Ein bisschen Schlamm muss sein…


Vorsichtig fahre ich die extrem matschige Passage nach unten. Hier muss eine ganze Herde von Forstfahrzeugen durchgepflügt sein. Nur noch ein paar Meter bis zum frisch gemachten Weg. Das Bike wird immer langsamer. Ich löse die Bremse. Das Bike steht. Uaaaah! Ich springe runter und klebe sofort fest. Mit einem saftigen „SCHLÖRKS“ löst sich der ausrangierte Laufschuh aus dem Lehm. Die Räder sind so verdreckt, dass sie sich keinen Zentimeter mehr drehen. Na super… 

Mit ca. 5 kg Lehm an jedem Fuß trage ich das total verschlammte Bike bis auf den geschotterten Weg. Neues Problem: Das Zeug klebt derart, dass es, statt sich im Schotter abzureiben, die Schottersteine an sich bindet und ich nun ein Fred-Feuerstein-Bike habe, welches keinen Meter mehr fährt. Wow! Und das bei meiner allerersten Mountainbike-Tour überhaupt.

Ich trage das Bike aus dem Schotter.

Mit den Fingern löse ich Zentimeter für Zentimeter den Dreck, der sich immer wieder zwischen Rad und Gabel (vorne und hinten, versteht sich), sammelt. Auch die Schaltung hat es erwischt. Bingo!

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit bekomme ich das Rad immerhin so weit, dass sich die Räder wieder drehen lassen. Vorsichtig anfahren… schalten ist ja nicht… Hurra!

Auf einer Bergab-Passage lasse ich es laufen, so dass der Dreck in alle Richtungen, inklusive auf mich, davonfliegt. Auch ein paar Gänge habe ich wieder zur Verfügung. Und ein breites Grinsen. Ein grinsendes Schlammmonster.

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Auf dem Bild sieht es übrigens schon wieder einigermaßen hübsch aus.

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Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Mountainbike? Hatte ich eigentlich nicht vor… vielleicht irgendwann mal, aber nicht gerade jetzt. Manch einer ahnt es, manch einer hat es schon auf Twitter gelesen: Das Verletzungspech hat jetzt auch mich erwischt. 😦

Seit der Marathon-Vorbereitung hab ich immer wieder sporadisch Schmerzen in der Ferse gehabt. Nicht unerträglich, nicht ständig, aber lästig. In den letzten Tagen war es eindeutig nach jedem Lauf schlimmer. Wohlgemerkt, NACH jedem Lauf. Denn laufen konnte ich schmerzfrei. Trotzdem habe ich mich dazu durchgerungen, den Orthopäden des Vertrauens anzurufen und viel schneller als gedacht noch einen Termin bekommen. Am Mittwoch stand es dann fest: Ein Fersensporn wie aus dem Bilderbuch, dazu eine Plantarfasziitis, die die Schmerzen verursacht. BA-DUMM!

Ein völliges Laufverbot wollte mir der Doc zwar nicht antun, meinte aber, maximal 10 km und nur sehr moderat. Da ich aber bereits nach kleinen Läufchen Beschwerden hatte, denke ich, dass es der Heilung vermutlich förderlicher ist, wenn ich zumindest bis zum Silvesterlauf völlig pausiere.

Der ist 10km lang, und im Grunde geht es um nichts. Eigentlich wollte ich ja die 60 min endlich knacken, aber Gesundheit geht halt vor.

Die erste Stoßwellen-Behandlung (AUA!) bekam ich noch an Ort und Stelle. Daheim dehne ich und mache den Fersenheber. Außerdem trage ich brav wieder meine propriozeptiven Einlagen. Mehr kann ich im Moment nicht tun.

Fürs Radfahren habe ich allerdings grünes Licht, vorausgesetzt, es treten keine Schmerzen auf. Nach einem extrem deprimierten Donnerstag überkam es mich am Freitag dann: Ich brauche ein Mountainbike!

Damit kann ich durch meinen geliebten Wald cruisen und mindestens genau so viel erleben wie bei meinen Longruns. Und ich kann damit auch bei Schnee fahren – so der denn kommt. Denn im schlimmsten Fall kann ich den Winter lauftechnisch komplett abschreiben. Und stundenlang Ergometer im Studio fahren.…  nööööööö!

