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Schwimmen, Radfahren, Laufen – eine Zwischenbilanz


Um es gleich vorweg zu sagen: Obwohl mir Schwimmen und Radfahren echt Spaß machen, das Laufen ist und bleibt meine liebste Disziplin.

Und das, obwohl ich darin noch nicht mal besonders gut bin…

Warum?

Nun, beginnen wir mit dem Schwimmen. Das ist im Triathlon ja auch am Anfang dran.

Ich mag Wasser. Ich mag auch das Gefühl, im Wasser schwerelos zu sein. Ich liebe auch das Blau der Schwimmbadkacheln. Ich mag meinen Badeanzug, ich mag auch einige der Badegäste. Alles cool. Ich dachte immer, ich sei eine gute Schwimmerin. Zumindest konnte ich immer ohne großes Training 1000m Brust recht locker wegschwimmen.

Kraulen jedoch… ist ein ganz anderes Thema. Ich bin immer noch nach 25m platt, und mein Puls ist dort, wo er am Ende eines 10 km Wettkampfs ist. Aber ich hab mich da jetzt irgendwie festgebissen. Um mich rum sind lauter Gurken, die das auch hinkriegen. Irgendwann also… Klar kann ich im Notfall auch im Wettkampf einfach Brust schwimmen. Aber Kraulen ist einfach so viel cooler! Ich bleibe dran. Ich packe das irgendwann, aber im Moment ist es einfach viel Arbeit und wenig Flow. Wenn ich mich zu sehr anstrenge oder aus dem Rhythmus komme, schlucke ich Wasser, hänge röchelnd am Beckenrand. Beim Laufen kann ich einfach Tempo rausnehmen oder atme halt schneller. Das geht eher weniger, wenn der Kopf im Wasser ist.

Das Naturerlebnis ist beim Schwimmen auch eher eingeschränkt. Im Hallenbad sowieso, im Freibad eigentlich auch. Sightseeing ist das weniger. Im Freiwasser kann das Naturerlebnis dann intensiver sein, als man so gemeinhin verkraftet. Raaaah! Algen! Raaah! Fische! Raaaah! Unidentifizierte Schwimmobjekte! Ich bin am Bodensee aufgewachsen. Ich weiß, wovon ich spreche.

Radfahren… ach ja… ich hätte nicht gedacht, das mir das so viel Spaß macht. Zunächst das Mountainbike, mit dem ich fast alle meiner geliebte Lauftrails besuchen kann, die ich zur Zeit laufenderweise eben nicht erreichen könnte. Waldfeeling und Naturerlebnis satt! Ich liebe es!

Und auch das Rennrad hat es mir irgendwie angetan, wenn ich auch noch mit den Klickpedalen und kurzen Momenten der Panik kämpfe. Vor allem Abfahrten sind bei mir eine Mischung von Huiiiiiiii! und Hiiiiiilfeeeeeee!

Am liebsten mag ich es, wenn ich auf ebener Strecke nur durch meine eigene Kraft schön Speed draufkriege. Wow! Leider sind in unserer hügeligen Gegend solche Strecken rar. Blöd ist auch der Straßenverkehr. Wobei ich mittlerweile festgestellt habe, dass es ungefährlicher ist, auf der Straße als auf „Radwegen“ zu fahren, die diesen Namen nicht verdienen.

Was jedoch super am Radfahren ist, ist der viel größere Bewegungsradius, den man so hat.

Ich kann beim Radfahren abschalten, aber ganz anders als beim Laufen. Das Radfahren fordert meine volle Konzentration und zwingt mich, im Hier und Jetzt zu sein, da alles andere unschöne und schmerzhafte Konsequenzen haben könnte. Damit bin ich weg vom Alltag, aber es ist nicht dasselbe wie beim Laufen, wo ich im Kopf auch mal ganz woanders sein kann. Auch Hörbücher sind für mich auf dem Fahrrad undenkbar. Ich könnte sowieso gar nicht zuhören, und es wäre mir echt zu gefährlich.

Was auch ein erheblicher Nachteil des Radfahrens ist: Es ist materiallastig.

