Fahrrad-Schrauberkurs


Eigentlich will ich in Fahrrad, das funktioniert, und nicht stundenlang dran rumbasteln. Eigentlich wollte ich überhaupt kein Rennrad. Eigentlich wollte ich auch nie Triathlon machen und eigentlich stehe ich nicht auf reine Frauen-Veranstaltungen.

Es ergibt sich daher zwingend logisch, dass ich letztes Wochenende beim Mädels-Fahrrad-Schrauberkurs von tritime-women war. Und das war großartig. 🙂 

Ich bin eigentlich total zufällig sowohl auf die tritime-Seite als auch auf die Ankündigung des Workshops gestoßen. So nach dem Motto: „Oh, nächstes Wochenende! Oh, auch noch in Stuttgart!“ Gefühlt finden solche Veranstaltungen immer für mich unerreichbar in Köln oder Berlin oder München statt. Aber das traf sich ja mal mehr als gut.

Die 129 € Anmeldegebühr ließen mich erst mal zusammenzucken, waren aber im Nachhinein völlig gerechtfertigt. Der Workshop fand im Schulungsraum der Paul Lange GmbH statt, was eine unglaublich großzügige top ausgestattete Lehrwerkstatt war. Jede hatte also ihre eigene Werkbank und ihren eigenen Montageständer, sowie eigenes Werkzeug. Oh yeah!

Irene, unsere Fahrradmechanikerin und damit Kursleiterin demonstrierte uns alle Handgriffe zunächst an einem Übungsrad, bevor wir dann selbst loslegen durften.

Irene

Zunächst die Basics: Räder ausbauen und Reifen, bzw. Schlauch wechseln. Damit es nicht langweilig wird, natürlich gleich am Hinterrad.

Das hatte ich zuhause immerhin schon zweimal geübt, indem ich den Trainingsreifen für den Rollentrainer einmal auf- und später wieder abgezogen hatte. Dass ich für meinen ersten Versuch fast eine Stunde gebraucht hatte, und mir hinterher noch zwei Tage die Daumen wehtaten, lasse ich wohl besser unerwähnt. Der zweite Versuch daheim dauerte nur noch eine Viertelstunde. Ob da noch eine Steigerung möglich war?

Ich also Coolness-Modus an und losgelegt. Ich hatte sogar unwissentlich und rein zufällig das Reifen-Logo auf Ventilhöhe angebracht, wie es sich auch gehört. Das weiß ich aber erst seit dem Kurs… Zack, Reifen runter, zack Reifen drauf! Oh yeah!… Oh je… natürlich hatte ich den Reifen entgegen der Laufrichtung aufgezogen. Soviel zum Coolness-Modus. Also ganz leise Reifen wieder runter, umdrehen, Reifen drauf…

Nachdem das geschafft war, ging es gleich ans Eingemachte. Hinterrad wieder ausbauen – weil’s so schön ist – und das Ritzelpaket zwecks Reinigung zerlegen.

Was bei Irene so einfach aussah: Kettenpeitsche einhängen, Werkzeug ansetzen, und hebeln, entlockte mir – und vielen anderen auch – lediglich ein „Hnnnnnnnng!“ Die blöde Schraube ließ sich nicht lösen. Zu zweit gelang es schließlich und ich durfte mein Ritzelpaket in seiner Gesamtheit begutachten. Ritzelpaket

Eine anschließende Reinigung bot sich dann irgendwie auch gleich an. Der Zusammenbau ist übrigens gar nicht so schwer, da an der Nabe der Hinterachse Einkerbungen sind, die nur in eine Richtung passen. Und dass man die Zahnkränze der Größe nach sortiert, sollte jeder noch irgendwie hinkriegen.

Dann ging es ans Einstellen der Bremse. Mit verschiedenen Schräubchen kann man hier die Stellung der Hebel, und die Kraft, die jeder einzelne Hebel aufbringt, feinjustieren. Meine Bremse (105er Gruppe) ist da allerdings eher einfach gestrickt. Ich hab nur ein Schräubchen, und den Rest muss man irgendwie von Hand hindrücken. Naja, egal. Hauptsache, sie bremst.Bremsen

Eigentlich wäre um die Mittagszeit noch ein kleiner Lauf geplant gewesen. Ich hatte ohnehin wegen meiner Ferse noch gezögert, ob ich mitlaufen sollte. Insofern war ich fast erleichtert, als wir uns spontan darauf einigten, zugunsten von mehr Bastel-Zeit den Lauf zu streichen.

Jetzt wurde es nämlich richtig tricky. Jetzt war die Schaltung dran. Den oberen und den unteren Anschlag einstellen mittels H- und L-Schraube, hatte ich daheim schon mit Unterstützung der Twitter-Welt ausprobiert, als auf der Trainingsrolle Schleifgeräusche zu hören waren. Das war so weit also noch kein Problem.

Spannend im wahrsten Sinne des Wortes wurde es nun, die Schaltung an sich zu justieren. Hier ist es vor allem wichtig, die Schritte in der richtigen Reihenfolge durchzuführen. Sonst erlebt man lustige Dinge. Ich kämpfte eine Weile mit solchen lustigen Dingen. Z.B. weigerte sich meine Schaltung standhaft, auf das größte Ritzel zu schalten, bis ich feststellte, dass ich im Gegenzug nun zwei Gänge auf dem kleinsten hatte. Und es gibt oh so viele Schrauben, an denen man da drehen kann. Irene und die Crew von Paul Lange standen jedoch stets mit Rat und Tat zur Seite.

