Alternativtraining für verletzte Läufer – Teil 3: Die Cardio-Geräte


 

Nachdem wir Aquajogging, Aquafit(ness) und das Fahrrad in all seinen möglichen Erscheinungsformen unter die Lupe genommen haben, möchte ich mich in diesem Beitrag mit den „klassischen“ Cardiogeräten beschäftigen, die man in jedem Fitness-Studio und in fast ebenso vielen Gästezimmern und Kellern dieser Welt finden kann – letztere meist von einer dicken Staubschicht verborgen. 

Zu den Cardio-Geräten gehört natürlich auch das Laufband, was aber eher raus ist, wenn man nicht laufen darf. Allerdings gibt es auch Laufverletzungen, bei denen das Laufband durchaus genutzt werden kann, beispielsweise, wenn man vorzugsweise bergauf laufen sollte zwecks Entlastung der Stoßdämpfer. Dann kann so eine voreingestellte Laufbandsteigung natürlich von Vorteil sein. Überall, wo ich in der freien Natur aufwärts laufe, muss ich schließlich auch wieder runter. Nicht so beim Laufband.

Was wir ebenfalls recht schnell abhaken können, ist das Fahrrad-Ergometer, landläufig auch als „Hometrainer“ bekannt. Trainingsmäßig bietet es dieselben Vor- und Nachteile wie sein freilebender Verwandter.

Einen entscheidenden Vorteil hat es: Die Trainingsbelastung lässt sich – anders als in freier Wildbahn – exakt steuern, und das Verletzungsrisiko durch Stürze ist so gut wie ausgeschlossen. Es gibt zwar garantiert jemanden auf diesem Planeten, der sich schon mal mit einem Ergometer hingelegt hat, aber statistisch kann man den wohl vernachlässigen.

Ach ja, auch vom Indoor-Fahrrad gibt es natürlich zig Varianten, und „Racing- oder Spinningbikes“ sind natürlich wesentlich cooler als „Hometrainer“.

Die eierlegende Wollmilchsau unter den Cardiogeräten ist wohl der Crosstrainer. Leider kann ich offenbar Crosstrainer nicht. Aber dazu später. Der Crosstrainer ist insofern Bombe, als er die Laufbewegung ziemlich gut imitiert, ohne jedoch eine Stoßbelastung zu erzeugen. Außerdem trainiert er die Arme gleich mit. Yeah!

Die Belastung auf dem Crosstrainer entspricht ziemlich der beim Laufen, d.h. man muss nicht wie beim Fahrrad wesentlich mehr Zeit einplanen. Man kann Intervalle machen, oder langsame Dauerläufe, ganz wie es beliebt.Crosstrainer

Ich kann Crosstrainer nicht. Vermutlich liegt es daran, dass die Geräte, die in „meinem“ Studio stehen, zu breit sind. Soll heißen, meine Füße stehen unnatürlich weit auseinander, was auf Dauer zu Aua führt. Bei einem weiteren Gerät wäre das zwar besser, der Ausgangswiderstand auf niedrigster Belastungsstufe ist jedoch so hoch, dass ich ihn mit meinem Gewicht nur mit äußerster Mühe in Bewegung setzen kann, und ich statt lockerem Training sofort im tiefroten Bereich lande. Der einzige Crosstrainer, der halbwegs passt, ist der im Milon-Zirkel, und der kann nur 4 Minuten… Tja.

Und dann gibt es da noch das Ruder-Gerät. Zugegeben, es ist etwas dämlich, ein paar Zentimeter über dem Fußboden Ruderbewegungen zu machen, und sich vorzustellen, es wäre die Themse, aber es ist ein sehr effektives Trainingsgerät.

Rudermaschinen

Wenn man es richtig macht, d.h. den Oberkörper stabil hält, trainiert es nicht nur Beine, Herz-Kreislauf-System und Arme, sondern auch noch Bauch und Rücken. Doppel-Yeah!

