Alternativtraining für verletzte Läufer – Teil 1 Aquajogging und Aquafit(ness)


Aus aktuellem Anlass (Fersensporn und Plantarfasziitis) kann ich gerade nicht so rasend viel übers Laufen schreiben, auch wenn ich gestern immerhin ganze 3 km vorsichtig gelaufen bin. Daher werde ich eine kleine Blogpost-Serie möglichen Trainingsalternativen widmen, die die Zeit der Verletzung sinnvoll überbrücken helfen und die Kondition erhalten.

Nachdem ich diese Woche schon 3 Mal im Schwimmbad war, dachte ich, ich starte mal damit. 

Natürlich kann man im Schwimmbad vor allem eines machen: Schwimmen. Man kann sich auch eine halbe Stunde in den Whirlpool legen und anschließend in die eventuell vorhandene Sauna gehen, was zwar durchaus eine Alternative aber eher weniger ein Training wäre. Und wir wollen uns ja hier dem Alternativtraining widmen.

Schwimmen ist zwar eine gute Sache, als Alternativtraining aber nur dann geeignet, wenn man es gut kann. Ich kann gut Brustschwimmen, was aber vom Bewegungsablauf völlig konträr zum Laufen ist. Kraulen wäre besser. Kann ich aber (noch) nicht, so dass ich zwar zum Spaß schwimme, ein Lauftraining damit aber nicht ersetzen kann.

Was dem Laufen aber sehr nahe kommt ist Aquajogging. Hierbei läuft man durchs Wasser, und zwar ohne Bodenkontakt. Damit man dabei nicht entweder wie ein Stein untergeht oder das Wasser zu Butter strampelt, hat man einen semi-bescheuerten Gürtel um den Bauch, der den nötigen Auftrieb spendet. Tja, und dann läuft man los.

Die Vorteile des Aquajoggens sind zahlreich:

  • der Bewegungsablauf entspricht – wenn man es richtig macht – dem Laufen an Land, so dass man sogar an seinem Laufstil arbeiten kann.
  • das Körpergewicht muss nicht getragen werden, so dass lädierte Gelenke oder Sehnen nicht weiter leiden müssen.
  • Das Wasser bietet Kompression und Massage. Ich muss immer spätestens nach 30 min zur Toilette, weil es sich hier um eine sehr effiziente Lymphdrainage handelt.
  • Die Belastung kann variiert werden. Je kraftvoller man die Bewegung ausführt, desto höher ist der Wasserwiderstand, und desto größer das „Ächz!“ Dadurch lassen sich auch Intervalle oder HIT-Trainingseinheiten wunderbar absolvieren.
  • Das Wasser kühlt und man kommt nicht ins Schwitzen.
  • Es ist relativ billig. Gürtel kann man in vielen Bädern leihen, ansonsten kostet ein brauchbares Teil zwischen 15 und 30 Steine. Mehr braucht man nicht – na gut, vielleicht noch einen Badeanzug oder -Hose um des Anstands willen. Und den Eintritt fürs Bad, wenn man nicht gerade einen Privatpool im Keller hat.

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An und für sich also eine super Sache. Allerdings gibt es auch ein paar Nachteile:

  • Der Coolness-Faktor geht gegen 0. Spätestens wenn ein schnittiger Kraul-Schwimmer an einem vorbeigleitet, während man selbst mehr oder weniger auf der Stelle strampelt, fühlt man sich… naja… Und manche Leute sehen einen auch seltsam an.
  • Vom Unterhaltungswert ähnelt es dem Laufband-Laufen, mit dem Unterschied, dass man dabei keine Filme schauen oder e-Books lesen kann. Ich habe mir jetzt einen billigen wasserfesten MP3-Player bestellt, in der Hoffnung, damit ein bisschen Hörbuch hören zu können.
  • Man ist drinnen und in chlor- respektive parfumgeschwängerter Luft, es sei denn, es ist Sommer, und man kann ins Freibad.
  • Man ist von den Öffnungszeiten der Schwimmbäder  abhängig und sollte sich auch gut überlegen, wann man hingeht. Wenn gerade starker Badebetrieb herrscht, ist das ständige Herumnavigieren um unberechenbare mobile Bojen (Mitschwimmer) etwas nervenaufreibend.

