Mein erster 30er – und ich lebe noch


Als ich gestern heim kam, stand mein Entschluss eigentlich schon zu 80 % fest: „Ich melde mich auf die HM-Distanz um“. Heute morgen stand mein Entschluss zu 100% fest: „Ich laufe diesen Marathon – oder versuche es zumindest.“

Fest steht: Der 30er hat nicht durchgängig Spaß gemacht, aber er war machbar. Und heute ziept zwar einiges, aber ich bin nicht halb tot, und meine Baustelle am rechten Fuß gibt sogar Ruhe. Gut, vielleicht ist sie auch einfach so schockiert, dass sie schlichtweg sprachlos ist, oder liegt immer noch im Koma, aaaaaber: Die Sehne tut so was von NICHT weh, wie es in der ganzen selbst verordneten Laufpause nach dem HM letztes Wochenende nicht der Fall war.

 Fotografieren konnte ich bei dem Lauf leider nicht, weil der Speicher meines iPhones überlastet war, und es wohl kein so guter Zeitpunkt gewesen wäre, jetzt mal eben die Fotos auszusortieren. Gibt aber trotzdem ein paar Bildchen.

Mein Plan war, möglichst ein ähnliches Profil hinzukriegen, wie das, das mich in Bräunlingen erwartet, und welches ich hier mal ganz frech von der offiziellen Seite klaue:

sm-profil 2015

Nun, so ganz gelungen ist mir das nicht, aber seht selbst:

Höhenprofil 30er

Hab ich schon mal erwähnt, dass flach hier nicht geht? Nun, der sanfte Anstieg zu Beginn und der sanfte Abstieg am Schluss, sind ja schon mal ganz gut geglückt. Was vermutlich ein Killer-Faktor war, ist der Verlauf in der Mitte…

Bis KM 10 war alles easy. Das Wetter war super. Nicht zu warm, aber trocken, sonnig, leichter Wind. Meinen Timer hatte ich auf eine 1-minütige Gehpause alle 20 Minuten gestellt, um nur ja nicht gleich zu viele Körner zu verschießen. „1/3 geschafft! Ist ja leicht!“ dachte ich mir.

Auch der erste Anstieg danach war noch ganz gut zu verkraften. KM 15: Halbzeit und alles im grünen Bereich.

Ich schaffte es, immerhin noch ein Streckenbild zu schießen, von diesem Kunstobjekt (?):

Kunst?

Außerdem freute ich mich daran, dem ein oder anderen Spaziergänger zu begegnen, und mir vorzustellen, was für Gesichter sie machen würden, wenn sie wüssten, woher ich da gelaufen kam.

Jede Menge Pferde waren auf den Koppeln, und es gab viel zu gucken, so dass mir nicht langweilig wurde. Außerdem näherte sich die Story in meinem Hörbuch gerade mal wieder einem dramatischen Höhepunkt.

Twix im Magen, genug Flüssigkeit dabei, mittlerweile doch eine Jacke übergezogen, weil es kalt wurde, aber soweit alles bestens. Bei KM 17 dann – wir erinnern uns an das Höhenprofil – erste Ermüdungserscheinungen im rechten Knie, aber alles im vertretbaren Rahmen, schließlich ging es ja auch bald wieder rauf, und das Knie konnte sich entspannen.

Der nächste Abstieg bei KM 20 war dann auch nicht sonderlich angenehm, zumal er über Schotter ging. Ein paar Schritte ging ich. HM-Marke passiert mit leichten Abnutzungserscheinungen, aber ansonsten noch ganz guter Dinge.

Der nächste Abstieg zwang mich jedoch zum Stehen. Ansonsten hätten wohl akut die Bremsen versagt. Nach 1-2 Minuten hatte sich meine Beinmuskulatur wieder so weit sortiert, dass ich zumindest wieder gehen konnte. Zum Glück war das der letzte Abstieg seiner Art. Allerdings hatte er mich so viel Kraft gekostet, dass ich mich auf einem flachen Stück fast auf den Bart legte, weil ich an einem Stein hängen blieb. Ok. Ich bin wach…

Das rechte Knie war mittlerweile ruhig. Dafür fing das linke an. Dabei handelt es sich nicht um das Gelenk an sich. Es ist einfach die Muskulatur drum herum, die dicht macht. Bei anderen sind’s die Waden, bei mir die Knie.

