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Das Trikätzchen wächst heran – Jedermanndistanz beim Breisgau-Triathlon


Malterdingen – ein kleiner Weinort im Kaiserstuhl. Kreis Emmendingen. Hier steppt nicht gerade der Bär. Einmal im Jahr jedoch…steppt der Tri-Bär. Und zwar gewaltig.

Nach dem Motto „Erst melden, dann denken“ hatte ich mich bereits vor einigen Monaten während einer besonders langweiligen Dienstbesprechung spontan online angemeldet. Um dann anschließend einen Blick in die Ergebnislisten zu werfen: Kreisch! Das ist kein beschaulicher Einsteiger-Triathlon. Hier geht’s zur Sache.

Aus Gründen, die mir bis heute verborgen geblieben sind, landete diese Anmeldung wohl im elektronischen Nirvana. Ich tauchte in keiner Starterliste auf, und Geld wurde auch keines abgebucht. Einige Zeit war ich echt erleichtert. Aber der Gedanke ließ mich nicht wirklich los. Und dann stand ich eben bei Versuch zwei doch als sehr nervöses Selbst auf der Starterliste.

Der Breisgau-Triathlon ist als Hauptwettkampf eine Mitteldistanz. (2km Schwimmen/90 kmRad/21,1 Laufen). Das jedoch war mir eine Hausnummer zuviel. Ich startete auf der Jedermann-Distanz, die aber in Malterdingen auch kein Kuschelkurs ist. Mit 700m Schwimmen, 32km Rad und 7,5 km Laufen ist sie länger als die üblichen Sprintdistanzen. Ferner umfasst die Radstrecke über 300 HM.

Vor wesentlich größere Probleme stellte mich jedoch die logistische Herausforderung. Der Schwimmstart ist in Riegel, d.h. ein paar Kilometer von Malterdingen entfernt, wo dann mit dem Rad hingefahren wird. Anders als in Freiburg, wo ich alles handlich in einer schönen Wechselzone einrichten konnte, galt es hier 3 Wechselbeutel zu packen, und selbige nebst Fahrrad auch noch zum Schwimmstart zu bewegen. Dass der Parkplatz ca. 1/2 km vom See entfernt war, versteht sich von selbst…

Glücklicherweise hatte ich die Unterlagen und Beutel am Vortag geholt. Ich wäre sonst wohl wahnsinnig geworden.

Kofferaum-Chaos

Mit heftiger Lademaß-Überschreitung eierte ich also auf meinem armen zum Packesel degradierten Renner auf den See zu.

Die Tatsache, dass Schwimmen im Neo erlaubt war, stimmte mich zwar glücklich, hieß aber auch: Noch mehr schleppen. Aufgrund eines Denkfehlers meinerseits, sowie etwas lückenhafter Information durch den Veranstalter endete ich auch noch mit einer Tasche zu viel… Die netten Helfer erklärten sich jedoch bereit, selbige ebenfalls nach Malterdingen zu transportieren. Damit war das Problem zwar nicht gelöst, aber zunächst mal vertagt.

Also Fahrrad eingecheckt, dabei wurde nur kurz der Kinnriemen meines Helms bemängelt, was sich aber sofort lösen lies. Dann den Bike-Beutel an einen Haken gehängt, After-Run und Run-Beutel zum LKW… Toilettensuche.

Hier muss ich leider etwas meckern, denn für alle Starter standen gerade mal 4 Dixi-Klos zur Verfügung, sowie ein gesondertes Urinal für die Herren. Das Anstehen dauerte sehr lange. Problematisch wird es vor allem wenn der Schwimmstart für die Jedermänner und -Frauen erst um 9:50 ist, die Wechselzone, und damit der Zugang zu den Klos aber um 9:15 nicht mehr betreten werden darf, um den Mitteldistanzlern nicht im Weg rum zu stehen. Damit reduzierte sich die Zahl der Toiletten auf 1. Einige Männer regelten das Problem in der Botanik (Bäh!), während uns Frauen nichts anderes übrig blieb, als lange anzustehen. Da gäbe es noch deutlich Luft nach oben…

Wechselzone

Rein in die Gummi-Pelle und nach einem symbolischen Aufwärm-Programm dann auch rein in den See. Im Neo war das Wasser kuschlig warm und auch relativ klar. Ich reihte mich hinten ein. In Malterdingen gibt es einen gesonderten Frauen-Start. Das fand ich ganz cool.

