Ich fühl mich so beta – Die erste Runde mit der Epson SF-810


Als Epson über Facebook 100 Tester für sein Spitzen-Ührchen suchte, dachte ich mir: „Klar, probier ich mal!“ Als ich dann tatsächlich ausgewählt wurde, dachte ich: „Yeah!“ als ich dann versuchte, meine Teilnahme am Programm zu bestätigen, dachte ich: „Oh, Sch…!“ denn der angegebene Link in der Mail funktionierte nicht. Und das scheint auch nach den Erfahrungen, die ich in der ersten Woche machen durfte, bisher ein bisschen programmatisch zu sein. Uhr hui, Software pfui.

Alle Funktionen der Uhr habe ich noch lange nicht getestet. Aber auf einen Lauf durfte sie schon mit. Für einen ersten Eindruck reicht es also allemal.

verpackt

So kam sie also an. Hübsch verpackt, in einem riesigen Paket, welches der „Kurzanleitung“ im DIN A4-Format geschuldet war. Selbige ist ziemlich chaotisch und von zweifelhafter Druckqualität. Da hätte ich nun gerade von Epson etwas mehr erwartet. Aber nun, Bedienungsanleitungen lese ich sowieso nur, wenn ich gar nicht weiter komme. Also ist mir das erst mal egal.

Beim Auspacken fällt mir positiv auf, dass das Ührchen sehr leicht ist. Wohl deshalb kommt sie mit einem etwa ziegelsteingroßen Ladegerät daher, welches über USB entweder an den Computer oder aber an einen Steckdosenadapter (nicht inbegriffen) angeschlossen werden kann. Da lädt sie dann nun erst mal. Der Akku ist nicht vorgeladen.

Sie lädt allerdings recht flott, und ich kann bald fröhlich auf den 4 um das Display angeordneten Knöpfchen herumdrücken, um sie zum Leben zu erwecken. Leicht bizarr finde ich dabei, dass sie zwar die Uhrzeit über GPS einstellt, das Datum jedoch von Hand eingegeben werden muss.

Ein nettes Feature entdecke ich mehr zufällig. Drückt man die HR-Taste, dann kann man die Herzfrequenzmessung einläuten, ohne dass GPS gesucht oder ein Training gestartet wird. Könnte mal ganz spannend sein, wenn man mal so beim Job wissen will, ob einen der Kunde / Chef / Kollege jetzt gerade wirklich auf 180 gebracht hat.

Die Herzfrequenzmessung findet am Handgelenk statt. Dazu muss die Uhr gut sitzen. Das Armband, welches beim Erstkontakt noch etwas fimschig wirkte, trägt sich erstaunlich angenehm. Für eine GPS-Uhr ist es sehr schmal. Wie haltbar es ist, wird sich zeigen.

Mit Herzfrequenzmessung und GPS soll der Akku übrigens 20 Stunden halten. Mal sehen, ob ich die durchlaufe… 😉 Nun, zunächst mal nicht. Also, Epson links, Garmin rechts, los geht’s!

am Handgelenk

Mich wundert es, dass ich nicht vor einen Baum gelaufen bin, weil ich ständig links und rechts auf die Uhren gestarrt habe. Zunächst hängt der Puls auf der Epson-Uhr etwas hinterher, gleicht sich aber nach ca. 500 m den Informationen, die der Brustgurt zum 920XT schickt weitgehend an. 1-2 Schläge Differenz nach unten oder oben sind das Maximum. Ähnlich verhält es sich mit der Pace, wobei die Epson Uhr standardmäßig nicht die aktuelle, sondern die Durchschnittspace anzeigt. Das finde ich eigentlich auch recht sinnvoll, da die aktuelle Pace über GPS doch z.T. ziemlich schwanken kann.

Vergleicht man die beiden Auswertungen miteinander, so sieht man, dass sehr ähnliche Werte herausgekommen sind.

Hinsichtlich der Messgenauigkeit gibt es also nix zu beanstanden.