Ein Gel-Chip gab mir immerhin ein Stück Moral zurück. Die Gehpausen wurden aber häufiger, das Tempo dadurch natürlich drastisch langsamer. Allerdings konnte ich auch immer wieder längere Stücke laufen. Als ich dann in Sichtweise des Hauses kam, ging es plötzlich wieder wesentlich besser. Womit mal wieder bewiesen wäre, was für eine große Rolle der Kopf spielt.

Ich bin froh, den 30er gemacht zu haben, auch wenn er nicht im Trainingsplan stand. Er hat mir doch noch einige entscheidende Erkenntnisse beschert:

  • Egal, wie gut man sich zu Beginn fühlt, irgendwann kommt ein Tief.
  • Egal, wie tief das Tief ist, irgendwann erholt man sich wieder.
  • Steile Abstiege sind schlimmer als steile Anstiege.

Das Streckenprofil in Bräunlingen ist deutlich freundlicher. Natürlich garantiert auch das nicht, dass ich da lächelnd und ermüdungsfrei durchspaziere. Aber ganz so heftig wie bei diesem 30er kann es zumindest bis zur HM-Marke nicht sein. Ich weiß, dass ich einen HM laufen kann. Ich weiß jetzt auch, dass ich 30 Km laufen kann. Mit disziplinierter Streckeneinteilung, was Puls und Tempo angeht, sollte ich irgendwo noch die restlichen 12 Km finden. Und wenn nicht? Dann hab ich’s zumindest versucht. Außerdem bin ich in Bräunlingen nicht allein. Ich denke, auch das spielt eine große Rolle.

Garminchen ist übrigens optimistisch und meint, ich könnte einen Marathon in 4:18 laufen. Nun, das wird wohl nicht der Fall sein, aber ankommen wär schon nett. 😉

Ich bin durchaus nervös. Aber vorbereitet. Jetzt freu ich mich aufs Tapern.

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25 Kommentare zu “Mein erster 30er – und ich lebe noch

  1. Gratulation! Geniesse jetzt – wie beschrieben – das Tapering. Bei mir stehen in den kommenden zwei Wochen noch zwei, drei Kürzestläufe (Füsse ausschütteln) und dazu Physio, Massage und lange Nadeln auf dem Programm.

    Und Blackroll, Blackroll, Blackroll …

    Ich drücke Dir jedenfalls jetzt schon für den 11. Oktober den Daumen!

  2. Das Wissen, dass du 30km laufen kannst nimmt dir keiner mehr – yeah! (Mit Punkt 2 bin ich es nicht ganz eins, aber vielleicht bin ich einfach nicht lange genug weitergelaufen…)
    Viel Spass beim Tapern, Vorfreuen und Nervös sein!

  3. Wahnsinn 🙂
    Jetzt weisst du, dass du körperlich dazu in der Lage bist – bei den 42 entscheidet dann nur noch der Kopf, und bei so vielen Lesern, die dann an dich denken werden, sollt das kein Problem sein!
    Viel Spass beim Herumfaulen, erm, Tapern ;D

  4. Im Wettbewerb kann man viel schneller und viel weiter laufen, als man es sich im Training vorstellen kann.
    Der 30er war gut und der Marathon wird hart sein, aber hinterher bist du stolz wie Bolle.

  5. Hallo Chriba,

    ja klar schaffst Du das! Ich (und sicher auch viele andere) glauben an Dich !
    Ich hatte ja lange überlegt wirklich mitzulaufen, aber hätte jetzt endgültig absagen müssen da ich mich direkt nach dem Einstein-Marathon mehr oder weniger elegant in die Erkältungszwangspause begeben habe.

    Ich wünsch Dir viel Erfolg und solange es geht 🙂 viel Spaß

    Viele Grüße

    Andy

  6. Pingback: Schwimmen, Radfahren, Laufen – eine Zwischenbilanz | laufkater

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