Das Schwimmen verlief soweit auch sehr gut für mich. Anders als in Freiburg hatte ich viel Platz, und dank Neo konnte ich auch immer wieder ein paar Züge kraulen. Erst kurz vor dem Ausstieg bekam ich eins auf die Nase. Nein, nicht von einem Mitschwimmer, sondern durch ein unter Wasser nicht sichtbar gespanntes Hanfseil, in welches ich mit dem Gesicht voll reinschwamm. Das tat weh und sieht auch nicht gerade hübsch aus. Aber Rumheulen hilft ja nichts.

Raus aus dem Wasser, raus aus dem Neo, rein in die Radsachen. Hier brauchte ich etwas länger, weil das Wetter doch frisch war, und ich mir zur Sicherheit noch ein Trikot und Ärmlinge überzog. Das habe ich nicht bereut!

An den entsetzten Blicken einiger Zuschauer (Frau mit blutiger Nase!) vorbei sauste ich aus der Wechselzone. Jetzt galt es, auf dem Rad erst mal den Puls wieder runterzubringen. Schließlich wollte ich nicht wieder beim Laufen eingehen wie in Freiburg. Das gelang mir auch nach ein paar Kilometern. Komisch irgendwie, dass ich beim Radfahren bei Puls 160 und aufwärts immer noch gefühlt ruhig atmen kann.

Die ersten Kilometer der Radstrecke sind weitestgehend flach. Dann wird es interessant.

Es ging bergauf. Zunächst nur mäßig, dann aber knackig. Hier ereilte mich auch das erste Tief. Wenn die Oberschenkel brennen, der Atem leider alles andere als ruhig ist, und der Anstieg kein Ende nimmt, dann fragt man sich schon, was man da eigentlich so treibt und warum. Ich könnte doch auch auf Extrem-Häkeln umsteigen, oder Hardcore-Whirpooling… alles – ächz – besser – ächz – als – ächz – das – ächz – hier!

Ein Motivationsschub ereilte mich, als ich die ersten Mitstreiter einsammeln konnte. Leider sollte das nicht lange währen, denn in der folgenden Abfahrt ließen mich alle wieder stehen. Fazit: Ich bin stark am Berg und in der Ebene. Bergab kannste knicken, weil ich zu ängstlich bin.

Trotzdem hatte ich in der ersten Abfahrt echt Spaß, weil diese relativ gemäßigt war, die Straße schön breit und in gutem Zustand.

Überrascht war ich, wie laut die Triathlon-Räder sind, die mich mit dumpfem Wwwwwuuuuuhhhhh überholten. So ein TT-Bike ist schon sehr sexy, aber was würde es mir nützen, wenn ich zu ängstlich bin, um da entsprechend Tempo mit zu machen. Mein grün-schwarzer Flitzer und ich harmonieren mittlerweile schon recht gut miteinander. 🙂

Gefahren wurde insgesamt sehr fair und ich erlebte kein blödes Überholmanöver.

Beim zweiten Anstieg sammelte ich einige bekannte Gesichter (bzw. Hinterteile) wieder ein, nur um sie – ihr ahnt es – an der folgenden Abfahrt wieder zu verlieren. Die war aber auch echt heftig, auf schmalen, teils holprigen Wegen durch die Weinberge mit engen Kurven. Außerdem fing es an zu regnen, worunter sich einzelne Hagelkörner mischten. Die Finger wurden rutschig auf den Bremsen. Uaaaaah!

In den Kurven lagen Strohballen und Schilder mit „Achtung, gefährliche Kurve!“ Auch die Streckenposten riefen immer wieder entsprechende Warnungen. Das letzte Teilstück fuhr ich fast im Schritttempo runter. Dann ging es jedoch quasi flach weiter, und ich konnte wieder einsammeln.

Unmittelbar vor der Wechselzone, und ca. 10 m vor mir legte sich dann ein Kollege mitsamt TT-Bike spektakulär aufs Pflaster. Autsch! Ich konnte zum Glück bremsen, und Helfer sammelten Fahrer und Bike in Rekordschnelle von der Straße. Da der arme Kerl aufstehen konnte, hoffe ich, ihm ist nichts Ernstes passiert.

