Run for the Sun 2015 – oder: wie fühlt sich ein einmonatiger Streak an?


Jepp. Das war’s. Der Run for the Sun 2015 ist rum. Heute ist der 1. Juli. 30 Tage täglich laufen liegen hinter mir. Was kommt? Was ist? Was bleibt? Und wie war’s?

Was bleibt, ist auf jeden Fall eine veränderte Perspektive.

Panoramaperspektive

So dachte ich, dass ich schlichtweg nicht in der Lage sei, um 5 Uhr morgens zu laufen. Falsch! Wenn keine andere Wahl bleibt, um den Lauf unterzubringen, dann läuft man einfach um 5 Uhr morgens. Hilft ja nix. Und dann… stelle ich plötzlich fest, dass das ziemlich cool ist. Sogar das Aufstehen fällt leichter, weil ich weiß, dass ich etwas tue, was nur mir ganz allein gehört. Das ist was anderes als Frühstück einfahren, waschen, anziehen, komatös ins Auto steigen, und einem mehr oder weniger erfreulichen Arbeitstag entgegen blicken.

Und jetzt gerade, wo es so heiß ist, hilft diese neue Erkenntnis enorm, denn später am Tag macht es im Moment keinen Spaß. Das Laufen vor der Arbeit möchte ich auf jeden Fall beibehalten. Mal sehen, wie es im Winter ist, wenn es morgens dunkel und ungemütlich wird, aber im Moment ist das super.

Die nächste Erkenntnis ist, dass mein Körper offenbar gut in der Lage ist, die tägliche Belastung wegzustecken. Ich merke sogar deutliche Fortschritte. Auf meiner kleinen Hausrunde bin ich auch im niedrigen Pulsbereich spürbar schneller unterwegs und die Regenerationszeiten haben sich verkürzt. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich natürlich nicht jeden Tag volles Rohr gelaufen bin. Ich habe meine 3 geplanten Trainingseinheiten wie im Plan gemacht, und an den übrigen Tagen war ich eher gemütlich und teilweise auch nur sehr kurz (2-3 km) unterwegs.

Wichtig scheint auch eine gute Nachbereitung der Läufe zu sein, in Form von Blackroll, Rumpfstabi 😉 und Dehnen. Ein kleines bisschen knatschen meine Waden und Achillessehnen, was sich aber durch täglichen Schuhwechsel (man kann WIRKLICH nie genug Laufschuhe haben) und eben besagtes Dehnen gut in den Griff kriegen lässt. Die Knie sind friedlich, und dass ich ein IT-Band habe – was früher immer mal wieder ein bisschen gemotzt hat – merke ich gar nicht mehr.

Eigentlich dachte ich auch, es würde sicher mal den ein oder anderen Tag geben, an dem ich keine Lust habe. Aber dem war nicht so. Es gab lediglich einen 20 km Longrun, der irgendwie nicht so toll war, aber das lag weniger an mangelnder Motivation sondern an den Umständen. Ich hatte mir eine schöne neue Strecke gesucht, die aber ums Verr… nicht auf die Uhr zu kriegen war, so dass ich eine alte Strecke laufen musste, von der ich schon wusste, dass sie die ein oder andere Gemeinheit parat hatte.

Longrun Steilstück

Longrun Wildgehege

Longrun Brücke Longrun BrunnenLongrun Stufen 2 Longrun Stufen

Dabei hat die Strecke sooooo schöne Stellen! Eigentlich genau, wie ich es sonst liebe. Aber an dem Tag war es irgendwie doof. Mir war auch leicht übel, obwohl die mittägliche Lasagne schon eine Weile zurück lag. Es half auch nicht wirklich, dass ich mich nach mehrfachem Suchen einer „Umgehungsroute“ dann doch in dem kniehoch mit Brennnesseln und Brombeerranken bewachsenen Sumpfstück wiederfand – in Kurztight. Gegen Ende hatte ich dann einfach nicht mehr die Moral, noch eine Extra-Runde durch den Ort zu drehen, um die HM-Distanz voll zu machen. Aber das war eigentlich der einzige Tiefpunkt so weit.

Besondere Highlights waren neben den ganzen wundervollen Morgeneindrücken der Breitnau x-trail und die RunHappy-Tour in Stuttgart. Aber eigentlich war jeder Tag ein kleines Geschenk. Vor allem bin ich bei der Arbeit deutlich entspannter.