Man kann sich auch die hübschen bunten Grafiken anschauen, die man so gewohnt ist…Screenshot Runsense Grafiken .jpg

Datenfans kommen also voll auf ihre Kosten. Außer bei der Höhe, die wird über GPS ermittelt und nicht barometrisch, so dass ich beim Stehen im Garten kurzzeitig auf das Dach unseres Hauses hoch- und wieder runter teleportiert wurde – wenn man der Anzeige auf der Uhr glauben mag.

Die Auswertung ist also oberflächlich mal ganz in Ordnung. Gleichzeitig ist sie jedoch auch (noch?) der größte Schwachpunkt. Zunächst mal erschließt sich mir nicht ganz, weshalb die dafür nötige Plattform, die sich „Runsense View“ nennt, zwar auf der Hauptproduktseite der Uhr kräftig beworben wird, sich aber dafür kein einziger Link dorthin findet. Nein, man muss als User erstmal googlen, runterscrollen, und findet dann endlich die richtige Seite, welche sich hinter der Domain go-wellness.epson.com versteckt. Intuitiv geht anders…

Hat man das erstmal geschafft, kann man dort (oder auch alternativ über die mobile App) ein Benutzerkonto erstellen – oder auch nicht… IMG_0716

Fehler beim Passwort kennt und erwartet man ja geradezu. Aber dass mir die App meinen Geburtstag nicht glaubt, ist neu. Auf dem Screenshot habe ich übrigens schon ein falsches Datum angegeben, weil ich dachte, vielleicht hängt’s ja speziell an meinem – nicht dass ihr mir alle die nächsten Wochen gratuliert. 😉

Der Fehler hält sich hartnäckig über mehrere Tage. Entsprechende Tweets an Epson werden nicht beantwortet. Heute geht es aber. Ok. Immerhin gelöst. Trotzdem muss man sich natürlich fragen, weshalb man eine riesige Marketing-Kampagne startet, ohne vorher sicherzustellen, dass solche Basics einwandfrei funktionieren.

Heute konnte ich also endlich das Ührchen über Bluetooth dem iPhone vorstellen und (fast) problemlos die Daten den Weiten des Webs anvertrauen.

 

Auch hier zeigen sich noch deutliche Kinderkrankheiten. Erstmal ist es laaaaaaaaangsaaaaaam… Der Lade-Kreis taucht einfach viel zu oft auf. Auch kommen Fehlermeldungen, die bei einem erneuten Versuch dann aber verschwinden. Die Kartendarstellung wird trotz mehrerer Versuche und heimischem W-LAN nicht angezeigt. Auch finde ich die Unterscheidung der Aktivitäten in „Rennen“, „Laufen“ und „Radfahren“ sehr lustig. Im Handbuch ist hier von „Laufen“, „Gehen“ und „Radfahren“ die Rede.

Hat man die Daten dann aber endlich, kann man sie z.B. als GPX-Track exportieren oder auch – wer hätte es gedacht – ausdrucken. 😉

Aber der Weg dahin ist bisher lang und steinig. Da lobe ich mir meinen 920XT, welcher sich beim Öffnen der Haustür sofort ins heimische W-LAN hängt, und ungefragt alles hochlädt, was bei 10 nicht auf den Bäumen ist.

Sobald ich wieder fit bin, werde ich natürlich die Trainingsfunktion genauer unter die Lupe nehmen, und einige Funktionen mehr im Detail betrachten.

Bisher ist aber wirklich das Fazit: Hardware top – Software flop.

 

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21 Kommentare zu “Ich fühl mich so beta – Die erste Runde mit der Epson SF-810

  1. Interessant…da bin ich ja fast froh nicht als Tester ausgewählt worden zu sein. ;o) Freue mich schon auf deine weiteren Beiträge…

    • Da ich gerade krank bin, und nichts Besseres zu tun habe, als mich mit zweifelhaft programmierter Software rumzuschlagen, ist das noch erträglich, aber direkt nach dem Lauf hab ich mich schon sehr geärgert, dass ich wegen dem blöden Geburtstags-Fehler nicht an meine Daten kommen konnte. Ich werde weiter berichten. Bin gespannt auf die Trainingsfunktion…

    • Das wollte ich auch gerade schreiben, klingt echt absolut nach Beta Stadium, vorallem da sich die Fehlerbeschreibungen doch irgendwie alle ähneln. Schade eigentlich, aber auch nix was man nicht mit einem Update beheben könnte. Bugs sind ja auch bei den Großen nichts ungewöhnliches.
      Bin gespannt wie es weiter geht!

