Der Garmin FR920XT – Teil 2: Die Trainingsauswertung (laufen)


Der FR920XT ist ein Typ. Nachdem meine FR305 für mich ja immer weiblich war (und das bleibt sie auch!), habe ich durch Garmins Marketing-Abteilung gelernt, dass der 920XT männlich ist. Nun gut. Mal sehen, was passiert, wenn ich beide über Nacht alleine in einer Schublade lasse. 😀

Damit ich auch nicht vergesse, dass er ein Typ ist, hab ich ihn in schwarz-blau ausgesucht. Abgesehen davon gefällt mir das persönlich auch besser als rot-weiß. Die Geschmäcker sind aber da ja zum Glück verschieden.

Forerunner® 920XT

Das Bild hab ich mal ganz dreist bei garmin.com geklaut. Aber ich denke, das geht in Ordnung, denn…

Dieser Beitrag ist semi-sponsored. Ich darf die Uhr – Verzeihung – den Trainingscomputer 90 Tage kostenlos testen. Wenn ich ihn nach Abschluss der Testphase behalten möchte, bekomme ich ihn ein bisschen billiger als im Laden, d.h. ca. zu 2/3 des Neupreises. Ich bekomme KEIN Honorar für die Tests.

Gut. Nachdem das Geschlecht und die Optik geklärt ist, kommen wir mal zum eigentlichen Thema dieses Beitrags: der Trainingsauswertung.

Gleich vorweg: Die Trainingsauswertung macht nur Sinn, wenn man sich den Brustgurt dazu zugelegt hat. Ohne ist der 920XT zwar ein bisschen billiger, dafür aber sehr eingeschränkt in der Wahrnehmung.

Der FR920XT ist nicht nur ein Typ. Er ist ein Nerd und Datensammler. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht nur aufs Sammeln, wie das z.B. die 305 tut, sondern er wertet die Daten auch gleich aus – teilweise bereits während des Trainings – und gibt Ratschläge. Und das geht so:

1. Die Erholungsprüfung

Zu Beginn des Trainings startet man die Uhr und wartet auf das GPS-Signal, das der FR920XT erfreulich schnell findet.

Dann läuft man los. Nach ein paar Minuten vibriert der elektronische Gefährte und weist auf den aktuellen Erholungszustand hin. Wie genau das berechnet wird, steht leider nicht im Handbuch, hat aber schätzungsweise etwas mit der Herzfrequenz sowie der vorangegangenen Belastung durch das vorherige Training zu tun. Leuchtet auf dem Display in freundlichem Grün „gut“ auf, dann kann man Gummi geben, wird in mahnendem Orange „ausreichend“ angezeigt, sollte man es vielleicht etwas ruhiger angehen lassen.

Natürlich ersetzt die Erholungsprüfung nicht das eigene Körpergefühl, kann aber durchaus interessant sein und vielleicht den ein oder anderen überambitionierten Athleten etwas einbremsen.

2. Die Laufdaten während des Trainings

Insgesamt 4 Datenseiten stehen dem Läufer zur Verfügung, die sich individuell hinsichtlich ihrer Anzeige konfigurieren lassen. Jede Seite lässt sich dabei in maximal 4 Datenfelder unterteilen. Ich persönlich habe gerne Herzfrequenz, aktuelle Pace, Zeit und Distanz auf einer Seite im Blick. Zusätzlich kann man sich die Rundenzeit, die Durchschnitts-Pace, die Herzfrequenz-Zone, den Kalorien-Verbrauch, die Höhe, die Schrittfrequenz, die Bodenkontaktzeit, sowie die vertikale Bewegung anzeigen lassen. Der barometrische Höhenmesser scheint – zumindest meinen geographischen Kenntnissen der Gegend nach – ganz zuverlässig zu funktionieren.

Wer möchte, kann während des Laufens so lange in den Seiten rumblättern, bis er vor einen Laternenpfahl oder Baum knallt, oder sich die Ergebnisse in Ruhe zu Hause betrachten.