Tja, nun, der Juni ist rum. Wie geht es weiter?

Heute zumindest ging es einfach gleich mit Hügelintervallen weiter. Und morgen gibt es eine regenerative Runde. Das steht so im Plan. Und dann?

Nachdem ich gemerkt habe, wie gut es mir tut, möchte ich weiterhin nach Möglichkeit täglich laufen. Aber ich werde mich NICHT irgendwo als Streakrunner registrieren oder mir das als Verpflichtung auferlegen. Ich möchte auch die Freiheit haben, an einen Tag mal einfach vielleicht wirklich keinen Bock zu haben, oder stattdessen lieber Rad zu fahren. Am allerwichtigsten ist mir aber, dass ich nicht gegen meinen Körper gehe, und dass ich es nicht in Stress ausarten lasse. Es gab schon so 2-3 Tage, an denen es nur sehr schwer möglich war, einen Lauf unterzubringen, und wo ich dafür woanders Abstriche machen musste. Außerdem würde ich in der ständigen Angst leben, krank zu werden.

Falls sich jemand das mit dem Streak überlegt, habe ich hier mal eine kleine Pro-Contra-Liste als Entscheidungshilfe zusammengestellt:

Pro:

  • Ein Teil des Nachdenkens entfällt. Es ist nicht mehr die Frage, OB man laufen gehen soll, es ist höchstens die Frage, WANN.
  • Man kann endlich mal ALLE Schuhe und Klamotten ausführen.
  • Es ist ein wunderbarer Test, ob die Waschmaschine wirklich so gut ist, wie der Händler versprochen hat.
  • Wenn man es richtig anstellt, stellen sich deutliche Trainingsfortschritte ein.
  • Man bekommt Lauferlebnisse, die man sonst nie gehabt hätte, weil es sonst eine Ausrede gegeben hätte. (zu kalt, zu früh, zu…)
  • Es ist leichter, ein tägliches Kaloriendefizit zu erreichen, ohne zu hungern. Das ist natürlich v. a. für Abnehmwillige interessant.
  • Man verschiebt Grenzen und lernt sich selbst neu kennen.

Kontra:

  • Die (Selbst-)Verpflichtung, täglich zu laufen, kann Stress mit sich bringen, wenn der Terminplan mal wirklich nicht passt.
  • Es ist eine sehr einseitige Belastung, wenn man nicht zusätzlich noch andere Sportarten und Krafttraining betreibt.
  • Manche Streakrunner übertreiben es, und gehen trotz Krankheit oder Verletzung laufen, nur um den Streak nicht zu unterbrechen.
  • Es können sich Überlastungserscheinungen einstellen.
  • Es ist nicht unbedingt mit Verständnis aller Mitmenschen zu rechnen.

Was man als Streakrunner braucht:

  • Einen Haufen Schuhe, möglichst unterschiedliche Modelle und Marken, um einseitigen Belastungen vorzubeugen.
  • Massage-Utensilien wie Blackroll und Tennisbälle
  • Einen zuverlässigen Wecker 😉
  • Einen verständnisvollen Partner
  • Eine leistungsstarke Waschmaschine und Platz zum Trocknen
  • Genügend Klamotten
  • ESSEN! (vorzugsweise Nutella…aber nein, das ist im Moment ja politisch nicht korrekt)
  • Eine Tiefkühltruhe mit Kältekompressen und zum Einfrieren von ESSEN!
  • Gesunden Menschenverstand, um zu wissen, wann es genug ist.

RFTS Collage

Und ihr so?

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21 Kommentare zu “Run for the Sun 2015 – oder: wie fühlt sich ein einmonatiger Streak an?

  1. Glückwunsch zum geglückten Experiment. Streak-Running hat ja immer so etwas … naja, wie soll ich sagen … zwanghaftes. Vor allem die Geschichten die über exzessive Streaker erzählt werden.
    Faszinierend finde ich es allemal. Wie man sieht, kann man ja durchaus positive Dinge daraus ziehen.

