Laufen, Krafttraining und Abnehmen mit / trotz Hashimoto – ein Update


Da mein erster Beitrag über – wie es einschlägige Zeitschriften jetzt formulieren würden – „Mein Leben mit Hashimoto“ (mir kommen die Tränen! 😉 ) so oft geklickt wird, und ich auch viele nette Zuschriften bekommen habe, dachte ich, es ist mal Zeit für ein Update. Immerhin ist der Beitrag über ein Jahr alt.

Ich werde jetzt nicht noch einmal alles aufrollen, das was, wie und warum, das kann man alles im anderen Posting lesen kann, sondern nur ein bisschen berichten, was sich seitdem verändert hat, und was ich an Neuem gelernt habe. 

Zunächst mal freut es mich sehr, dass ich so viele positive Reaktionen erfahren habe. Vielen Dank für all die netten Kommentare und Mails. Ich hatte ehrlich gesagt mit einem Shitstorm der „Mir geht es so schlecht“-Fraktion aus den einschlägigen Foren gerechnet. Dieser blieb aber aus. 🙂

Dennoch möchte ich auch hier voranstellen: Der Krankheitsverlauf ist individuell, ich bin kein Mediziner und was für mich gut ist, muss nicht für alle anderen funktionieren.

Dann fangen wir mal an mit dem für viele brennenden Thema: Abnehmen

Jepp, es funktioniert. Dachte ich zunächst noch, dass meine langsame Gewichtsabnahme an Mr. Hashimoto liegt, so kann ich jetzt eindeutig sagen: Nö. Ich hab einfach immer noch zu viel gegessen, auch wenn ich subjektiv den Eindruck hatte, dass dem nicht so sei. Mit einem Online-Ernährungstagebuch (myfitnesspal), sowie einem Activity-Tracker (vívofit) und der Messung des Kalorienverbrauchs beim Sport mit Hilfe diverser Pulsuhren hab ich jetzt aber ziemlich genau raus, wie viel ich so essen darf. Mein momentanes Gewicht ist bei 59 kg (70 bei der Diagnose), 58 ist das Ziel, womit ich mir im Moment aber Zeit lasse, da ich in stressigen Phasen einfach furchtbar hungrig werde. Der Körperfett-Anteil wurde im Juni auf 33% bestimmt. Das ist ein erheblicher Fortschritt, aber noch nicht ganz da, wo ich sein möchte. Unter 30% wäre schon schön. Aber dennoch: Gerade am Bauch ist es sehr sicht- und spürbar, was zur Folge hatte, dass ich für die Sommerhitze neue Klamotten kaufen musste, weil ich aus den alten rausfalle. Ich würde sagen, es gibt Schlimmeres. 😉

Das mit dem Abnehmen würde theoretisch auch ohne Sport funktionieren. Mit macht es aber deutlich mehr Spaß, und ich darf auch mehr essen, abgesehen von den ganzen anderen positiven Dingen, die der Sport bewirkt. Ein sehr verbessertes Körpergefühl, allgemeine Fitness und Leistungsfähigkeit und – wie man jetzt in einer Frauenzeitschrift lesen könnte – „eine definierte Figur.

Wer da noch mehr zu lesen möchte, dem kann ich ein Buch einer ebenfalls Hashimoto-betroffenen Bloggerin empfehlen, das bisher nur als e-book erhältlich, aber unbedingt lesenswert ist: „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann. Der Link führt auf ihren Blog. Das Buch kann man sich beim großen A besorgen.

