Atlantik-Feeling auf der Baar – ein seltsamer „Longrun“


Ok, ich nenne ihn mal einfach „Longrun“, weil Samstag nun mal Longrun-Tag ist, aber eigentlich war dieser Lauf kürzer als das Intervalltraining am Mittwoch. 9,8 km wollte der Runningcoach, aber da es da keine vernünftige Runde gibt, habe ich eigenmächtig auf 11km verlängert. Vermutlich wirft das jetzt den ganzen feingetuneten Plan aus der Bahn, aber das Risiko bin ich gewillt, einzugehen.

Ich beschloss, heute mal nicht durch den Wald zu laufen, da wegen starkem Sturm akute Baum-auf-Hirn-Gefahr lauerte. Außerdem hatte es schön abgekühlt, so dass eine Runde über die Felder erträglich sein würde. Und der Blick in die Weite tut als Abwechslung auch mal ganz gut.

Blick Aldingen

Aber irgendwie wollte es nicht so recht. Trotz blauer Füße und Sproing-Sproing Transcend und einem Haufen Motivation hatten die Beine keinen Bock. So den ersten Kilometer gönnte ich ihnen noch zum warm werden, aber bereits hier musste ich eine kurze Gehpause einlegen, weil es einfach nicht rund laufen wollte. Es motzte im Knie, die Waden fühlten sich fest an, die Oberschenkel diskutierten… Es sollte noch zahlreiche Gehpausen folgen. Im Endeffekt war ich zwar gar nicht so langsam unterwegs, aber es war irgendwie unrund. Es gelang mir nicht, meine Körpermitte stabil zu halten, um den Druck von den Beinen zu nehmen.

Erst bergab begann es, ein bisschen zu rollen. Allerdings hatte ich mich zu früh gefreut, denn es kam DER WIND. Der Wind war von der Art, wie ich ihn sonst nur vom Meer kenne. Heftig, kühl und stetig. So heftig, dass ich mein Hörbuch abstellen musste, weil der Wind in meinen Ohren einen derartigen Krach veranstaltete, dass ich kein Wort mehr verstehen konnte. Ich bildete mir sogar ein, Salz zu schmecken, aber das war vermutlich der Schweiß…

Muss ich erwähnen, dass der Wind voll von vorne kam, als es einen saftigen Hügel hinauf ging?

Sturmhimmel

War ja schon irgendwie stark. Und Gehpausen musste ich eh machen. Also konnte ich auch noch den Storch mitnehmen. Wer findet ihn?

Storch im Feld

Der Storch hatte noch einen Kollegen dabei, aber ich habe es leider nicht geschafft, beide aufs Bild zu kriegen. Der Kollege drehte dem Wind eine Nase und segelte elegant davon. Störche sind cool.

Ich hatte mittlerweile leider auch noch ein Kontaktlinsen-Problem. Bei harten Kontaktlinsen kommt es bisweilen vor, dass sich kleine Staubkörnchen oder Härchen unter die Linse begeben. Das tut dann ordentlich weh, bringt das Auge zum Tränen und schränkt die Sicht ungemein ein. Unter normalen Verhältnissen kein Ding: Linse raus, abspülen, Linse rein. Gut.

Aber nicht bei Sturm. Sonst Linse weg. Und Linse teuer. Meistens arbeitet sich der Störfaktor auch wieder raus. Aber bei so einem Sturm und den trockenen Feldern fliegt einfach zu viel in der Gegend rum. Und ich habe leider keine gescheite Sportbrille, die den Mist draußen hält. Hat jemand diesbezüglich Tips? Bei meiner billigen Brille scheint es noch schlimmer zu sein als ganz ohne.

Abgesehen von den tränenden Augen und der eingeschränkten Sicht merkte ich, wie ich instinktiv den Kopf einzog, was wiederum keinen guten Einfluss auf die restliche Körperstatik hatte. Resultat: Knie motzt, Oberschenkel motzt, Wade motzt. Alle paar Meter musste ich mich mental in den Hintern treten, um denselben zu aktivieren. Dann wurde es immer sofort besser, bis die Spannung wieder nachließ.

Auf dem kleinen „Waldstück“ – eigentlich ist es mehr eine Allee – war ich dann sehr froh, mich gegen den Wald entschieden zu haben. Der Prügel, der mitten auf dem Weg lag, war zum Glück schon vor mir runter gegangen, hätte mich wohl auch nicht erschlagen, aber vermutlich wäre es unangenehm geworden.

Ast auf Weg

Auf dem freien Feld hingegen war es schon irgendwie schön.