Bei all diesen Nachteilen ist es jedoch neben dem Crosstrainer – zu dem ich in einem späteren Beitrag was schreiben werde – so ziemlich das einzige Alternativtraining, was dem Laufen bewegungsmäßig nahe kommt. Wer übrigens detaillierte Infos zum Aquajogging sucht, findet hier einen sehr guten Artikel.

Wer zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, und gleichzeitig noch was für seine Rumpfmuskulatur tun, dem empfehle ich Aquafit(ness).

Das hat nur scheinbar was mit dieser Senioren-Wassergymnastik zu tun, über die man sich als Kind (nun ich zumindest) immer sehr amüsiert hat. Ich habe am Dienstag mal spaßeshalber so einen Kurs besucht und war echt beeindruckt. Im Vorfeld hatte ich ständig an Nilpferde mit Duschhauben gedacht… ja… Klischees kann ich. 😉

Das übliche Wassergymnastik-Bewegungsprogramm im flacheren Wasser gab’s zum Aufwärmen, und dann kamen diese Schaumstoff-Hanteln ins Spiel. Es gibt für einen Sportler wohl zunächst nichts Lächerlicheres als eine Schaumstoff-Hantel. Es sei denn, man befindet sich im Wasser. Die Dinger sind tödlich. Vor allem, wenn man am Tag zuvor im Fitness-Studio war und die Gewichte erhöht hat. Die Schaumstoff-Hantel zu heben, erfordert ehrlich gesagt keine muskuläre Höchstleistung. Sie unter Wasser zu halten jedoch… ging auf Dauer echt an die Substanz.

Wenn man dann noch das flache Wasser verlässt oder – wie am Dienstag geschehen – der Schwimmmeister einfach den Boden absenkt, dann wird es richtig lustig. Kombiniert mit dem Aquajogging-Gürtel ähnelt der Effekt stark einem Schlingen-Trainer, weil man wirklich ständig damit beschäftigt ist, den Körper einigermaßen in Position zu halten.

Auch hier: 0 Belastung auf den Gelenken. Wie beim Aquajogging kann jeder die Intensität selbst bestimmen. Wenn man die Hantel nur halb ins Wasser drückt und langsam bewegt, ist es ziemlich harmlos. Die Hantel ganz unter Wasser drücken und möglichst schnelle und kraftvolle Bewegungen damit machen, das ist eine ganz andere Hausnummer.

Ich war nach dieser Kursstunde fix und alle. Und ich hab mir Schaumstoff-Hanteln bestellt.

Viele Bäder bieten solche Kurse an. Als Anregung ist das auf jeden Fall mal eine gute Idee. In Aldingen kostet er sogar keinen Cent. Ziemlich cool. Ich bin einfach kein Kurs-Mensch, und möchte lieber in Ruhe und für mich trainieren, aber die Ideen aus dem Kurs nehme ich natürlich mit.

Meine Bilanz zu Aquajogging und Aquafit(ness) ist wie folgt:

Effizienz: ★★★★★

Coolness: ★

Durchführbarkeit: ★★★

Spaß: ★★★

Suchtfaktor: ★

 

 

 

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16 Kommentare zu “Alternativtraining für verletzte Läufer – Teil 1 Aquajogging und Aquafit(ness)

  1. Liebe Christiane,
    gut, dass Du Alternativen suchst, auch wenn Dir dabei die Coolness fehlt, Hauptsache Du kommst wieder auf die Beine 🙂
    Schwimmbad hat für mich zwei Nachteile, die Du beide genannt hast: nicht in der Natur und meist bescheuerte Öffnungszeiten, ein drittes Problem ist hier auch, das fußläufig kein Schwimmbad erreichbar ist, da müßte ich schon fast eine Stunde hin- und eine Stunde zurücklaufen und das ist mir zufiel zeitlicher Aufwand 😉

