Sollbruchstellen und Knautschzonen


Viele Gegenstände haben sie. Manche haben sie nur, um exakt 2 Wochen nach Ablauf der Garantie den Geist aufzugeben. Andere – wie z.B. Autos – haben sie, um größeren Schaden abzuwenden.

Ist man nicht froh und dankbar, wenn nach einem gepflegten Crash zwar der Motorraum nicht mehr ganz neu aussieht, der Fahrgastraum aber intakt geblieben ist?

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Wir Läufer haben sie auch, die Knautschzonen und Sollbruchstellen. Während dieselben bei den oben genannten Gegenständen sich meist in sehr genau definierten Regionen aufhalten, so sind sie beim Menschen ausgesprochen individuell verschieden.

Der eine hat’s mit dem Magen. Stress in jeder Form sorgt bei diesem bedauernswerten Mitbürger für wahlweise Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Fressattacken bis hin zum Magengeschwür. Derart geplagte Wesen „dekorieren“ bei Läufen ganz unfreiwillig den Zielbereich bisweilen farbenfroh – sehr zum Leidwesen aller, die danach kommen.

Bei anderen ist zwar der Magen robust, allein der Darm spielt nicht mit. Kann auch unschön sein.

Der nächste bekommt fiese Kopfschmerzen.

Besonders gefürchtet sind Streiks des Bewegungsapparats. Weinende Waden, knatschige Knie, matschige Menisken, saure Sehnen… knirschende Knochen. Der Spielraum reicht vom leichten „autsch“ bis zum Ermüdungsbruch.

Meine Sollbruchstelle liegt in den Atemwegen. Magenprobleme kenne ich kaum, Kopfweh selten, typische Läuferbeschwerden im Bewegungsapparat kommen auch nur sehr selten vor. „Die Glückliche!“ werden sich da einige denken.

Stimmt schon. Ich bin froh, den ganzen oben genannten Mist nicht zu haben. Aber eine punktgenau einsetzende „Erkältung“ hat auf die läuferischen Ambitionen ebenso verheerende Auswirkungen. Bei „Erkältung“ denken viele an eine leicht verstopfte laufende Nase, die vielleicht ein bisschen lästig ist. 2-3 Tage Schonung, dann passt das schon wieder. Meine Erkältungen sind da hartnäckiger und knocken mich mindestens eine, trainingstechnisch meist 2 Wochen aus.

Dabei kann ich mich dieses Jahr eigentlich auch nicht beschweren. Das letzte Mal war ich im Oktober 2014 krank. Wann? Natürlich eine Woche vor dem Schwarzwald-Marathon, den ich darauf hin sausen lassen musste. (Wir erinnern uns… wer mag.)

Ich habe der deutschlandweiten Grippewelle von Januar bis März eine Nase gedreht, und das, obwohl ich tagtäglich mit hunderten schniefender Subjekte ein Gebäude teilen musste. Ich bin in Freiburg gelaufen und trotz Friererei hinterher nicht krank geworden. Ein Hoch auf mein Immunsystem!

Warum nur muss es ausgerechnet jetzt, eine Woche vor dem Strongman-Run kapitulieren?

Man könnte jetzt natürlich rumpsychologisieren, ob mein Unterbewusstsein aus Angst vor der kommenden, zugegeben nicht ganz alltäglichen, Herausforderung eine akzeptable Ausrede für einen Rückzieher gesucht hat. Man könnte auch die Knie befragen, ob diese mit der Bitte um Schonung beim Rachen einen Antrag eingereicht haben. Man kann aber auch ganz objektiv in meinen dienstlichen Terminkalender der letzten Wochen schauen, und sehen, dass da ordentlich unbezahlte Überstunden dabei waren. Man kann dazu noch das Wetter addieren, das sich nicht entscheiden kann ob es frostig, regnerisch, brüllheiß oder schwül sein will. Man kann sich den Wäscheständer der letzten Woche in Erinnerung rufen, auf dem Thermo-Shirt und Hose neben Kurztight und T-Shirt hingen. All das fordert vermutlich seinen Tribut.

Suchen nach Gründen nützt aber nichts. Fest steht zu 90%, dass ich den Start abschreiben kann, wenn nicht ein Wunder geschieht. Natürlich bin ich mit den Mitarbeitern von Brooks, die mir ja Startplatz und Übernachtung und Schuhe (!) zur Verfügung gestellt haben, in Kontakt. (Ihr seid die Besten, wusstet Ihr das schon?) Ich hoffe, ich kann zumindest als Zuschauer am Nürburgring dabei sein, und eventuell im Sommer in Ferropolis starten. Mal sehen, was sie antworten.

