Der letzte Longrun…


Ja, das ist es. Genau. Ich hör auf.

Mit Laufen? Nein! Natürlich nicht! Keine Angst! Auch nicht mit Bloggen. Macht beides viel zu viel Spaß.

Was ich allerdings heute in einer kurzen schmerzvollen Entscheidungsphase beschlossen habe, ist, mich von vicsystem zu verabschieden. Genau das vicsystem, für das ich am Mittwoch noch diesen Tempotest gelaufen bin. Der letzte Longrun vom Sonntag und seine Nachwirkungen haben mir endgültig die Augen geöffnet, für etwas, was sich schon nach dem Eingeben der Ergebnisse des Tempotests in meinem Hirn formiert hat. Wenn ich bei diesem Plan bleibe, dann steuere ich geradewegs auf eine überlastungsbedingte Pause zu. Das möchte ich nicht.Dabei war es eigentlich ein schöner Longrun – streckenmäßig.

22 km sollten es werden, und da ich gesehen habe, dass meine Strava-Heatmap noch ganz viele weiße Flecken hat, beschloss ich, mal einen davon laufend zu füllen.

(Erklärungsmodus ein: Strava ist eine Seite, auf der man seine Trainingsläufe speichern kann. Die Heatmap ist eine Landkarte, auf der alle Laufstrecken, die man jemals gelaufen ist, übereinander liegend dargestellt werden, so dass man sehen kann, wo in seinem „Revier!“ man schon überall unterwegs war. Erklärungsmodus aus)

Also schnell eine Strecke angelegt, auf den FR920XT gepackt, und raus aus der Tür.

Bei strahlendem Frühlingswetter ging es zunächst bergauf, wobei ich gleich in den kräfteschonenden 30 Schritte laufen – 30 Schritte gehen – Rhythmus verfiel, um nicht zu früh zu viel zu verheizen.

Drei Individualisten

Drei Individualisten

Den Teil der Strecke kannte ich noch, dann ging es wirklich auf Neuland zu. Schönes Neuland.

Ein kleiner Teich im Feld

Ein kleiner Teich im Feld

Blick auf den Dreifaltigkeits-Berg und Ausläufer der Schwäbischen Alb

Blick auf den Dreifaltigkeits-Berg und Ausläufer der Schwäbischen Alb

Und überall schlug der Frühling zu. Was für ein großartiger Tag! Neben dem Weg entdeckte ich eine kleine Senke, an der jeder Hobby-Geologe verzückt aufschreien dürfte. 🙂

Geologie live Geologie live2Der Wald brüllte den Frühling förmlich hinaus. Der ganze Boden war mit hübschen Pflanzen bedeckt, von denen ich leider nicht die geringste Ahnung habe. Aber sie sind total süß und schön gelb. 🙂

Frühlingswald rätselhafte PflanzenIch glaube, wer noch nicht gemerkt hat, dass ich Wald mag, ist hier neu, und wer spätestens jetzt nicht merkt, dass ich ein Wasser-Ding hab, der hat die Bilder nicht angeschaut. 😉

Frühlingswald2 Frühlingswald3 BachlaufManche Leute behaupten ja ernsthaft, die Gegend hier sei langweilig, und man hält es hier doch nie im Leben aus. Vielleicht sollten diese Leute mal mehr laufen? Oder mal damit anfangen, die Augen aufzumachen. Lohnt sich.

Hütte Noch mehr BachIrgendwo hier tauchte nun auch das altbekannte Motiv meiner meisten Longrun-Berichte auf. Ich… verlief mich. Ich bin mir nicht sicher, ob mein elektronischer Begleiter GPS-technisch unterversorgt war, oder ob ich den Streckenverlauf an einer kritischen Stelle fehlinterpretiert hatte, jedenfalls folgte ich noch eine Weile einem kleinen, zusehends verschwindenden Trail, kletterte über ein paar umgestürzte Bäume, um dann mitten im Wald und ohne Weg rumzustehen. War aber auch ganz hübsch da. Zum Glück konnte ich ersehen, in welche Richtung wieder ein Weg liegen würde, den ich dann auch fand. Der kurze „Ausrutscher“ brachte diesmal keine extra-Kilometer mit sich. Das hätte ich wohl nicht verkraftet. Denn ich spürte deutlich, dass mir die 26 km vom letzten Wochenende in Kombination mit dem doch recht hügeligen Gelände zusehends zusetzten. Mag auch daran gelegen haben, dass das Twix alle war und ich auf einen PowerBar-Riegel ausweichen musste, was psychologisch natürlich schwierig war. 😀

Gemein war auch, dass ich nun wieder an eine Stelle kam, von der es eigentlich ganz nah bis nach Hause gewesen wäre. Mööö…

Wasser gibt’s da aber auch.

