Warum auch Genuss- und Freizeitläufer mal an einem Laufevent teilnehmen sollten


Viele Leute laufen mehr oder weniger unmotiviert in der Gegend rum. Ok, das war jetzt gemein. Jeder, der läuft, ist motiviert. Bei vielen hält die Motivation bis zum nächsten Winter / Regen / Stein im Schuh, bei anderen hält sie mehr oder weniger ein Leben lang. Es gibt einen Haufen Ratgeber zum Thema „Wie motiviere ich mich zum Laufen?“ „Wie bleibe ich dran?“ usw. Die Ratschläge darin ähneln sich meist, und ich werde jetzt ganz bewusst dieses Fass NICHT aufmachen.

Ich möchte nur einen Faktor herausgreifen: Events und Wettkämpfe, und warum – und unter welchen Voraussetzungen – sie auch für nicht sonderlich ambitionierte Freizeit- und Genussläufer eine echte Bereicherung sein können.Startnummern1. Ein Ziel vor Augen

Es ist leichter, auch bei Regen und mit Stein im Schuh durchzuhalten, wenn man nicht nur das vage-abstrakte Ziel hat, irgendwann mal vielleicht ein paar Kilos zu verlieren, oder irgendwie so ganz generell was für seine Gesundheit zu tun. Wenn der Tag X steht, dann möchte man genau dafür in Form sein. Das Ziel ist greifbar und konkret und in zeitlicher Nähe.

2. Raus aus dem Alltagstrott

So gut wie jeder von uns hat sie: Die Hausstrecke. Es ist die Strecke, die man spontan nach Feierabend oder früh morgens vor Arbeitsbeginn noch mit halb geschlossenen Augen findet. Auf der Hausstrecke kennt man jede Parkbank, jedes Graffiti, den Kaugummi, der genau dort im Asphalt klebt, den Baum, die Brücke und die blöde Engstelle, weil es jemand einfach nicht schafft, seine Hecke zu schneiden. Die Hausstrecke ist super, eben weil sie so vertraut ist. Aber hin und wieder was Neues erleben schadet auch nicht. Statt sich nun also den Stress zu machen, vor der Arbeit oder nach Feierabend auch noch eine neue Strecke zu suchen, kann man doch einfach mal am Wochenende nach einer Laufveranstaltung in der Nähe Ausschau halten.

3. Die Leute

Bei so einem Laufevent trifft man einen Haufen anderer Läufer. Je nach Vorliebe kann man sich bei einem kleinen Landschaftslauf mit 50-100, oder bei einem großen City-Marathon mit 40 000 anderen Läufern treffen. Dabei ist es für mich immer ein echtes Erlebnis, die ganzen unterschiedlichen Typen zu beobachten, die bei so einem Ereignis zusammen kommen. Abgefahrene Kostüme, eigenwillige Laufbekleidung aus dem frühen Pleistozän, hypermoderne Leistungsmaschinen… die Liste ist endlos. Ein paar Dinge haben die meisten Läufer aber gemeinsam:

  • sie teilen Dein Hobby / deinen Sport / Deine Leidenschaft
  • sie haben irgendwie einen an der Schraube (genau wie Du)
  • sie sind nett

Ok, manche sind nicht nett. Z.B. die Typen, die bei einem Benefizlauf ohne Zeitmessung unter äußerstem Ellenbogeneinsatz ins Ziel sprinten, oder die, die in der Umkleide ungefragt Dein Handtuch in die Dusche werfen. Aber das sind Ausnahmen. Die meisten sind nett.

Nicht zu vergessen die Helfer. Die sind immer nett. (Ok, meistens, aber allein die Tatsache, dass sie unbezahlt einen großen Teil ihrer Freizeit opfern, ist nett.)

4. Kuchen

5. Kuchen

6. Kuchen – und wer nach einem gelungen Lauf verkrampft auf die ernährungspolitisch korrekte Zusammensetzung desselben achtet, dem kann man auch nicht helfen.

7. Das Finisher-Bier

Gut, vorausgesetzt, man mag Bier. Aber kein Bier zischt so wie das Finisher-Bier.

8. Die Stimmung

Je nach Veranstaltungsort ist die Zuschauer-Dichte mehr oder weniger groß. So ein Bad in der Menge und die begeisterte Anfeuerung kann einen echten Kick geben. Aber auch die Stimmung unter den Läufern ist etwas Besonderes, das man mal erlebt haben sollte.