      • Ja, solange die Hardware gut ist, kann man alles mit Updates lösen. Aber das Ding ist ja auch nicht völlig neu auf dem Markt. Hätte ich dafür Geld ausgegeben, wäre ich jetzt ziemlich sauer.

  2. Das geht ja eigentlich gar nicht! Obwohl Garmin macht das ja seit Jahren so 😉 Das normalerweise zahlende Publikum entwickelt die Software durch Nörgelei zu Ende und wenn es gar nicht klappt, stellt man die Entwicklung ein oder es folgt ein Nachfolger….

    Salut

    • Es ist wohl überall so, dass der Kunde zum kostenlosen Beta-Tester geworden ist, weil sich Updates durch das Internet auch so unkompliziert und schnell verbreiten lassen. Früher musste so ein Produkt schon echt ausgereift sein, ehe es in den Handel kam, um Scherereien zu vermeiden. Mittlerweile schmeißt man es viel schneller in die Läden, um die Nase vor der Konkurrenz zu haben. Teilweise finde ich das recht kurzsichtig gedacht. Denn vermutlich hätte ich dieses Produkt – hätte ich dafür bezahlt – schon längst zurückgegeben. Garmin ist auch nicht überall Gold, aber in der Regel funktionieren zumindest die Basics zuverlässig.

  3. Vielen Dank für den kurzweiligen Begriff. Ich selbst habe mich ja vor Weihnachten für die Forerunner entschieden, getestet hätte ich die Epson aber auch.

    Problematisch mit der Pulsmessung am Handgelenk ist es doch im Winter oder? Bei mir kommt die Uhr bei -6 Grad über drei Schichten. Du müsstest entweder das Handgelenk freilegen oder könntest während des Laufs nicht auf die Uhr sehen oder?

    • Gern geschehen! 🙂
      Das mit dem Winter ist in der Tat ein Problem. Deshalb würde ich mir auch nur eine Uhr selbst kaufen, die weiterhin zumindest die Option auf Brustgurt hat. Muss noch rauskriegen, ob das bei der Epson der Fall ist. Jemand hat auch mal Sichtfenster für Laufjacken vorgeschlagen… 😀

  4. Irgendwie scheint die Kluft zwischen Hard und Software im Sportbereich ja symptomatisch zu sein. Garmin bekommt es nach 10 Jahren jetzt so einigermaßen in den Griff, Tacx Rollentrainer haben ne prima Hardware und komplett unbenutzbare Software.
    Ich hätte ja eher gedacht das es schwierig ist eine gute Hardware zu entwickeln.

    • Hätte ich auch gedacht. Zumal es im Software-Bereich ja auch schon eine Menge entsprechender Programme gibt, von denen man sich inspirieren lassen könnte. Klar dürfen die Firmen da nichts direkt „klauen“, aber man sollte doch meinen, dass gewisse Erfahrungswerte vorhanden sind.

  5. Ich habe ja das Gefühl, dass neue Geräte nie vollständig getestet werden sondern einfach irgendwelchen Testern zur Verfügung gestellt werden, die dass dann machen sollen 😀
    Irgendwie hat das ja fast jedes neue Gadget, dass Soft- oder Hardware nicht funktionieren wie gewünscht

    • Das ist ja schon ok, wenn man das als Tester dann auch wenigstens gratis bekommt. Aber die Uhr ist schon im Handel zu haben. Das heißt, dass zahlende Kundschaft dieselben Probleme hat. Und da finde ich das schon etwas grenzwertig.

    • Das ist im Moment auch wirklich das Haupt-Manko. Nach dem, was ich auch von anderen Testern gehört habe, geht es vielen ähnlich. Mal sehen, die Woche darf sie sicher mal mit zum Aquajogging.

  6. Moin moin,
    hat sich deine Meinung in den letzten drei Wochen noch geändert? Ich empfand GPS und HR als ziemlich genau; HR etwa auf Brustgurt-Niveau.

    Nur App und Logik der Tastenbelegung war für mich beta-artig.

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