Der Hoka One One Clifton 3 – ganz schön geschmeidig!


Vor ungefähr einem Jahr hatte ich das Vergnügen, den Clifton 2 testen zu dürfen. Ich fand den Schuh damals nicht schlecht, aber so die rechte Begeisterung stellte sich nicht ein. Sein Nachfolger hingegen ist ein echter Kracher und gehört zur Zeit oben in mein Schuhregal. Er war auch nicht von ungefähr mein Wettkampfschuh für den Schwarzwald-Marathon.

Wie immer schaue ich mir mal zunächst den Katalogtext an, und sehe dann, was versprochen und gehalten wird:

Der Clifton 3 (UVP 130 €) ist die neueste Version dieses Serien-Testsiegers und Award-Gewinners. Er hat alle Eigenschaften behalten, die die Läufer weltweit so lieben. Hinzu kommen spürbare Verbesserungen in Bezug auf Passform und Laufgefühl.

So zeigt sich der Schaft des Clifton 3, wie sofort zu erkennen ist, komplett überarbeitet. Der neue ultra-leichte Speedframe-Schaft ist komplett nahtfrei für einen noch besseren Laufkomfort. Gleichzeitig hat Hoka One One die Passform im Vorfuß- Bereich optimiert. Der Clifton 3 ist damit für noch mehr Fußformen die perfekte Wahl.

Was ich auf jeden Fall sofort gemerkt habe, ist das veränderte Obermaterial. War das des 2er Modells doch sehr hart und drückte teilweise anfangs, so bemerkt man es jetzt überhaupt nicht mehr. Auffallend ist auf der Schaft-Innenseite so eine Art Schuppen-Futter (dafür gibt es bestimmt einen coolen Namen), welches dafür sorgt, dass der Schuh super am Socken sitzt und so keine Scheuerstellen entstehen. Mit dem Blick des Triathleten würde ich aber hinsichtlich seiner Barfuß-Tauglichkeit zumindest mal ein Fragezeichen setzen. Im Fersenbereich ist er recht weit. Durch besagtes Futter fällt das jedoch nicht ins Gewicht.

Die Mittelsohle des Clifton 3 bleibt unverändert, so dass auch die neue Generation dieses Klassikers weiterhin mit einem sanften und geschmeidigen Laufgefühl überzeugt. Die druckgeschäumte EVA-Konstruktion mit dem früh ansetzenden Meta- Rocker der aufgebogenen Sohle garantiert ein kraftsparendes und dynamisches Abrollen des Fußes vom Aufsetzen bis zum Zehenabdruck.

Es läuft sich gut in diesem Schuh und irgendwie auch stabiler als im Vorgänger, den ich teilweise etwas schwammig fand. Er kann dabei gleichermaßen gemütlich und schnell, wobei es jetzt nicht unbedingt der ultimative Intervalle-auf-der-Bahn-bolz-Schuh ist. Aber so ein Fahrtspiel macht echt Laune, denn die Dämpfung schluckt nicht nur, sie federt auch etwas zurück.

Mit „Meta-Rocker“ ist übrigens keine neue HeavyMetal-Variante gemeint, sondern die leicht gebogene Sohlenkonstruktion, die einen ökonomischeren Laufstil unterstützen soll.

Die Laufsohle mit ihrem Full Ground Contact Design wurde optimiert für den Einsatz auf harten Untergründen, wobei durch strategisch platzierte und verstärkte Gummi- Elemente die Haltbarkeit erhöht werden konnte. Der Clifton 3 ist so nicht nur langlebiger, sondern verfügt gleichzeitig über noch mehr Grip bei unterschiedlichsten Wetterbedingungen.

Die Sohle ist tatsächlich besser geworden. Auch wenn sich sich auf den ersten Blick kaum vom Vorgänger unterscheidet und ebenso leicht von Hand verformbar ist, sind die Abnutzungserscheinungen spürbar weniger. Hier mal ein Vergleich vom 2er (orange) und vom 3er Modell:

Einmal in neu…

Und einmal nach ca.25 km beim 2er und ca. 50 km beim 3er:

Wie man sehen kann, ist die Sohle des 2ers (orange) ganz schön verlebt, während die des 3ers einfach nur ein bisschen dreckig ist und minimalen Verschleiß zeigt. Und nein, ich habe im Vergleich zum letzten Jahr nicht deutlich abgenommen. 😉

Das Ergebnis all dieser Optimierungen ist ein top-gedämpfter Schuh für Kilometerfresser, die sich dabei absolut wohlfühlen werden – bei einem wirklich sanften Lauferlebnis.

Das mit der Dämpfung versteht sich ja schon von der Optik her von selbst, wobei man nicht die volle Sohle unterm Fuß hat, sondern etwas tiefer im Schuh steht, als es den Anschein von außen hat. Die Schnürung ist angenehm und hält den Schuh gut am Fuß. Die Schnürsenkel halten zuverlässig. Auf ein Schnellschnür-System wurde verzichtet. Da bin ich auch nicht böse drum.

Der Clifton ist ein Straßenschuh, kann aber auch durchaus bei trockenen Verhältnissen mal ins Gelände. Das zeigt sich auch an der vorne hochgezogenen Sohle, die den Zehenbereich vor Unfällen schützt.

Hinten sieht man die leicht asymmetrische Sohlenkonstruktion und den gebogenen Fersenbereich, der ein sanfteres Aufsetzen und Abrollen ermöglicht. Ob man jetzt die Schlaufe da hinten braucht oder nicht, sei mal dahingestellt.