Teich WaldkindergartenFür mein Durchhalte-Vermögen wurde ich aber gleich zweifach belohnt. Zum einen durfte ich einen Fuchs aus relativer Nähe (ca 80m) betrachten, zum anderen fand ich dieses Kleinod hier:

verwunschener BrunnenDie Schönheit der Natur, des Frühlings und der Landschaft im Allgemeinen konnte aber nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass ich zusehends platt war. Ich sehnte das Streckenende herbei und lief mehr oder weniger auf Auto-Pilot durch die Stadt und nach Hause. Etwas verwundert war ich zunächst, da ich dachte, dass im Vergleich zu 26 km die 22 sich nun doch deutlich leichter anfühlen dürften. Taten sie aber nicht. Auf den letzen paar Metern wieder ein Knie-Streik. Diesmal rechts.

So langsam dämmerte es mir, dass ich vermutlich die 26km noch gar nicht verkraftet hatte. Die Auswertung von Garmin zeigte mir für diesen Lauf eine 5.0, was mit „Überlastung“ zu übersetzen ist. Nicht gut. Ok, ich gehe nicht nur nach dem, was mir irgendwelche Geräte und Software erzählen, aber auch mein Körper fühlte sich so an.

Der Blick in den Trainingsplan für die kommenden Tage offenbarte dann weitere Hämmer. Heute merke ich das Knie immer noch. Ich hab sonst nie Knie. Der nächste Longrun sollte dann laut vicsystem wieder über eine etwas längere Distanz gehen, das Tempo für den Tempodauerlauf am Mittwoch lag nur knapp unter dem, was ich beim Tempotest gerade so geschafft hatte, allerdings über die doppelte Distanz. Was zuviel ist, ist zuviel. Ich kündige. Leider gilt mein Abo noch ein halbes Jahr. Aber lieber ein paar Euronen versenkt und dafür gesund geblieben.

Vicsystem war für den Einstieg ok. Je besser die Leistungen werden, desto gnadenloser zieht es aber an. Da stimmt das Verhältnis der Steigerung einfach nicht. Irgendwelche Software-Algoritmen schlagen da ohne Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand zu.

Ich bin jetzt bei runningcoach. Da sieht es deutlich freundlicher aus. Die prognostizierte Zielzeit für den Schwarzwald-Marathon von 4:46 ist aber trotzdem gleich. Interessant. Ich werde demnächst berichten, wie es mir damit geht. Jetzt streichel ich mein Knie ein bisschen und rede ihm gut zu. Und auf das Training am Mittwoch freue ich mich schon. 🙂

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20 Kommentare zu “Der letzte Longrun…

  1. Langweilig soll es da sein? Wunderschön ist es – echt. Tolle Fotos, tolle Eindrücke.

    Ich find es super, dass Du Dich nach Deinem Körpergefühl richtest. Mir haben Trainingspläne nie gut getan (ich bin aber auch ne Mimose). Aber lieber etwas weniger und dafür ohne Pause als hart rannehmen und dann „knacks“. Du machst das schon.. und irgendwie hab ich dann doch beim Lesen ja auch immer noch den Herrn Hashi im Kopp…

    Gruß
    Anja

    • Danke! Ich hätte noch viel mehr Bilder machen können, aber irgendwie wollte ich ja noch vor Mitternacht heim. 🙂
      Den Herrn Hashi versuch ich immer weitestgehend zu vergessen. Der meldet sich, wenn er was will. 😉

  2. Liebe Christiane,

    Wald und langweilig? Gibt es nicht, unvorstellbar…wer hat das gesagt? :mrgreen:
    Scheint wirklich nichts für Dich zu sein, Dein bisheriges Coaching, wenn Du anhaltende Beschwerden bekommen hast. Ich wäre da auch vorsichtig, denn die Software kann mit Körpergefühl nicht viel anfangen 😉 Ich wünsch Dir mehr Glück mit dem neuen „Coach“

    Salut

    Christian

    • Nun, das sind die Leute, die grundsätzlich alles langweilig finden, was kein Shopping oder Ähnliches beinhaltet. 🙂
      Ich bin echt gespannt, wie sich das mit dem neuen Plan anlässt. Freu mich drauf

  3. Langweilig ist es dort definitiv nicht. Außer man geht nur gemütlich spazieren und sieht nichts von der Schönheit der Natur in ihrem vollen Umfang 🙂

    • Ich finde es auch alles andere als langweilig. Aber die Leute, die die Ecke hier öde finden, vermissen glaube ich eher Shoppincenter, Clubs und Discos. 😉

  4. Bei dir ists echt richtig schön! Langweilig..pff.. ich komm zu dir laufen 😀
    Irgendwann macht aber der Kopf zu, und man kann das nciht so echt genießen. Da könnt auch ein regenbogenfarbenes EInhorn mit einem Hippo in rosa Tanga Limbo tanzen, und ich würd nach 20k vermutlich denken, dass das das Normalste is, wo gibt 😉