3. Die Daten nach dem Training

Hält man die Uhr nach dem Training an und wartet noch eine Minute, so bemisst der elektronische Begleiter die Differenz zwischen dem Puls während der Belastung und dem in Ruhe. Je größer die Differenz, desto gut. 🙂

Anschließend spuckt er auch gleich die erste Trainingsstatistik im Protokoll aus, bestehend aus den üblichen Verdächtigen wie Durchschnittspuls, Durchschnittspace, Kalorien, Distanz, Zeit etc.

Hinzu kommt nun noch der Erholungsratgeber, der prognostiziert, wie lange man sich von dem Training erholen sollte. War das Training heftig, kann das bis zu 3 Tage gehen. War es moderat, genügen ein paar Stunden.

Dabei ist der FR920XT lernfähig. Je mehr man mit ihm trainiert, desto mehr Daten hat er über den Läufer und desto genauer werden die Auswertungen. So berechnet er die geschätzte maximale Herzfrequenz, die VO2max und prognostiziert Wettkampfergebnisse. Dabei ist er in meinen Augen (und denen anderer Läufer) allerdings sehr optimistisch.

Prognose

Bei den ersten Läufen wird er begeistert nach fast jedem Lauf einen neuen „Rekord“ ausspucken. Sei es die schnellste 5-km Zeit (obwohl man nur regenerativ unterwegs war), die beste Pace, oder Ähnliches. Später wird das natürlich dann schon ganz spannend, wenn man ambitioniert trainiert.

Hat man ihm übrigens das heimische WLAN-Passwort verraten, läd er bereits beim Überschreiten der Türschwelle sämtliche Daten auf Garmin Connect hoch, ohne dass man ihn dazu an den Computer anschließen muss. Alternativ funktioniert dass auch via Bluetooth und Smartphone / Tablet oder ganz klassisch über das USB-Kabel.

4. Die Auswertung auf Garmin Connect

Schauen wir uns mal einen meiner letzten Läufe an, um einen Eindruck zu bekommen.

Auswertung 1Ich habe mal extra in die Karte reingezoomt, um einen Eindruck von der GPS-Genauigkeit zu vermitteln. Ok, so ganz deckt es sich nicht, aber – ganz ehrlich – ob die Wirtschaftswege jetzt 100% so verlaufen, wie sie kartographiert sind, weiß ich nicht. Die Messgenauigkeit auf der 400m-Bahn ist ziemlich erstaunlich. Für meine Zwecke ist es absolut in Ordnung.

Höhe, Pace und Herzfrequenz sind jetzt nicht wirklich neu. Gehen wir also mehr ins Detail:

Auswertung 2Bei der Schrittfrequenz, der vertikalen Bewegung, der Bodenkontaktzeit und der VO2max nutzt Garmin einen Farbcode. „grün“ bewegt sich im guten Durchschnitt, „blau“ und „violett“ sind noch besser, „orange“ ist naja, und „rot“ ist mies.

Auf Wunsch informiert einen die Seite auch noch über die Aussagekraft der Daten, wenn man auf das Fragezeichen klickt. Was bringt mir nun diese Auswertung? Ich kann jetzt ein paar Aussagen über meinen Laufstil und dessen Effizienz machen:

Meine Schrittfrequenz ist ganz ok. Was die vertikale Bewegung angeht, bin ich sogar ziemlich gut. D.h. ich laufe kräfteschonend und vergeude keine Energie durch Auf- und Ab-Gehopse. Dafür ist die Bodenkontaktzeit… unterirdisch.

Natürlich hängt das auch mit dem Lauftempo zusammen. Hier handelt es sich um einen längeren langsamen Lauf. Bei einem flotteren Lauf ist es nicht mehr ganz so rot, sondern immerhin orange. 😀

Interessant wird jetzt für mich sein, zu sehen, wie sich das im Laufe der Zeit entwickelt. Ob beispielsweise Lauf-ABC und Barfuß-Einheiten etwas daran ändern. Oder auch unterschiedliches Schuhwerk.

