Run Happy in Broadstairs (England) – ein Reiseblog


Ich liebe England. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber vermutlich die Mischung von allem: Der britische Humor, der Kuchen, die freundlichen Leute, die kleinen Häuschen, das Essen (ja, die Engländer können kochen!), der Tee…

Umso schöner finde ich, dass es mich dienstlich immer mal wieder nach England verschlägt. Diesmal hatte ich zum ersten Mal meine Laufschuhe dabei. Immerhin zwei wundervolle Läufe konnte ich genießen, bevor der Infekt zuschlug. Aus verschiedenen Gründen reisen wir nicht mit dem Flugzeug, sondern per Bus (ächz!) und Fähre (juhu!).

Nach einer gefühlten Ewigkeit und einer Reihe schlechter Filme auf dem Bus-DVD-Player (für manche Filme müsste man Schmerzensgeld bekommen!) durfte ich endlich, endlich auf den Ärmelkanal blicken.

Fähre hin

Das Wetter war traumhaft. Allerdings mal wieder ordentlich windig, so dass ich meinen Kaffee und die Ingwerkekse gut festhalten musste.

Nachdem leider in der Kommunikation etwas schiefgelaufen war, mussten wir nochmals lange ausharren, bis wir alle auf die Gastfamilien verteilt waren. Dummerweise musste der Bus auch noch weg – wegen der Lenkzeiten – und wir standen in der zunehmend kälter werdenden Abendluft rum. Frust!

Dafür fand ich bei unserer Gastgeberin sofort eine kleine Freundin. 🙂 Darf ich vorstellen: Lola, die Chihuahua-Dame. Halb so groß wie mein Herr Kater, aber extrem freundlich.

Lola

Zu einem Lauf brach ich allerdings erst am zweiten Tag auf. Zunächst war so lange wie möglich schlafen angesagt und dann Chaos-Management. Dasselbe hielt sich zum Glück in Grenzen.

Am zweiten Morgen gab es jedoch kein Halten mehr. 6:00 Uhr – nix wie raus. Ich bin zwar ja sonst eher nicht so der Morgenläufer, aber in diesem Fall hätte es anders nicht in den Zeitplan gepasst. Natürlich musste ich an den Strand. Wohin auch sonst?

Broadstairs ist ein malerischer Küstenort, gelegen zwischen Margate und Ramsgate in der Grafschaft Kent. Leider kämpft die gesamte Region mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, da die Engländer mittlerweile lieber den Billig-Flieger nach Spanien nehmen, als im eigenen Land Urlaub zu machen, aber das tut ihrer Schönheit keinen Abbruch.

Die gesamte Küste wird von weißen Kreidefelsen gesäumt. Wer die berühmten White Cliffs of Dover kennt, kann sich auch ohne Foto schon ein Bild machen. Mit Foto ist es aber noch schöner. 😉

Ghost im Sand Selfie Strand White Cliffs1

Es gibt eine befestigte Uferpromenade, aber das ist was für Anfänger. Ich wollte schließlich Meer! Glücklicherweise hatte sich auch die Ebbe einen Wecker gestellt und lieferte mir eine Menge gut dicht gepackten Sand, auf dem es sich wunderbar laufen ließ. Man kann von Broadstairs nach Ramsgate den ganzen Weg am Meer entlang zurücklegen.

Algenlandschaft Meerblick

So wirklich flott lief es sich nicht… weil ich dauernd stehen bleiben musste, um Fotos zu machen. Es war aber auch einfach zu schön da.

Häuser auf der Klippe Tümpel White Cliffs2

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es Zeit war den Rückweg anzutreten, wenn ich noch rechtzeitig unter die Dusche kommen wollte. Dabei hatte ich das Gefühl, dass noch gar keine Zeit vergangen war. Schweren Herzens drehte ich um. Nicht ohne allerdings noch die hübschen Strandhäuschen bildlich festzuhalten.