Ok, ja, auch zum Laufen braucht es eine gewisse Ausrüstung, aber die habe ich mir halt über die Jahre hinweg so zugelegt, und für den Anfang tun es ein paar Basics. Radfahren jedoch…

Zunächst braucht man ein Fahrrad, na gut, 2 Fahrräder, ach, was soll’s n+1 ist die Devise. Aber damit ist es ja nicht getan. Ohne richtige Klamotten macht das Fahrrad nämlich echt keinen Spaß. Und die lassen sich die Hersteller ordentlich was kosten. Fahrrad-Sachen sind deutlich teurer als Laufsachen. Oder würdet Ihr für eine Lauf-Kurztight 80€ löhnen? Das ist für Radshorts aber noch eher günstig. Billige Radklamotten machen übrigens keinen Spaß. Mit meiner 30€-Hose bleibe ich ständig am Sattel hängen. Das nervt.

Helm,  Brille, Handschuhe, Radschuhe, Luftpumpe(n), Werkzeug, Pflegemittel, Flaschenhalter…

Und gefühlt ständig geht was kaputt. Meine nagelneue Luftpumpe hat sich mit einem leisen „Sproing“ in ihre Bestandteile zerlegt, und auf einer meiner letzten Touren ist beim Renner der Schaltzug gerissen. Dass der Händler des Vertrauens 50km weit weg ist, macht es nicht gerade leichter. Der lokale Händler des Vertrauens hat leider keine Rennräder im Sortiment. Und reden wir bitte NICHT über französische Ventile, diese Geißel der Menschheit.

Dauernd möchten außerdem Teile nachjustiert, geölt, entölt oder geputzt werden, und ich brauche immer gefühlt 300 Jahre, bis ich für eine Tour alles beisammen habe. Wenn es dann aber alles rund läuft, bzw. rollt, macht es wirklich Laune. Außer es ist kalt oder nass. Mountainbike geht dann noch am ehesten.

Wie entspannt ist da doch das Laufen. 🙂

Beim Laufen bin ich noch nie hingefallen. Einmal fast, am Ende meines ersten 30km Laufs, als ich die Füße nicht mehr vom Boden hochgekriegt habe, aber nie wirklich.

Ich habe kein mechanisches Ding, das beherrscht werden muss, um sich bergab nicht selbständig zu machen. Ich kann vor mich hinträumen, Hörbücher hören, oder auch im Hier und Jetzt sein, wenn ich Tempoeinheiten mache. Ich kann auf Wegen, Straßen, oder querfeldein laufen, und muss dazu nicht mal unbedingt die Schuhe wechseln. Na gut, natürlich tue ich das doch, und die ideale Zahl von Laufschuhen ist n+22, aber das tut jetzt mal nichts zur Sache. 😉

Beim Laufen geht auch nichts kaputt. Außer im dümmsten Fall der Läufer selbst. Aber so was wie einen Platten oder gerissene Schnürsenkel am Schuh findet man wohl eher selten.

Ich kann atmen, wie ich will. Ich brauche keine Öffnungszeiten zu beachten und keinen Eintritt zahlen. Ich laufe bei jedem Wetter. Selbst Glatteis geht mit „Schneeketten“. Ich laufe auch dann, wenn Radfahren längst keinen Spaß mehr machen würde.

Laufen ist spontan.

Laufen ist einfach.

Laufen ist frei.

Laufen ist wie heimkommen.

Runhappy eben.

 

 

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12 Kommentare zu “Schwimmen, Radfahren, Laufen – eine Zwischenbilanz

  1. Hallo Chriba,

    das mit dem Kraulen dauert einfach – allerdings gibt es auch scheinbar hoffnungslose Fälle ;-( (mich).
    Ich liebe das Radfahren auch genau aus diesem erweiterten Bewegungsumfeld und den entsprechenden Erlebnissen. Schneckenhofen, Huggenlaubaubach,Stoffenried…. alles Ortschaften von denen ich vorher nie gehört hatte. Und auch das Erkunden neuer Routen macht mir Spaß – auch wenn ich es immer wieder schaffe irgendwo im Nirgendwo zu landen. 😉
    So wie gestern auch wieder…. Bericht kommt versprochen 🙂
    Wie weit ist denn Zuflucht von Dir entfernt? Da hatte ich eines meiner ersten Aha-Erlebnisse was Berge mit dem Rennrad betrifft….
    Und auch das mit dem Laufen wird sicher wieder werden – da braucht es eben Geduld.