Gerade beim Rudern empfiehlt es sich, sich Feedback zu holen, um sicher zu stellen, dass man auch wirklich gerade bleibt. Die vielen krummen Gestalten, die man teilweise darauf sitzen sieht, lassen früher oder später bei Orthopäden die Kasse klingeln, da die Wirbelsäule das verübelt.

Bei all diesen Geräten gilt es jedoch zu beachten, dass die Belastung und die Bewegungsabläufe eben nicht 1:1 dem Laufen entsprechen. Man kann also nicht von jetzt auf gleich eine Laufeinheit mit der gleichen Zeitdauer auf ein Rudergerät oder auch den Crosstrainer übertragen. Wie auch bei neuen Laufschuhen gilt hier: langsam eingewöhnen.

Um dieses Problem ein bisschen zu umgehen, kann man als Fitness-Studio-Mitglied eine Einheit auch auf mehrere Geräte verteilen.

Ich habe z.B. meine letzte Intervall-Einheit mit je 8 Minuten auf 8 min Crosstrainer, 8 min Ergometer, 8 min Rudergerät und nochmal 8 min Ergometer verteilt. Hat den Vorteil, dass man nicht einseitig überlastet, und dass es nicht ganz so langweilig ist.

Ohne externe Unterhaltung durch Fernseher oder Musik lassen sich Cardio-Geräte allerdings auch dann nur schwer aushalten.

Psychologisch finde ich am schwierigsten, dass man nicht von der Stelle kommt und sich daher auch keinem Ziel sichtbar nähert. Man trainiert nur gegen die Uhr. Ein spektakulärer Schlusssprint zum Abschluss einer harten Einheit bringt gar nix, weil man dadurch die Uhr nicht beschleunigen kann.

Die Ausrüstung, die man neben dem Gerät braucht, ist zu vernachlässigen. Kurze Laufsachen tun es in jedem Fall. Was man übrigens unbedingt dabei haben sollte, ist ein Handtuch, denn durch den fehlenden Fahrtwind kann man schon ordentlich ins Schwitzen kommen. Eine Trinkflasche, die man in den vorgesehen Halter stecken kann, ist auch von Vorteil.

Studio oder kaufen? Das ist hier die Frage.

Da ich bereits Mitglied im Fitness-Studio bin, spare ich mir die Kohle lieber. Wobei es zugegeben schon seinen Reiz hätte, daheim und mit den Lieblingsfilmen trainieren zu können. Mittlerweile gibt es die stationären Geräte fast alle mit super-duper-Dolby-Surround-Entertainment-System und mehr Schnittstellen als Computer.

Dabei können auch verschiedene Programme einen Lauf oder eine Radfahrt in der freien Natur simulieren, wobei man sich teilweise auch noch online mit Mitläufern / Mitfahrern messen kann. Das ist schon cool, hat aber auch seinen Preis.

Eine solche Investition lohnt sich nur, wenn man langfristig vorhat, mit dem Gerät zu trainieren. Das Billig-Modell vom Discounter tut es natürlich auch, ist aber die Frage, wie lange es Spaß macht, und wann es dann doch vor sich hinstaubt oder bei stärkerer Belastung irgendwas abfällt.

Einen Mittelweg kann man beim Rudern gehen, da man z.B. den Waterrower der gleichnamigen Firma (nein, ich bekomme kein Geld von denen) mieten kann. Wer da Näheres zu wissen möchte, kann einfach mal bei meinem derzeit auch verletzten Blogger-Kollegen Daniel reinlesen, der hat sich so ein Wunderteil gemietet. Wenn man dann später feststellt, dass man nicht mehr ohne leben kann, kann man es auch nachträglich kaufen. Das klingt fair.

Bei kurzzeitiger Laufunfähigkeit kann man in machen Studios auch einen Kurzzeitvertrag abschließen oder eine 10er Karte erwerben. Auch das wäre eine Überlegung wert, bevor man viel Geld für etwas ausgibt, was nachher als sehr teurer Garderobenständer endet.