Strandhäuschen

Und die winzige kleine Vale Church, die aussieht, als hätte man eine Kathedrale geschrumpft und einfach zwischen die Häuser gesetzt. Sie ist kaum größer als ein normales Wohnhaus.

Vale Church

Noch ein paar Meter die Straße rauf in mein temporäres Zuhause.

St Georges-Road

Für mich gibt es nichts englischeres  als diese Ziegelstein-Reihenhäuser mit ihren typischen Kaminen (Chimney-Pots) auf dem Dach, Überbleibsel aus einer Zeit, in der die Zimmer noch mit offenem Kamin geheizt wurden.

Beseelt und beschwingt von diesem Lauf konnte der Tag jetzt kommen. Klare Sache: Das wollte ich wieder tun! Dafür verzichtete ich auf den Besuch des Pub mit den Kollegen. Schlafen und laufen ist wichtiger als Cider.

Gesagt, getan: Am nächsten Morgen ging es wieder um 6 Uhr auf die Piste. Eigentlich wäre ich ja durchaus auch eine andere Strecke gelaufen, wenn da nicht das Meer gewesen wäre, das mich so einladend ansah. Na gut… wieder ab in den Sand!

Hier heißt es: „Meet the Flintstones“, denn wenn die Steine, die hier rumliegen nicht gerade aus Kreide sind, dann sind es Feuersteine. Jede Menge davon. Wegen Ihrer Härte sind sie auch als Baumaterial zur Fassadenverkleidung extrem beliebt in der Gegend.

Feuerstein

Feuersteine2

Ein Selfie am Strand muss natürlich auch sein. Es ist übrigens nicht das Handy, das schief steht, sondern das Meer neigt sich zur Seite. Klar, oder?

Running Selfie

Extrem cool sind auch die Höhlen, die das Meer in die weichen Kreidefelsen gespült hat. Diese hier dient einer Horde Tauben als Nistplatz, deren Rufe in der Akustik der Höhle ziemlich gruselig klangen.

Taubenhöhle

Wenn man sich die Vegetation auf den Klippen anschaut, könnte man meinen, man sei in den Alpen.

Vegetation Klippen

Obwohl der Sand fest gepackt ist, saugt er doch mehr Kraft aus den Beinen als normaler Untergrund, denn er federt nicht zurück, da man minimal einsinkt. Insofern war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich nicht so lange laufen konnte, sondern wieder rechtzeitig zum Duschen umkehren musste.

Stilvoll und sehr englisch ist es auch, den Nachmittag in Canterbury in einem echten Tea-Room zu verbringen, und sich einen Kuchen reinzudrücken, mit dessen Kaloriengehalt vermutlich eine 5-köpfige Familie einen ganzen Tag satt sein müsste. Aber die Engländer können Kuchen. Das können sie wirklich. Mjam!

Carrot Cake Tea-Room

Ach ja… das dicke weiße Ding ist keine Sahne, sondern Zuckerguss. Dieser Kuchen wurde von der Kellnerin als besonders „leicht“ angepriesen… nun, alles ist relativ… 😀

Tja, leider ereilte mich auf der Rückfahrt von Canterbury das Schicksal in Form beginnender Halsschmerzen, womit alle weiteren Läufe gestrichen waren. Ich will mich jetzt aber nicht in Selbstmitleid suhlen, sondern euch noch ein paar Impressionen der restlichen Fahrt mitgeben, wenn diese auch nicht mehr „erlaufen“ wurden.

Samstag stand London auf dem Programm, beginnend in Greenwich…

Greenwich Museum Cutty Sark

Mit einem Touri-Boot über die Themse bis Westminster…

Themse1Themse2Tower BridgeCity HallThe GlobeLondon Eye

Ist der Himmel nicht genau so, wie man sich London vorstellt?