Ich wurde sofort weitergescheucht, bekam meinen Beutel in die Hand gedrückt und das Fahrrad abgenommen, sowie freundliche Unterstützung beim Schuhwechsel. Cool! Rein also in die Launch 3 und los!

Ich vergaß zwar, die Radhandschuhe auszuziehen, aber sei’s drum…

Die Laufstrecke ging so ein bisschen aus Malterdingen raus und wieder rein über asphaltierte Feldwege. Im Gegensatz zu Freiburg fühlte ich mich richtig gut und konnte meinen angepeilten 6:30er Schnitt problemlos halten. Ein bisschen Orientierungsprobleme hatte ich an einer Stelle, wo sich die Strecke kreuzte, aber dank freundlicher Helferin bog ich nicht falsch ab. Die Verpflegungsstelle hielt Wasser, Iso, Cola und Schwämme bereit. Als die Sonne rauskam, drückte ich mir einen Schwamm über den Kopf. Das war in dem Moment zwar gut, nur leider ging die Sonne gleich wieder, und jetzt hatte ich einen nassen Bauch. Gefroren habe ich nicht, aber so wirklich angenehm war es auch nicht. Einige Mitteldistanzler überholten und sahen erstaunlich frisch dabei aus. Respekt!

Nur noch ein kurzes Stück durch den Ort mit einem kleinen Anstieg, und dann abbiegen in den Zielkanal. Mein Zieleinlauf war leider ziemlich unspektakulär. Ich wurde noch nicht mal erwähnt, und ich habe keine Ahnung, ob ein Foto gemacht wurde. Stattdessen feierte man frenetisch die Zwischenzeiten der Mitteldistanz-Teilnehmer, die auf die nächste Runde gingen. Klar leisten die mehr, aber in dem Moment fühlte ich mich ein bisschen degradiert. Ich bekam das Finisher-Shirt in die Hand gedrückt und den Transponder abgenommen. Guter Service! Dann kann man ihn schon nicht vergessen.

Die Zielverpflegung war auch nicht von schlechten Eltern. Lecker Obst, Getränke, Brezeln, einige sah ich auch mit Muffins, wobei die wohl gerade aus waren als ich kam. Meinen After-Race-Beutel und die Sporttasche bekam ich sofort. Nur das Toiletten-Problem sollte sich durchziehen. Die Duschen, die eine gefühlte Weltreise weit weg waren, verfügten zwar theoretisch über WCs, praktisch waren diese jedoch abgeschlossen. Leute, das geht gar nicht! Damit reduzierte sich die Zahl der für die Sportler im unmittelbaren Anschluss an den Wettkampf direkt verfügbaren Toiletten auf 1 (!) Dixi im Zielverpflegungsbereich.

Weiter hinten im Rathaus hätte es zwar noch welche gegeben, aber da war fast kein Durchkommen hin.

Meine Nase ließ ich im Erste-Hilfe-Zelt von sehr freundlichen Ersthelfern verpflastern, um die Leute nicht länger zu erschrecken.

Dann wollte ich mir eine Massage gönnen, wurde jedoch abgewiesen. Nur die mit dem gelben Bändchen am Arm, sprich: Mitteldistanz, hatten Anrecht auf Massage. Dabei waren alle Liegen leer… 😦

Blaues Band

Also blieb nur noch: Fahrrad auschecken, restliche Wechselbeutel abholen und dann all das (3 Beutel + Tasche + nasser Neo) auf dem Rennrad noch etwa 5 km transportieren. Dass das nicht gerade spaßig war, kann sich wohl jeder vorstellen, und ich gehe daher nicht weiter ins Detail. Aber die Ankunft beim Auto war nochmals ein kleines Finish für mich.

Am Auto

Mittlerweile war es auch warm geworden, so dass meine Heimfahrt-Verpflegung unfreiwillig zu Apfel-Schoko-Mandel-Fondue geworden war. Lecker!

Mit meinem Ergebnis von 2:30:22 war ich sehr zufrieden. Rückblickend wäre beim Laufen sicher noch ein bisschen mehr drin gewesen, aber so kam ich runhappy und mit einem Lächeln ins Ziel. Das hatte bei dieser Ersttat oberste Priorität. Mit weiter konsequentem Radtraining (ich mach das ja erst ein halbes Jahr) geht da sicher auch noch mehr…

Ich würde sagen: Hallo, Tri-Virus!