Braucht man diese Daten wirklich? Sicher kann man auch ohne leben. Interessant ist es jedoch allemal und hilfreich, wenn man an bestimmten Aspekten seines Laufstils arbeiten möchte und keinen Trainer an der Hand hat.

Da ich mindestens genau so ein Nerd wie der FR920XT bin, macht mir das Spaß. 😀

Wer übrigens eine ebenso detaillierte Auswertung für das Fahrrad möchte, wird allerdings nicht um die Anschaffung zusätzlicher Sensoren herum kommen. Die VO2max wird für das Radfahren gesondert ermittelt, und benötigt zwingend einen Leistungsmesser. Das werde ich daher nicht testen können, denn für meine gelegentlichen Radausflüge werde ich mir solch ein Teil nicht zulegen.

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9 Kommentare zu “Der Garmin FR920XT – Teil 2: Die Trainingsauswertung (laufen)

  1. Danke für deine Tests! Liest sich einerseits interessant und andererseits ists auch interessant für mich – ich hab keine Ahnung, was so Uhren heutzutage alles können. Und bin nach deinem zweiten Bericht schon überfordert, wofür man denn das alles braucht Oo
    Aber kuhle Sache…jow, jow…bin schon auf mehr gespannt 🙂
    *mit roter vertikaler hops-Bewegung weggaloppel*

    • Jaaaa… wofür man das braucht, das darf man sich nicht fragen. Sonst kommt man am Ende noch drauf, dass man es nicht braucht, und somit auch nicht verantworten kann, soviel Geld auszugeben. „Weil ich’s haben will!“ zählt da ja irgendwie nicht so als Argument. 😀

  2. Da kannst du dir auch fast die Forerunner 620 von Garmin zulegen. Ist zwar ein älteres Modell, bietet aber außer Karte ansonsten alles was dein Ding auch kann. Aber du wolltest die Karte ja unbedingt, so war das doch?
    Bei mir kommen die Wettkampfzeiten sehr gut hin. Und du hast recht: je schneller man läuft, desto besser die farbige Laufeffizenz-Wertung. Wenn ich mit Schmerzen o.ä. laufe, dann wird meine vertikale Bewegung richtig schlecht, also für den Laufstil ist es allemal interessant. Wenn man durchgehend immer mit 4:15 unterwegs wäre, wäre alles im lila Bereich sage ich mal 😀

    • Ja, die Karte brauche ich zwingend. Deshalb finde ich es ja so schade, dass die kleineren FR-Modelle diese Funktion nicht (mehr) haben. Dann wünsche ich dir, dass bald alles wieder im lila Bereich ist. 🙂
      Die Wettkampfzeiten… auf eine flachen Strecke, mit Rückenwind, und wenn ich bis zum Äußersten ginge… mag sein. Will ich das? Nööööö… 😉

  3. Uihuihuih.. so viele Informationen. Ich schau noch mal vorbei, wenn man 205er den Geist aufgibt. Was die alles können, die Dinger.. beim Betreten der Türschwelle schon synchronisieren. Irre.. aber ich lieb ja auch so technisches Spielzeug.

    • Hihi… ja fehlt nur noch, dass sie auch irgendwann die Steuererklärung machen. Da warte ich noch drauf. Ich hatte ja auch immer gedacht: „Warte, bis die 305 nicht mehr mag…“ aber so hin und wieder darf man doch vielleicht… 

  4. Kocht er auch einen Kaffee nebenbei? 🙂
    Interessante Spielerei, aber ich nutze bei meinem 310xt schon nur einen kleinen Teil der Funktionen. Wobei Fußabdruckzeit würde mich schon interessieren….

    • Für den Kaffee gibt’s sicher eine App… 😀
      Muss ja möglich sein, die Bewegungsenergie in konzentrierte Wärme umzusetzen. Stelle mir nur die Kaffeemaschine im Trinkrucksack etwas sperrig vor. 😀

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