Wenn die Dosis der Schilddrüsenhormone stimmt, dann funktioniert nämlich der Stoffwechsel wieder völlig normal. Bei einer weiter bestehenden Unterversorgung ist er gebremst. Auch ein Mangel an anderen Nährstoffen kann hier mit reinspielen. Bei mir war’s das Eisen. Jetzt, wo mein Ferritin-Wert wieder im grünen Bereich ist, gibt es kein Halten mehr. 😀

Aber ich persönlich bin ein Stressesser. Wenn es im Beruf oder auch sonst so heiß hergeht, dann überkommt mich unglaublicher Hunger. Hinzu kommt, dass ich für Süßes und Fettiges offenbar ein unbegrenztes Fassungsvermögen habe. Ohne Sport wäre das ein echtes Problem. Aaaaber den gibt es ja. Und ich ignoriere weiterhin fröhlich die Ratschläge von Frau Brakebusch, die eines der einschlägigen Ratgeber-Bücher zu Hashimoto geschrieben hat – gespickt übrigens mit Fallbeispielen fürchterlicher Krankheitsverläufe. Sorry, muss ich mir nicht geben.

Krafttraining.

Ja! Ich bin ein Fan! Das geht mit und ohne Geräte, wobei ich das Studio vorziehe, weil ich es dann auch wirklich tue. Außerdem sind viele der Übungen mit dem eigenen Körpergewicht ohne Anleitung und gerade für Anfänger schwer korrekt auszuführen. Aber dem habe ich mir hier schon mal gewidmet. Auf jeden Fall verlasse ich das Studio jedes Mal aufrecht und mit mehr Energie. Und mit der nötigen Eiweißzufuhr klappt’s auch mit den Muskeln. Und Muskeln fressen Fett. Nun, eigentlich ist es eher umgekehrt, aber wenn man es schafft, die Balance ein Stück in Richtung der Muskeln zu verschieben, dann schon. Eingeschränkt fühle ich mich nicht. Vielleicht baue ich nicht ganz so schnell auf, wie jemand ohne Hashimoto. Aber vielleicht liegt das auch überhaupt nicht an der Krankheit, sondern eher an genetischen Faktoren, oder auch daran, dass ich im direkten Vergleich doch weniger mache.

Und laufen? Ja klar, laufen!

Baywach-Selfie

Im Moment sogar täglich. Natürlich nicht immer ewig lang. Natürlich nicht immer volles Rohr, aber täglich. Im Moment. Kann sich auch wieder ändern. Die Regeneration funktioniert wunderbar. Einschränkungen merke ich keine. Dafür nehme ich wundervolle Impressionen mit, und das jeden Tag.

Abendhimmel Gauger Gerstenfeld

Da fällt es dann eher leicht, nicht täglich darüber nachzudenken, dass man so ein blödes Krankheits-Dings hat. Morgens der Griff zur Tablette, und dann war’s das für den Tag.

Mein Rat ist weiterhin: Lasst Euch Euer Leben nicht vermiesen! Es kann gut sein, dass der/die ein oder andere Betroffene mehr Einschränkungen hinnehmen muss als ich glückliches Wesen, aber wer etwas findet, was er wirklich gerne tut, wird sich subjektiv sicherlich besser fühlen. Macht Sport, bewegt euch! Es tut der Psyche immens gut. Das muss ja nicht laufen sein. Alles ist erlaubt, so lange es Spaß macht. Und Muskelkater gehört dazu. Wer wissen will, was wirklich wehtut, dem empfehle ich eine Blackroll… 😀 (duck und wech…)

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25 Kommentare zu “Laufen, Krafttraining und Abnehmen mit / trotz Hashimoto – ein Update

  1. Dein Vorschlag im letzten Absatz ist sehr gut, die meisten von uns lernen erst das Gute zu schätzen, wenn sie es nicht mehr haben, bei dir ist es umgekehrt, bei mir schon lange – ich glaube, das ist auch noch eine sehr angenehme Nebenwirkung des Laufens, des sich Bewegens, auch des Krafttrainings, was ich genauso empfinde wie du – sowieso ! 😎

  2. Ohne den Link zu dem alten Artikel hätte ich tatsächlich keine Ahnung gehabt worum es geht! Aber sehr interessant!
    Dir persönlich hat man nämlich garnichts angemerkt, und das ist auch gut so!
    Viele die krank sind, auch Krebspatienten, haben durch Sport, wenn auch nicht im Übermaß, ihrem Leben wieder einen Halt gegeben und sind nicht komplett im Selbstmitleid verfallen. Diese positive Energie tut einfach unglaublich gut!

