Runner’s-High – der 10km Volkslauf rund um Pfohren


Pfohren und ich werden irgendwie keine Freunde – so dachte ich noch bis kurz vor dem Startschuss. Ich sollte eines Besseren belehrt werden. 😉

Es fing schon damit an, dass ich – mal wieder – mit dem Auto durch Pfohren irrte. Wenigstens war es diesmal nicht neblig und dunkel. Das ist es sonst immer, wenn ich mit dem Auto durch Pfohren irre. Verfahren hab ich mich trotzdem. Klar. Ich meine, warum soll auch die Sporthalle bei den ausgeschilderten Sportanlagen sein? Ergibt ja auch irgendwie keinen Sinn. Deshalb legen wir sie einfach ans andere Ende des Ortes. Macht die Sache interessanter. 

Nach erfolgreichem Parken und Finden der Sporthalle, die mehr nach Autowerkstatt aussieht, konnte ich mich jedoch sehr zügig nachmelden und erst mal orientieren.

Sporthalle Pfohren

Der Blick aufs Kuchenbüffet verhieß Großartiges. Allerdings konnte ich mich nicht mehr dem Pre-Race-Carboloading widmen, da ich etwas spät dran war. Es war der letzte Arbeitstag, am Vorabend waren einige Kollegen in den Ruhestand verabschiedet worden, das Schlafdefizit groß. Ich hatte zu Hause mich noch eine Stunde aufs Ohr gehauen, und wankte halb-komatös durch die Halle. Ich freute mich über ein paar bekannte Gesichter. Vor allem darüber, dass ein verdienter Bass aus meinem Kirchenchor den Kommentator machte, und die Dirigentin des ortsansässigen Chors auch am Start war. Lars von trailfieber.de war auch mit von der Partie. Klar. Der Lauftreff Pfohren ist ja auch sein Verein. Wir wechselten ein paar Worte, und ich beschloss, immer noch mit Nebel-Hirn, es mal mit Einlaufen zu versuchen.

Ich trottete um die Halle, und so ganz langsam kamen ein paar Lebensgeister zurück. Ich hatte keine festen Pläne. Zu groß war das Schlafdefizit, und gezielt auf einen 10er trainiert hatte ich auch nicht. Ich wollte – wenn möglich – 6:30er Pace oder ein bisschen schneller laufen. Alles andere würde sich dann finden.

Zielbogen Einlaufen

Die Schülerläufe waren noch im Gange, und ich war von ein paar Nachwuchsathleten echt beeindruckt, was Biss und Schnelligkeit angeht.

Unser Start wurde dann wegen des großen Andrangs bei den Nachmeldungen um 5 Minuten verschoben. Zeit genug, um nochmals über die Wahl der Kleidung in Panik zu geraten. Mit 13°C war es daheim eher kalt gewesen, und ich hatte daher gar kein Kurzarmshirt eingepackt. War das ein Fehler? Auf Buff und Windstopper-Weste verzichtete ich immerhin noch. Noch einen Schluck aus der Trinkflasche und dann ab zum Start. Ich reihte mich wieder ganz hinten ein, was mich in dem Fall ein paar Sekunden kostete, weil es keine Chips gab, sondern die Uhr ab Start lief, aber ich hatte ja eh nichts vor.

Start

Nachdem die schnellen Jungs und Mädels aus der ersten Reihe losgestürmt waren, ruckelten wir gaaaaaanz langsam bis zur Linie vor. Die Gugge-Musik heizte uns mit ein paar Rhythmen ein, dann wurde es auch schon ruhig. Die Zuschauer an der Strecke konnte man an zwei Händen abzählen, aber das ist mir zum Glück nicht so wichtig. Ich fand recht schnell meinen Rhythmus. Meine Beine in den blauen Wunderstrümpfen fühlten sich erstaunlich fit an. Na dann…

Es ging zunächst bergauf, was ich aber ganz gut fand, um sich ein bisschen einzubremsen. Puls war im grünen Bereich, es lief. Den ersten Kilometer lief ich mit meiner Dirigenten-Kollegin, dann setzte ich mich etwas ab. Meine Beine hatten Bock. Da wollte ich ihnen natürlich nicht im Weg stehen.

Es ging aus dem Ort raus und über Feldwege, auf einer insgesamt welligen Strecke. Das Wetter war ideal. Nicht zu warm, nicht zu kalt, die Sonne kam raus. War das Langarmshirt doch ein Fehler? Eigentlich war es ok, aber kurz wäre auch gut gewesen.