Was der Clifton richtig gut kann, und weshalb ich ihn auch beim Schwarzwald-Marathon getragen habe, sind Höhenmeter. Und zwar vor allem negative Höhenmeter.

Bergauf ist es auch schon ganz angenehm, dass man problemlos auf dem Vor- und Mittelfuß mit hoher Frequenz laufen kann, aber bergab rockt er so richtig. Man kann einfach volle Kanne den Berg runterkesseln und sich ganz auf die Dämpfung verlassen. Da haben einige Mitläufer große Augen gekriegt. 😀

Die technischen Daten

  • Sanfter, früh ansetzender Rocker
  • Stabile Geometrie
  • Gewicht: 215 Gramm (Damen US 7), 245 Gramm (Herren US 10)
  • Leichter, nahtfreier Speedframe Schaft
  • CMEVA Mittelsohle
  • Oversize-Dämpfung: Damen 28 mm Ferse | 23 mm Vorfuß; Herren 29 mm Ferse | 24 mm Vorfuß
  • Natürliche Sprengung 5 mm
  • Vollkontakt EVA/Gummi Laufsohle

Das lass ich jetzt einfach mal so stehen, denn nachmessen kann ich das nicht mangels Labor.

Mein persönliches Fazit zu diesem Schuh:

Er macht richtig Spaß und ist vor allem auf den langen Strecken (ab Halbmarathon und länger) ein guter Begleiter. Beim Nikolauslauf im Dezember wird es etwas von den Witterungsverhältnissen abhängen, ob ich den Clifton 3, den Challenger ATR oder den Brooks Cascadia laufe, denn die Sohle ist meines Erachtens bei Matsch nicht optimal. Bei trockenen Verhältnissen läuft er sich aber gleichermaßen auf Asphalt und befestigten Waldwegen top. Seine größte Stärke sind Strecken mit vielen Höhenmetern.

Während sein Vorgänger im Regal vor sich hinstaubt, wird der Clifton 3 regelmäßig bewegt, bis er auseinander fällt. 🙂

Ob man so viel Dämpfung unter dem Fuß mag, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ebenso ist das Design natürlich Geschmacksache, und da bin ich ein klitzekleines Bisschen enttäuscht. Die früheren Hokas waren knalliger. Dieser Schuh ist für meinen Geschmack sehr dezent. Ich will Flammen und radioaktive Farben!

Transparenz: Dieser Schuh wurde mir von Hoka One One kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Auf meinen Testbericht wurde kein Einfluss genommen und ich habe keine weitere Vergütung erhalten.

 

 

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7 Kommentare zu “Der Hoka One One Clifton 3 – ganz schön geschmeidig!

  1. Klasse und genau geschilderter Test. Ich werde mir den Schuh einmal genauer ansehen. Ich finde die Sohle schon sehr auf Dämpfung ausgelegt, dabei ist man ja zuletzt mehr davon abgewichen. Ich bin gespannt wie der Schuh sich zeigt

    • Danke sehr. Der Schuh ist auf jeden Fall einen Blick wert. Das mit der Dämpfung lässt sich so pauschal nicht sagen. Läufer sind einfach unterschiedlich. Dem einen liegt ein flacher fast ungedämpfter Schuh, und andere brauchen es etwas bequemer. Hängt ja auch nicht zuletzt vom Einsatzzweck ab. Für einen schnellen 10er kann es auch gerne etwas weniger Dämpfung sein.

  2. Moin,
    Ich habe mir die Schuhe vorletzte Woche, im Laufladen meines Vertrauens, gekauft. Viel Erfahrung habe ich nicht, was Laufschuhe angeht. Der Verkäufer hat mir den Schuh, nach Vermessung meiner Füße, empfohlen. In den Laufschuhen fühle ich mich sehr wohl. Die Dämpfung finde ich sehr gut, denn bei mir drücken ca. 20Kg Wohlstandsspeck auf die Gelenke:-(((
    Mit den Höhenmetern, das kann ich nicht beurteilen. Hier wo ich laufe, kann man am Freitag schon sehen, wer Sonntags zum Kaffee kommt. Hier ist die Welt flach wie ein Eierkuchen.
    Die Farbe fand ich erst gewöhnungsbedürftig. Jetzt ist mir das egal, da bin ich auch ziemlich unempfindlich.
    Viele Grüße vom Grünkohläquator.
    Silke

    • Hallo und willkommen auf meinen Blog!
      Mit den Schuhen wirst Du sicherlich auch in der Ebene Spaß haben. Aber wenn Du mal einen Hügel findest, dann teste das unbedingt. 🙂 Und wenn es Spaß macht, sind die 20 kg irgendwann auch weg.

  3. Das Männermodell in orange finde ich sehr geschmeidig. Für mich der schönste Hoka bisher. Bei der Dämpfung muss ich Abstriche machen. Bei hohem Tempo schlug er imemr wieder mal durch.

    • Wow, bist du Schallgeschwindigkeit gelaufen? Das kann ich mir so gar nicht vorstellen, aber wird wohl schon so sein. Männermodel in orange klingt gut. Leider hab ich nur dieses dezente grün bekommen. Na gut, dafür passt es zu fast allen meinen Klamotten und ich will mich ja nicht beschweren. Die inneren Werte stimmen schließlich.

  4. Aufgrund des Hinweises mit dem Bergablaufen habe ich mir das Modell in orange zugelegt und habe es bisher nicht bereut.
    Jetzt macht das Bergablaufen richtig Spass und ich werde icht immer wieder von den Läufern überholt, die ich bergauf hinter mir gelassen habe 🙂

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