    • Freut mich, dass es so positiv rüberkommt. Ich möchte mich aber keineswegs mit denjenigen vergleichen, die was richtig Übles haben. Die bewundere ich sehr. Aber der Ansatz ist ähnlich. Nicht in Selbstmitleid versinken und nicht unterkriegen lassen. Und Bewegung hilft erwiesenermaßen. Insofern: Run on!

  3. Ach, ich bin ja hin- und hergerissen. Ich hab ja den ganzen Mist mit Hashimoto und Morbus Basedow auch gut überstanden. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es aufgrund meiner Disziplin und meiner Einstellung, sich nicht unterkriegen zu lassen, so war. Aber im Nachhinein war das doch ein ziemlicher Kraftakt. Ich hätte das damals mal aufschreiben müssen. Es hat mir schon 2-3 Jahre Lebensqualität geklaut.Von daher wäre es von meiner Seite auch recht einfach zu sagen: „Komm, Hintern hoch und dann geht das schon.“ Aber vielleicht gibts ja doch Verläufe, wo das eben nicht mehr geht, wo man einfach selbst nicht mehr die Kontrolle über Wille und Körper hat. Ich weiß es nicht.

    Aber wünschenswert wäre es, wenn Dein und mein Weg für viele auch der richtige ist.

    • Ich denke, da kommen viele Faktoren zusammen. Auch natürlich die Frage, wie lange so eine Krankheit einen schon unerkannt ausgebremst hat. Sich aus diesem Loch wieder hochzuarbeiten ist sicherlich schwerer, als wenn man erst gar nicht so tief drin steckt. Dennoch ist die innere Einstellung ein wesentlicher Faktor für die Selbstheilung. Aber klar: von außen kann man nie beurteilen, wie es anderen wirklich geht.

      • Ja, das kann sein. Ich hatte das Glück, beides recht früh zu erkennen – ist man erst mal Jahre in der Unter- oder Überfunktion, kann das schon ganz schöne Schäden verursachen. So ist das. ja.

  4. Pingback: Laufen und Sport mit Hashimoto | laufkater

  5. Ich wollte mich einfach mal für deinen tollen Blogeintrag bedanken 🙂 ich weiß seid zwei Wochen, dass ich auch Hashimoto habe und das erste was ich gemacht habe, war mich im Internet mehr darüber zu informieren und nun ja.. danach habe ich mich noch schlechter gefühlt und bin quasi im Selbstmitleid versunken. Durch dein Blogeintrag hast du mir ein Stück -Hoffnung- zurück gegeben! Ich denke du hast recht und man sollte im Versuchen positiv zu denken..Wie heißt es so schön „Gedanken werden Dinge!“ und jetzt setz ich mich erst mal auf mein Fahrrad und fahre eine Runde. Danke für die Motivation 😉

    • Das freut mich, dass Du Dich jetzt ein bisschen motivierter fühlst. 🙂
      Ich wünsche Dir viel Spaß auf Deine Fahrradrunde, und drücke Dir die Daumen, dass Du bald hormontechnisch richtig eingestellt bist und das Leben wieder voll genießen kannst. Alles Gute! 🙂

