Der Garmin FR920XT – Teil 1: Die Streckenfunktion


Wieso braucht eine nur mäßig begabte Läuferin ohne jede Triathlon-Ambitionen ausgerechnet das dickste Ding aus dem Hause Garmin? Nun, abgesehen vom großen Haben-Wolln-Faktor, der sich bei mir bei cooler Technik leider viel zu oft einstellt, hängt das in diesem Fall mit einer Funktion zusammen, die die „kleineren“ Forerunner-Modelle eben nicht (mehr) bieten. Und das ist die Streckenfunktion.

Da der FR920XT so derartig viele Funktionen hat, dass ein umfassender Testbericht alleine vermutlich viel zu riesig würde, habe ich beschlossen, mehrere kleinere Berichte über die für mich wichtigen Funktionen zu verfassen, und dann zum Abschluss der Testphase nochmals einen zusammenfassenden Eindruck.

Dieser Beitrag ist semi-sponsored. Ich darf die Uhr – Verzeihung – den Trainingscomputer 90 Tage kostenlos testen. Wenn ich ihn nach Abschluss der Testphase behalten möchte, bekomme ich ihn ein bisschen billiger als im Laden, d.h. ca. zu 2/3 des Neupreises. Ich bekomme KEIN Honorar für die Tests.

Da die Streckenfunktion für mich das Allerwichtigste ist, widme ich ihr meinen ersten Testbericht.

1. Streckenfunktion (oder Routennavigation) – was ist das?

Im Austausch mit anderen Läufern habe ich vermehrt festgestellt, dass einige die Streckenfunktion überhaupt nicht kennen, geschweige denn nutzen. Für diese Läufer ist der folgende Absatz gedacht. Alle anderen können getrost weiterspringen.

Es handelt sich hierbei um ein ungemein nützliches Tool, für alle, die bei ihren Longruns etwas experimentierfreudiger sind.

Natürlich kann man auch 30 km zusammenkriegen, wenn man seine 5 km – Hausrunde einfach 6 mal läuft. Aber der Spaßfaktor hält sich da doch eher in Grenzen. Für mich sind die Longruns eine wunderbare Möglichkeit, meine Umgebung zu erkunden. Da eine detaillierte Wanderkarte und ein Kompass in der Hand die Bewegungsfreiheit jedoch stark einschränken, kommt hier die Streckenfunktion ins Spiel. Ich stelle mir online einen Streckenverlauf zusammen  und packe ihn auf das Gerät.

Nun kann ich mich von einer schematischen Kartendarstellung auf der Uhr navigieren lassen.

2. Wie funktioniert das konkret beim FR920XT?

Ich klicke mir vor dem Lauf eine Strecke zusammen. Das kann ich z.b. auf Garmin Connect tun, oder aber auch auf Seiten wie gpsies.com oder outdooractive.com , um nur beispielhaft einige zu nennen. Je nachdem, welches Nutzerinterface und welche Kartendarstellung einem besser gefällt.

Die auf Garmin Connect erstellte Strecke, kann ich direkt an den FR920XT schicken. Bei den anderen Seiten ist der Umweg über das eigentlich eingestellte aber dennoch immer noch kostenfrei im Netz zu findende Garmin Training Center nötig.

GpsiesStrecke erstellt, exportiert… und …Training Center Import…ab damit ins Training Center. Anschließend noch „An Gerät senden“. Fertig.

Das ist zwar etwas nervig, aber da die Streckenerstellung bei Garmin Connect bisweilen hakt, nicht unbedingt die schlechteste Variante. Theoretisch müsste es auch möglich sein, eine Strecke direkt über USB auf das Gerät zu stopfen, aber bisher habe ich noch keinen Konverter gefunden, der das Garmin-eigene .FIT-Format unterstützt. Ich bleibe dran.

3. Was hab ich davon?

Der Vorteil im Vergleich zur Wanderkarte ist abgesehen von der besseren Handhabung während des Laufs, dass ich schon genau weiß, wie lang meine Strecke sein wird. Ist sie kürzer als vom Plan vorgesehen, kann ich noch ein paar Schleifen und Umwege einbauen, ist sie zu lang, suche ich einen direkteren Weg. Auch die Wunsch-Pace kann ich bereits eingeben, so dass ich mit einem virtuellen Laufpartner unterwegs bin, der mit konstanter Geschwindigkeit „läuft“, und mir auf dem Display der Uhr anzeigt, ob ich ihm gegenüber im Rückstand bin, oder sogar einen Vorsprung herausgelaufen habe.

Auch die Höhenmeter kann ich bereits bei der Streckenerstellung im Blick haben. Das schafft man mit der Wanderkarte nur als sehr erfahrener Profi.

