nun etwas höher fest. Es lief aber so weit noch ganz gut. Nochmals musste ich einen Punkt passieren, an dem ich in kürzester Zeit hätte zuhause sein können, um dann festzustellen, dass ich bei der Streckenplanung um eine Straße verrutscht war, und mir noch bei km 22 einen hübschen dicken fetten Hügel reingenommen hatte. Ja, ich hätte das jetzt korrigieren können, aber Kneifen gilt nicht.

Bei dem Anstieg musste ich ein Mal kurz stehen bleiben, dann ging es wieder, aber die Beine wurden jetzt deutlich schwerer. Es fing jetzt schon an, irgendwie unangenehm zu werden, und das knapp über der HM-Distanz… da wird noch viel Training nötig sein bis Oktober. Ich lief trotzdem weiter, rummemmen hilft ja auch nicht. Es ging nun zum Glück fast nur noch bergab, und so bis km 25 in sichtbarer Nähe meines Heims war es auch noch ganz anständig. Auf den letzten 100 Metern bis zur 26 machte dann mein Knie wieder dicht. Die 100m bin ich trotzdem noch gelaufen. Das muss es lernen. 😉

Geschafft! Ich war stolz und zugleich etwas nachdenklich. 42 km sind schon eine Hausnummer… aber bis Oktober ist ja auch noch ein bisschen Zeit.

Dem Knie ging es übrigens nach kürzester Zeit wieder glänzend. Dafür hat sein Kollege auf der anderen Seite den ganzen restlichen und folgenden Tag gemeutert. Ist heute aber auch wieder friedlich. Dann werde ich wohl morgen wieder ans Tempotraining gehen…  uaaaaah!

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29 Kommentare zu “Der Longrun – unendliche Weiten…

  1. Glückwunsch zum längsten Lauf bisher – da werden ja noch einige folgen bis Oktober!
    Und ich gehöre ja auch nicht zu den Ultras hier und kann sagen, bei länger laufen als 2.5 Stunden werden mir auch noch immer ein wenig die Beine schwer. Die 42 wirst du aber trotzdem schaffen, ist ja auch die Antwort auf alles 😉

  2. „To boldly go where no man has gone before…“
    Herzlichen Glückwunsch zum Durchbrechen der Distanzschallmauer! 😉 (Gibt es Distanzschall? Eher nicht, eh?)

  3. Hey, Hürde genommen. Glückwunsch! Die Streckenbilder sehen toll aus, da bekomme ich direkt wieder Lust. Die Probleme mit dem Garmin hab ich auch häufiger. Bei mir hilf das Löschen aller Strecken im Garmin und im Garmin-Tool. Warum? Keine Ahnung.

    Auf neue Laufabenteuer bei Dir – Oktober ist in der Tat noch lange hin und Training hilft ja bekanntlich.
    Gruß
    Anja

    • Danke! Ich hoffe, Du läufst auch bald wieder und machst schöne Bilder. 🙂
      Dein Lösungsansatz zu den Garmin-Problemen ist mir vertraut, brachte in dem Fall aber nix. Jetzt habe ich heute auf Gpsies einen Artikel gefunden, dass das Plug-In für die älteren Geräte nicht mehr unterstützt wird. Netterweise gibt es aber ein Workaround gleich dazu. Mal schauen, ob das so geht.
      Oktober ist schneller, als man denkt… aber jetzt gibt’s erst mal Frühling und Sommer – hoffe ich. 🙂

  4. Ja, jede(r) hat mal klein angefangen. Und auch du wirst es bis zu den „magischen“ 42 km packen! Hast ja wirklich noch genügend Zeit und wie es aussieht auch wunderbare Strecken zum trainieren!

  5. Liebe Christiane,

    für einen Marathon im Oktober braucht es jetzt noch keine heldenhaften langen Läufe, ausser Du willst den Marathon gleich zweimal hintereinander laufen, also mach Dir keinen Druck und v.a. keine Angst 🙂
    Die Strecke ist wirklich nett, die „Rasengittersteine“, so heißen die wirklich, sind mir hier auch schon an steileren Feldwegen begegnet, aber Deine Assoziation mit einer Walker-Falle gefällt mir sehr gut 😉

    Salut

    Christian

    • Richtig! „Rasengittersteine“ mir fiel das Wort nicht mehr ein. Hier war nix steil, topfeben. Daher fand ich das auch so seltsam. Ja, ich weiß, dass ich jetzt noch nicht mit den Longruns anfangen müsste. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass mein Körper nur sehr langsam auf Trainingsreize anspricht. Daher muss ich auch langsam aufbauen und langsam steigern. Daher lieber mehr Zeit als zu wenig. Gibt mir auch Selbstvertrauen. Angst habe ich nicht wirklich, habe jetzt aber zum ersten Mal gemerkt, dass ein Longrun ab einer gewissen Distanz auch weh tun kann. Sprich: Nicht nur der Saft geht aus, sondern verschiedene Teile wollen einfach nicht mehr. Das hab ich vorher in dem Maße noch nicht erfahren. Jetzt gilt es, diesen Punkt möglichst weit rauszuschieben.
      À plus!