  6. Danke für deine motivierenden Einträge zu dem Thema Hashimoto und Sport. Ich eier jetzt schon seit gut zwei Jahren mit einer mehr schlecht als recht eingestellten Unterfunktion rum und nun scheint es doch Hashimoto zu sein. Leider findet man bei der Suche zum Thema doch eher diese Leidensspirale und vorallem Berichte darüber, was nicht mehr geht. Wahrscheinlich, weil diejenigen, die einigermaßen damit klarkommen auch nicht so das große Austausch-Bedürfnis haben.
    Ich hab auch immer mal wieder schlechtere Phasen mit viel Müdigkeit und Antriebslosigkeit, aber zum Laufen raffe ich mich irgendwie trotzdem meist auf, weil es mir danach komischerweise häufig besser geht. Gerade für die Psyche finde ich den Sport unheimlich wichtig. Vielleicht muss ich mehr arbeiten als andere um meine Leistung zu verbessern, aber ich bleibe einfach dran und hoffe, dass ich jetzt auch endlich einen Arzt gefunden habe, der mich vernünftig einstellt.

  7. Vielen,vielen Dank für diesen doch sehr aufmunternden, motivierenden Beitrag. Auch ich trage seit 5 Jahren ne Hashimoto mit mir herum. Bisher ohne größere Probleme. Seit 2 Jahren gehe ich auch regelmäßig laufen, mache Zumba und Yoga. Auch wenn ich momentan, bedingt durch eine durchgemachte Pneumonie, Probleme mit Hashimoto habe und dadurch ziemlich schnell erschöpft bin, motiviere ich mich täglich selbst zum Sport! Es gibt mir das Gefühl von Freiheit und ich fühle mich einfach gut dadurch.

    • Gern geschehen!
      Pneumonie hört sich ja nicht so prickelnd an, aber super, dass Du Dich nicht kleinkriegen lässt.
      Genau, das Gefühl von Freiheit ist durch nichts zu ersetzen! Viel Spaß Dir weiterhin und Danke für den netten Kommentar.

  8. Danke für diesen Beitrag. Bin jetzt ziemlich erleichtert. Habe vor einem Monat den Befund erhalten, dass ich hashimoto habe. War sehr geschockt nach vielen Beiträgen im Internet. Ich betreibe sehr gerne Sport und habe gemerkt es geht immer schwieriger – muskelschmerzen, Müdigkeit, Gewichtszunahme , … Hatte zusätzlich noch Eisenmangel. War in letzter zeit ziemlich am Sand – viele Gedanken, Ängste. Durch diesen Beitrag sehe ich jetzt auch leichter und es stimmt, es gibt viel schlimmeres. Ich weiß natürlich auch noch nicht was noch so auf mich zukommt, aber eines weiß ich jetzt, man darf sich den Mut nicht nehmen lassen. Danke silke

  9. Heute bekam ich die Diagnose Hashimoto. Mein Arzt hat mich sehr einfühlsam darüber informiert. Natürlich bin ich sofort ins Internet um mehr über diese Krankheit zu erfahren. Ich hatte ja richtig Glück praktisch als erstes Deinen Blog zu lesen. Er klingt so froh, motivierend und hilfreich. Ich liebe den Sport und bis vor einer Stunde hatte ich nie die Idee, dass es da Einschränkungen geben könnte mit dieser Diagnose. Natürlich bin ich oft müde gewesen aber darf man das nicht auch sein nach einem langen Arbeitstag? Die Krankheit wurde nach einem zufälligen Check dem eigentlich nur altershalber anstand, und ich meinen Hausarzt wechselte. Ich muss mich jetzt mal schlau machen, ob ich mit Ernährung usw. positive Effekte erzielen kann. Zunehmen möchte ich auf keinen Fall. Ich bin etwas schwerer als vor zwei Jahren, aber minim und das hätte ich jetzt nie Hashimoto zugeschrieben, eher dem vielen Süsskram, den ich gegessen habe.
    Ich möchte Dir jedenfalls recht herzlich für Deine Beiträge danken.
    LIebe Grüsse
    Esther

  10. Danke!
    Nein das Wort allein genügt nicht!
    Mir kamen die Tränen, ich war verzweifelt, aber du hast mir Hoffnung gegeben die ich nicht mit mir oder in mir trage! Ich spüre mein Herz seit langem wieder schlagen!
    Einfach Danke!

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