Projekt Neoprenanzug – wie so ein Testschwimmen abläuft


Ich bin ja totaler Anfänger, was Triathlon angeht. Ich weiß aber, was man neben einem Fahrrad unbedingt braucht: Einen Neoprenanzug, kurz „Neo“ genannt. Nun gut, eigentlich braucht man ihn nicht… wenn man halbwegs kältefest und ein guter Schwimmer ist, kann man eine Jedermann-Distanz locker ohne Neo schaffen.

Da leider weder Punkt 1 noch Punkt 2 auf mich zutreffen, brauche ich so ein Teil. Leider gibt es hier in der Gegend kein Sportgeschäft, in das man einfach so reinmarschieren kann, und sich einen hübschen Anzug von der Stange aussuchen. 

Wie also an das begehrte Teil kommen? Online? Hm… die Größenangaben sind da teilweise mehr als verwirrend. Und überhaupt, die Preisspanne reicht von 50€ bei Decathlon bis hin zu 900€ in anderen Shops (und natürlich von anderen Marken). Auf Twitter fiel dann erstmals der Begriff „Testschwimmen“. Eine kurze Nachfrage bei Google ergab dann, dass triathlon.de ein Testschwimmen in Freiburg anbot. Und auch noch terminlich so, dass ich tatsächlich teilnehmen konnte. Um es hier gleich zu sagen: Nein, das ist kein gesponserter Beitrag, und ich schreibe auch nicht im Auftrag von triathlon.de.

Also hab ich 20 Euronen Anmeldegebühr berappt und mich mit noch ein paar Angaben zu meiner Person online angemeldet. Mit Hilfe der Angaben zu Gewicht, Größe und Triathlon(nicht)erfahrung, können die Jungs und Mädels, die sich damit auskennen, nämlich gleich ein paar Modelle vorauswählen.

Das mit der Anmeldegebühr hat mich zunächst ein bisschen gewundert, aber klar, natürlich möchte ein Händler auch nicht, dass Leute einen Haufen Anzüge testen, und sie dann irgendwo online ein bisschen billiger bestellen. Beim Kauf eines Neos wird die Gebühr verrechnet. Außerdem gab es noch eine Schwimmbrille und eine Badekappe geschenkt. Da man von beidem nie genug haben kann, fand ich das nett.

Ein bisschen blöd fand ich jedoch, dass ich für das Bad noch Eintritt zahlen musste. Gut, 4 € sind jetzt nicht die Welt, aber schließlich war ich ja nicht zum Spaßschwimmen hier, sondern zum Testen.

Das Westbad in Freiburg entpuppte sich als ein Riesen-Ding mit 50m-Bahn. Als Provinz-Mensch hab ich so was vorher noch nie gesehen. Hier trainieren auch die Leistungssportler.

Westbad

So einen Neo anzuziehen, kann man durchaus als eigene Trainingseinheit rechnen. So lange ich noch trocken war, ging es ganz gut, wenn ich auch mir gleich von einen Crewmitglied helfen ließ. Sicher ist sicher.

So gut wie niemand schlüpfte locker ohne Assistenz in so ein Ding. Tüten über Händen und Füßen erleichtern den Einstieg zwar etwas, aber es ist doch ein ziemliches Gezerre. Gleichzeitig darf man aber eigentlich nicht zerren, weil das Material so empfindlich ist.

Der erste Neo, den ich anprobieren durfte, war das Einsteigermodell von Aquaman. Anziehen in meinem noch trockenen Zustand ging ganz gut, wenn auch mein freundlicher Assistent meinte, die Ärmel seien etwas weit.

Ok, dann mal ab ins Wasser. Wenn man vorher noch nie mit Neo geschwommen ist, ist das echt ein Erlebnis. Super, wie schön man plötzlich im Wasser liegt. Und es ist so gar nicht kalt. Was der Verkäufer mit „weiten Ärmeln“ meinte, wurde mir jedoch bald klar, da ich bei jedem Eintauchen meine Unterarme flutete. Das bremst nicht nur, sondern kann bei kaltem Wasser auf Dauer echt fies sein.

Trotz der „weiten“ Ärmel kam ich aus dem Aquaman dann fast nicht mehr raus. Ein klares „Nein“.

Weiter ging es mit 2XU. Hier waren die Ärmel definitiv nicht zu weit. Nein, definitiv nicht. Ich glaube, eine Presswurst hat in ihrer Pelle mehr Platz als ich in diesem Neo. Der Verkäufer meinte jedoch, er würde perfekt sitzen. Schön! Wenn ich doch nur atmen könnte!