Felder

Ich war wild entschlossen, den Lauf wenigstens ein bisschen zu genießen. Mittlerweile konnte ich auch wieder was sehen. Das erhöht die Lebensqualität gleich ungemein. Leider hielt das nicht lange. Pünktlich zu den abschließenden Steigerungsläufen war das andere Auge dran… 😦

Daheim natürlich dann die Analyse. Woran lag’s?

Gut, der Wind war sicher ein Faktor, der die Sache nicht gerade erleichtert hat. Vermutlich aber lag es auch daran, dass ich die ganze Woche kein Stabi-Training im Studio gemacht hatte, weil ich es zeitlich nicht zum gewohnten Termin unterbringen konnte. Donnerstag hatte ich zwar Zeit, war aber so platt, dass ich mich erst abends zum Laufen aufraffen konnte, und das Studio ausfiel. Außerdem hatte ich die Blackroll die ganze Woche sträflich vernachlässigt. Vermutlich eine Kombination aus allem.

Egal. Haken drunter. Heute Nachmittag gab’s dann Studio und jetzt sieht die Welt – und mein Muskeltonus – schon wieder besser aus. Und es kann ja auch nicht jeder Lauf immer großartig sein. Wär ja langweilig.

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14 Kommentare zu “Atlantik-Feeling auf der Baar – ein seltsamer „Longrun“

    • Ja, in deinem Blog klingst du eher begeistert. 🙂
      Der Sturm war irgendwie schon cool, aber so das allgemeine Befinden war es halt leider nicht so. Ging heute aber schon wieder besser. 🙂

  1. Wahrscheinlich wusste der Trainingsplan, dass deine Beine müde sind und schrieb deswegen nur 9,8 km vor. Ansonsten bin ich froh, dass du dem Sturm unbeschadet entkommen bist. (Ich laufe übrigens nur mit weichen Linsen und so gut wie nie mit Brille. Habe da also keine Tips.)

    • Vermutlich… wobei es weniger müde sondern so ein allgemeines Gefühl von „ächz!“ war. Ja, der Sturm war schon echt gemein, aber irgendwie auch toll, so eine Naturgewalt hautnah zu erleben.

  2. Ich seh den Storch, ich seh den Storch. Und ansonsten hast Du wohl im Fazit Recht – wo kämen wir da denn hin, wenn jeder Lauf bombastisch wäre. Zu Brillen hab ich keine Tipps.

    PS: Ich hab meine Wanderrunde auf heute verlegt – das war mir doch zu stürmisch.

  3. Hallo Christiane,

    Ich hab den Storch leider nicht gefunden. Das Alter ! 😉 Aber ich habe einen Brillentipp. Adizero tempo pro von adidas. Meine Supersportbrille. Aber lass dich auf jeden Fall im Fachgeschäft beraten. Ich durtfe die sogar Probe laufen übers Wochenende. Ohne Kaufverpflichtung.

    Viele Grüße
    Claudia

    • Cool! Danke für den Tip! Ich glaube, die haben sie sogar bei unserem Optiker. Werde ich in jedem Fall mal näher ansehen.
      Um den Storch zu finden, musst Du das Bild anklicken. Sonst ist er echt zu klein… 😉
      Grüße!

  4. Diskussionen mit meinen Oberschenkeln kenne ich zur Genüge. Das Schlimmste daran ist, dass die Oberschenkel immer das letzte Wort haben wollen…

  5. Woran es lag, wirst du wohl nie erfahren….oft genug passiert jedem von uns das Gleiche, aber einen Tag danach (und du musst ja als Streakrunner !) sieht die Welt dann wieder ganz anders aus.

    Die Sache mit dem Knie allerdings würde ich im Auge behalten, denn so einfach motzt das Knie nicht, es sei denn, es gefällt ihm etwas nicht.

    In diesem Sinne halte dir die Daumen, dass sich diese Probleme in Luft auflösen – oder lag es vielleicht daran, dass du für mich getanzt hast – war das nicht was ❓

    • Der Tanz war sicher nicht schuld. 🙂
      Nee, es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Knie und Stabilität der Körpermitte. Wenn da alles ok ist, dann ist auch nix mit dem Knie. Nur wenn ich „zusammenfalle“, weil ich müde bin, dann wird es sauer, weil es die ganze Arbeit allein machen muss. Und bei dem Lauf hab ich irgendwie den Schalter für die Bauch- und Gesäßmuskulatur nicht gefunden. 😀

  6. Ich sehe ihn auch – den Storch! 🙂
    Kein Tag ist wie der andere – auch nicht beim Laufen. Du hast das Beste daraus gemacht! Und wie Margitta schon schrieb, wird der nächste Lauf bestimmt wieder bessser.

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