    Aber sehr gut, dass du auf deinen Körper hörst! Ich kann mir nicht vorstellen, dass man 26k einfach so mal eben verarbeitet, wenn man nciht scho lang regelmäßig solche Strecken läuft..doofes systemDingsi. Aber weiter so, wie es dir guttut! 🙂

    liebe wiener Grüße dalass

    • Ich glaube, ich hab Dich noch gar nicht richtig begrüßt! Willkommen auf meinem Blog! 🙂
      Das Einhorn und das Hippo waren dieses Wochenende übrigens bei mir. Sie lassen Dich grüßen. Allerdings wollten sie nicht Limbo tanzen, sondern lieber Salsa, aber das war ok. 😀
      Wien ist ja auch total toll, wenn ich es auch nur aus dem Blickwinkel des Touris kenne. Kannst gerne mal zu mir laufen kommen. Im Gästezimmer ist Platz. Gelaufen wird dann aber trotzdem draußen. 😉

      • Danke, danke!
        Hm,..naja, Salsa..diesesmal, aber beim nächsten dann vielleicht doch wieder Limbo. Kommt besser im Tanga ;D
        gegen Wien sag ich auch nüscht, kann man auch toll laufen hier, muss nur wissen, wo 😉
        So schön kann dein Gästezimmer auch nicht sein, dass es deine Bilder toppt 😉

  5. Sehr weiser Entscheid, was das Thema automatisierte Trainingsplanung angeht. Ich habe das Glück, quasi einen persönlichen Laufcoach «mein Eigen» zu nennen. Generell ist es sicher nicht schlecht auf den eigenen Körper zu hören.

    Mein Coach hat mir das mal sehr schön verbildlicht – und zwar in Form eines Sacks Körner, den Du zu Beginn einer Saison zur Verfügung hast. Damit gilt es zu haushalten; wenn er leer ist, ist er leer. Hatte das «Körnli»-Thema bereits mehrere Male thematisiert – unter anderem hier:

    http://strohmrun.com/2013/09/02/kornli-pickerei-mit-dem-coach/

    Drücke Dir also die Daumen, dass mit neuer Trainingsplanung auf gutem Weg Deine Ziele erreichen wirst.

    Liebe Gruess, Vloggy

    • Willkommen auf meinem Blog, Vloggy! 🙂
      Ein persönlicher Coach ist natürlich unschlagbar. Bisher bin ich mit der Planung von vicsystem ja ganz gut gefahren, aber jetzt übertreibt es einfach und will zu viele Körnli auf einmal haben. Werde Deinen Eintrag gleich mal lesen. 🙂

  6. Laß dass mit den Trainingsplänen und denke selbst nach.
    Eigentlich ist es doch einfach pro Woche einmal lang, einmal schnell (Tempo oder Fahrtenspiel) einmal irgendwas (mittellang, bergig…) Alle 3 Wochen weniger und die langen allmählich immer weiter steigern. Was schnell und langsam ist, merkst du selbst und wenn du etwas mehr Erholung brauchst auch. Laufen ist viel zu schön, um sich durch irgendwelche Pläne kaputt zu spielen.

    Jörg

    • Das Schöne an den Plänen ist, dass ich eben nicht nachdenken muss, und trotzdem abwechslungsreich laufe. In meinem Job muss ich ständig denken, planen, Entscheidungen treffen, da tut es irgendwie gut, wenn ich mich mal auf ein vorgegebenes Raster stützen kann. Hin und wieder schmeiß ich das auch ganz bewusst über den Haufen. Das macht dann noch mehr Spaß, weil es sich so schön verboten anfühlt. 😀

    • Höhö… 😀
      Mal sehen, was noch so geht. Eigentlich will ich mir gar kein Zeitziel setzen. Ich fand es nur als Vergleich interessant zu sehen, dass der Hammer-Plan und der sanfte zu einer fast identischen Prognose kommen.

    • Danke!
      Sobald sich mein Fahrgestell wieder völlig regeneriert hat, werde ich ja sehen, ob ich jetzt langsamer werde oder trotz reduziertem Umfang Fortschritte mache. Zumindest hab ich bisher vom runnincoach nix Negatives gehört.

  7. Nach der tollen Zeitverbesserung hattest du mich ja beinahe vom Trainingsplan überzeugt und dann sowas! Wahrscheinlich geht das System vom Ottonormalläufer und nicht vom langsam reagierenden Körper aus. Deine Entscheidung scheint mit sehr richtig. Knie brauchen wir doch alle nicht.

    Und ja es ist wirklich schön bei dir!

    • Trainingspläne an sich sind ja durchaus empfehlenswert. Problematisch ist, das vicsystem etwas überehrgeizig ist, und Umfang und Tempo gleichzeitig steigern will, und das eben nicht langsam sondern drastisch. Das mag manch einer verkraften, aber ich offenbar nicht. Ein Knie hat heute Tape bekommen und freut sich. 🙂
      Interessant ist eben, dass runningcoach die gleichen Resultate prognostiziert bei wesentlich sanfterem Training. Wir werden sehen…

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