Das erste Kilometerschild trug den Spruch „Nur noch 9 km, locker bleiben!“ Ich schaute nicht auf meine Zeit. Nur auf den Puls und die aktuelle Pace, die sich im 6er Bereich einzupendeln schien. Nicht schlecht! (für mich) Und zum ersten Mal kam hier der Gedanke an eine mögliche Bestzeit auf. Aber ich schob ihn beiseite. Nach nur einem Kilometer kann man da noch nicht viel sagen. Wichtig war, dass ich Spaß hatte. Ich überholte noch ein paar Läufer. Fein!

KM 2: „Du siehst gut aus!“ Danke sehr!

KM 3 verpasste ich leider, dafür fand ich KM 4 mit „Wecke Haile in dir!“ ziemlich motivierend. Überhaupt ist die Idee mit den Sprüchen großartig, denn sie gab mir so eine Art Mantra, was mein Hirn über den jeweils nächsten Kilometer beschäftigt hielt. Was mich vor allem begeisterte, war die Tatsache, dass ich Anstiege problemlos wegstecken konnte. So problemlos, dass ich nach der Wasserstation bei KM 5 ein dickes Grinsen im Gesicht hatte.

Etwas gemein fand ich nur die Tatsache, dass ein laufendes Kaffeekränzchen, bestehend aus zwei top gestylten und designten Damen auf einer Abwärts-Passage überholte, um sich dann nur so ca. 50 m vor mir festzusetzen. Und ich kam einfach nicht ran! Eigentlich waren die beiden gar nicht schneller, aber ich sollte sie nicht mehr einholen. Grrrrr! Immerhin zogen sie mich bis KM 6 „Es ist auch im Leben nicht alles nur eben“, wo ein weiterer längerer Anstieg lauerte, auf dem ich einen Herrn in Orange klarmachte, den ich auch schon eine Weile vor mir hatte. Und dann kam es: Mein erstes Runner’s High! Zumindest glaube ich, dass es eins war. Es ging bergauf, der Wind frischte auf (klar, Gegenwind, was sonst!) und ich dachte nur „Huiiiiiii! Ich kann fliegen!“ Und plötzlich ging alles ganz leicht. Ich wurde nicht schneller oder so, aber ich fühlte mich so unbeschreiblich glücklich und gut, dass ich wirklich am liebsten ein Tänzchen eingelegt hätte. Der Gedanke an Bestzeit ließ sich jetzt nicht mehr verdrängen. Dabei hatte ich immer noch keine Ahnung, wo ich so lag. Ich wollte auch nicht nachsehen. Bergauf war die Pace meist bei 6:20, bergab bei 5:50, könnte hinhauen.

KM 7 „Leben und laufen lassen“ läutete eine ebene Passage ein, wo jedoch bald ein bisschen Cross-Feeling aufkam, weil die  asphaltieren Feldwege nun durch Schotter und festgefahrene Wiese abgelöst wurden. KM 8 weiß ich leider nicht mehr, nur, dass es auf dem vorletzten Kilometer noch einen knackigen Anstieg gab, wo ich erstmals wieder in meinen 30 Schritte Geh-Lauf-Wechselmodus verfiel. Ich mampfte noch ein Pärchen weg, welches jedoch bei KM 9 „Von jetzt an geht’s bergab“ nochmals kurzzeitig überholte.

Nein, Leute, sorry, aber das kann ich jetzt nicht so stehen lassen. An einer richtig steilen Passage spannte ich sämtliche Rumpfstabi-gestählten Muskeln an und kesselte ohne Rücksicht auf Verluste vorbei und ins Tal. „Ihr kommt nicht mehr vorbei!“ dachte ich, während ich mich schon unversehens im Zielkanal befand.

Ziellinie, Druck auf die Uhr, handgestoppte 1:00:46! Jawollllllll! 🙂

Auf den offiziellen Ergebnislisten sollten es später 1:01:02 sein, was aber auf die Verzögerung beim Start zurückzuführen ist.

Kurze komplette Desorientierung. Im Kopf machte es nur noch „Wzzzzzzz…“ und „Wo haben die alle die Getränke her?“ Als mich schon ein Herr ansprach, der sich als Organisator des Stadtlaufs Donaueschingen herausstellte. Wir erinnern uns.