    Viele Grüße

    Andy

    • Hi, Andy!
      Sorry, Dein Kommentar ist mir irgendwie durch…
      Wie kannst Du denn als hoffnungsloser Fall Langdistanzen machen? Lässt Du Dich zum Boden sinken und läufst 3,8 km? 😉
      Zuflucht? Nie gehört… Aber Deine Ortsnamen klingen auch sehr spannend. 🙂

      • Hallo Chriba,
        gerade bei der Langdistanz ist es ja nicht ganz so schlimm lamgsam zu schwimmen – da es ist bei den kurzen Sachen eben blöd wenn man auf 500m 3 – 4 Minuten verliert. Die hole ich dann nirgends mehr auf.

        Und ich dachte Du bist bereist x-mal die Strecke Zuflucht – Kniebis mit dem MTB gefahren 🙂

        Was macht die Vorbereitung sonst – ist ja auch nicht mehr solange bis Freiburg 😉

        Viele Grüße

        Andy

  2. Jaaaa! Ich wußte es!
    Es GIBT eine Formel für die richtige Anzahl an Rädern und Laufschuhen! 😀 Danke, jetzt habe ich den wissenschaftlichen Beweis.
    Ansonsten – du sprichst mir aus der Seele. Ich bin zwar im Gegensatz zu dir beim Schwimmen schon näher dran am Genuß, als beim (Renn)radfahren, aber laufen kann durch nichts getoppt werden.

    Schönes Wochenende! 🙂

    • Natürlich gibt es eine Formel. Steht hier schwarz auf weiß in einem dubiosen Blog im Internet. Muss also wahr sein. 😀
      Verrätst Du mir Dein Geheimnis, wie Du zum Schwimmgenuss gekommen bist? Ich liebe Schwimmen, aber irgendwie… Seufz…

      • Aber klar – dranbleiben!
        Nach 3 (in Worten: drei!) Anfängerkraulkursen, von dem der letzte von Oktober bis Mai durchgehend war, stellt sich bei mir nun schön langsam sowas wie Leichtigkeit ein. Noch lange nicht jedes Mal und bei gewissen Übungen bin ich dem Nahtoderlebnis näher, als dem Genuss – aber insgesamt gesehen und wenn ich alleine in meinem Tempo meine Bahnen ziehe, wird es immer besser! 😀
        Und beim Wings for Live Run habe ich eine nette 63jährige Triathletin kennen gelernt, die erst mit über 50 mit dem Kraulen begonnen, lange gekämpft hat und jetzt regelmässig bei Mitteldistanzen startet!

  3. Hihi – aus all den von dir aufgeführten Gründen, plus der Angst im Strassenverkehr beim Radfahren zu sterben, lass ich das mit dem Triathlon. Laufen (und Kajak und Studio) reicht mir zum meinem Glück.

    • Ja, der Straßenverkehr ist echt blöd. Das stimmt. Aber beim Kajak kann man auch untergehen… 😀
      Nein, hoffe ich natürlich nicht. Kajak ist cool!

  4. Genau so kann ich das unterschreiben. wozu soll ich etwas anderes machen wenn ich doch einfach meine Schuhe anziehen kann und im Wald verschwinden kann bis ich erschöpft aber glücklich wieder hervorkomme!

  5. Hallo Chriba,

    ich finde deinen Artikel sehr interessant. Dein Schreibstil hat seinen eigenen Charakter und verleibt deinen Erfahrungen Leben. Ich sehe vorallem den Punkt mit dem größeren Bewegungsradius beim Radfahren als sehr wichtig an. Vorallem für mich, da ich es liebe die Landschaft vorbei rauschen zu sehen und neue Gebiete zu entdecken. Ich fahre auch sehr oft, jedoch habe ich außer meinem Fahrrad keine große Ausrüstungen. Das ist wohl der Punkt wo die Meinungen etwas auseinander gehen.
    Trotzdem freut es mich, dass du (genau wie ich) deine Leidenschaft gefunden hast und wünsche dir noch viel Erfolg damit!

    Gruß

    Timmy

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