Ich versuche es insoweit positiv zu sehen, als das konsequente Stabi- und Krafttraining der letzten Wochen sicher nicht umsonst war, und ich das ohne den Anreiz „Strongman“ wahrscheinlich nicht so konsequent durchgezogen hätte.

Um wieder auf den Titel des Beitrags zu kommen: Sollbruchstellen und Knautschzonen haben einen Sinn. Hört man nicht immer wieder, wenn einer plötzlich tot umfällt, „Komisch, der/die war doch nie krank!“ ?

Eben. Meist zieht der Körper die Reißleine in Form von Krankheit oder Verletzung, um sich vor größerem Schaden zu bewahren. Wenn man das dann ignoriert, oder großflächig mit Schmerzmitteln niederknüppelt, ist das, als würde man beim Auto die Ölstands-Warnleuchte zukleben, statt Öl nachzufüllen. Mittel- und langfristig heißt das dann: Karre Schrott.

10% Hoffnung verbleiben noch. Wenn ich mich am Mittwoch großartig fühle, dann sollte es gehen. Wenn nicht, werde ich nichts erzwingen. Bringt nix.

In diesem Sinne. Bleibt gesund!

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16 Kommentare zu “Sollbruchstellen und Knautschzonen

  1. Du hast mit allem Recht, was du von dir gegeben hast, der Körper sagt uns immer, wo es langgeht, und wenn er Zeichen gibt, sollte man sie erhören oder kräftig dafür büßen, dass man sie ignoriert, ein Thema, mit dem ich mich oft genug auf meinem Blog ausgelassen habe.

    Ob dir der Strongman körperlich bekommen wird, selbst wenn du komplett gesund an den Start gehst, steht ebenso in den Sternen ! Wie auch immer, gut dass du optimistisch bist, und wenn du nicht starten kannst, dann eben das nächste Mal !!

    Auch wenn du bisher von körperlichen Malaisen verschont geblieben bist, ist das keine Garantie, dass es so bleibt !!

    Gute Besserung von jemandem der weiß, was Sache ist !! 😉

    • Danke für die Besserungswünsche. 🙂
      Soso, läuft seid 35 Jahren und ein paar schlappe Ultras und behauptet zu wissen, was Sache ist… 😀
      Nee, Spaß beiseite. Die Tatsache, dass Du immer noch läuft, zeigt: Alles richtig gemacht. Gegen den Körper mag kurzfristig funktionieren. Langfristig rächt er sich finster. Ich hoffe, er gibt mir für den nächsten Versuch grünes Licht.

  2. Wer weiß, für was es gut ist…hat meine Oma immer gesagt 🙂
    Vielleicht bewahrt Dich der Infekt vor schlimmerem beim Strongmanrun 😉 Ich wünsch Dir dennoch ganz schnell gute Besserung!

    Salut
    Christian

  3. Ja das kenne ich auch. Bei Stress haut es mich auch immer mit Fieber ein paar Tage ins Bett. (Zum Glück hat eine anstehende Laufveranstaltung sowas noch nicht ausgelöst – auf Holz klopf). Ich wünsche dir gute Besserung und vielleicht die Möglichkeit ein andernmal am Strongmanrun teilzunehmen! Das Training war sicher nicht für nichts!

    • Fieber krieg ich nie. Mies geht es mir trotzdem. Mittlerweile hab ich die Zusage für Ferropolis. Das ist immerhin schon etwas. 🙂
      Danke für Deine guten Wünsche!

  4. Kenne ich. Ist auch genau meine Sollbruchstelle. Je mehr Stress ich habe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eine Erkältung zu bekommen.
    Ich sehe das wie du, es ist eine Warnung des Körpers, jetzt mal kürzer zu treten.
    Aber ärgerlich ist es trotzdem. Ich kann auch nur davon abraten, erkältet an den Start zu gegen. Mein Versuch hat mich dann einen Monat vom Laufen abgehalten.

    Gute Besserung!

    • Nee, erkältet an den Start gehen ist nicht…  ich könnte das auch gar nicht. Mir geht es dann viel zu schlecht. Ärgerlich ist, dass ich die letzten Tage schon versucht habe, kürzer zu treten, damit ich ja nicht krank werde. Hat aber wohl nicht gereicht. 😦
      Danke Dir.

    • Danke.
      Leider gibt es da nicht viel zu entscheiden. Es geht einfach nicht. 😦
      Ich hoffe nur, dass ich wenigstens zuschauen kann. Vielleicht, wenn es ab morgen aufwärts geht… Ansonsten kann ich ja schlecht im Job fehlen und dann fröhlich zum Nürburgring fahren.

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