„Sie sind doch die Bloggerin!“ Wow! Ich bin berühmt! 😀  Er versprach mir, die Startnummer für den nächsten Lauf persönlich bereitzuhalten. Das ist doch mal ein Angebot!

Duschen und Umkleiden war dann noch ein Abenteuer, weil dem kleinen Boiler natürlich schon längst das warme Wasser ausgegangen war, wobei ich noch zu den Glücklichen zählte, die überhaupt noch Wasser bekamen. Irgendwann ging dann auch noch das Licht aus…

Nun, dies konnte das Kuchenbüffet jedoch wieder ausgleichen. Beim Kuchen meiner Wahl bestand übrigens der komplette Boden aus weißer Schokolade. 😀

Kuchen

Ich würde sagen, es gibt Schlimmeres.

In der Halle

Nächstes Jahr bin ich sicher wieder beim Volkslauf rund um Pfohren dabei!

Mein Fazit:

  • schöner familiärer Lauf in reizvoller Landschaft
  • nicht die „klassische“ Bestzeitenstrecke wegen welligem Profil
  • liebevolle Organisation (z.B. die Kilometer-Schilder)
  • kaum Lärmbelästigung durch Zuschauer 😉
  • Interessanter Termin: Immer am Abend des letzten Schultages vor den Sommerferien
  • geniales Kuchenbüffet

Vielen Dank an den Veranstalter und alle Helfer!

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16 Kommentare zu “Runner’s-High – der 10km Volkslauf rund um Pfohren

  1. Lieber Laufkater,
    Herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit!!! Das freut mich sehr für dich. Du hast ja wirklich hart und fleißig trainiert und dir den den (verdammt lecker anmutenden) Kuchen redlich verdient! Ich würde sagen, Ferropolis kann kommen…
    Weiter so zum nächsten Runners‘ High 😉

    • Vielen Dank!
      Vor Ferropolis hab ich schon noch ein bisschen Respekt, aber ich freu mich schon. 😊 Sooo hart trainiert hab ich eigentlich gar nicht. Einfach nur täglich. Scheint zu funktionieren.

  2. ich werde den Dank gerne weiter geben.Im übrigen habe ich mich an dem Kuchenbüfett zweimal bedient, aber Ihr Kuchen sah ja super toll aus, habe ich wohl übersehen. Glückwunsch zu dieser Zeit auf dieser nicht einfachen Strecke. Dass Sie noch Zeit haben, die Schilder zu lesen und sich den Text zu merken, da war der Kopf wohl absolut frei

    • Der Kuchen war galaktisch! 🙂 Ich fand die Sprüche so gut, dass ich versucht habe, mir die meisten zu merken. Ansonsten hatte mein Kopf ja auch nicht viel zu tun. 😉

  3. Super gemacht ! Schaut so aus als wärst Du auf einem sehr sehr guten Weg zu Deinem großen Ziel.

    Ich bin auch noch am Überlegen ob ich im Herbst mal wieder einen Solo-Marathon laufen soll….
    Nur; wenn ja, wo ?

  4. Ja dann mal… herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit. Das ist ja super. Unverhofft kommt oft – meine wenigen Wettkämpfe und daraus resultierenden Bestzeiten waren auch nie geplant. Und dann ist es um so schöner.

    Genieß das Gefühl!

    • Vielen Dank!
      Noch unverhoffter ging kaum. Wahrscheinlich ist man einfach lockerer, wenn man gar nichts will, und dann flutscht’s.
      Ich genieße immer noch. 🙂

  5. Tolle Bestzeit im hügeligen Gelände ohne das Gefühl bei km 5 sterben zu müssen, sondern einfach locker flockig so? Du wirst mir ja fast ein wenig unheimlich – aber in der Tat auf gutem Weg zum grossen Ziel. Herzlichen Glückwunsch!

    • Danke! Ich war selbst total überrascht. In der zweiten Hälfte ging es mir echt großartig. Erst so ab KM 8 hab ich gedacht, dass es jetzt ganz nett wäre, wenn KM 9 bald käme. Viel länger hätte ich es wohl nicht durchgehalten, aber insofern war ja alles perfekt. 😀
      Tja, ich kann schon echt gruselig sein.… muhahaha…

  6. Bin sehr gespannt ob es bei mir am Mittwoch klappt. Letztes Jahr machte mir die DB einen Strich durch die Rechnung und jetzt muckt die Ferse wieder.
    Die Rampe kurz vor Schluss klingt fies, aber wohl recht kurz?

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