Nachdem dieser Entschluss gefasst war, ging alles sehr schnell, und es mir wesentlich besser. Ab zum Fahrradladen, 3 Bikes im finanziell erträglichen Rahmen probiert, Nr. 3 wurde es dann. Das teuerste… war ja klar. 😉 Und dann am Nachmittag sofort los auf die oben genannte Tour.

Abgesehen von der Schlamm-Orgie hab ich mich auch noch gleich hingelegt, wobei man der der Fairness halber sagen muss, dass ich schon so gut wie stand. Kein spektakuläres Manöver also und völlig harmlos. Aber der Kombination von nassem Laub auf glitschigen Steinen mit zur Seite abschüssigem Weg war das Reifenprofil nicht gewachsen.

Ansonsten bietet so eine Bike-Tour durchaus ähnliches Unterhaltungspotential wie meine Longruns: Ich hab mich eingesaut, mal verfahren, das Streckenprofil unterschätzt, die Zeit gnadenlos vercheckt und bin ins Dunkle gekommen. Oh yeah! 😀

Allerdings kann ich nicht so gut abschalten. So ein Fahrrad braucht doch eine ganz andere Konzentration, und auf die ganz verwegenen Trails traue ich mich (noch?) nicht. Hörbuch hören nebenher geht auch weniger gut.

Und man muss mehr Zeit einplanen. Um den vergleichbaren Effekt wie bei einem Lauf zu haben, muss man eh schon ein bisschen länger fahren, als man laufen würde. Und der Dreck erst! Nach einem Lauf gehe ich unter die Dusche und die Klamotten in die Waschmaschine. Das Bike jedoch passt nicht in die Waschmaschine. Wäre heute nicht Sonntag gewesen, wäre es vermutlich das Beste gewesen, es im Cleanpark einfach abzukärchern. So griff ich beherzt zum Gartenschlauch und schlammte mich erneut komplett ein. Immerhin hatte ich so weit gedacht, Gummistiefel und eine Regenhose anzuziehen. Danach noch Kette abwischen, ölen…

Den eigentlichen Longrun von heute habe ich mit einer kombinierten Bike-Swim-Bike-Aktion ersetzt, indem ich zum Schwimmen in den Nachbarort gefahren bin, der ein ganz nettes kleines Hallenbad hat.

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So hatte ich wenigstens noch was vom heutigen Traum-Wetterchen.

Wenn ich dann ab nächster Woche ein paar Tage frei habe, habe ich auch eher die Zeit für solche Aktionen. Ich werde die Laufpause also nützen, um was Neues zu lernen, in dem Fall MTB-fahren und die Zahl meiner Kraulzüge von 6 auf eine ganze Bahn erhöhen. Vermutlich sollte ich eh mehr Crosstraining machen, auch wenn die Ferse wieder heil ist, um in Zukunft von solchen Dingen verschont zu bleiben. Denn Stabi mache ich ja schon, und zu schwer bin ich auch nicht. Trotzdem hat’s mich erwischt. Offenbar war ich einfach auch mal dran.

So tagsüber fühlt sich der Fuß schon deutlich besser an. Vielleicht hab ich ja Glück…

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10 Kommentare zu “Ein bisschen Schlamm muss sein…

    • Hihi…
      Im Moment glaube ich das noch nicht. Ist mir zu stressig und zu viel Material-Fetischismus. Höchstens vielleicht mal so eine Schnupper-Distanz. Aber das Training macht schon Spaß, ja. 🙂

  1. Ach, das lese ich aber nicht gern – also das mit der Laufverletzung. Dann drücke ich die Daumen, dass die Behandlung schnell anschlägt.

    Dein Fazit zum Radfahren kann ich unterschreiben – ich mach es ja gern aber es ist für mich kein Ersatz fürs Laufen. Aber nützt ja nix. So ein neues Rädchen kann die Motivation auf jeden Fall gut erhöhen.

    PS: Ein Freund von mir riet mir, mir eine Spritze zuzulegen, die Gärtner haben, um irgendwelche Mittelchen in den Garten zu sprühen. Wenn man dann von einer solchen Tour zurück kommt, kann man direkt mal nass absprühen. Funktioniert gut.

  2. Oh weisa, Dich hat es auch erwischt. So eine Mist! Aber immerhin bist Du so so unerwartet zu einem MTB gekommen. Viel Spaß damit und gute Besserung, damit Du bald wieder laufend unterwegs sein kannst.
    Liebe Grüße und frohe Weihnachten
    Bianca

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