    Für mich wäre das aber nichts, auch wenn 2-3km immer irgendwo gingen, mein Leben bietet für solche Dinge einfach zu wenig Platz. In guten Zeiten trainiere ich an 6 Tagen in der Woche (3-4 Rad) – der Körper würde es wohl mitmachen, allerdings ginge es mir wohl, wie unter Deinem Contra geschrieben. Ich würde „müssen“ (also nicht wirklich, aber ich kenne mich) – und so habe ich die Wahl.

    • Danke! 🙂
      Naja, 6 Einheiten/Woche sind ja auch eine Hausnummer. Ich nehme mal an, dass es sich bei mir auch bei 5-6 Einheiten einpendeln wird. Exzessiv streaken wollen wir schließlich nicht…. da könnte man ja auch gleich exzessiv joggen. 😀

  2. Das beste Training geschieht in der Regeneration. So gesehen kann ich dem Streak-Running nicht allzu viel abgewinnen – aber jedem seine Sache.

    Das mit dem Morgenlauf kann ich gut nachvollziehen: Ich war eigentlich der Meinung, dass ich der typische Abendläufer bin und folglich dort zu Hochform auflaufe. Aber die kürzeren Intervalle (wochentags) oder längeren Läufe (am Wochenende) mit Start vor 6 respektive spätestens 7.30 Uhr (ja, auch sonntags!) durch die fast menschenleere Stadt will ich nicht mehr missen. Also, bis im Herbst … oder so …

    • Der Streakrunner regeneriert in der Bewegung. Das meinte ich auch mit: „Nicht jeden Tag volles Rohr laufen“, sondern auch mal sehr gemütlich oder mal sehr kurz. Dennoch: Die Belastung für den Bewegungsapparat ist einseitig, und hin und wieder eine Pause schadet sicher nicht.
      Bei mir war es eher so, dass ich bisher zu vorsichtig gewesen bin, und daher auch nicht groß Fortschritte gemacht habe.
      Also: Bis im Herbst oder so laufen wir morgens. Und dann… schaun wir mal. 😉

      • Ein zielgerichteter Trainingsplan besteht ja ohnehin nicht daraus, jeden Tag volles Rohr zu laufen. Vielleicht erschliesst sich mir diese Philosophie wirklich nicht.

        Ich bleibe bei meinem Ansatz, der drei bis vier Trainings die Woche, abwechselnd aus Intervall-, Steigerungs-, Tempo- und gemütlichen Dauerläufen besteht. Dabei im Hinblick auf den Herbst-Marathon wieder konstant die Umfänge hochfahren. Und die Wochenblöcke dann so aneinanderreihen, dass auf vier Steigerungen jeweils die Regeneration folgt.

        Morgens … und abends … 😉

  3. Mir ist ja alles Statisch-Geplante und Fast- bzw. Komplett-Zwanghafte zuwider, daher kann ich der Idee des Streakrunning nichts abgewinnen. Und mein Körper würde da auch nicht mitspielen.

    Was ich allerdings an Anregung aus dem ziehe, was ich über Streak-Running gehört und gelesen habe: Auch ein kurzer Lauf kann ein guter Lauf sein – verabschiede dich von dem Gedanken, dass es sich nicht lohnt für 15-20 Minuten die Schuhe anzuziehen! Denn ein kurzer Lauf passt fast immer in den Tag, sei es früh morgens oder spät nach der Arbeit, auch wenn du müde oder hungrig bist.

    Und die Läufe morgens um 5 wusste ich schon immer zu schätzen – auch wenn ich manchmal zu faul für sie bin! 🙂

    Viele Grüße,
    Anne

    • Stimmt… für Spontaneität ist dann nicht mehr wirklich Platz, es sei denn, man möchte spontan ein zweites Mal laufen. 😀
      Aber genau das, was du sagst, ist für mich auch eine wichtige Erkenntnis gewesen: Auch die 20-Min. Läufe sind es wert, gelaufen zu werden. Mehr ist bei mir um 5 vor der Arbeit auch nicht drin. Sonst müsste ich noch früher aufstehen.
      Grüße!

    • Denke, dass es sich hier – wie so Vieles beim Leben – um rein individuelle Präferenzen geht. Und das finde ich gerade spannend. Meinereiner funktioniert beispielsweise nur dann, wenn einen Trainingsplan mehr oder weniger konsequent in die Realität umsetzt. Termine im Outlook eingetragen, dann steht der Herr Strohm in den Laufschuhen, dann ist es für mich verbindlich.