Während des Laufs sagt mir der Forerunner auf Wunsch auch, wie lange ich voraussichtlich noch bis zum Ziel brauche, wo es demnächst bergauf geht und natürlich alle anderen Daten wie Puls, Pace, Kalorien, Schrittfrequenz…, wenn ich mich durch die Seiten blättere.

Manch einer wird jetzt einwenden, dass es ja auch wunderbare Smartphone-Apps, z.B. die von gpsies, gibt, die genau diesen Navi-Job auch übernehmen. Wozu also einen sauteuren Trainingscomputer kaufen?  Richtig. Nur, dass ich nicht andauernd mit dem Smartphone in der Hand unterwegs sein möchte, um an jeder Kreuzung den Streckenverlauf zu checken. Das ist auch der Grund, weshalb ich nicht mit Runtastic & Co. laufe, sondern mit Laufuhr. Außerdem saugt GPS-Navigation ordentlich am Akku, und wenn man das Smartphone überdies während des Laufs gerne zum Hörbücher-Hören, Fotografieren oder eventuell sogar im Notfall zum Telefonieren benutzen möchte, kann das ganz schön doof werden.

4. Wie kann man mit dem winzigen Display vernünftig navigieren?

Leider bietet auch das Farbdisplay des 920XT noch keine topographische Kartendarstellung. Trotzdem funktioniert die Navigation erstaunlich gut. StreckendarstellungDie Karte sieht im Moment nicht sonderlich spektakulär oder übersichtlich aus. Allerdings lässt sich der links unten angezeigte Maßstab via + und – vergrößern, bzw. verkleinern. Der blaue Pfeil zeigt meine aktuelle Position. Komme ich an eine Kreuzung, zoome ich mich herein, und sehe, ob die Linie links, rechts, oder geradeaus verläuft. So lange der Pfeil auf der Linie bleibt, ist alles gut. Sollte ich an einer Kreuzung pennen und die Uhr nicht checken, so signalisiert der FR920XT nach kurzer Zeit „Kursabweichung“ per Pieps und Vibrationsalarm.

Selbst wenn ich dann vielleicht keine Lust habe, umzukehren, kann ich doch anhand des Pfeils und der Karte sehen, ob ich zumindest noch in der richtigen Richtung unterwegs bin, und bei Gelegenheit wieder auf den Weg stoßen, der ursprünglich geplant war.

Etwas schade finde ich, dass das Farbdisplay hier im Vergleich zu den älteren Modellen (z.B. FR305) keinen Mehrwert bietet. Die Linie ist nun grün statt schwarz. Jo… So ein paar topographische Elemente kämen hier schon irgendwie gut.

5. Grenzen und Schwächen

Das Ganze funktioniert nur problemlos, wenn das GPS-Signal ungestört empfangen wird. Im dichten Wald oder zwischen hohen Häusern kann es schon mal einen „Kursabweichung“-Alarm geben, auch wenn ich noch auf der richtigen Strecke unterwegs bin. Das nervt dann hin und wieder schon, wenn sich die Uhr alle zwei Sekunden anders entscheidet. Auch kann es hier passieren, dass die Position des Pfeils nicht mehr mit der tatsächlichen Position übereinstimmt, und man eventuell doch mal zu früh oder zu spät abbiegt.

Allerdings muss man dem FR920XT zu Gute halten, dass der GPS-Empfang wirklich sehr zuverlässig ist. Wirklich dichter Wald in Kombination mit ausgesprochen profiliertem Gelände kann ihn allerdings doch mal aus der Ruhe bringen.

Für die andere Schwäche kann Garmin nix. Wer meinen Blog liest, weiß, dass ich mich mindestens bei jedem zweiten Longrun verfranse. Das hängt jedoch damit zusammen, dass auf den Karten, die ich online einsehen kann, nichts über die jeweilige Wegbeschaffenheit ausgesagt wird. So kommt es immer wieder vor, dass freundliche Forstarbeiter einen ursprünglich geplanten Weg unpassierbar machen, oder dass ein Trail derart zugewachsen ist, dass man ihn nicht mehr finden kann. Wenn sich hierzu noch ein schlechter GPS-Empfang gesellt, wird die Sache richtig interessant. In diesem Fall greife ich dann – Internet-Empfang vorausgesetzt – doch hin und wieder zur Handy-App, um eine topographische Karte zu bekommen, die mir im besten Fall einen Bachverlauf oder andere Auffälligkeiten anzeigt. Ansonsten laufe ich dann einfach Querfeldein bzw. Querwaldein, bis ich wieder zumindest sicher sein kann, in der richtigen Richtung unterwegs zu sein.

So werden die Longruns zumindest nicht langweilig. 😀

Auf dem Fahrrad ist die kleine Kartendarstellung vermutlich nur bedingt zur Navigation geeignet, es sei denn, man möchte die Topographie genauer erkunden, indem man sich bei nächster Gelegenheit mit dem Gesicht in die Landschaft legt. Zum Laufen reicht sie jedoch aus.