Auch zu berücksichtigen ist der Sozial-Faktor, der im Studio natürlich höher ist. Manchmal höher, als einem lieb ist, wenn der am Nebengerät Trainierende unter akutem Deo-Versagen leidet.

Mein Fazit zu den Indoor-Geräten

Effizienz: ★★★★★

Coolness: steigt proportional zum Preis des Gerätes, daher nicht einfach festzulegen

Durchführbarkeit: ★★★★

Spaß: ★★

Suchtfaktor: ★  (dabei muss man den Suchtfaktor, der eventuell durch Serien-Schauen entsteht, rausrechnen)

 

 

 

 

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17 Kommentare zu “Alternativtraining für verletzte Läufer – Teil 3: Die Cardio-Geräte

  1. Im Studio trainieren ist mal absolut nicht meines. Habe das ein Jahr gemacht und vermisse es überhaupt nicht. Egal bei welchem Wetter!
    Die einzige Ausnahme ist das Rudergerät. Wenn ich irgendwo bin (Hotel, Urlaub, etc.) und dort steht so n Gerät dann wird es benutzt bis sich die Schrauben lösen 😉

  2. Meine Frau, die auf Grund eines Knieschadens leider keinen Laufsport ausüben kann, schwört seit etwa drei Monaten auf den «Bowflex Max Trainer M5» – eine Mischung zwischen Crosstrainer und Stepper. Und, das kann ich mittlerweile bestätigen, sehr anstrengend (und effizient).

    Nicht als Werbespot zu verstehen, sondern vielmehr als Hinweis, dass es doch nebst den herkömmlichen und etablierten Cardiogeräten doch immer wieder Entwicklungen Nischen besetzen und/oder Lücken schliessen wollen.

  3. Och, also den Zeitfaktor für rudern würde ich schon beinahe 1:1 sehen – wenn man richtig Druck macht erkennt man das auch an den verbrannten kcal – Ich habe bei 1h Power-Rudern (zugegeben, das ist jetzt nichts für jemand der keine Sporterfahrung hat) 800kcal verbrannt, also durchaus zügiges Laufniveau.

    Zudem trainiert man mit der korrekten Technik die Beine (also die Muskeln fürs Bergauf laufen … oder Radfahren) und den Core gleich mit.
    Nachteile sind natürlich Blasen an den Händen … dafür schwitzt man nicht so stark wie auf Laufband oder Ergotrainer, weil man sich ja doch vor und zurück bewegt und etwas „Fahrtwind“ hat.

    • Von der Belastung her kann man auf jeden Fall 1:1 rechnen, aber ich meinte, dass man sich nicht vollkommen unerfahren auf ein Rudergerät hocken sollte und gleich mal 2 Stunden LOngrun ersetzen. 😉

  4. Ich hab so ein ErgometerDings durch die Reha meines Mannes im Schlafzimmer stehen. Ich hab es gehasst… und keine 10 Minuten ausgehalten. Allerdings – warum auch immer – kann ich mich gerade für das Ding begeistern. Es geht nur mit dem richtigen Fernsehprogramm aber dann schaff ich mittlerweile 70 Minuten (s. mein aktueller Blogeintrag). Von 0 auf 100 quasi… schon 5 Einheiten in diesem Jahr auf dem Ergometer absolviert. Stolz ich bin.

    Also.. wir ackern und weiter, nicht wahr?