Im Wasser dann trug er sich erstaunlich angenehm. Sehr angenehm. Er war auch flexibel genug fürs Brustschwimmen. Das ist mir echt wichtig, denn so ausdauernd kraule ich noch nicht. Auch das Ausziehen an Land ging wesentlich besser als beim Aquaman. Aber diese Enge…

Als letztes Modell dann der Sailfish Vibrant. Preislich in der gleichen Kategorie wie der 2XU. Und ja, der wurde es dann. 🙂

Erfolgreiche Jagd

Gut, ein bisschen mag es auch am Pink liegen. Ich steh einfach auf Pink! 😉 Aber er war auch einfach der beste Kompromiss. An Land kann ich atmen, und im Wasser werde ich auch nicht so geflutet wie im Aquaman. Ein bisschen lief am Rücken rein, aber nach einem beherzten Zurechtrücken durch den Verkäufer wurde das besser.

Vom Sitz im Wasser her hätte ich mich wohl eher für den 2XU entschieden, aber ich hatte derartige Atembeklemmungen, dass ich in einer Wettkampfsituation wohl Panik kriegen würde. Da nützt dann auch alles andere nichts.

Sofort mitnehmen konnte ich das gute Stück natürlich nicht, denn die vorhandenen Anzüge sind nur für die Testtour, und das ist auch gut so, denn teilweise sind sie schon durch das viele An- und Ausziehen ganz schön mitgenommen. Das Chlorwasser finden sie auf Dauer auch nicht so toll. Meinen Neo erhielt ich 3 Tage später per Post. Nun muss ich nur noch warten, bis irgendwo ein Badesee warm genug wird. 😀

So ein Testschwimmen ist ganz schön anstrengend. Denn in der Wärme des Schwimmbads das nasse Selbst in so ein enges Teil rein- und rauswürgen geht trotz Hilfe ganz ordentlich an die Substanz. Hinzu kommt noch das Schwimmen selbst, was vielleicht für einen geübteren Schwimmer nicht so das Problem ist, mich aber doch noch ziemlich schlaucht. Abgesehen davon ist die Temperatur im Hallenbad ja eigentlich nicht fürs Schwimmen im Neo ausgelegt, so dass man sich leicht gekocht fühlt. Naja, noch nicht nach 1-2 Bahnen, aber auf Dauer dann doch.

Ich war ganz froh, dass ich mich vorher etwas schlau gemacht und auch ein Budget festgelegt hatte. So kam ich dann auch gar nicht in Versuchung, eines der Spitzenmodelle zu testen. Nach 3 Einsteiger-Modellen fehlte mir auch schlichtweg die Energie dazu.

Ich würde es jedem empfehlen, der in die Welt der Neos einsteigen möchte, an so einem Testschwimmen teilzunehmen. Realistischer geht es vom Eindruck her einfach nicht.

Übrigens: Die Unterscheidung von Einsteigern und Fortgeschrittene wurde hier anhand der 100m Zeit vorgenommen. Einsteiger brauchen hier länger als 2 Minuten. Würde ich meinen bisherigen 25m Kraulrekord nehmen, müsste ich einen wesentlich teureren Anzug kaufen. Wie gut, dass ich dieses Tempo nur eine Bahn durchhalte. 😉

 

 

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8 Kommentare zu “Projekt Neoprenanzug – wie so ein Testschwimmen abläuft

  1. Ich meine irgendwo (eventuell im Fachbuch: «Mein Neo und ich – oder: Ups, bin ich schon drin?») mal gelesen zu haben, dass so ein Neoprenanzug sich erst dann perfekt anschmiegt, wenn man ihn auch tagsüber zu den gewohnten Tätigkeiten trägt.

  2. Ohje, ich fürchte, das steht mir auch irgendwann noch bevor… Danke für den Bericht, ich habe mich auch schon gefragt, wie das abläuft. Ich bin ja bisher nur bei Triathlons im Freibad gestartet, dieses Jahr gehts zum ersten Mal ins Freiwasser. Dachte bisher, bei den kurzen Distanzen lohnt sich das An- und Ausziehen nicht, aber so ganz sicher bin ich da nicht!

    • Mein erster Triathlon ist gleich Freiwasser. Da wollte ich vor allem fürs Training einen Neo. Und doch: Das An- und Ausziehen lohnt sich für einen eher schlechten Schwimmer wie mich auf jeden Fall. Spart doch ordentlich Kraft, so ein Neo.

  3. Ja, dass habe ich auch gehört. Bitte posten Sie dann die Fotos!

    Meine Kinder sind (an einem völlig verregneten Samstagnachmittag) auch in Taucherflossen in ein Cafe am Bodensee marschiert.

  4. Hallo Chriba,

    vergiss nicht dass es auch Kriterien wie die Wassertemperatur gibt, die darüber entscheiden ob das Tragen eines Neoprenanzug erlaubt ist.
    Ansonsten weiterhin viel Spaß im Training.

    Viele Grüße

    Andy

    • Hi, Andy,
      jepp, ich weiß. Ich hoffe, der See in Freiburg ist kühl genug…
      Spaß habe ich, vor allem jetzt, wo das Wetter besser ist, und ich auch das Rennrad rauslassen kann.
      Grüße nach Ulm!

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