6. Fazit zur Streckenfunktion:

Erstellen und senden von Strecken auf den FR920XT über Garmin Connect funktioniert zuverlässig, an der Geschwindigkeit und Komfort der Streckenerstellung auf der Seite könnte man noch etwas arbeiten.

Alternative Seiten zur Streckenerstellung werden nur mit etwas „Gebastel“ von Userseite unterstützt.

Die Kartendarstellung ist spartanisch aber zweckmäßig. Das Farbdisplay bietet hier aber gegenüber den älteren Schwarz-Weiß-Modellen keinen Mehrwert.

Der Virtual Partner ist ein nettes Feature und ebenfalls bereits von älteren Modellen (z.B. FR305) bekannt.

Zusammenfassend kann man sagen: Der FR920XT tut hier, was er soll, hat die Streckenfunktion aber gegenüber den Vorgänger-Modellen nicht revolutioniert.

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12 Kommentare zu “Der Garmin FR920XT – Teil 1: Die Streckenfunktion

  1. Die Routenfunktion kann übrigens noch mehr – mit z.b. GPSIES.de erzeugte Routen können auch abbiegeanweisungen anzeigen – bzw man kann diese auch im Garmin Trainingcenter selber setzen. Das sind dann Wegpunkte die auf der Uhr angezeigt werden, sobald man sich ihnen nähert. Man braucht also nicht auf der Kartenseite rumscrollen o.ä.

    • Cool! Danke für den Tip!
      Das mit den Wegepunkten habe ich zwar schon mal gesehen, aber seinen praktischen Nutzen bisher nicht erkannt. Werde ich bei Gelegenheit mal ausprobieren. 🙂

  2. Spannende Rezension. Ich habe den FR920XT am Freitag vor einer Woche aus dem Briefkasten genommen und ihn in den vergangenen Tagen in den Laufwoche auf Elba ersten Tests unterzogen. Werde das Erlebte in den kommenden Tagen natürlich ebenfalls blogmässig auf http://www.strohmRUN.com verarbeiten – punkto Uhr natürlich auch im Vergleich zum Vorgänger FR910XT, den ich auf Grund eines blöden Evaluationsfehlers nach wie vor benötige …

  3. Interessanter Test einer Funktion, die ich bisher nicht nutze. Die Strecken sind bei mir einfach kurz. Das klappt auch so. Sollten die aber mal wieder länger werden, probiere ich das auch mal aus.

  4. Tja, die sogenannte Wurmnavigation ist schon sehr spartanisch….ich nutze sie auch, allerdings habe ich immer bei längeren Läufen eine ordentliche topographische Karte im Rucksack oder sogar mein Wander-Navi am Schultergurt, das erspart das Verlaufen 😉 95% der langen Läufe ergeben sich aber dennoch spontan, da ist das Verlaufen dann egal und es entfällt die Vorbereitung…

    Du hast die Funktion schön beschrieben und der 920er scheint ja nicht so zu kränkeln wie der Vorgänger oder gar die fenix 3

    Salut
    Christian

  5. Ich LIEBE diese Funktion und vermisse sie schmerzlich, seitdem ich vom Forerunner 305 auf den V800 von Polar umgestiegen bin. Zwar bietet auch der V800 eine Routen-Navigation (mit vergleichbar pixeliger, aber sehr genauer Anzeige) – aber nur für Strecken, die man schon mal mit dem Teil gelaufen ist…
    Planung unbekannter Routen am Rechner? Fehlanzeige. Und das frustiert mich so sehr, dass ich geneigt bin, wieder zu Garmin zurück zu kehren. Ich liebäugle mit der fenix3 und habe Garmin signalisiert, Interesse an einem atestmodell zu haben (das evtl vergünstigt erworben werden kann), aber bisher hält sich Garmin mit einer Antwort leider zurück.
    Vielleicht sollte ich mir alternativ die Apple iWatch mal ansehen: die soll ja auch alles können…
    Hach, wir Tech-Junkies haben es aber auch nicht leicht… *sigh*

    • Genau das war für mich das Totschlagargument gegen den V800, den ich ansonsten ja schon sehr hübsch finde. Was die Fenix 3 angeht… schau mal bei Christian (regenlaeufer.wordpress.com) rein, der ist vom GPS nicht restlos überzeugt. 😉
      Ich musste um mein Testgerät auch sehr betteln, insofern: Nicht locker lassen. Ich glaub, bei der Fenix haben sie aufgrund der hohen Nachfrage kaum Geräte da. Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich den FR920XT wirklich empfehlen. Der einzige Minuspunkt ist die eingeschränkte Zuverlässigkeit von Garmin Connect. Da schreib ich auch noch was zu. Ach ja, das Apple-Ührchen… *sigh*

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