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Treib Sport oder bleib gesund?


Unter dem Hashtag #ShitEnduranceAthletesHear hatte Daniel letzte Woche auf Twitter zur Sammlung aller blöden Kommentare und sinnfreien Bemerkungen aufgerufen, die man sich als (Ausdauer-)Sportler so anhören darf. Ich will hier keinen eventuellen Blogpost von Daniel vorwegnehmen, sondern eher so eine Art Spin-Off schreiben. 🙂

Als ich nämlich überlegte, was ich da so an Senf dazu geben könnte, fielen mir – da aktuell mit einem Infekt „gesegnet“ – vor allem gesundheitsbezogene Dinge ein.
Und da hört man wirklich so einiges…

In den Zeiten bevor ich anfing, regelmäßig Sport zu machen, durfte ich mir häufig anhören, dass ich doch mal Sport machen solle, dann sei ich weniger krank, morgens besser wach, usw.

Nun, ich würde sagen, jetzt mache ich dieses „Sport“. 😉 Sammeln wir mal meine persönlichen Best-of:

  • Das ist doch nicht mehr gesund!
  • Schon wieder krank? Das kommt bestimmt vom Laufen/Radfahren/Schwimmen/Wettkampf…
  • Mach doch mal Pause! Du kannst doch auch mal eine Weile nichts machen.

Analysieren wir mal die Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt:

Ok, mein Fersensporn zeigt, dass ich in der Marathonvorbereitung wohl über das rechte Maß hinausgeschossen bin. Lektion gelernt. Wobei ich im Vergleich mit anderen mit ca. 40-50 Wochenkilometern nicht mal besonders hoch lag. Aber gut, wahrscheinlich wirklich zu wenig Pause gemacht.

„Schon wieder krank“ bezieht sich auf 2-4 Infekte pro Jahr. Glaubt man mal z.B. dieser Quelle, dann ist das völlig durchschnittlich und unbedenklich. Wenn man nun noch bedenkt, dass ich beruflich täglich mit mehreren hundert Menschen zusammenkomme, von denen mich kleinere oder größere Teilmengen anröcheln, so würde ich mal vermuten, dass der Sport als Ursache zu vernachlässigen ist.

Klar, den Open-Window-Effekt gibt es. Soll heißen, dass nach einem besonders intensiven Training oder einem harten Wettkampf das Immunsystem zunächst mal vorrangig damit beschäftigt ist, den geschundenen Körper wieder zusammenzuflicken, und Viren oder Bazillen in dem Fall leichter durchkommen.

Das Fenster wird aber ebenfalls durch alle anderen Arten von Stress sperrangelweit geöffnet. Und als arbeitendes Wesen hat man nun mal gelegentlich Stress. Sport wiederum hilft mir beim Stressabbau und macht somit das Fenster wieder ein Stück zu.

Mit einer momentanen Wochen-Trainingszeit von 5-7 Stunden bin ich nun auch wirklich nicht in dem Bereich, wo man durch Übertraining Schäden anrichten könnte.

Wenn man dann noch die letzte Aussage anschaut, dann frage ich mich… wäre ich gesünder / glücklicher / zufriedener, wenn ich nur tagelang auf dem Sofa gammle? Glaub ich jetzt mal nicht so…

Abgesehen davon ist unser Sofa kein ruhiger Ort.

Biene tötet Sofa

Klar muss auch mal ein Gammel-Tag erlaubt sein, aber warum sollen es gleich eine oder mehrere Gammel-Wochen sein? Was haben meine Mitmenschen von ihrem wohlmeinenden Rat? Vor allem, wozu soll ich rumgammeln, wenn ich Profis habe, die das für mich erledigen? 😉

Dient es vielleicht eher dazu, das eigene Gewissen zu beruhigen, dass der eigene (Couch-) Lebensstil ja ach so viel gesünder ist?

Jetzt, wo es mir dank Antibiotika recht schnell wieder besser ging, bin ich eine Woche fast die Wände hoch und runter, weil mir der Sport auch rein körperlich so gefehlt hat. Von meinen Nerven ganz zu schweigen.

Mann! Was habe ich den ersten vorsichtigen Lauf letzte Woche genossen! Und die 30 lockeren Radkilometer am Tag danach! Am Sonntag endlich wieder durchs Wasser pflügen und das Becken leer trinken. Chlorwasser bringt bestimmt auch Bazillen um, oder?

Heute habe ich einen fetten Allround-Muskelkater vom Krafttraining und bin um 5:30 bei strömendem Regen eine Tempo-Pyramide gelaufen. Ich habe mich lange nicht so lebendig gefühlt.

Und das soll krank machen? Nie im Leben!

Wolkenhimmel

Müsst Ihr Euch auch so was anhören?

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22 Kommentare zu “Treib Sport oder bleib gesund?