Mein Fazit zu diesem Triathlon:

Was man total loben muss:

  • Großartige und super freundliche Helfer
  • schöne Atmosphäre auch unter den Sportlern
  • Unterstützung durch den gesamten Ort
  • Top Organisation mit dem Transport und der Ausgabe der Beutel
  • Reibungsloser Ablauf an allen kritischen Stellen
  • sehr gute Verpflegung
  • schöne, anspruchsvolle Radstrecke

Was nicht so der Hit war:

  • die Toiletten-Lage (!!!)
  • das im Wasser gespannte Seil
  • die Tatsache, dass es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Mitteldistanz und Jedermann gibt

Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen, und ich war sicherlich nicht zum letzten Mal dabei.

Wem würde ich diesen Wettkampf empfehlen?

Die Mitteldistanz ist sicherlich etwas für jeden ambitionierten Triathleten, der Lust auf eine knackige Radstrecke in schöner Umgebung hat.

Die Jedermann-Distanz heißt zwar so, weil sie startpassfrei ist, aber so wirklich einsteigerfreundlich ist sie nicht. Ich war froh, dass es nicht mein erster Triathlon war, sonst wäre ich teilweise überfordert gewesen. Auch wird sie – siehe Ergebnislisten – sehr ambitioniert angegangen, und die Radstrecke ist auch nicht das, was man mal so eben mit dem Stadtrad wegfährt. Solche Leute sieht man auch – im Gegensatz zu Freiburg – gar nicht. Wenn man aber schon so ein bisschen Erfahrung hat, oder ein sehr gut trainierter Einsteiger ist, dann macht es echt Laune.

Familienfreundlich ist das Ganze auch, denn es gibt Shuttle-Busse, und die Stimmung im Zielbereich hat Volksfest-Charakter.

Auch wenn ich es schon gesagt habe: DANKE AN ALLE HELFER!!!

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9 Kommentare zu “Das Trikätzchen wächst heran – Jedermanndistanz beim Breisgau-Triathlon

  1. Hey Laufkater ;0),
    das mit dem Bergabfahren geht mir ähnlich. Da muss ich auch noch an meiner Performance arbeiten. Aber immerhin passiert einem so nix wie dem Armen, der von der Straße gekratzt und ins Krankenhaus gebracht werden musste! Ich stand als Helfer an der Mitteldistanz und war einfach nur beeindruckt, was die Leute in Malterdingen/Riegel so geben! Respekt! ;o)

    • Cool, dann kann ich mich ja wenigstens bei einem Helfer persönlich bedanken 🙂
      Uh, von der Straße will ich nicht gekratzt werden. Da hast Du schon recht. Lieber ein paar Minuten langsamer, aber dafür an einem Stück ins Ziel kommen!

  2. Hallo Chriba,

    tolle Leistung in Malterdingen. Das wäre wettermäßig sicher wieder die bessere Wahl gewesen. Denn außer Bergen, Kuhglocken und super Stimmung gab es im Allgäu mal wieder „Wetter“
    Ja, die Radstrecke ist schon nicht schlecht, aber die Laufstrecke toppt dann bei der MD alles andere.

    Gratulation zum erneuten Finish !

    Viele Grüße und endgültig Willkommen in der durchaus etwas verrückten Triathlongemeinde 🙂

    • Vielen Dank! 🙂
      Wetter hatten wir ja durchaus auch… inklusive Hagel. Vielleicht klappt es ja das nächste Mal mit einem gemeinsamen Start.
      Bis ich mich allerdings auf die lange Strecke wage, wird wohl noch ein bisschen Zeit vergehen. 😉

    • Schließe ich daraus, dass Du beim Allgäu Triathlon warst? Ich auch – aber als Zuschauer an der Radstrecke (mit ’ner Kuhglocke zum Anfeuern;-)

      Ja das „Wetter“. Wenn Allgäu Triathlon ist, dann regnet es – das ist eine feststehende Wetterregel ….

      Trotzdem meine Hochachtung all denen, die den Anstieg von Niedersonthofen aus geschafft haben!

  3. Pingback: Lieblingsblogs Folge 30 - Coffee & Chainrings

  4. Genau. Das habe ich geblickt und wollte es gerade klarstellen, dass sich der Kommentar auf ihn bezog. Das System hat wohl nicht so zugeordnet, wie ich wollte …

    Weiter viel Erfolg – Euch beiden!

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