So einmalig war mein Problem nämlich gar nicht, so dass ich durch Abschauen bei einer anderen Mitstreiterin schließlich dahinter kam, welches Schräubchen zuständig war, und welche beiden Schritte ich vertauscht hatte. Danach flutschte die Schaltung wieder. 🙂

Als etwas störrischer erwies sich der Umwerfer an den Kettenblättern. Hier musste Irene mit Zange ran.

Zu Mittag gab es Maultaschen und Salat im Showroom, wo man einen Haufen Fahrradtechnik, Klamotten und Werkzeug anschmachten konnte.

Dann wurde es bewegt. Profi-Triathletin Svenja hatte uns einen Fahrsicherheits-Parcours aufgebaut. Wir machten so nette Dinge wie einen Ball während der Fahrt übergeben, sich abklatschen, auf kleinstem Raum durcheinanderfahren, Slalom, Vollbremsungen usw. Das funktionierte alles trotz mancher Unsicherheiten ganz gut, und ich hatte jede Menge Spaß. Lediglich mein Vorderrad will nicht vom Boden hoch. Das muss ich üben.

Dann ging es wieder ans Schrauben. Hier war etwas Überwindung gefragt, denn es ging ums Kette auf- und zunieten.

Am Übungsfahrrad war das ja ganz nett anzusehen. Aber sollte ich wirklich an meinem eigenen Fahrrad die Kette aufmachen? Die war doch gar nicht kaputt… Aber nun, besser hier üben, als es passiert mal irgendwo im Gelände und ich hab keine Ahnung. Also griff ich schweren Herzens zum Kettennieter und profitierte auch gleich von der Gelegenheit, die Kette einmal schön zu polieren. Es ist übrigens sinnvoll, gerade am Hinterrad ein Foto davon zu machen, wo die Kette durch welche Rolle läuft, ehe man sie herauszieht. Denn wenn sie einmal draußen ist, wird das sonst sehr spannend.

Kettenverlauf

Das Zunieten erfordert dann etwas Fingerspitzengefühl. Schließlich sollen sich die Kettenglieder anschließend noch bewegen können.

Kette3

Ganz zum Schluss wurden wir dann noch in die Geheimnisse der Lenkerband-Wicklung eingeweiht. Eine Teilnehmerin kann sich jetzt über einen professionell schick gewickelten Lenker freuen.

Der Tag ging irgendwie viel zu schnell rum. Obwohl ich kaum mal – außer zum Essen – gesessen bin, war ich am Abend immer noch nicht müde, sondern total aufgekratzt.

Es hat mir viel Sicherheit gegeben, zum einen natürlich, um im Falle einer Panne nicht ganz blöd dazustehen, zum anderen habe ich das Gefühl, dass das Rad jetzt noch mehr „meins“ ist. Ich bin am anderen Tag mit viel mehr Selbstvertrauen draufgestiegen.

Hätte es einen Unterschied gemacht, wenn Männer da gewesen wären? Ich habe – ehrlich gesagt – keine Ahnung. So wie es war, war es gut, und hat echt Lust auf mehr gemacht. Die Atmosphäre war super, die Organisation sehr gut, die Verpflegung 1a. Es war von vorne bis hinten ein sehr gelungener Tag, den ich nicht missen möchte. Ich kann es jede(r)(m) nur empfehlen. 🙂

Mehr Bilder und den offiziellen Bericht auf der tritime-women-Seite findet Ihr übrigens hier.

Transparenz: Ich habe für den Beitrag keine Vergütung und keinen Preisnachlass erhalten. Ich schreibe nicht im Auftrag von tritime oder einer der anderen auf den Bildern erkennbaren Firmen. Alle abgebildeten Personen wurden um ihr Einverständnis gefragt.

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6 Kommentare zu “Fahrrad-Schrauberkurs

  1. Na, das ist ja mal ne coole Aktion. Toll. Liest sich gut und klingt nach etwas, was mir auch Spaß machen würde. Vielleicht soll ich aber erstmal mit einem Handwerkerkurs für zu Hause einsteigen.

    • Die Sachen für daheim hab ich mir selbst, bzw. über Heimwerker.de beigebracht. 🙂 Bleibt nicht aus, wenn man ein Haus renoviert.
      Aber so ein Kurs, egal wofür ist echt klasse, weil man mal komplett neuen Input kriegt.

  2. Hallo Chriba,

    dann kann ich Dir ja mein Winterrennrad (nach dem nächsten Wintereinbruch – *grml*) zur Generalüberholung vorbei bringen 😉
    Ich hab‘ mich noch nicht getraut mal die Schaltung usw. komplett zu zerlegen und wieder zusammen zu bauen.
    Aber als ich bei der letzten Ausfahrt den Schlauch wechseln musste habe ich festgestellt dass die ganze Schaltung durch den Einsatz bei Mistwetter ziemlich verdreckt sind – also wird demnächst wohl ein Wechsel diverser Komponenten anstehen – wenn das Wettkampfrad einsatzfähig ist *sfg*

    Viele Grüße

    Andy

    • Du weißt, dass ich als Musiker grundsätzlich käuflich bin… Gegen eine angemessene Entlohnung also… 😜
      Aber ernsthaft: es ist wirklich nicht schwer. Man braucht nur das richtige Werkzeug. Gibt auch auf youtube ganz gute Anleitungen.

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