Vor dem Buckingham-Palace (die Queen war leider nicht daheim) hatte man extra für mich eine Laufveranstaltung eingerichtet.

Westminster Mile

Leider konnte ich nicht teilnehmen, weil unser Guide ordentlich Tempo machte. Es regnete übrigens…

Aufwärmen und erholen war dann in einem der zahllosen Starbucks angesagt. Ich LIEBE diese Riesen-Cookies einfach. Diesmal klappte es auch mit der Bestellung. Reisetipp: Wenn man in England einen Latte Macchiato möchte, muss man „Cafe Latte“ bestellen. Bei „Espresso Macchiato“ bekommt man nämlich in der Tat nur einen Espresso mit einem Hauch von Milch. Dafür klappte es bei Starbucks nicht so mit meinem Namen… Oh well…

Starbucks

Dann ging es noch zu meinen persönlichen Lieblingsplätzen in London: Tee-Shopping bei Drury’s in der New Row…

Drurys1 Drurys2

…und anschließend zu Covent Garden, wo man an der St. Paul’s Church – nicht zu verwechseln mit der St. Paul’s Cathedral – tatsächlich auch ein ruhiges Plätzchen finden kann.

Als Fan der „Rivers of London“-Bücher von Aaronovich muss man da sowieso mal gewesen sein. 🙂 Denn gerade die St. Paul’s Church – auch Actors‘ Church genannt – ist einer der zentralen Schauplätze des ersten Buchs.

Actors Church Apple Market

Tja, und nach der Rückkehr nach Broadstairs reichte es nur noch für einen letzten wehmütigen Blick zum Meer, denn um 6:00 am nächsten Morgen war die Abfahrt geplant.

St. Georges-Road 2

Eine morgendliche Möwe hatte sich als Verabschiedungskomitee eingefunden.

Morgenmöwe

Nun ja, es gibt wahrhaft Schlimmeres, als mit der Fähre in einen herrlichen Morgen zu fahren… 😉

Bye EnglandFähre auf dem MeerMorgenstimmung MöwenMöwen2

Eins steht auf jeden Fall fest: Nächstes Mal kommen die Laufschuhe wieder mit!

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19 Kommentare zu “Run Happy in Broadstairs (England) – ein Reiseblog

  1. Ein schöner Bericht über England! Und Deine Laufstrecke sieht auch richtig toll aus!

    Am Samstag waren wir ja auch in London unterwegs und die Aufbauten waren für den BUPA 10,000. An dem habe ich bereits zweimal teilgenommen. Aber diesmal sollte es Windsor sein 🙂

    • Danke! Ich habe es auch echt genossen. So schade, dass ich ab Donnerstag flach lag…
      Wär ja echt witzig gewesen, sich dort zu treffen. Aber so voll, wie London war, war die Wahrscheinlichkeit mehr als gering…

  2. So toll dein Bericht. Du hast auch immer echt schöne Bilder dabei, mit nem ordentlichen Hang zu Bilden mit Wasser drauf, dass mag ich :).
    Das macht echt Lust auf Großbritannien!
    Übrigens: Hast du den Hund wenigstens eingepackt? 😉

    • Danke! 🙂 Ja, Wasser ist toll!
      Ich wollte Lola wirklich einpacken, aber bei dem ganzen Tee hat sie nicht mehr in den Koffer gepasst. 😦
      Sie wäre das ideale Haustier für unsere Katzen. 😀

  3. Ach schau an.. da war ich auch schon. Laufend und nicht laufend:

    http://blumenmond.blogspot.de/2006/11/irgendwo-in-england-noch-ein.html
    http://blumenmond.blogspot.de/2008/09/die-kleinen-dinge.html
    http://blumenmond.blogspot.de/2008/05/der-ruckweg-ist-immer-kurzer.html

    Hast du schön eingefangen. Ist wirklich toll da. Allerdings war ich dienstlich dort und konnte nicht ganz so viel genießen – und so tolles Wetter hatte ich auch eher selten. 🙂

    Danke für die Erinnerung. Ist doch ein paar Jahre her.