    Salut und ich drück die Daumen

    • Tja, das mit dem „fußläufig“ darf ich ja gerade nicht, daher ist Auto oder Fahrrad das Mittel der Wahl, wobei derzeit eher Auto, weil es doch Zeit spart, und ich nach einer richtigen Runde Aquajogging zu platt bin fürs Rad. 😉
      Danke fürs Daumendrücken!
      A plus!

  2. Liebe Christiane,
    Wassersport scheidet im Winter bei mir aus. Das nächste Schwimmbad ist einfach zu weit weg. Also bin ich mal gespannt auf Deine nächsten Berichte.
    Liebe Grüße und weiter gute Besserung
    Bianca

    • Ja, die Verfügbarkeit von Schwimmbädern ist echt so ein Problem. Mein nächster Bericht wird vermutlich übers Radfahren sein. Oder die Indoor-Cardiogeräte. Kann mich noch nicht so recht entscheiden.
      Viele Grüße, Christiane

  3. Liebe Christiane,

    das mit dem Suchtfaktor find ich gut – ein Sternchen, ja, das bekäme es von mir auch.

    Ich hab auch diverse Sachen getestet. Aqua-Cycling.. – geht auch ber *gähn*.

    Du wirst das schon machen, nützt ja nix.

    Weiterhin gute Besserung.
    Anja

    • Aquacycling? Hmm… auf bockenden Schaumstoffrädern könnte ich mir das ganz lustig vorstellen. Aber so funktioniert es wohl nicht, oder? Dir ebenfalls weiter gute Besserung!
      Liebe Grüße, Christiane

  4. Endlich erklärt mir mal jemand wie dieses Aquajogging funktioniert. Ehrlich und kein Spaß, ich hab davon so viel gehört und hier und da mal gelesen, aber das es so funktioniert… ähm … wusste ich nicht.

    Ich war heute erst schwimmen (während Sohnemann beim Schwimmkurs war) … hätte ich zwischen den ganzen Tümmlern versucht Aqua zu joggen… ich glaube ich wäre am liebsten untergegangen. Ich bin ja sonst sehr schmerzbefreit was Meinungen anderer angehen, aber ich glaube ich würde das nur zu Nebenzeiten machen 🙂

    Das „schlimme“ ist nur … ich bin näher am Aquajogging als mir lieb ist, aber immerhin bin ich Dank Dir jetzt ja vorgewarnt 😀

    • Gern geschehen! 😉
      Um Aquajogging zu Hauptzeiten zu machen, muss man schon SEHR selbstbewusst sein. Weil aber viele Bäder mittlerweile entsprechende Kurse anbieten, ist es doch bekannter als man denkt. Viel Erfolg für Sohnemann, auf dass er den Papa beim Kraulen versägen lerne… 😀

  5. Pingback: Alternativtraining für verletzte Läufer – Teil 2: Das Fahrrad | laufkater

  6. Wie ist des mit den Steinen? Tun es Kieselsteine oder sollte ich eher größere mit ins den Fachladen zum kaufen mitbringen? 🙂 30 finde ich nach jedem Spaziergang mit meinem Sohn in der Jackentasche 😉

    Weiterhin gute Besserung dir

    • Also in den Läden mögen sie besonders gerne hübsche glitzernde Steine. Du kannst allerdings auch einen großen Stein nehmen, und damit nachts die Scheibe einschmeißen. Ob sich das jedoch für einen Aquajogging-Gürtel lohnt…
      Danke für die guten Wünsche!

  7. Pingback: Alternativtraining für verletzte Läufer – Teil 3: Die Cardio-Geräte | laufkater

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