  6. Liebe Christiane,
    bis Oktober ist es noch ein bisschen hin. Da wird das sicher noch einfacher mit den langen Läufen. Erstmal herzlichen Glückwunsch zum 26er!
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Danke sehr!
      Ja, das hoffe ich. Irgendwann werde ich vielleicht auch auf diese Distanz schauen und sagen: „Das lauf ich auf einem Bein rückwärts vorm Frühstück!“ 😀
      Oder vielleicht auch nicht…

  7. Tja, es wird einem halt nichts geschenkt, lass‘ dir Zeit, steigere den Umfang nach und nach , und irgendwann hast du die längere Strecke im Sack, wäre ja auch zu einfach, wenn es einfach wäre, gell ? 😉

  8. Ich finde, man soll seine Errungenschaften feiern, egal wie weit andere schon gekommen sind. Ich hab mich wie Bolle gefreut, als ich meine ersten 8km am Stück gelaufen bin. Oder als ich meinen VM gefinisht habe (noch! nie! so! weit! gelaufen!!!) und bei mir lächeln bestimmt nicht nur die Ultrahasen 😀 Ich find das toll und du kannst richtig stolz auf dich sein. Und die weiteren Strecken … ich wollte schreiben, dass sie ganz von alleine kommen, aber das tun sie nicht 😀 Aber du wirst sie trotzdem bezwingen 🙂

    Liebe Grüße
    Ente Wurzel 😉

    • Danke! Lass uns darauf anstoßen!
      Wie ich ja auch sagte: Alles eine Frage der Perspektive. Der eine kann auf seinen ersten ganzen Kilometer stolz sein, der andere auf die ersten 100. Das ist ja das schöne am Laufen, dass man sich vor allem mit sich selber messen kann/muss/darf. 🙂
      Ja, ich bin stolz! 😀 😀 😀 (Und ein klein wenig nervös angesichts dessen, was da noch so kommt…)

  9. Gratuliere zu dem riesigen Brocken! 🙂
    Die langen Läufe nerven mich machmal echt etwas, vor allem wenn die Strecke vorher nicht ganz klar ist von den Höhenmetern her. Ich hab mir da auch schon einige Male Strecken bei Garmin Connect in der Karte zusammengebaut, die wirklich widerlich waren.
    Ich bin da schon ein ziemlicher Monk: bei Läufen über 15 Km will ich nicht wirklich neue Strecken erkunden.
    Da hab ich dann auch bissl Angst, nicht mehr Heim zu kommen (klingt total dämlich, ich weiß… bin eine starke selbstbewußte Frau, bla 😉 ).

    Fröhliches Regenerieren 🙂

    • Danke!
      Was das Heimkommen angeht, weiß ich, dass ich im Notfall meinen persönlichen Taxiservice anrufen könnte, was ich aber bisher nur zwei Mal gemacht habe. Jedes Mal wegen Gewitter.
      Ich finde, eine neue Strecke lässt die Zeit schneller vergehen und motiviert mich mehr. Ich will ja nicht nur Kilometer abspulen sondern auch was sehen. 🙂

  10. Die Zeilen habe ich direkt runtergeschlungen 😉 Glückwunsch zu dem tollen Lauf! Mit geht es genau gleich wie dir, du hast mir viele Gedanken aus dem Kopf geschrieben. Neue Strecken, neue Kilometerleistungen – ja, das alles ist Neuland 😉 Aber so wahnsinnig aufregend! Du wirst die 42 km bestimmt schaffen, jeder neue Kilometer wird dazu beitragen 🙂

    Liebe Grüße,
    Markus

    • Hab ich richtig mitgekriegt, dass sich jemand für den vcm16 angemeldet hat? 🙂
      Dann können wir uns ja gegenseitig anfeuern.
      Freut mich, dass Dir mein Geschreibsel gefällt. 🙂
      Ja, es bleibt immer wieder spannend. Jetzt kommt erst mal der Strongman. 😀

  11. Das beruhigende ist, dass jeder langer etwas besser geht als der vorherige (meistens jedenfalls) Ansonsten würde ich keine völlig unbekannten Wege dafür zusammenklicken. Gute Möglichkeiten für lange Läufe sind gekennzeichnete Fahrrad- oder Rundwanderwege, ggf auch als Pendelstrecke.

    • Das mit den gekennzeichneten Wegen ist hier so eine Sache… 😀
      Pendelstrecke mache ich eigentlich nur bei Tempoläufen. Ich mag es, wenn ich neue Ecken entdecken kann. Das macht für mich den Reiz des Longruns aus. Dabei muss ich dann mal in Kauf nehmen, dass irgendwo Unvorhergesehenes auftaucht. Alles andere ist so ähnlich wie Laufband…

  12. Übrigens finde ich es gut, jetzt mit langen Läufen anzufangen. M.E. sollte man am Beginn eines dreimonatigen Marathontrainingsplans problemlos ca. 24 km laufen können, in welchem Tempo auch immer. Ich würde jetzt je nach Zeit und Wetter ca. alle 2 Wochen 22 – 26 km laufen.

    • Mein Trainingsplan sieht jede Woche einen langen Lauf vor… allerdings nicht alle immer ganz so lang. Ich dachte auch, es macht Sinn, jetzt schon damit zu starten. So bekomme ich das nötige Selbstvertrauen. 🙂

  13. Wow ! Ist doch ein tolles Gefühl es geschafft zu haben.
    Und ich muss Dich mal für deine Ausdauer beim Bloggen loben – ich hab‘ noch 2 Beiträge in der Warteschleife hängen ;-(

    • Oh, Danke sehr!
      Mir macht das mit dem Bloggen und die anschließende Diskussion in den Kommentaren einfach so viel Spaß, dass ich versuche, mindstens 1 Mal in der Woche was zustande zu bringen.

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