    • Gern geschehen! 🙂 Ich war ja auch dienstlich unterwegs. Sonst wären die Läufe sicher länger geworden. Werde gleich mal in deine Berichte reinlesen.

  4. So anders und doch so gleich dein Blogbeitrag: schöne Landschaft und viel Wasser. Irgendwie waren bei mir nur Militärboote und Spielhallen bei Ramsgate hängen geblieben. Da hab ich wohl die Kreidefelsen verpasst. Sowas aber auch.

    Zum Starbucks gibt es irgendwo eine website wo man seinen Namen eingeben kann und es kommt ein verhunzelter Name für den Becher raus. Von daher stimmt das schon mit deiner Aufscheift. Und die haben bei Starbucks einen anständigen Macchiato geschafft? Habe ich mich noch nicht getraut zu bestellen, da wenig Milch schon immer schwer umzusetzen ist dort.

    • Hihi… die Seite muss ich mal suchen. 😀 Witzig war vor allem, dass ich der Barista ein Namensschild unter die Nase gehalten habe… Erfolglos. Stimmt, die Spielhallen gibt es, aber man muss nur ein bisschen die Küste runter, dann sieht es ganz anders aus. Ramsgate hat diesen großen Hafen, den hat Broadstairs nicht.
      Was meinst Du mit „anständigem“ Macchiato? Den Espresso oder den Latte?
      Ich mag viel Milch, daher war ich mit Starbucks glücklich. Den fälschlich bestellten Espresso (passiert mir jedes Mal…) gab’s bei Costa.

  5. Ach, wie schön….danke fürs Mit-Reisen lassen, hat Spass gemacht deinen Bericht beim Frühstückskaffee zu erschmökern 😉

  6. Wer kam denn auf die wahnwitzige Idee hier aus dem Süden mit dem Bus zu fahren? *Kopfschüttel*
    Aber ansonsten hattest du es wahrlich richtig schön! Und welch tolle Laufstrecke so am Meer!

    • Es gibt einen Haufen Gründe, die für den Bus sprechen. Unter anderem dass die Fluggesellschaften in der Regel keine Gruppen von über 60 Leuten akzeptieren, und der Preis dann auch jenseits von Gut und Böse wird. Außerdem hat es schon was, die Strecke so zu erleben. Aber so gegen Ende wird es dann doch immer echt anstrengend.
      Aber die Strandläufe haben das aufgewogen. 🙂

  7. Mit dem Bus nach England ist wirklich nichts, was Spaß macht. Ich erinnere mich mit Grauen an „nachts hin, Tag in London, nachts zurück“-Schulausflüge. Tolle Fotos, schöner Bericht, ich hab glatt Lust, mal wieder nach London zu fliegen. Rivers of London habe ich nämlich auch gerade gelesen.

    • Dann nix wie hin!
      Ach ja… die Busfahrt lässt sich schon überleben. Hatte ein Springseil für die Pausen dabei. Nur zurück mit der fetten Erkältung und den ständigen „Wann sind wir in Deutschland?“ – Fragen, war es doch leicht strapaziös.

  8. Ach ja, England, immer eine Reise wert, besonders mit der Fähre, einmal bin ich via Tunnel dort gewesen, nie mehr !!

    Wie anders der Strand dort aussieht, du hast deine Zeit gut genutzt, sicher auch im wieder einmal ausgiebig dich der englischen Sprache zu bedienen – YES !! I love it !! )

    • Ja. 🙂
      Schade, dass zwei Tage für richtig krank sein draufgingen. 😦
      Aber die beiden Strandläufe kann mir trotzdem keiner nehmen. Soooo schön! Und die Fähre liebe ich auch. Beim Tunnel krieg ich allein bei der Vorstellung schon Beklemmungen…

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