9. Die Expo

Fast jeder Lauf hat mindestens einen örtlichen Sporthändler mit einem Stand vertreten. Bei größeren Läufen sind es dann schon ein paar mehr. Abgesehen davon, dass man vielleicht wirklich das ein oder andere Schnäppchen (selten, und nur wenn man ausgefallene Schuh- und Kleidergrößen hat) machen kann, gibt es einfach enorm viel zu gucken. Cooles und Skurriles. Dinge, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt, und dass man sie braucht. Gerade wenn man nicht in einer Metropole lebt, ist hier die Auswahl meist wesentlich größer als die, die das nächstgelegene Sportgeschäft zu bieten hat.

10. Spaß

Und damit man den auch hat, sollte man ein paar Dinge beachten. Hier kommen die Spaßregeln 😉 :

  • Wähle eine Distanz, die Du auch bewältigen kannst. Es ist ein garantierter Spaßkiller, wenn man sich komplett übernimmt. Ok, es gibt Leute, die ohne Training einfach mal einen Halbmarathon oder länger laufen, aber die sind eher die Ausnahme.
  • Such ein Event, das zu Dir passt. Bei Laufveranstaltungen ohne Zeitmessung kommt garantiert kein Stress auf und die Stimmung ist meistens sehr entspannt. Für ehrgeizigere Zeitgenossen mag jedoch genau das Fehlen der Uhr eine Spaßbremse sein. Bad in der Menge oder Naturerlebnis? Das kann jeder nur für sich selbst entscheiden.
  • Häng Dich an die richtigen Leute dran. In der Regel nach den ersten 1-2 km findet sich eine Gruppe oder auch einzelne, mit denen man ungefähr dasselbe Tempo läuft, eventuell ins Gespräch kommt, oder sich einfach ein bisschen ziehen lassen kann. Versuch nicht, krampfhaft mit dem drahtigen Heinz-Günther aus dem Büro mitzuhalten, der letztes Wochenende die 10km in 33 Minuten gelaufen ist (eigentlich wären es 32:31 geworden, aber das Knie, du weißt ja…) nur weil er Dich zu der Anmeldung überredet hat. Kreislaufkollaps und Brechreiz sind extreme Spaßverderber.
  • Lass Dich nicht von Zeitvorgaben verrückt machen, schon gar nicht von denen von Heinz-Günther. Genieß es einfach, und schau, was dabei rauskommt. Wenn Du jetzt eh schon süchtig bist, kannst Du bei den nächsten Wettkämpfen dann gezielt auf Bestzeitenjagd gehen und irgendwann Heinz-Günther abhängen.

Fazit: Die Teilnahme an Wettkämpfen – und daher habe ich dieses Wort bis zum Schluss bewusst eigentlich nicht verwendet – muss nicht mit verbissen-ehrgeiziger Zeitenjagd einhergehen. Hier muss jeder sein eigenes Maß finden. Aber selbst, wenn man nie auch nur in die Nähe eines Podiums kommt, kann man von den Wettkämpfen eine Menge mitnehmen. Medaillen, Fotos, Urkunden, Shirts, Erinnerungen, Begegnungen und … Kuchen!Medaillen

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29 Kommentare zu “Warum auch Genuss- und Freizeitläufer mal an einem Laufevent teilnehmen sollten

  1. Habe mir jetzt gerade überlegt einen antithetischen Beitrag zu Deinem zu schreiben, denn mir fallen wesentlich mehr Gründe ein, genau dies nicht zu tun :mrgreen:

    Salut

    „von einem mehr oder weniger unmotiviert durch die Gegend laufenden Genussläufer“ 😉

    PS: Hast Du dennoch sehr schön zusammen gefasst 🙂

  2. Kuchen
    Jammi, jammi 🙂
    Kuchen
    Kuchen
    Kuchen
    Mist, der geht mir nimmer aus dem Kopf! 🙂

    Auch wenn ich oft unmotiviert unterwegs bin, gerade wenn es schwer fällt so laufe ich doch regelmäßig meine Wettkämpfe 😉
    Auch ohne Kuchen 😉

  3. Ich bin ewig auf keiner Laufveranstaltung gewesen. Aber Kuchen spricht auf jeden Fall dafür. Stimmung und viele Gleichgesinnte, das fand ich dann allerdings auch immer toll.
    Vielleicht sollte ich mich zum Herbst einfach mal wieder irgendwo anmelden, dann wird das mit dem regelmäßigen Laufen bestimmt eher wieder etwas…
    Liebe Grüße
    Bianca

      • Ja, ich muss mal suchen, was sich anbietet. Mehr als ein 5er geht im Moment noch nicht. Und diese Läufe sind immer so hektisch. Aber im Frühjahr wird es auf jeden Fall wieder der Osterlauf. Zugucken war nicht so toll!