  5. Puh, so viel Trainingsmöglichkeiten…und dennoch bleibt man immer auf einem Fleck und ist in einem Raum eingesperrt 🙂
    Mein Ergometer ist schon lange verkauft und der Crosstrainer wird nur von Frau und Kinder benutzt, aber den Water-Rower also das Ruderergometer benutz ich immer noch, denn mein Rücken dankt es mir.
    Ich wünsch Dir weiter viel Beharrlichkeit und Geduld

    Salut

  6. Waterrower hab ich auch – tut gut und macht Laune, v.a. wenn man ihn vor den Fernseher stellt! Ich nutze ihm momentan auch wieder intensiver: https://weinbergschnecke.wordpress.com/2015/11/29/auf-die-galeere/

    Anstelle eines Radergometers kann man sich eine Trainingsrolle für’s (Renn-)Rad kaufen – ist deutlich billiger und kann den Sommer über oder nach der Verletzungspause platzsparend verstaut werden, wenn man ihn für den nächsten Winter oder für künftige „Notfälle“ behalten will. Geht aber natürlich nur, wenn man auch ein Zweitrad hat oder die paar Minuten Aufwand für’s Auf- und Abbauen nicht scheut, falls man doch mal draußen radeln will.

    • So eine Rolle wäre schon eine Überlegung wert. Braucht man da nicht spezielle Reifen für?
      Der Waterrower ist zur Miete bestellt. Bin schon sehr gespannt, wenn auch leicht skeptisch nach Deinem Text. Aber mal sehen, jeder reagiert schließlich anders.

      • Beim MTB sollte man auf jeden Fall einen speziellen Reifen aufziehen, denn bei Stollenreifen ist der Verschleiß zu hoch. Für mein „Fitnessbike“ mit Straßenbereifung hab ich nichts Spezielles gekauft. Ich muss die Reifen mal unter die Lupe nehmen, um sie auf einen etwaigen Verschleiß zu prüfen – grob auffällig ist jedenfalls nichts.

        Viel Spaß mit dem Waterrower, probier’s einfach aus!

  7. Hey! Super Bericht, vielen Dank! Ich habe momentan ein kleines Wehwechen und möchte es nicht überstrapazieren, möchte aber eben auch nicht aus dem Training kommen :/…deine Tipps sind echt gut und ich habe direkt schon mal nach Aquasport gegeuckt und was gutes gefunden :)…ich denke ich werde das in Angriff nehmen, wenn ich aus meinem schenna hotel zurück bin! ^^…LG und weiter so, Lena

  8. Hi…
    Ich habe durch deinen Blogeintrag einige Anregungen erhalten, zumal ich gerade auch am Überlegen bin, welches Gerät ich mir für Zuhause anschaffen soll. Ich habe etwas überstürzt mit dem Laufen begonnen und nun tun mir des Öfteren die Schienbeinkanten weh…super Sache. Ich wollte noch zwei Dinge anmerken: Die Tatsache, dass du Crosstrainer „nicht kannst“ könnte daran liegen, dass die nicht wirklich ergonomisch wertvoll designed sind, weswegen die meisten Studios und Läden auf den Nachfolger, sogenannte Ellipsentrainer umstellen, deren Bewegungsablauf deutlich natürlicher ist. Echte Crosstrainer würden laut Verkäufer nur noch diejenigen kaufen, die keine Ahnung hätten oder an diesen Bewegungsablauf gewöhnt wären. Was mich derzeit extrem beschäftigt, sind die Unterschiede zwischen Heimtrainer, Ergometer und Indoor Cycle, denn da gibts himmelweite Unterschiede. Aber da ich eben auch nicht so oft laufen kann, weil entweder meine Schienbeine oder mein gesamtes Ich echte „Luschen“ sind, muss ich mir ne Alternative suchen. Rudergeräte funktionieren für mich allerdings gar nicht, die find ich wahnsinnig langweilig 🙂

    • Freut mich, wenn ich Dir ein bisschen helfen konnte. 🙂 Schienbeinkanten kenne ich zum Glück nicht, aber die können wohl auch echt fies sein. Gute Besserung! Ja, unsere Cross- und Ellipsentrainer sind teilweise etwas betagt. Bei den Fahrrädern ist das Ganze mittlerweile ja auch echt unübersichtlich geworden. Wäre ein Rollentrainer nicht eine Alternative, auf den Du Dein normales Fahrrad setzen kannst? Kommt billiger.

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