      Verstehe aber, dass genau dieser Mechanismus vielen anderen zuwider ist. Ich lasse mich an dieser Stelle ja eben auch gerade NICHT vom Streak-Running überzeugen … 😉

  4. Na dann – der erste Versuch scheint geglückt, ich denke, das hängt vielleicht auch mit der “ günstigen “ Jahreszeit zusammen, dass es einem leichter fällt, sich sehr früh auf die Piste zu begeben, wäre es Winter, würde es dir vielleicht doch schwerer fallen.

    Wie auch immer, für mich ist das nichts, ich laufe wann, wie lange, wie schnell, wie langsam ich gerade an einem Tag möchte oder nicht, wobei ich eher zum möchten tendiere (so ich kann !!), weil das Laufen zu meinem Leben gehört und nicht mehr wegzudenken ist, aber nur – wie gesagt – wenn ich will, wie ich will und meistens lang !

    • Klar ist es im Sommer leichter, wenn es schön hell ist. Mal sehen, wie meine Morgen-Motivation Richtung Winter wird. Aber wer weiß…
      Du darfst sicher bald wieder und dann genau so lang und oft wie du möchtest. 🙂

  5. Schöne Auflistung zum Ende hin! Und ich glaube auch, dass es so ist.
    Es hat sicherlich positive Aspekte täglich zu laufen, aber es gibt bei mir auch genügend Tage an denen ich nicht will, mir es einfach nicht so gut geht oder ich keine Zeit habe, bzw. mir anderes wichtiger ist. Klar gab es auch schon Wochen an denen ich täglich laufen war. Das war schön, aber irgendwann wars vorbei und hat mich auch nicht gestört!

  6. Hi, wow – schon 30 Tage rum? Ich fass es nicht. Ich find es toll, wie konsequent Du Rumpfstabi, Blackroll etc. durchziehst. Kann ich mir echt ne Scheibe von abschneiden.

    Und ich sag doch immer: Morgens laufen ist toll!

    • Danke für das Kompliment! 🙂
      Bei mir ist das ganz einfach: Wenn ich merke, es bringt mir was, dann ziehe ich es auch durch.
      Ja, morgens laufen ist toll! 🙂 Heute habe ich den Mond gesehen und an Dich gedacht.

  7. Bei mir hat es ja nicht mit dem „Runf for the sun“ geklappt. Ich bin auch schon ein paar mal täglich gelaufen. Mehr als 53 Tage sind es aber nie geworden. Bei mir kam immer mal gesundheitlich etwas dazwischen.
    Mir hat das schon Spaß gebracht und war in dem Moment auch eine gute Motivation auch für kurze Läufe zu starten. Auch mein täglich wechselnde Form konnte ich besser annehmen. War es ein sch… Lauf, so konnte es am nächsten Tag ja schon besser sein. In sofern – alles gut.
    Trotzdem so richtig mit Zählen würde ich zur Zeit keine Streak mehr laufen – ich will einfach nicht jeden Tag laufen müssen einer Serie Willen.
    Erstmal wäre ich froh, wenn es überhaupt wieder was wird. Bald ist Urlaub – dann starte ich wieder.

    • Schade, dass es nicht geklappt hat, aber – wie du richtig sagst – man soll nichts um einer Serie willen erzwingen. Genau so sehe ich das auch. Im Moment laufe ich täglich, weil ich jeden Tag Lust drauf hab und mein Körper das ok findet. Es werden sicher auch mal andere Zeiten kommen, und das ist dann auch ok.
      Urlaub ist gut! 🙂 Ich drücke Dir die Daumen, dass es dann ausgeruht und voll motiviert wieder klappt. 🙂

  8. Danke für diesen interessanten Artikel!!!
    Er hat mir in meiner eigenen Überlegung, mal einen Streak zu laufen, sehr geholfen!
    Ich denke, ich werde es bestenfalls mal testweise so ähnlich wie Du ausprobieren.
    Weiterhin viel Lauffreude, Gesundheit und flinke Füße!

    LG,
    C.

    • Gern geschehen und vielen Dank für den netten Kommentar! Im Moment bin ich noch im Streak, aber es macht auch immer noch Spaß. Probier es aus, und lass hören, wie es Dir damit so geht!

  9. Pingback: Schnelle Sohlen – der Hoka One One Huaka im Test | laufkater

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