  4. Ich stimme Christian zu – bis auf den Kuchen (und DAS Argument ist wirklich ziemlich gewichtig, weil die Kuchenauswahl bei Laufevents ja meistens grandios ist!) sind das für mich auch alles Gründe, sowas NICHT (oder nie wieder) zu machen 😉
    Aber – wie der Rheinländer sagt – jeder Jäck ist anders 😉

    • Genau. Die Welt ist bunt. 🙂 Einen Anti-Wettkampf-Beitrag fänd ich aber auch echt spannend. Es soll ja auch Leute geben, die keinen Kuchen mögen… 😀

      • Also – DAFÜR hab‘ ich nun aber bei aller Toleranz überhaupt kein Verständnis 😉

  5. Auch für Spaß- und Freizeitläufer könnte man ganz dezent noch 11 mit reinmogeln, nämlich „Wettkampf ist das beste Training“.
    Selbst wenn man nur zum Spaß startet läuft man doch oft schneller und härter als im Training, somit hat man einen guten Trainingseffekt und verbessert sich einfacher.

    Ansonsten gilt natürlich immer 4-6 😉

    • Das ist wohl war. Dem gedachte ich auch schon, mal einen eigenen Beitrag zu widmen. Aber „Training “ ist so eine Wort, das manche Freizeit- und Genussläufer so gar nicht mögen. 😉
      Kuchen hingegen….

  6. Habe bei jedem Punkt brav genickt!

    Ich glaube man muss einmal über die Schwelle kommen, in einen Lauf reinschnuppern. Ich hab in meinem ersten Jahr überhaupt nicht verstanden, was ich denn bei einem Lauf sollte, ist ja nur für Profis! Bis ich dann kurzfristig – in meinem zweiten Laufjahr – zu einem klitzekleinen Volkslauf in einem Dorf zwischen hohen Bergen überredet wurde. Ich war aufgeregt, fast ängstlich und dabei war es eine meiner tollsten und lustigsten Lauferfahrungen überhaupt 🙂

    Einmal ausprobieren und reinschnuppern sollte jeder. Die meisten kommen wieder 😉

    Liebe Grüße,
    Markus

  7. Laufevents sind schon eine feine Sache, um auch einmal „raus“ zu kommen, aus seinem Trott. Egal, ob der Trott aus Alleinelaifen besteht, oder immer nur die selbe Strecke entlang geht, oder immer nur dasselbe Schlapptempo hat – man wird zwangsweise auf irgendeine Art aus dem gewohnten Bereich gedrängt und das kann ganz schön motivieren! 🙂
    Gelegentlich lernt man dann auch neue potentielle Laufstrecken kennen, is doch nett.
    Und ja: Kuchen. Punkt. Einfach. Kuchen.

  8. Es ist wie im richtigen Leben, jeder nach seinem Geschmack, ich habe schon alles erlebt, aber immer das Laufen alleine in der Natur bevorzugt, ab und an ein Bonbon in Form eines besonders langen Laufes, neue Freunde gewonnen, Erfahrungen fürs Leben gemacht – alles toll !

    Nur Kuchen mag ich – wohl hier als Einzigste – überhaupt nicht, sag‘ ich doch, jeder nach seinem Gusto !

  9. Allen Punkten stimme ich zu. Und einer fehlt noch. Leider kann ich ihn auch nicht richtig in Worte fassen. Muss man eben selbst erlebt haben – also noch ein Grund zur Teilnahme.
    Auch mich hat der Heinz-Günther aus dem Büro angemeldet. Alleine wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, an einem Wettkampf teilzunehmen. Und dann ist das Unbeschreibliche unterwegs passiert. Ich war angefixt und wollte es wieder! Zwei Wochen später beim nächsten HM gleich um 10 min verbessert. Und inzwischen ist Heinz-Günther abgehängt 😉

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