Hitzehirn – oder: Wenn der Verlust der Rechenfähigkeit aus einem Abendlauf einen Nachtlauf macht


Gut, zugegeben, so ein richtiges Genie in Mathe bin ich nie gewesen. Aber so für den Alltag reicht’s eigentlich ganz gut. Nicht so gestern.

Aufgrund einer dienstlichen Verpflichtung am Freitag Abend, die bis spät in die Nacht ging, konnte ich am Samstag nicht früh starten. Also abends.

Und so rechnete ich spontan folgendes:

  • Der Longrun geht ca. 2 1/2 Stunden.
  • Bis halb 10 ist es hell.
  • Also lauf ich um 8 los.

Merkt ihr was?

Nun, ich nicht. Zumindest noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Kurz vor 20 Uhr befüllte ich also meinen Trinkrucksack großzügig mit Basica für die Elektrolyte, zog möglichst luftige Sachen an und verließ das Haus. Kurz hatte ich noch überlegt, eine Stirnlampe einzupacken. Aber wofür? Nur unnötiges Gewicht. Ist ja noch hell bis halb 10. Jaaaaa…

Es war auch um diese Zeit noch mehr als warm. Vor allem innerorts. Dennoch war ich froh, ohne Kappe unterwegs sein zu können, da mir die Sonne nicht mehr aufs Hirn brennen würde. Ich nahm bewusst Tempo raus. Nur nicht zu schnell angehen! Lieber Gas geben, wenn’s kühler wird. Es sollten ja auch noch einige Höhenmeter auf der Strecke kommen.

Begeistert fotografierte ich den Abendhimmel.

Abendhimmel

Es kommt auf dem Foto ein bisschen dunkler raus. Eigentlich war es noch ganz gut hell. Ich ahnte immer noch nichts.

Ich lies mich von den Zombie-Bäumen faszinieren, die aus den abgeschlagenen Stämmen frisches Grün treiben. Rührend und gruselig zugleich.

Zombiebäume

Und ich erfreute mich an einer kleinen Herde süßer Schafe mit langen Schwänzen. Hab ich noch nie gesehen.

Schafe 2 Schafe

Und hier schwante mir zum ersten Mal was.

Nachdem ich das Handy noch für diese Aufnahme bemüht hatte…

Abendhimmel2

…fiel mein Blick auf die Uhr am Display: 21:13 Uhr.

Totale Verwirrung! Wie konnte das sein? Ich war doch pünktlich um 8 losgelaufen und ich war doch erst etwas mehr als eine Stunde… OOOOOOOOOOOH!

Die Mathematik schlug gnadenlos zu und versetzte mir für meine Rechenunfähigkeit einen heftigen rechten Haken. Tja. Die Stirnlampe lag gut daheim und ich hatte noch jede Menge Wald vor mir.

Nun… dann kann man ja auch noch mal den Abendhimmel genießen.

Abendhimmel3

Jetzt zog ich das Tempo doch etwas an. So ganz im Stockdunkeln alleine durch den Wald – den Gedanken fand ich jetzt nicht so prickelnd. Glücklicherweise hatte ich den höchsten Punkt der Strecke schon passiert – wobei auf 800m Höhe mitten im Wald plötzlich heftigstes Gewächshaus-Klima herrschte. Der Proteinbedarf deckte sich von selber. Ich will gar nicht wissen, wie viele Viecher ich eingeatmet habe.

Das Restlicht reichte jedoch für den größten Teil der Strecke. Erst auf den letzten beiden Kilometern wurde es dann richtig finster. Zum Glück kannte ich dort jeden Stein mit Vornamen. Fred lässt euch übrigens grüßen.

Die einzige Strategie, die mir hier einfiel war vor allem: Füße heben, um nicht an irgend einer Gemeinheit hängen zu bleiben. So hatte ich noch eine kleine Lauf-ABC-Einheit am Ende von 16km. Es wirkte, und ich kam unbeschadet daheim an, wenn ich auch mehrere Nahtod-Erfahrungen hatte, weil unbekannte Monster rechts und links vom Weg raschelten. Es werden Eichhörnchen- und Vogelmonster gewesen sein. Aber die Dunkelheit verzerrt irgendwie die Proportionen.

Gut! Einmal nicht verlaufen, aber schon wieder Opfer ungeplanter Umstände geworden. In dem Fall der Mathematik. 😀

Heute Abend laufe ich wieder. Aber nur eine kurze Runde. Und ich werde rechtzeitig starten. 😉

Habt Ihr Euch auch schon mal so richtig großartig verrechnet?

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11 Kommentare zu “Hitzehirn – oder: Wenn der Verlust der Rechenfähigkeit aus einem Abendlauf einen Nachtlauf macht

  1. Ich glaube verrechnet habe ich mich noch nicht – nur viel langsamer als geplant. Da habe ich auch schon mal eine Stunde daneben gelegen.
    Glückwunsch übrigens noch zum erfolgreichen Run for the Sun! Gut dass es dir positives gebracht hat!

  2. Verrechnet habe ich mich noch nie. Aber verlaufen. Kommt am Ende das gleiche bei raus. Großartige Ruhe beim Lauf. Und Glücksgefühle wenn man zurück ist.

  3. Tja, würdest Du hier im Norden wohnen hätte die Zeitrechnung gepaßt. Hier wird es dieser Tage erst so gegen 22:30 Uhr dunkel 😉

  4. So kann’s gehen – die eine kann nicht mehr rechnen, die andere sieht Zebras! 😉 Zum Glück hat die Hitze ein Ende! 🙄

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