  1. Liebe Christine,
    nö – gar nicht.
    Vermutlich deshalb, weil die Leute, die ungefähr wissen, wieviel Sport ich treibe, selbst viel mehr trainieren. Die „anderen“ wissen, dass ich gelegentlich laufe und auch mal einen Schwimmkurs (oder war das was mit Radfahren???) mache, aber nicht mehr. 😉

  2. Wie oft muss ich mir, auch von meiner Familie, anhören wie verrückt und bescheuert es doch sei so viel, so lang oder so viele Höhenmeter, oder alles zusammen zu laufen. Ich habe aufgegeben dazu was zu sagen und ziehe es einfach durch 🙂

  3. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Ich finde, 1 Std Sport pro Tag kann keinesfalls krank machen. Schon eher, wenn man diese Stunde weg lässt, würde ich sagen 😉

    Liebe Grüße und bleib jetzt gesund! 🙂

  4. Es ist doch fast überall so. Ist man bspw. sportlicher als der Durchschnitt wird man mit allen möglichen sinnbefreiten Sprüchen überhäuft und der Unsportliche bekommt ein reines Gewissen, wenn er über die „ständige“ Krankheit des Sportlers lamentiert. Ich habe aber glücklicherweise auch schon viele Gegenteile erlebt. 🙂

    • Oh ja…
      Es ist wahrscheinlich auch ein Stück weit subjektive Wahrnehmung. Wenn man eh krank und etwas dünnhäutiger ist, und sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder auf die Piste zu gehen, dann kommen solche blöden Kommentare viel direkter an, als sie es sonst vielleicht täten.

  5. Tausendmal gehört, tausendmal überhört, tausendmal erklärt, tausendmal demonstriert, dass Sport einfach nur gut tut, mein Predigen: für Körper, Geist und Seele, ich muss mich schon lange nicht mehr rechtfertigen, weil ich das lebendige Beispiel dafür bin, dass Bewegung nur gut tun kann, jugendlich, frisch und gesund erhält – YES !!

    Und weiter geht es, ich predige schon lange nicht mehr, ich lebe es vor. Dazu ein guter Buchtipp – wie ich meine: https://www.amazon.de/Bewegung-Kraft-Krankheiten-besiegt-verl%C3%A4ngert/dp/3100044142

    In diesem Sinne ……ich geh dann mal laufen…………… 😎

  6. Was soll man den Sport-Hassern sagen – die wollen ihre (Vor-)Urteile doch gar nicht loswerden. Ich genieße die diversen Vorteile lieber still und heimlich. Wir alle kennen aber leider die Leute, die es wirklich übertreiben und wegen eines fragwürdigen Ehrgeizes ihre Gesundheit ruinieren. Leider werden wir mit denen gern in einen Topf geworfen.

    • Ja, die kennen wir wirklich alle. Aber nur weil mal einer beim Marathon oder Ironman auf der Strecke bleibt – was natürlich immer wirklich furchtbar ist – muss man ja nicht den ganzen Sport verteufeln.
      Wenn einen die Umwelt nur immer still und heimlich genießen lassen würde…

  7. Ich glaube es ist egal wie viel man läuft oder was auch immer macht..sobald es über die persönlichen Gewohnheiten der Mitmenschen geht oder sie es sich schlichtweg einfach nur nicht vorstellen können (für sich selbst!) kann das ja „nicht mehr gesund sein“. Das ist auch oft einfach nur daher gesagt, um überhaupt was zu sagen.
    Ich für meinen Teil habe mich mit solchen Aussagen immer zurückgehalten und eher stille Bewunderung geübt, denn es soll Zeiten gegeben haben (die noch nicht mal lange her sind), in denen ich mir nicht ansatzweise vorstellen konnte einen Halbmarathon zu laufen, geschweige denn einen Marathon. Und einen einen Ultramarathon? Schon so gar nicht. Alles relativiert sich irgendwann und solange es für einen persönlich funktioniert, ist es gesund. Es gibt auch immer Leute, die sich egal in welchem Sport, kaputt machen. Sowas bleibt natürlich im Gedächtnis.

    Mein Umfeld reagiert derzeit ganz unterschiedlich:
    Stille Ignoranz,
    Bewunderung,
    Skeptisch,
    Du machst dir die Knie kaputt, wie Bekannte xy..
    Du läufst ja nur noch
    Mach mal weniger.
    Mach mal Pause.
    A bisserl verrückt bist du ja schon!
    Der Mensch ist nicht dafür gemacht 90km zu laufen!

    Lächeln und winken meine Freunde, alles andere wäre in diesem Fall wirklich ungesund 😉

    • Ach, ich glaube, dass Du ein bisschen verrückt bist, würde ich auch sagen 😉 😉 😉
      Aber jeder hat das Recht dazu, so verrückt zu sein, wie er oder sie möchte. In diesem Sinne lächle und winke ich Dir zu und lese gerne weiter deine wahnsinnigen Berichte.

  8. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich seit ich regelmäßig laufe viel seltener krank bin und auch weniger sonstige Wehwehchen habe. Natürlich bleibe ich deshalb nicht davon verschont. Für die umliegenden ist es halt einfacher, das dann darauf zu schieben. Aber ich sag mir: Ich hab lieber mal eine kleine Erkältung nach einem Longrun im Regen, als ständig irgend was mit mir rum zu schleppen oder nach jeder sportlichen Betätigung eine Woche lang rum zu jammern, dass mir irgendwas weh tut.

  9. Wie sagte Thomas Müller im aktuellen Stern (sinngemäß). Er würde schon jeden Tag ganz gut spüren, was in seinem Körper los ist.

    Das ist für mich das Maß der Dinge, sowohl in die eine als auch die andere Richtung.

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